Der zweiundzwanzigste Februar 2137 war ein Montag.
Und in dem Zimmer im Erdgeschoss des Ostflügels ging das Fenster nach Norden, und deshalb stand die Sonne an diesem Nachmittag zu keiner Stunde darin.
Draußen waren sechs Grad, und im Hof lag der Frost nur noch an der Nordseite des Brunnens.
Und der Raum lag am Ende des kurzen Gangs und hatte eine Tür, ein Fenster auf den Hof und vier Stühle.
Drei standen um den niedrigen Tisch, und der vierte stand an der Wand, und Han Da hatte ihn im Januar höher gemacht und nicht gefragt, für wen.
Und er hatte ihn dorthin gestellt, wo er niemandem im Weg war, und er hatte ihn seitdem nicht wieder angefasst.
Auf dem Tisch standen drei Becher, und die Kanne hatte Xuan Ling um 13:50 gebracht.
Und Song Meifeng hatte um 15:42 in die beiden leeren Becher eingeschenkt, und danach waren alle drei voll gewesen, und einer war es um diese Zeit noch.
Sie hatte die Kanne danach auf das Brett gestellt, und niemand hatte sie wieder aufgenommen.
Und Shen Zhaoxi war allein gekommen.
Sie war selbst gefahren, und vor dem Tor hatte niemand aus ihrem Haus gestanden, und im Hof hatte niemand auf sie gewartet.
Und es war niemand mitgekommen, der für sie hätte sprechen können, und es war auch niemand mitgekommen, der es hinterher berichtet hätte.
Und es war das erste Mal seit dem September zweitausendeinhundertvierunddreißig, dass sie ohne Anmeldung gekommen war.
Sie hatte in Fujian gesagt, sie fahre nach Songjiang, und sie hatte gesagt, wie lange sie bleibe, und mehr hatte sie nicht gesagt.
An der Nordwand des Raums stand ein Bord mit vier Fächern, und in dreien lagen Bücher, und im vierten lag seit Dezember ein Stück Kreide, das niemand wegräumte, weil es niemandem gehörte.
Tang Shu hatte an diesem Nachmittag bis dahin wenig gesagt.
Und sie saß mit dem Rücken zur Westwand, und sie saß seit 13:58 so, und sie war im neunten Monat, und der Termin lag im März.
Sie hatte den Rücken an der Lehne und die Füße nebeneinander, und sie hatte sich in dieser Stunde einmal anders hingesetzt und danach nicht mehr.
Und sie hatte eine Stunde und siebenundvierzig Minuten zugehört, und sie hatte in dieser Zeit nichts in der Hand gehabt.
Sie hatte nicht geschrieben, sie hatte nicht nachgefragt, und sie hatte den Kopf zweimal bewegt, und beide Male, weil jemand anders etwas gesagt hatte. Wer zuhört und dabei nichts tut, hat entweder nichts vor oder viel.
Ihre erste Frage stellte sie um 15:45.
„Fräulein Shen.“
„Frau Tang?“
„Er hat Ihnen vor einem Jahr drei Gründe genannt“, sagte Tang Shu.
Zhaoxi sah auf.
„Dankbarkeit, Neugier und Intensität.“
„Ja.“
„Frau Tang, das war am einunddreißigsten Januar zweitausendeinhundertsechsunddreißig“, sagte sie. „Im Hof.“
„Ich weiß, wo es war.“
„Und?“
„Das ist ein Jahr und zweiundzwanzig Tage her“, sagte Tang Shu.
Und Meifeng saß auf dem Stuhl an der Fensterseite und sagte nichts.
Sie hatte ihres gesagt, und sie hatte es vorhin gesagt, und sie sagte es nicht noch einmal.
Und wer seinen Segen zweimal gibt, gibt beim zweiten Mal etwas anderes, und Meifeng wusste das.
„Fräulein Shen, ich habe einen vierten.“
Zhaoxi legte die Hände auf die Knie.
„Nennen Sie ihn“, sagte sie.
„Er ist amtlich SS-neun.“
„Ja.“
„Er ist der Herr eines Clans, in dem dreihundertsechsundzwanzig Menschen leben.“
„Ja.“
„Und seit Japan steht sein Name vorn, wenn in diesem Land irgendwo etwas aufgeht“, sagte Tang Shu.
