Der zweiundzwanzigste Februar 2137 war ein Montag.
Und in Songjiang hatte es in der Nacht geregnet und um sechs aufgehört, und der Hof trocknete von der Mitte her und an den Rändern nicht.
Vor dem Ostflügel stand bis zum Mittag ein Streifen Wasser, und niemand kehrte ihn weg.
Shen Zhaoxi war seit dem fünfzehnten da.
Sie arbeitete am Fujian-Vorhang, und sie hatte am siebzehnten und am achtzehnten Messungen wiederholt, und beide Male hatten die Werte gestimmt.
Und sie hatte in zwei Jahren nie eine Messung wiederholt, die gestimmt hatte.
Am siebzehnten hatte sie eine Reihe zweimal abgelesen und am achtzehnten dieselbe Reihe dreimal.
Und Fräulein Luo hatte am achtzehnten daneben gestanden und nichts dazu gesagt, bis Zhaoxi es selbst sagte.
„Es liegt nicht am Gerät“, hatte Zhaoxi gesagt.
„Nein“, hatte Fräulein Luo gesagt. „Und für das, woran es liegt, habe ich keine Grundlinie.“
Und dann hatte sie etwas gesagt, das kein Messwert war.
Reden Sie mit den Menschen, um die es geht.
Sie hatte nicht dazugesagt, mit welchem zuerst.
Und sie hatte auch nicht gesagt, dass es einer sein müsse, und sie hatte danach das Gerät zugeklappt und war gegangen.
Am Freitag, dem neunzehnten, schrieb sie um 21:40 eine Zeile auf ein Blatt.
Ich bitte um ein Gespräch.
Und sie schickte sie nicht.
Sie schickte sie nicht, weil in der Zeile nicht stand, mit wem.
Und sie wusste, mit wem, und sie schrieb es nicht hin, und das war der Grund.
Am Samstag sagte sie es stattdessen.
Um 16:12 kam ihr Song Meifeng auf dem Weg zur Halle entgegen, und Zhaoxi blieb stehen, und das war das Erste an diesem Wochenende, das von ihr ausging.
„Frau Song.“
„Fräulein Shen?“
„Ich möchte mit Ihnen sprechen“, sagte Zhaoxi. „Und mit Frau Tang.“
„Mit uns beiden.“
„Ja.“
„Zusammen oder nacheinander?“
„Zusammen“, sagte Zhaoxi.
Und Meifeng fragte nicht, worum es ging.
Sie fragte auch nicht, ob es eilig sei, und sie sah nicht auf die Uhr, und sie ging nicht weiter.
„Ich antworte für mich“, sagte Meifeng.
„Und für Frau Tang?“
„Nicht.“
„Nein“, sagte Zhaoxi.
„Ich frage sie heute Abend.“
„Danke.“
„Und wenn sie nein sagt, sage ich Ihnen, dass sie nein gesagt hat“, sagte Meifeng. „Und nicht, warum.“
Es dauerte drei Minuten, und in diesen drei Minuten gingen zwei Leute an ihnen vorbei, und keiner von beiden blieb stehen.
Und danach ging Meifeng in die Halle und Zhaoxi in die Messkammer zurück, und sie schrieb an diesem Abend in keines ihrer beiden Hefte etwas hinein.
Am Sonntag um 09:20 kam Meifeng selbst und blieb dabei in der Tür stehen.
Und sie sagte drei Sätze.
„Morgen um vierzehn Uhr.“
„Ja.“
„Frau Tang sucht den Raum aus“, sagte Meifeng und ging wieder.
Zwischen der Bitte und dem Termin lagen zwei Tage.
Und Zhaoxi arbeitete an beiden, und am Sonntagnachmittag las sie eine Reihe zum vierten Mal ab, obwohl sie beim ersten Mal gestimmt hatte.
Die beiden aus ihrem Haus waren am neunzehnten mit den Behältern nach Fujian zurückgefahren.
Und sie war seit dem ersten Oktober 2134 nie ohne mindestens einen von ihnen hierhergekommen, und an diesem Montag war sie es.
