Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 4 · Arc 06
Kapitel 496Die Welt sieht zu

Heilung nach Ration

4.312 Wörter · Band 4 — Vorhänge vor dem Himmel

Der zweite Januar 2137 war ein Samstag.

Und die lange Halle am Ostufer des Nordbeckens war bis zum elften November eine Bootshalle gewesen, und an der Nordwand hingen noch die Haken.

An den Haken hing nichts mehr.

Song Meifeng ging um 05:50 hinüber.

Und es waren vierhundert Meter von der chinesischen Basis bis zur japanischen, und der Weg lief am Wasser entlang, und am Wasser stand keine Kamera.

Und das stand in Lu Chens sechs Zeilen, und es galt für beide Häuser, weil beim Aufschreiben niemand zwischen ihnen unterschieden hatte.

Sie hatte am Abend zuvor eine einzige Frage gestellt.

Und es war die dritte von ihren fünfen gewesen, und die Antwort hatte aus einem Wort bestanden, und sie hatte damit die ganze Nacht nichts anfangen können.

Die Antwort war Nein gewesen.

Es gab hier keine Zahl wie ihre elf Tage.

In der langen Halle standen einundneunzig Plätze.

Und um 06:00 lagen vierundsechzig Leute darin, und in der dritten Reihe waren vier Plätze frei, und die waren seit dem einunddreißigsten Dezember frei.

Morita Kazue war seit 04:40 da.

Sie war eine kleine Frau mit kurzen Haaren und einem Rücken, der nicht mehr ganz gerade war, und sie stand am Kopfende der ersten Reihe an einem Tisch, der zu hoch für sie war.

Und der Tisch war zu hoch, weil sie im Stehen arbeitete, und sie arbeitete im Stehen, damit man sie sah.

„Frau Song."

„Frau Morita."

Und der Dolmetscher stand einen Schritt hinter ihnen und war seit 05:00 wach und würde um 09:40 in den Kommandoraum abgezogen werden.

Das hatte ihm um 05:20 jemand gesagt, und er hatte es Meifeng gesagt, weil er fand, dass sie es wissen sollte.

„Frau Morita, ich fange mit Zahlen an."

„Fangen Sie mit Zahlen an."

„Wie viele Plätze?"

Und Morita Kazue nahm ein Blatt vom Stapel und sah darauf, bevor sie antwortete.

„Einundneunzig."

„Belegt?"

„Vierundsechzig."

Meifeng sah das Blatt an und nicht die Frau.

Denn Morita hatte die Zahl gewusst, und sie hatte trotzdem gelesen, und das tat sie an diesem Vormittag noch zweimal, und beim dritten Mal verstand Meifeng, warum.

„Wie viele Kerne bekommen Sie im Monat?"

„Achtzehn."

„Von wem?"

„Von der Regionalstelle Shiga", sagte Morita Kazue. „Und die bekommt sie aus Tokio, und wie viele Tokio bekommt, weiß ich nicht."

„Wie viele haben Sie im Dezember verbraucht?"

Und diesmal las sie nicht.

„Einundvierzig", sagte sie.

„Und?"

„Dreiundzwanzig davon sind vom Januar und vom Februar."

„Und im März stehen wieder achtzehn, und daran glaube ich seit dem Dezember nicht mehr."

„Also?"

„Also habe ich im Januar acht und im Februar fünf", sagte Morita Kazue.

„Und das ist keine Kürzung, sondern eine Rechnung, die ich selbst gemacht habe."

Meifeng sagte darauf eine Weile nichts.

„Und heute ist der zweite."

„Heute ist der zweite, und ich habe sechs."

Draußen ging jemand mit zwei Eimern über den Kies, und man hörte es durch die Wand, weil die Wand einer Bootshalle für Riemen gebaut ist und nicht für Ruhe.

„Was kann ein Kern?"

Und Morita führte sie zwei Schritte an die erste Reihe heran und blieb an einem leeren Platz stehen.

„Wenn es an der Wurzel liegt, reicht ein Kern für einen Menschen", sagte sie.

„Und wenn es nicht an der Wurzel liegt, reicht er für neun."

Und das war die ganze Sache, und sie stand in zwei Sätzen, und Meifeng schrieb sie sich nicht auf.

„Wer entscheidet, wer zuerst behandelt wird?"

„Ich."

„Und wenn zwölf gleichzeitig ankommen?"

„Dann ich."