Es blieb einen Moment still im Raum.
„Frau Tang, fragen Sie.“
„Lieben Sie ihn oder das.“
„Ihn.“
Und sie sagte es sofort, und danach blieb es zwei Sekunden still, und dann hob sie die Hand vom Knie.
„Frau Tang, ich nehme es zurück“, sagte sie.
„Warum?“
„Weil es zu schnell war.“
„Und?“
„Weil es damit nicht stimmt“, sagte Zhaoxi.
Tang Shu wartete.
Und sie wartete lange genug, dass Meifeng den Becher absetzte, und danach wartete sie weiter.
Und es war die Art von Warten, in der ein Mensch entweder etwas hinzufügt oder das Gesagte stehen lässt, und Zhaoxi fügte etwas hinzu.
„Frau Tang, ich kann die beiden nicht auseinandernehmen.“
„Nein?“
„Nein“, sagte Zhaoxi. „Ich bin im September zweitausendeinhundertvierunddreißig nach Songjiang gefahren, weil unser Wächter den Kopf gehoben hat. Ich wäre nicht gefahren, wenn er ein anderer gewesen wäre.“
„Also ja.“
„Nein“, sagte Zhaoxi. „Das ist der Weg hierher. Und der Weg hierher ist nicht der Grund zu bleiben.“
„Dann sagen Sie mir den Unterschied.“
Zhaoxi sah auf ihre eigenen Hände.
„Frau Tang, ich habe es gezählt“, sagte sie.
„Was?“
„Ich bin seit dem Februar zweitausendeinhundertsechsunddreißig elfmal hergekommen.“
„Und?“
„Viermal davon hatte ich nichts dabei“, sagte sie.
„Welche vier?“
„Der neunte Februar, der einundzwanzigste April, der zweite September und der vierzehnte Dezember“, sagte Zhaoxi.
„Und Sie wissen sie auswendig.“
„Ja.“
„Und die anderen sieben?“
„Die stehen in meinem Fahrtenbuch“, sagte sie. „Diese vier stehen nicht darin, weil ich für sie keinen Zweck hatte, den ich hätte hineinschreiben können.“
„Nichts?“
„Keine Seiten, keine Messungen, kein Blatt.“
„Und was haben Sie den Leuten in Fujian gesagt, warum Sie fahren?“
„Nichts“, sagte Zhaoxi.
„Fräulein Shen, was hat Ihnen wie bisher gebracht?“
Zhaoxi antwortete nicht sofort.
„Ein Jahr“, sagte sie.
„Und?“
„Ich habe es nicht bereut, und ich will es nicht noch einmal“, sagte Zhaoxi. „Wie bisher heißt, dass niemand etwas falsch macht. Und das ist im ersten Monat eine Erleichterung und im zwölften keine Auskunft.“
„Das reicht mir“, sagte Meifeng.
Und Tang Shu sah sie nicht an.
„Mir nicht“, sagte sie.
Und Meifeng nahm den Becher wieder auf und trank und stellte sie zurück und sagte dazu nichts weiter.
Sie widersprach nicht, und sie half auch nicht nach, und sie saß danach genauso da wie vorher.
Es waren zwei Frauen im Raum, die nicht dasselbe fragten, und keine von beiden nahm das der anderen übel.
„Fräulein Shen, ich frage es anders.“
„Frau Tang.“
„Wenn er morgen früh nicht mehr SS-neun wäre“, sagte Tang Shu. „Wenn eine Stelle in Shanghai eine Zahl streicht und eine andere hinschreibt.“
„Dann fahre ich am Mittwoch trotzdem an den Vorhang.“
„Und wenn er nicht mehr der Herr dieses Clans wäre?“
Zhaoxi antwortete nicht sofort.
„Dann wären dreihundertsechsundzwanzig Menschen ein Problem, das jemand anders hat“, sagte sie. „Und er wäre einer, der zusieht. Ich weiß nicht, ob er das könnte.“
„Ich auch nicht“, sagte Tang Shu.
„Frau Tang, ist das eine Antwort?“
„Es ist die erste ehrliche.“
„Und?“
„Die davor war schneller“, sagte Tang Shu.