In Fujian wusste an diesem Montag niemand, dass sie um vierzehn Uhr in einem Zimmer saß.
Und sie hatte es niemandem geschrieben, und sie hatte es auch nicht vergessen.
Wer sie sonst fuhr, war am Freitag mit den Behältern mitgefahren, und an diesem Montag ging sie den Weg vom Gästezimmer im Westflügel zum Ostflügel allein.
Sie hatte seit dem Oktober 2134 zwei Hefte.
Und in das eine schrieb sie, was in den Bericht ging, und in das andere den Rest.
An diesem Montag nahm sie keines von beiden mit.
Der Raum lag im Erdgeschoss des Ostflügels, am Ende des kurzen Gangs, und Zhaoxi war in zwei Jahren viermal daran vorbeigegangen und nie hineingegangen.
Und er hatte eine Tür, ein Fenster auf den Hof, drei Stühle, einen vierten mit höherer Sitzfläche an der Wand und einen niedrigen Tisch, und auf dem Tisch standen eine Kanne und drei Becher.
Der Empfangsraum im selben Flügel hatte zwei Türen und acht Stühle, und er war seit dem Vormittag geheizt und blieb an diesem Nachmittag leer.
Xuan Ling hatte die Kanne um 13:50 gebracht.
Und sie stellte sie hin, schob den dritten Stuhl eine Handbreit vom Tisch weg und ging, und sie kam nicht wieder.
Zhaoxi kam um 13:52 und war die Erste.
Und sie setzte sich nicht sofort, und sie stand etwa zwei Minuten am Fenster, und im Hof lag nichts als Wasser, das ablief.
Tang Shu kam um 13:58.
Und sie ging an der Wand, und sie setzte sich langsam und mit der linken Hand auf der Lehne, und danach saß sie gerade.
Zhaoxi stand dabei auf und blieb stehen, bis Tang Shu saß, und sie ging dabei nicht auf sie zu und hielt ihr nichts hin.
Song Meifeng kam um 14:00 und machte die Tür zu.
Und sie machte sie ganz zu und nicht angelehnt, und dann setzte sie sich auf den Stuhl, der näher an der Tür stand.
„Shu.“
„Meifeng.“
Zhaoxi hörte es.
Zwei Frauen, die einander beim Vornamen nannten und sich siezten.
Und sie sagte nichts dazu.
„Fräulein Shen“, sagte Meifeng.
„Frau Song.“
„Frau Tang“, sagte Zhaoxi.
Und Tang Shu neigte den Kopf und sagte nichts.
„Frau Tang hat das Zimmer ausgesucht“, sagte Meifeng.
„Warum dieses?“
„Weil es eine Tür hat.“
„Und das andere?“
„Zwei“, sagte Meifeng.
Und im Hof schob jemand etwas über den Stein und hörte damit auf.
Danach war es im Zimmer still, und die Stille war nicht besonders.
Und Zhaoxi saß mit dem Rücken zur Tür, weil der dritte Stuhl so stand, und sie stellte ihn nicht um.
„Wie lange brauchen Sie?“, sagte Meifeng.
„Das weiß ich nicht“, sagte Zhaoxi.
„Dann fangen Sie an.“
Es war 14:04.
„Ich liebe Gu Tian.“
Tang Shu sah sie an und rührte sich nicht.
Und die Kanne stand da, und aus ihr kam Dampf, und der Dampf ging in einer geraden Linie nach oben, weil niemand mehr die Tür bewegt hatte.
Zhaoxi hatte den Satz vier Tage lang nicht laut gesagt, und jetzt stand er im Zimmer, und keine der beiden Frauen sah zum Fenster.
„Von mir aus ja“, sagte Meifeng.
Zhaoxi sah auf.
„Frau Song.“
„Fräulein Shen?“
„Sie haben nicht gefragt, seit wann.“
„Nein“, sagte Meifeng.
„Und warum nicht?“
„Weil ich es vor Ihnen und vor ihm gewusst habe.“
„Seit wann?“
„Vor dem einunddreißigsten Januar 2136“, sagte Meifeng.