„Was tun Sie dabei sonst?"

Morita Kazue sah sie an.

„Nichts."

„Sie behandeln nicht?"

„Von 06:00 bis 20:00 habe ich keinen eigenen Patienten", sagte sie. „Und ich habe seit dem einundzwanzigsten November keinen gehabt."

„Wer hat das entschieden?"

„Ich."

„Und wer hat es unterschrieben?"

Und Morita Kazue sah wieder auf das Blatt in ihrer Hand, und diesmal stand nichts darauf, was zur Frage gehörte.

„Niemand", sagte sie.

Damit war Meifengs erste Frage beantwortet, und sie war seit dem zwanzigsten Dezember offen gewesen, und sie hatte sechzehn Tage gebraucht und zwei Minuten.

Das Blatt hatte oben einen Namen und darunter eine Uhrzeit auf die Minute.

Und in der Mitte hatte es zwei Spalten, und die linke war schmaler als die rechte, und dazwischen lief keine Linie.

„Die linke?"

„Überlebenschance. Eins bis fünf."

„Und sie steht links, weil sie zuerst geschrieben wird."

„Wer schreibt sie?"

„Zwei Heiler, getrennt, ohne miteinander zu reden", sagte Morita Kazue.

„Und keiner von beiden sieht das Blatt des anderen, bevor er schreibt."

„Und wenn sie verschieden sind?"

„Dann gilt die höhere."

„Seit wann?"

„Seit dem siebzehnten Dezember", sagte sie. „Und davor galt die niedrigere."

„Warum haben Sie es geändert?"

Und darauf antwortete sie nicht sofort.

„Weil ich es nicht mehr wollte."

„Und ich habe zwei Wochen nach einem besseren Grund gesucht und keinen gefunden."

„Was hat es gekostet?"

„Seit dem siebzehnten Dezember geben wir Kerne an Leute, die danach sterben", sagte Morita Kazue.

„Wie viele?"

„Vier."

„Und drei davon waren Zweien."

Meifeng sah auf die linke Spalte.

„Und Sie würden es wieder so ändern."

„Ja."

„Fünf?"

„Fünf heißt, er lebt auch ohne Kern."

„Und die Fünf ist die häufigste Zahl in dieser Halle."

„Eins?"

„Eins heißt, er lebt auch mit Kern nicht", sagte Morita Kazue. „Und wir geben keinen an eine Fünf und keinen an eine Eins."

„Dann geht es nur um zwei, drei und vier."

„Es geht immer nur um zwei, drei und vier."

„Und die meisten sind eine Drei."

Und Meifeng verstand an dieser Stelle, dass die eigentliche Arbeit dieses Hauses nicht in der Halle stattfand, sondern auf einem Blatt von der Größe einer Hand.

„Die rechte Spalte?"

„Einsatzwert. Eins bis vier."

„Wer schreibt sie?"

Morita Kazue legte das Blatt auf den Tisch und drehte es zu Meifeng hin.

„Nicht dieses Haus", sagte sie.

„Und das ist die Stelle, an der Besucher mir zuerst nicht glauben."

„Wer dann?"

„Seine eigene Verbandsstelle. Es steht in seinem Einsatzbuch, und daneben steht das Datum des Eintrags."

„Sie ändern es nicht?"

„Ich darf es nicht ändern."

„Und niemand in diesem Haus darf es."

„Was heißt vier?"

„Vier heißt, in seinem Verband kann das sonst niemand."

„Eins?"

„Eins heißt, es können drei andere", sagte Morita Kazue.

„Und es steht nicht daneben, wer die drei anderen sind."

„Das ist nicht dasselbe wie weniger wert."

„Nein."

„Und?"

„Und am dritten Tag hört es sich trotzdem so an", sagte sie.

Meifeng nahm das Blatt hoch und drehte es nicht um.

„Was steht nicht darauf?"

„Es steht nicht darauf, wie viele Kinder er hat", sagte Morita Kazue. „Und es steht nicht darauf, wer draußen wartet, und es steht kein Ort darauf und kein Haus."

„Wer hat das so gebaut?"

„Jemand vor mir."

„Und?"

„Und ich habe daran nichts geändert, weil ich mir überlegt habe, wie es aussähe, wenn diese Felder da wären", sagte sie.

Es blieb einen Moment still am Kopfende der ersten Reihe.

„Wie alt sind die Zahlen?"