Und das Licht im Hof stand um 16:12 eine Handbreit weiter an der Westmauer als um 15:45.
Und niemand machte das Fenster auf, weil draußen sechs Grad standen und im Raum keiner fror.
Im Hof unten ging jemand zweimal an der Halle vorbei, und beide Male war es nicht der, an den drei Frauen in diesem Raum gerade dachten.
„Frau Tang.“
„Fräulein Shen?“
„Wer hat Ihnen diese Frage gestellt?“, sagte Zhaoxi.
Und Tang Shu antwortete nicht.
Und es blieb still, und die Stille dauerte, und dann sagte Meifeng ein Wort.
„Ich.“
Zhaoxi sah zur Fensterseite.
„Frau Song.“
„Und es waren auch drei“, sagte Meifeng.
„Was hat sie geantwortet?“
„Fragen Sie sie.“
„Frau Tang?“
„Ich habe geantwortet“, sagte Tang Shu. „Und ich habe nicht gefragt, ob ich muss.“
„Und die zweite war zu hart“, sagte Meifeng.
Tang Shu sah jetzt hinüber.
„Sie war nötig“, sagte sie.
Und Meifeng sagte an dieser Stelle etwas, das keine Frage war.
„Fräulein Shen, ich habe Ihnen vorhin ja gesagt.“
„Ja.“
„Und ich habe es unter einer Sache gesagt“, sagte Meifeng. „Dass Sie es selbst wollen. Das prüfe ich nicht nach, und ich kann es auch nicht, und wer es nachprüft, hat es damit schon kaputt gemacht.“
„Frau Song, und was macht Frau Tang gerade?“
„Sie fragt“, sagte Meifeng.
„Und ist das etwas anderes?“
„Ja“, sagte Meifeng. „Und ich sage Ihnen nicht, dass es leichter ist.“
„Sie war zu hart, und sie war nötig“, sagte Meifeng. „Beides steht.“
Und Zhaoxi schrieb sich das nicht auf, obwohl sie ein Heft dabeihatte, und sie machte die Tasche auch nicht auf.
Sie hatte in zwei Jahren fast nichts getan, ohne es hinterher aufzuschreiben, und an diesem Nachmittag schrieb sie nichts, und das war ihre eigene Entscheidung und keine Bitte von jemandem.
Und um 16:25 kam Tang Shu zur zweiten.
„Fräulein Shen, wie viele Wächterfamilien gibt es?“
„Vier.“
„Und seit wann haben die vier einen gemeinsamen Meldekanal?“
„Seit dem zwanzigsten Oktober zweitausendeinhundertvierunddreißig“, sagte Zhaoxi.
„Und was wäre eine Verbindung zwischen Ihrem Haus und diesem hier für die anderen drei?“
Zhaoxi antwortete nicht sofort.
„Etwas, das sie nicht haben“, sagte sie.
„Und für Ihres?“
„Mehr.“
„Wie viel mehr?“
„Frau Tang, dafür habe ich keine Zahl“, sagte Zhaoxi. „Und wer dafür eine Zahl hat, lügt.“
„Fräulein Shen, was schreibt Ihr Haus im Jahr?“
„Sechs Meldungen an die anderen drei.“
„Und seit dem zwanzigsten Oktober?“
„Seit dem zwanzigsten Oktober steht unter jeder eine Zeile, in der steht, was wir nicht gemeldet haben“, sagte Zhaoxi.
„Und wenn dieses Haus hier in Ihren Meldungen stünde?“
„Dann wäre die letzte Zeile kürzer.“
„Und?“
„Die anderen drei würden es an der Länge merken“, sagte Zhaoxi. „Man muss nichts lesen, um zu sehen, dass etwas weniger geworden ist.“
„Hat es in Ihrem Haus jemand ausgesprochen?“
Und da wurde es das erste Mal an diesem Nachmittag langsam.
Es war nicht die Frage, die es langsam machte, sondern dass die Antwort schon fertig war und trotzdem gesagt werden musste.
Zhaoxi sah auf ihre eigenen Hände.
„Ja“, sagte sie.
„Wer?“
„Mein Vater.“
„Wann?“
„Im November“, sagte Zhaoxi.
„Was hat er gesagt?“
„Dass es dem Haus nicht schadet.“
„Und?“
„Er hat es zweimal gesagt“, sagte sie.