Zhaoxi wusste das seit dem einunddreißigsten Januar 2136, und sie wusste es aus dem Hof und nicht aus einem Bericht.
Und sie hatte es damals nicht nachgeprüft, und sie prüfte es an diesem Montag auch nicht nach.
„Und das ist meins“, sagte Meifeng.
„Was?“
„Mein Ja.“
„Es ist nicht ihres“, sagte Meifeng. „Und es ist nicht seins.“
Und Tang Shu sagte nichts.
Zhaoxi legte die Hände auf die Knie und nahm sie wieder weg.
„Frau Song, ich habe damit nicht gerechnet.“
„Womit?“
„Dass es der zweite Satz ist.“
„Es ist nicht der zweite Satz“, sagte Meifeng. „Es ist der zweite Satz von heute.“
„Frau Song, ich sage Ihnen, was ich bin“, sagte Zhaoxi. „Damit es nicht später kommt.“
„Ich weiß, was Sie sind.“
„Und ich sage es trotzdem.“
„Ich bin Wächterforscherin“, sagte Zhaoxi. „Ich bin im September 2134 hergekommen, weil unser Wächter den Kopf gehoben hat, und ich bin wiedergekommen, weil mir niemand sagen konnte, warum.“
„Und?“
„Und ich habe als Erste gefragt, warum er auf eine Signatur reagiert und nicht auf die Portale von 2027“, sagte sie. „Die Frage steht immer noch.“
„Was hat sie mit heute zu tun?“
„Nichts.“
„Und warum sagen Sie sie dann?“
„Weil ich nicht als jemand hier sitze, der nichts mitbringt“, sagte Zhaoxi. „Und weil ich nichts davon anbiete.“
„Gut“, sagte Meifeng.
„Fräulein Shen, haben Sie es gemessen?“
„Was?“
„Das, was Sie eben gesagt haben.“
Zhaoxi sah sie an.
„Ich messe seit zwei Jahren alles, was in Fujian den Kopf hebt“, sagte sie. „Das hier habe ich nicht gemessen.“
„Warum nicht?“
„Weil ich kein Gerät habe, das hineinreicht.“
„Das ist Fräulein Luos Satz.“
„Ja“, sagte Zhaoxi. „Ich habe ihn mir im Dezember abgeschrieben.“
„Und wenn Sie eins hätten?“
„Dann würde ich es nicht benutzen.“
„Warum nicht?“
„Weil ich dann eine Zahl hätte und keine Entscheidung“, sagte Zhaoxi.
Und sie schenkte nicht ein.
Die Kanne stand zwischen ihnen, und drei Becher standen daneben, und keiner davon war umgedreht worden.
„Fräulein Shen, wer hat Ihnen gesagt, dass Sie zu uns gehen sollen?“
„Niemand hat das gesagt.“
„Und?“
„Fräulein Luo hat gesagt, ich soll mit den Menschen reden, um die es geht“, sagte Zhaoxi.
„Wann?“
„Am achtzehnten.“
„Und mit welchem zuerst?“
„Das hat sie nicht gesagt“, sagte Zhaoxi.
„Und Sie haben es sich ausgesucht.“
„Ja.“
„Und?“
„Und ich habe zwei Tage gebraucht, und einen davon für die Reihenfolge“, sagte Zhaoxi.
„Welche Reihenfolge?“
„Ich hatte vier“, sagte Zhaoxi. „Er zuerst. Sie zuerst. Sie beide zuerst. Und mein eigenes Haus zuerst.“
„Und?“
„Und drei davon habe ich am Samstagmorgen gestrichen.“
„Warum nicht Ihr Haus?“
„Weil mein Haus dann etwas beschließt“, sagte Zhaoxi. „Und dann sitze ich hier für einen Beschluss.“
„Und warum nicht er?“
„Weil er dann zwei Sachen auf einmal hätte tun müssen.“
„Und die dritte?“
„Sie zuerst und Frau Tang danach“, sagte Zhaoxi. „Die habe ich zuletzt gestrichen, und sie war die schwerste.“
„Warum?“
„Weil sie bequemer gewesen wäre.“
Und Meifeng sah sie an.