Morita Kazue ging zum Schrank und zog die dritte Lade auf und nahm ein Bündel heraus, und sie suchte darin nicht lange.

„Die älteste in dieser Halle ist vom März 2134", sagte sie.

„Und sie ist älter als dieses Haus."

„Wer liegt darunter?"

„Reihe zwei, Platz sieben."

„Und?"

„Und seitdem hat er zweiundvierzig Einsätze gehabt, und keiner davon steht in dieser Zahl", sagte sie.

„Können Sie das prüfen lassen?"

„Ich habe es zweimal beantragt."

„Und?"

„Einmal habe ich eine Antwort bekommen", sagte Morita Kazue.

„Und sie kam nach neunzehn Tagen, und der Mann war seit elf davon tot."

Sie sagte das genauso, wie sie achtzehn gesagt hatte.

Und Meifeng hörte daran, dass diese Frau den Satz nicht zum ersten Mal sagte und dass sie ihn auch nicht übte.

„Und wenn zwei dasselbe haben?"

„Links und rechts dasselbe?"

„Ja."

„Dann entscheidet die Aufnahmezeit", sagte Morita Kazue.

„Und zwar auf die Minute."

„Warum die Minute?"

„Weil jede andere Regel eine Aussage über die beiden wäre."

„Und diese Aussage steht mir nicht zu, und ich will sie auch nicht."

Und Meifeng sah auf die Uhrzeile oben auf dem Blatt.

„Wie oft war das?"

„Viermal."

„Und einmal war die Minute dieselbe."

Morita Kazue sagte nicht ja.

„Am zweiundzwanzigsten November", sagte sie.

„Beide um 04:18, und beide von demselben Wagen."

„Und?"

„Und dann habe ich entschieden."

„Wonach?"

Und Morita Kazue nahm das Blatt aus Meifengs Hand und legte es zurück auf den Stapel, und zwar oben und nicht unten.

„Das habe ich nicht aufgeschrieben", sagte sie.

Meifeng fragte nicht weiter.

Und sie fragte nicht weiter, weil sie in diesem Moment wusste, dass jede Nachfrage von ihr wie eine Prüfung ausgesehen hätte, und weil sie selbst zwei Sachen nicht aufgeschrieben hatte, die genauso alt waren.

Unter jedem Blatt stand eine Unterschrift.

Und es war immer dieselbe, und sie war ausgeschrieben und nicht abgekürzt, und Meifeng las sie viermal, bevor sie fragte.

„Sie unterschreiben jedes."

„Ja."

„Auch die, bei denen es keine Entscheidung ist?"

„Besonders die", sagte Morita Kazue.

„Warum?"

„Weil sonst irgendwann jemand nachrechnet, wie viele ich unterschrieben habe."

„Und dann findet er eine Zahl, die nichts bedeutet."

Um 07:20 kam eine Frau aus der chinesischen Basis herüber und stellte Meifeng eine Frage über den vierten Januar.

Und die Frage betraf die Reihenfolge an der Rampe und nicht die Halle, und Meifeng beantwortete sie in vier Sätzen und ging danach nicht mit.

Das war ihre Arbeit, und sie hatte sie seit zwei Tagen, und sie kannte die vierzehn Leute, die sie dabei führte, seit zwei Tagen.

Auf dem Entwurf standen neunzehn Stellen.

Und vierzehn davon waren besetzt, und fünf nicht, und keine von den fünfen würde vor dem vierten Januar besetzt sein.

Um 08:35 kamen zwei Männer gleichzeitig herein.

Und sie kamen von der Außensicherung, und beide waren Jäger, und beide waren am Rand des inneren Rings verletzt worden und nicht im Portal, weil in das Portal an diesem Tag niemand ging.

Zwei Heiler schrieben getrennt.

Bei dem einen stand zweimal drei, und bei dem anderen stand einmal zwei und einmal drei, und Morita Kazue trug die drei ein.

Rechts stand bei dem einen eine Drei mit dem Datum März 2135.

Und bei dem anderen stand eine Zwei mit dem Datum Oktober 2136.

Der mit der Zwei war der Jüngere.

Und seine Zahl war die neuere und damit die richtigere, und sie war niedriger, weil in seinem Verband zwei andere dasselbe konnten wie er.

Morita Kazue las beide Blätter.

Sie las sie ganz und schnell, und dann schrieb sie unten auf das eine ihren Namen und legte das andere daneben und nicht darunter.