„Was haben Sie damit gemacht?“
„Ich habe es aufgeschrieben und den Zettel behalten“, sagte Zhaoxi.
„Warum behalten?“
„Weil ich wissen wollte, ob es mich beim zweiten Lesen anders anfasst als beim ersten.“
„Und?“
„Beim vierten hat es aufgehört, mich anzufassen“, sagte sie. „Und das war schlimmer.“
Meifeng stellte den Becher ab.
„Shu.“
„Meifeng.“
„Das ist ihre Familie“, sagte Meifeng.
„Ja“, sagte Tang Shu.
„Und Sie fragen trotzdem.“
„Ja.“
„Frau Song, ich antworte“, sagte Zhaoxi.
„Ich weiß“, sagte Meifeng. „Ich habe nicht gesagt, dass Sie nicht sollen.“
„Und?“
„Ich hätte es an dieser Stelle stehen lassen“, sagte Meifeng.
Und Tang Shu ließ es nicht stehen.
„Hat Ihr Vater Sie geschickt?“
„Nein.“
„Hat es Ihnen jemand aus Ihrem Haus gesagt, dass Sie herfahren sollen?“
„Nein“, sagte Zhaoxi.
„Hat es Ihnen jemand verboten?“
„Nein.“
„Weiß irgendjemand in Fujian, was Sie heute hier sagen?“
„Nein“, sagte Zhaoxi. „In Fujian steht, dass ich in Songjiang bin.“
„Und mehr steht da nicht?“
„Mehr steht da nicht.“
„Seit wann?“
„Seit Freitag“, sagte sie.
Und Tang Shu fragte die nächste, und sie fragte sie ohne Vorlauf.
„Wenn Sie heute mit einem Nein zurückfahren — was fragt Ihr Haus?“
Zhaoxi sagte etwa fünf Sekunden lang nichts.
„Ob ich es richtig gemacht habe.“
„Und wenn Sie mit einem Ja zurückfahren?“
„Dann fragt niemand etwas“, sagte sie.
Es blieb einen Moment still im Raum.
„Das ist die unangenehmste“, sagte Tang Shu.
„Ja.“
„Und Sie haben sie beantwortet.“
„Ja“, sagte Zhaoxi.
Und Tang Shu legte die Hände auf die Armlehnen und ließ sie da.
„Fräulein Shen, vier Häuser halten in diesem Land etwas, das keines von ihnen allein hält.“
„Ja.“
„Und ein Haus, das etwas halten muss, braucht dafür manchmal einen Menschen.“
Zhaoxi sah auf ihre eigenen Hände.
„Ja“, sagte sie.
„Und ich sage nicht, dass das so sein muss.“
„Frau Tang.“
„Und ich rede darüber heute nicht zu Ende“, sagte Tang Shu.
Danach sagte Zhaoxi den Satz, für den sie hergefahren war.
Und sie sagte ihn nicht schnell, und sie sagte ihn in zwei Teilen, und der zweite Teil war der, auf den es ankam.
Sie hatte ihn im Wagen zweimal laut gesagt, und beim zweiten Mal hatte sie ihn kürzer gemacht, und so sagte sie ihn jetzt.
„Ich bleibe eine Shen“, sagte sie.
„Ja.“
„Und der Ewige Dao bekommt dadurch nichts und schuldet dadurch nichts.“
„Sagen Sie das genauer.“
„Frau Tang, ich sage es in vier Stücken.“
„Sagen Sie sie.“
„Erstens: Der Meldekanal der vier bleibt der Meldekanal der vier“, sagte Zhaoxi. „Dieses Haus steht nicht darin, und ich trage nichts hinein, was hier gesagt wird.“
„Zweitens: Der Wächter in Fujian antwortet auf eine Signatur und nicht auf einen Namen. Daran ändert sich nichts, und ich verspreche nichts, was ihn betrifft.“
„Und drittens?“
„Drittens: Meine Arbeit gehört meinem Haus, solange mein Haus sie bezahlt“, sagte Zhaoxi. „Und was ich hier arbeite, gehört diesem hier. Das ist seit zwei Jahren so, und ich lasse es so.“
„Und viertens?“
Zhaoxi sah auf.