„Er hat es damals umgekehrt gemacht.“
„Ich weiß“, sagte Zhaoxi. „Er hat am dreißigsten Januar mit Ihnen beiden geredet, mit jeder einzeln, und am einunddreißigsten mit mir.“
„Ja.“
„Und?“
„Und Sie sind nicht er“, sagte Meifeng.
„Fräulein Shen, Sie haben ein Wort benutzt.“
„Ja.“
„Vor einem Jahr haben Sie es nicht benutzt.“
Zhaoxi sah auf.
„Woher wissen Sie das?“
„Er hat es mir am ersten Februar 2136 erzählt“, sagte Meifeng. „Sie hätten gesagt, Ihr Interesse sei seit langer Zeit nicht mehr nur Urchaos.“
„Das habe ich gesagt.“
„Und das andere Wort?“
„Das stand am dreißigsten Januar vier Stunden lang auf einem Blatt“, sagte Zhaoxi. „Und dann habe ich es gestrichen.“
„Warum damals nicht?“
„Weil es damals größer gewesen wäre als das, was ich wusste.“
„Und heute?“
„Heute ist es genau so groß“, sagte Zhaoxi.
Meifeng sagte darauf eine Weile nichts.
Und im Hof lief unter dem Fenster Wasser aus einer Rinne in eine zweite, und danach hörte man es nicht mehr.
Um 14:22 ging draußen im Hof ein Tor, und ein Kind sagte zwei Wörter und sagte sie zweimal.
Und es war Gu Lin Aelir, und es war ein Hoftor, und im Zimmer sah niemand zum Fenster.
„Fräulein Shen, soll ich vorher mit ihm reden?“
Zhaoxi antwortete nicht sofort.
„Nein.“
„Gut“, sagte Meifeng.
Und sie fragte es nicht noch einmal.
Zhaoxi merkte, dass sie darauf gewartet hatte, dass es noch einmal käme.
Und es kam nicht.
„Frau Song, hätten Sie es getan?“
„Ja.“
„Und?“
„Und ich hätte ihm gesagt, dass Sie es nicht wollten“, sagte Meifeng. „Und ich hätte ihm nicht gesagt, was Sie mir gesagt haben.“
Tang Shu bewegte an dieser Stelle die rechte Hand von der Lehne auf das Knie.
Sie sagte nichts.
„Ich bitte Sie um eins“, sagte Meifeng. „Und Sie dürfen nein sagen.“
„Sagen Sie es.“
„Nehmen Sie mein Ja nicht mit.“
„Frau Song?“
„Sie können es haben“, sagte Meifeng. „Aber tragen Sie es nicht in das Zimmer, in dem Sie es ihm sagen.“
Und Zhaoxi sah auf die Kanne.
„Warum nicht?“
„Weil er sonst zwei Sachen auf einmal hört.“
„Und?“
„Und eine davon wäre nicht Ihre“, sagte Meifeng.
„Frau Song, was ist es dann?“
„Es ist etwas, das ich Ihnen mitgebe“, sagte Meifeng. „Und mitgeben heißt nicht tragen.“
„Und wenn ich es unterwegs verliere?“
„Dann war es meins und nicht Ihres“, sagte Meifeng. „Und das wäre kein Schaden.“
„Frau Song, ich brauche es nicht.“
„Nein?“
„Nein.“
„Und warum sind Sie dann hier?“
„Weil ich es nicht hinter Ihrem Rücken tun wollte“, sagte Zhaoxi.
„Das ist etwas anderes.“
„Ja.“
„Und es ist der bessere Grund“, sagte Meifeng.
„Fräulein Shen, was wollen Sie von mir?“
Zhaoxi antwortete nicht sofort.
„Nichts“, sagte sie.