„Viertens: Wenn mein Haus daraus etwas ableitet, halte ich es auf“, sagte sie. „Und nicht Sie.“
„Warum nicht wir?“
„Weil ein Nein von Ihnen der Anfang von etwas wäre“, sagte Zhaoxi. „Und ein Nein von mir ist das Ende.“
Es blieb einen Moment still im Raum.
„Und wenn Sie es nicht aufhalten können?“
„Dann steht es zwischen mir und meinem Vater.“
„Und nicht zwischen zwei Häusern?“
„Nein“, sagte Zhaoxi.
Und Meifeng sagte an dieser Stelle etwas, und sie sagte es zu Zhaoxi und nicht zu Tang Shu.
„Fräulein Shen, das ist teuer.“
„Ja.“
„Und ich frage Sie nicht, ob Sie das durchhalten“, sagte Meifeng. „Das entscheidet sich nicht heute.“
Tang Shu stand um 16:53 auf.
Und sie stand mit der linken Hand auf der Armlehne auf, und es dauerte, und niemand fasste sie an.
Meifeng sah dabei zum Fenster, und sie tat es nicht aus Höflichkeit, sondern weil sie es seit dem Januar so machte.
Zhaoxi stand mit auf.
„Frau Tang, wir können das an einem anderen Tag zu Ende führen.“
„Nein.“
„Sie stehen.“
„Ich stehe, weil ich drei Stunden gesessen habe“, sagte Tang Shu. „Nicht, weil wir aufhören.“
„Und im neunten Monat —“
„Fräulein Shen.“
„Frau Tang?“
„Ich bin im neunten Monat, und ich bin nicht krank“, sagte Tang Shu. „Und ich arbeite seit Dezember jeden Tag.“
Und Zhaoxi setzte sich wieder hin.
Und sie sagte dazu nichts mehr, und sie machte auch später keine zweite Bemerkung dieser Art.
Sie hatte in zwei Jahren gelernt, dass in diesem Haus eine Antwort das Ende einer Sache ist und keine Einladung, sie noch einmal freundlicher zu sagen.
„Wollen Sie hinausgehen?“, sagte Meifeng.
„Nein.“
„Sie sind seit drei Stunden in einem Raum.“
„Ich weiß, wie lange ich in einem Raum bin“, sagte Tang Shu. „Und ich gehe morgens um sieben durch die Halle, und ich gehe abends noch einmal, und dazwischen sitze ich, und das ist seit Dezember so.“
Und Meifeng holte den vierten Stuhl von der Wand.
Sie holte ihn, ohne zu fragen, und sie stellte ihn an die Stelle, an der der andere gestanden hatte, und sie trug den anderen an die Wand.
„Der ist höher“, sagte Tang Shu.
„Ja.“
„Und Han Da hat ihn im Januar höher gemacht.“
„Ich weiß“, sagte Meifeng.
Tang Shu setzte sich darauf.
Und sie setzte sich langsamer als vorhin, und danach saß sie gerade, und sie sagte dazu weiter nichts.
Der höhere Stuhl hatte keine Armlehnen, und sie legte die Hände deshalb auf die Knie, und von da an saß sie so wie Zhaoxi.
Und Zhaoxi schenkte nach.
Sie schenkte in Meifengs Becher und in ihren eigenen, und der dritte war voll, und sie ließ ihn voll.
Und sie fragte nicht, ob sie nachschenken solle, und sie sah dabei niemanden an, und das war das Höflichste, was an diesem Nachmittag jemand tat.
Und um 17:12 kam Tang Shu zur dritten.
„Fräulein Shen, ich nehme Ihnen jetzt alles weg.“
„Frau Tang.“
„Nehmen Sie es hin, bis ich fertig bin“, sagte Tang Shu.
„Kein Rang. Sie werden durch ihn nicht höher und nicht sichtbarer.“
„Ja.“
„Kein Zugang. Kein Blatt, das Ihnen sonst keiner gibt, und keine Tür, die für andere zu ist.“
„Ja.“
„Kein Schutz. Wenn in Fujian etwas aufgeht, geht er hin oder er geht nicht hin, und das entscheidet er wie bei jedem anderen Ort.“
„Ja.“
„Und keinen Namen“, sagte Tang Shu. „Sie heißen weiter Shen, und in keiner Akte steht etwas anderes.“
Zhaoxi sah sie an.