„Das haben Sie sich überlegt.“
„Ja.“
„Und?“
„Und ich hatte drei Sachen aufgeschrieben, die ich hätte wollen können“, sagte Zhaoxi. „Ich habe alle drei durchgestrichen, und danach war das Blatt leer.“
„Was stand darauf?“
„Frau Song, das sage ich nicht.“
„Gut“, sagte Meifeng.
Und sie fragte auch das nicht noch einmal.
„Ich frage Sie noch etwas.“
„Fragen Sie.“
„Wollen Sie das Gespräch weiterführen?“
Zhaoxi sah zu Tang Shu und dann wieder zu Meifeng.
„Warum jetzt?“
„Weil es jetzt noch geht“, sagte Meifeng. „In einer halben Stunde ist es eine andere Frage.“
„Und wenn ich nein sage?“
„Dann stehen wir auf.“
„Und danach?“
„Und danach fragt Sie niemand, warum“, sagte Meifeng.
„Ich will es weiterführen.“
„Gut.“
Es war 14:39.
Und Tang Shu hatte seit 14:00 nichts gesagt.
„Wenn Sie es brauchen, damit Sie es tun“, sagte Meifeng, „dann haben Sie es noch nicht entschieden.“
„Ich weiß.“
„Und?“
„Und ich habe es entschieden“, sagte Zhaoxi. „Am achtzehnten um kurz nach elf.“
„Woran haben Sie es gemerkt?“
„Ich habe eine Reihe zum dritten Mal abgelesen, die beim ersten Mal gestimmt hat.“
„Und was hat das mit dem achtzehnten zu tun?“
„Nichts“, sagte Zhaoxi. „Das ist es ja.“
Meifeng nickte einmal und sagte dazu nichts.
Und sie schrieb es sich nicht auf, und sie hatte auch nichts dabei, womit sie es hätte tun können.
Zhaoxi sagte den nächsten Satz zu schnell.
„Ich frage nicht nach einem Platz.“
„Es wird kein Platz vergeben“, sagte Meifeng.
„Frau Song.“
„Fräulein Shen, an diesem Tisch werden keine Plätze vergeben. Da stehen Stühle.“
„Und wenn keiner frei ist?“
„Dann sägt Han Da ihn auf“, sagte Meifeng. „Er hat ihn im November 2133 gebaut, und er hat ihn seitdem zweimal aufgesägt, und er hat beide Male geflucht.“
„Ich nehme Ihnen nichts weg“, sagte Zhaoxi.
Und das war der zweite Satz zu schnell.
„Sie könnten mir auch nichts wegnehmen“, sagte Meifeng.
Zhaoxi sah auf.
„Frau Song, das ist –“
„Das ist kein Lob“, sagte Meifeng. „Es steht nur nichts da, was man wegnehmen kann. Wo nichts verteilt ist, ist nichts zu verteilen.“
Um 14:52 nahm Tang Shu die Kanne.
Sie drehte einen Becher um, schenkte ein und schob ihn über den niedrigen Tisch bis vor Zhaoxi.
Und dann stellte sie die Kanne zurück und setzte sich wieder gerade.
Sie sagte dabei nichts.
Und sie schenkte sich selbst nichts ein, und sie sah Zhaoxi dabei an, und sie sah nicht zum Fenster.
Zhaoxi nahm den Becher und trank nicht.
„Er weiß von nichts“, sagte Meifeng.
„Nein.“
„Und wir sagen es ihm nicht.“
„Warum nicht?“
„Weil es Ihr Satz ist.“
„Und wenn er fragt, was hier war?“
„Er fragt nicht“, sagte Meifeng.
„Woher wissen Sie das?“
„Weil er seit vorgestern weiß, dass hier heute etwas ist, und weil er seitdem nichts gefragt hat.“
„Und was weiß er?“
„Dass Sie mich am Samstag um etwas gebeten haben“, sagte Meifeng. „Mehr steht in keinem Satz, den ich gesagt habe.“
Und Zhaoxi stellte den Becher hin.
„Frau Song, das ist mehr, als ich wollte.“
„Ja.“
„Und?“
„Und es war nicht zu vermeiden“, sagte Meifeng. „Ich sitze hier, und er hat gesehen, dass ich heute Nachmittag nicht in der Halle bin.“
Es war 15:07.
Und draußen hörte man Wasser aus einer Rinne, und danach nichts.
Tang Shu saß seit einer Stunde und sieben Minuten auf demselben Stuhl.
Und sie hatte in dieser Zeit den Kopf zweimal bewegt, beide Male zu Meifeng hin und beide Male ohne etwas zu sagen.
Sie sah Zhaoxi an.
Sie sah nicht zum Fenster, sie sah nicht auf die Kanne, und sie sah nicht an Zhaoxi vorbei auf die Tür.
Das Licht im Hof stand um diese Zeit schon an der Westmauer.
Und im Zimmer wurde es dadurch nicht dunkler, weil das Fenster nach Norden ging.
„Fräulein Shen, ich frage Sie etwas, und Sie dürfen es nicht beantworten.“
„Fragen Sie.“
„Wenn er nein sagt – fahren Sie dann nach Fujian?“
Zhaoxi sah eine Weile auf ihre eigenen Hände.
„Das weiß ich nicht.“
„Das ist keine Antwort.“
„Nein“, sagte Zhaoxi. „Und ich habe auch keine bessere. Ich habe an den Vorhang gedacht und nicht daran, wo ich danach schlafe.“
„Und wenn er ja sagt?“
„Dann weiß ich es auch nicht.“
„Und?“
„Und das ist dasselbe Nichtwissen“, sagte Zhaoxi. „Ich habe zwei Möglichkeiten gerechnet und für keine von beiden eine Zeile.“
Meifeng lehnte sich an die Rückenlehne.
„Ich bin die Erste“, sagte sie. „Und Shu ist die Zweite. Und Sie wären dann –“
„Nein“, sagte Tang Shu.
Das waren die ersten Worte seit einer Stunde und vierzehn Minuten.
Meifeng hörte auf zu sprechen.
Und sie sagte den Satz nicht zu Ende, und sie fing ihn auch nicht neu an.
„Erste und zweite sind zwei Jahreszahlen“, sagte Tang Shu. „Mehr ist daran nichts.“
„Ja“, sagte Meifeng.
„Und dahinter kommt keine dritte“, sagte Meifeng.
„Nein.“
„Dahinter kommt jemand oder niemand“, sagte Tang Shu. „Und beides hat keine Nummer.“
Um 15:19 sagte Meifeng einen Satz, der nicht an Zhaoxi ging.
„Wollen Sie eine Pause?“
„Nein“, sagte Tang Shu.
„Sie sitzen seit dreizehn Uhr achtundfünfzig.“
„Ich weiß, wie lange ich sitze“, sagte Tang Shu.
„Meifeng.“
„Ja?“
Und Tang Shu sah auf die Kanne, und Meifeng stand auf, nahm sie und stellte sie auf das Fensterbrett.
Zhaoxi hörte es zum zweiten Mal.
Und sie sagte auch dazu nichts.
Danach sagte Tang Shu wieder nichts.
Und sie setzte sich nicht anders hin, sie legte die Hände wieder auf die Lehnen, und sie sah weiter Zhaoxi an.
Und es war unangenehm.
Es war unangenehm auf eine Art, für die Zhaoxi keinen Vergleich hatte, weil in Fujian niemand jemanden so lange ansieht, ohne dabei etwas zu prüfen.
Es war lange unangenehm, und es hörte nicht auf, und Zhaoxi sah in dieser Zeit zweimal auf die Uhr an der Wand und beide Male, weil sie wissen wollte, wie viel Licht noch in den Hof kam.
„Frau Tang.“
Tang Shu sah sie an.
„Ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich hier sitze“, sagte Zhaoxi.
„Das hat auch niemand verlangt“, sagte Meifeng.
Und Tang Shu nickte einmal.
Und sie nickte langsam, und sie nickte nicht zu dem, was Meifeng gesagt hatte.