„Und was bleibt?“, sagte sie.
„Der Mann. Die Arbeit. Und eine Familie, die schon da ist“, sagte Tang Shu.
„Fräulein Shen, wissen Sie, was hier ein Montag ist?“
„Nein.“
„Vier Leute halten die Punkte, und sie werden alle acht Stunden abgelöst, und an der Innentür hängen zwölf Namen“, sagte Tang Shu. „Und keiner der zwölf hat je etwas gemessen.“
„Und am langen Tisch?“
„Am langen Tisch sitzen abends zwanzig und mehr, und im Sommer sitzen dort dreißig“, sagte Tang Shu. „Und keiner fragt Sie nach dem Vorhang.“
„Und wonach fragen sie?“
„Ob Sie noch Reis wollen“, sagte Tang Shu. „Und beim zweiten Mal fragen sie nicht mehr, sondern legen ihn hin.“
„Wie viele sind das?“
„Zwei Frauen und ein Kind“, sagte Tang Shu. „Und im März ein zweites.“
Es blieb einen Moment still im Raum.
„Fräulein Shen, was wählen Sie.“
Zhaoxi antwortete nicht sofort.
Und sie antwortete auch nicht nach zehn Sekunden, und Meifeng sagte in dieser Zeit nichts, und Tang Shu ebenfalls nicht.
Im Hof unten wurde eine Tür zugemacht, und danach war es wieder so still wie vorher, und niemand im Raum nahm das zum Anlass, etwas zu sagen.
„Ich habe es mir vorgestellt“, sagte Zhaoxi. „Am siebzehnten Februar, abends, und ich habe es aufgeschrieben und danach zerrissen, weil es sich beim Lesen besser angehört hat als beim Denken.“
„Und was stand darauf?“
„Dass ich es nehme.“
„Und was denken Sie?“
„Dasselbe“, sagte Zhaoxi. „Und langsamer.“
„Und was heißt langsamer?“
„Dass ich weiß, was ich mir dabei einhandle“, sagte sie. „Ich habe keinen Platz in diesem Haus, ich kenne die dreihundertsechsundzwanzig nicht, und ich weiß nicht, wo hier abends das Geschirr steht.“
„Fräulein Shen, ich habe nach dem Mann gefragt.“
„Ich komme dahin.“
„Kommen Sie hin“, sagte Tang Shu.
„Ich fahre seit zwei Jahren und fünf Monaten hierher“, sagte Zhaoxi. „Und ich habe an vier von elf Fahrten nichts mitgebracht, und die vier waren die, an die ich mich erinnere.“
„Und wenn es nie eine Ehe gibt?“
„Dann gibt es keine.“
„Und wenn Sie fünfzehn Jahre lang alle sechs Wochen herfahren und nichts davon einen Namen bekommt?“
Zhaoxi sah auf ihre eigenen Hände.
„Dann fahre ich alle sechs Wochen her“, sagte sie.
„Und wenn er nein sagt?“
„Dann fahre ich auch.“
„Warum?“
„Weil der Vorhang in Fujian steht und nicht in meinem Zimmer“, sagte Zhaoxi.
„Fräulein Shen, das ist die Arbeit.“
„Ja.“
„Und der Mann?“
„Dann fahre ich her und weiß, dass er nein gesagt hat“, sagte sie. „Und das ist schlechter, und es ist nicht das Ende von etwas.“
Danach rutschte sie ab.
Und sie merkte es selbst, und sie sagte es trotzdem zu Ende, weil sie es sich am Vortag zurechtgelegt hatte.
Wer sich einen Satz zurechtlegt, sagt ihn auch dann noch, wenn er im Sagen schon merkt, dass er nicht hierhergehört.
„Frau Tang, ich weiß, dass ich nach Ihnen beiden käme.“
„Fräulein Shen“, sagte Meifeng.
Zhaoxi sah zur Fensterseite.
„Frau Song?“
„In diesem Haus gibt es keine Reihenfolge“, sagte Meifeng.
„Und die Zeremonie damals?“
„Die war eine Zeremonie“, sagte Meifeng. „Und eine Zeremonie hat eine Reihenfolge, und ein Haus hat keine.“
Tang Shu sagte dazu nichts.