„Frau Song, darf ich etwas fragen?“
„Ja.“
„Warum so schnell?“
„Wonach?“
„Nach dem Satz“, sagte Zhaoxi. „Sie haben eine Minute gebraucht.“
„Weil es lange nicht schnell war“, sagte Meifeng. „Ich habe ein Jahr und einen Monat gehabt.“
„Und?“
„Und in einem Jahr und einem Monat wird eine Antwort nicht besser, sie wird nur später.“
Zhaoxi sah auf die Kanne, die jetzt auf dem Fensterbrett stand.
„Wenn Sie sich geirrt haben?“
„Dann habe ich mich geirrt“, sagte Meifeng. „Und ich sage es Ihnen dann, und ich sage es Ihnen zuerst.“
„Frau Song, was ist damit jetzt entschieden?“
„Eins“, sagte Meifeng.
„Was?“
„Dass Sie es selbst sagen.“
„Und Ihr Ja?“
„Das war vorher entschieden“, sagte Meifeng. „Ich habe es heute nur ausgesprochen.“
„Und der Rest?“
„Der Rest steht bei ihr und bei ihm“, sagte Meifeng. „Und der Teil, der bei ihm steht, steht bei keiner von uns dreien.“
Es war 15:26.
Und der Dampf über der Kanne stand nicht mehr, und im Becher vor Zhaoxi hatte sich an der Wand ein Ring gebildet.
„Fräulein Shen, wann sagen Sie es ihm?“
„Das weiß ich noch nicht.“
„Und?“
„Und ich sage es nicht heute“, sagte Zhaoxi. „Ich weiß nur, dass ich es sage.“
„Allein?“
„Ja.“
„Und wo?“
„Das habe ich mir noch nicht ausgesucht“, sagte Zhaoxi. „Im Hof nicht.“
„Warum im Hof nicht?“
„Weil ich es im Hof schon einmal getan habe“, sagte Zhaoxi. „Und weil es damals ein anderer Satz war.“
Meifeng sagte dazu nichts.
Und sie fragte nicht, welcher, und sie wusste es.
Um 15:34 stand Meifeng auf und ging zum Fenster.
Und sie machte es nicht auf, und sie blieb dort stehen, und von da an war sie hinter Zhaoxi und Tang Shu vor ihr.
„Fräulein Shen“, sagte Tang Shu.
„Frau Tang?“
„Ich habe drei Fragen.“
Und Zhaoxi legte die Hände auf die Knie und ließ sie diesmal dort.
„Stellen Sie sie.“
„Noch nicht“, sagte Tang Shu.
„Warum nicht?“
„Weil Sie vorher etwas wissen sollen.“
„Was?“
„Dass ich sie zu Ende stelle“, sagte Tang Shu. „Alle drei. Und dass ich bei keiner aufhöre, weil Sie blass werden.“
Zhaoxi sah sie an.
„Frau Tang, sind das Ihre Bedingungen?“
„Nein“, sagte Tang Shu. „Das ist nur, was passiert.“
Am Fenster sagte Meifeng nichts.
Und sie stand da und sah in den Hof, und sie stellte sich nicht dazu.
„Und Ihr Ja?“, sagte Zhaoxi.
„Darüber reden wir danach.“
„Und wenn Sie danach nein sagen?“
„Dann sage ich nein“, sagte Tang Shu. „Und es ändert nichts an dem, was sie gesagt hat.“
„Nein“, sagte Meifeng vom Fenster her. „Es ändert nichts.“
Und Zhaoxi merkte an dieser Stelle, dass sie nicht wusste, was von beidem sie erleichtert hatte: dass die eine nein sagen konnte, oder dass es dem Ja der anderen nichts tat.
Sie schrieb es sich später nicht auf, und sie hatte an diesem Montag auch nichts dabei, worin sie es hätte aufschreiben können.
Es war 15:41.
„Wollen Sie sie heute?“, sagte Tang Shu.
„Ja“, sagte Zhaoxi.
Und die Tür blieb zu.
Draußen war der Hof inzwischen trocken, und der Streifen Wasser vor dem Ostflügel stand noch da, wo er am Morgen gestanden hatte.
Im Zimmer hatte niemand Licht gemacht.