Und sie sagte auch nicht, dass sie es genauso sehe, und sie sah Zhaoxi weiter an.
„Noch etwas“, sagte Meifeng. „Sie bieten uns gerade an, weniger zu verlangen, als Ihnen zusteht.“
„Frau Song.“
„Das ist keine Sache, die Sie uns anbieten“, sagte Meifeng.
Zhaoxi nahm die Hände von den Knien.
„Dann streiche ich es“, sagte sie.
Um 17:39 sagte Tang Shu einen Satz, der eine Bedingung war.
„Fräulein Shen, wenn Sie herkommen, dann kommen Sie ohne —“
„Shu.“
Tang Shu hielt an.
„Das ist eine Bedingung“, sagte Meifeng.
Es blieb zwei Sekunden still.
„Ja“, sagte Tang Shu.
„Und?“
„Ich streiche sie“, sagte Tang Shu.
Zhaoxi sah von einer zur anderen.
„Frau Tang, ich hätte sie angenommen.“
„Ich weiß“, sagte Tang Shu. „Deshalb streiche ich sie.“
Und im Hof stand um 17:43 kein Licht mehr an der Westmauer.
Und im Hof unten lag auf der dritten Stufe ein abgeschliffenes Stück Holz, kürzer als eine Hand, und Gu Lin Aelir hatte es dort seit dem Vormittag liegen lassen.
Er war seit halb drei im Ostflügel bei Xuan Ling, und niemand hatte ihn geholt, und niemand hatte ihn weggebracht.
„Fräulein Shen.“
„Frau Tang?“
„Ich habe Ihnen drei Fragen gestellt.“
„Ja.“
„Und Sie haben drei beantwortet“, sagte Tang Shu.
„Und?“
„Ich habe keine vierte.“
Zhaoxi saß still.
„Frau Tang, sagen Sie es.“
„Sie haben meinen Segen“, sagte Tang Shu.
Und sie sagte es nicht lauter als die Sätze davor, und sie sagte es einmal.
„Frau Tang, ich habe damit gerechnet, dass Sie etwas verlangen.“
„Ich weiß.“
„Und was hätten Sie mir gegeben?“
Zhaoxi sah auf.
„Alles, was Sie verlangt hätten“, sagte sie.
„Ja“, sagte Tang Shu. „Und deshalb verlange ich nichts.“
„Woran ist er gebunden?“
„An nichts.“
„An gar nichts?“
„An gar nichts“, sagte Tang Shu.
„Und wenn ich es mir im März anders überlege?“
„Dann haben Sie ihn trotzdem.“
„Und wenn Sie es sich anders überlegen?“
„Dann hätte ich ihn heute nicht geben dürfen“, sagte Tang Shu.
Es blieb einen Moment still im Raum.
„Frau Tang, Sie haben zwei Stunden lang gefragt.“
„Ja.“
„Und ich habe die ganze Zeit gedacht, Sie wollen es verhindern“, sagte Zhaoxi.
„Nein.“
„Und?“
„Und ich habe gefragt, um es zu wissen“, sagte Tang Shu. „Wer fragt, um zu verhindern, hört bei der ersten Antwort auf.“
Und Meifeng stand auf und schob den Vorhang am Fenster halb zu, weil im Hof jetzt die Lampe brannte.
Sie setzte sich danach nicht wieder hin, sondern blieb am Fenster stehen.
„Fräulein Shen“, sagte Tang Shu. „Es fehlt eine Sache.“
„Ich weiß, welche.“
„Sagen Sie sie.“
„Er weiß von nichts“, sagte Zhaoxi.
„Er ist seit heute früh in Shanghai.“
„Ja.“
„Und er kommt am Abend zurück, und niemand hat ihm etwas geschrieben“, sagte Tang Shu.
„Sagen Sie es ihm?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil es dann von mir käme“, sagte Tang Shu.
„Und wenn ich Sie darum bitte?“
„Dann nein“, sagte Tang Shu.
Zhaoxi sah auf ihre eigenen Hände.
„Frau Tang, das ist der schwerste Teil.“
„Ja“, sagte Tang Shu.
Und dann sagte Tang Shu den Satz, wegen dem sie die drei Fragen überhaupt hatte stellen dürfen.
„Wir können Ihnen etwas geben. Und zusagen können wir Ihnen nichts.“
„Was heißt das?“
„Zwei Frauen in diesem Raum sagen Ihnen ja“, sagte Tang Shu. „Und über seine Liebe entscheidet er.“
„Und Sie?“
„Und ich habe darüber nichts zu sagen“, sagte Tang Shu. „Auch nicht als seine Frau.“
„Frau Song?“
Meifeng drehte sich nicht vom Fenster weg.
„Dasselbe“, sagte sie.
Es blieb einen Moment still im Raum.
„Und wenn er nein sagt?“
„Dann hat er nein gesagt“, sagte Tang Shu. „Und dann ist es nein, und niemand redet ihm zu, und ich am wenigsten.“
„Und wenn er ja sagt?“
„Dann hat er ja gesagt.“
„Und dann?“
„Und dann sitzen Sie irgendwann an einem Tisch, an dem viele Leute sitzen“, sagte Tang Shu.
Zhaoxi stand um 18:07 auf.
Und sie nahm ihre Tasche vom Boden und machte sie nicht auf, und das Heft blieb darin, und sie hatte an diesem Nachmittag nichts geschrieben.
Sie stand dabei gerade, und sie hatte die Tasche in der linken Hand, und sie sah die beiden Frauen an und nicht die Tür.
„Frau Tang.“
„Fräulein Shen?“
„Wann soll ich mit ihm reden?“
„Das ist Ihre Sache“, sagte Tang Shu.
„Und wenn ich drei Wochen warte?“
„Dann warten Sie drei Wochen.“
„Und wenn ich am Mittwoch fahre?“
„Dann fahren Sie am Mittwoch“, sagte Tang Shu. „Ich habe Ihnen keine Uhrzeit zu geben.“
Meifeng ging mit ihr bis zur Tür und nicht weiter.
Und Zhaoxi ging allein den Gang hinunter, so wie sie ihn heraufgekommen war, und im Hof stand ihr Wagen an derselben Stelle wie im Oktober zweitausendeinhundertvierunddreißig.
Es brachte sie niemand zum Tor, und das war an diesem Tag keine Unhöflichkeit, sondern die Auskunft darüber, wer sie hergefahren hatte.
Tang Shu blieb auf dem höheren Stuhl sitzen.
Und sie stand nicht auf, als der Wagen unten anfuhr, und sie sah auch nicht aus dem Fenster.
„Shu.“
„Meifeng.“
„Die zweite war zu hart“, sagte Meifeng.
„Ich weiß.“
„Und?“
„Und ich habe sie gestellt“, sagte Tang Shu.
Und Meifeng nahm die drei Becher vom Tisch.
Zwei waren leer, und der dritte war voll, und er war seit 15:42 voll gewesen und war kalt.
Und sie hob ihn an und stellte ihn wieder hin, und sie sagte dazu zunächst nichts.
„Sie haben nichts getrunken“, sagte Meifeng.
„Nein.“
„Und?“
„Und ich habe zwei Stunden geredet“, sagte Tang Shu.
Meifeng stellte den vollen Becher zurück auf den Tisch und die beiden leeren auf das Brett.
Und sie nahm die beiden später mit und den nicht.
Und Tang Shu blieb noch eine Weile sitzen, nachdem die zwei leeren Becher weggeräumt waren.
Sie saß auf dem höheren Stuhl, und sie saß gerade, und sie hatte in zwei Stunden und zweiundzwanzig Minuten drei Fragen gestellt und dreimal weitergefragt, wo eine Antwort gereicht hätte. Und sie hatte am Ende nichts in der Hand, was ihr gehörte, und das war der Sinn der Sache gewesen.
Unten im Hof lag das Stück Holz noch auf der dritten Stufe.
Und es lag dort bis zum Abend, und dann holte es jemand herein, und es war nicht Tang Shu.
Im Ostflügel brannte um 19:00 Licht, und am langen Tisch saßen an diesem Montag vierundzwanzig, und außer zweien wusste keiner von ihnen, was an diesem Nachmittag in dem Zimmer im Erdgeschoss des Ostflügels gesagt worden war.