Und danach sagte sie es dem Heiler an Platz vier, und der Kern ging in die erste Reihe.

Das dauerte von 08:35 bis 08:41.

Meifeng stand vier Meter entfernt und hatte die Hände vor sich.

Und sie sah dabei nicht auf die Männer, sondern auf die Frau, die las, und sie sah, dass die Frau das zweite Blatt nicht weglegte, sondern behielt.

„Frau Morita."

„Frau Song?"

„Weiß er es?"

„Er hat es gelesen", sagte Morita Kazue. „Sie liegen hier so, dass sie es lesen können."

„Und das ist Absicht, und ich habe es aufgeschrieben."

„Was hat er gesagt?"

„Nichts."

„Und?"

„Und er hat um Wasser gebeten", sagte sie.

Meifeng ging danach die zweite Reihe entlang und blieb bei niemandem stehen.

Und sie tat es, weil sie sonst stehen geblieben wäre, und weil sie wusste, was dann als Nächstes gekommen wäre.

Denn sie hätte hinsehen können.

Sie fragte es um 09:10 und formulierte es als Rechnung und nicht als Angebot.

„Frau Morita, wenn ich bei einem hinsehe, ändert das seine linke Zahl?"

„Ja."

„Die rechte?"

„Nein."

„Wie oft könnte ich das?"

„Das weiß ich nicht, Frau Song."

„Und Sie wissen es."

Meifeng wusste es.

Zwölf Minuten, danach zwei Stunden Hände, die nichts halten, und danach elf Tage nichts, und die elf Tage standen datiert auf einem Blatt in Songjiang, und sie hatte sie am vierten Dezember selbst gesetzt.

Und in diesen elf Tagen wäre in dieser Halle und in der anderen niemand da, der die Reihenfolge entscheidet.

Und sie sah einmal auf ihre eigenen Hände und dann nicht mehr.

„Nein", sagte sie.

Morita Kazue sagte dazu nichts.

Und sie sagte auch später nichts dazu, und das war das Höflichste, was ihr an diesem Tag jemand tat.

Um 09:40 wurde der Dolmetscher abgeholt.

Danach hatten die beiden Frauen ungefähr dreißig Wörter und ein Blatt Papier.

Und es stellte sich schnell heraus, dass Zahlen zwischen ihnen ohne Verlust hindurchgingen und Sätze nicht.

Meifeng schrieb acht auf das Blatt und darunter sechs.

Und Morita schrieb zwei daneben und zog einen Strich.

Und beide wussten danach dasselbe, und es hatte niemand übersetzt.

Um 10:05 fragte Meifeng nach der teuersten Stelle.

Und sie fragte es, indem sie auf die Blätter zeigte und dann die Hand hin und her bewegte, und Morita Kazue verstand es beim zweiten Mal.

Morita ging zur Tür und legte die Hand auf den Rahmen.

„Hier", sagte sie.

Meifeng verstand das Wort und die Sache nicht.

Und Morita holte ein Blatt und zeichnete darauf einen Wagen und einen Weg und eine Tür, und an den Weg schrieb sie eine Uhrzeit, und in den Wagen zeichnete sie zwei Striche.

Und dann strich sie einen der beiden Striche durch, bevor der Wagen die Tür erreichte.

Meifeng sah darauf ungefähr eine halbe Minute.

Wer jemanden hereinträgt, hat das Blatt vorher im Kopf.

Und wer es im Kopf hat, trägt manche gar nicht erst herein, und dann wird niemand aufgenommen, und dann steht keine Uhrzeit oben, und dann unterschreibt niemand etwas.

Meifeng zeigte auf den durchgestrichenen Strich und dann auf den Stapel.

Und Morita Kazue schüttelte einmal den Kopf.

Das stand auf keinem Blatt.

Und deswegen wusste sie nicht, wie viele es waren, und deswegen konnte sie nichts daran ändern, und beides gehörte zusammen.

Um 11:20 machte Meifeng eine Bewegung, die sie in Songjiang jeden Tag machte.

Sie stand am zweiten Becken, sie hatte sich die Hände gewaschen, und sie griff nach links und ein Stück nach oben, ohne hinzusehen.

Denn in Songjiang stand dort ein Bord.

Auf diesem Bord standen vierzehn Gefäße, und links neben den vierzehn Gefäßen stand eine flache Schale aus Ton.

Und in der Schale lagen Kerne.

Sie waren nicht gezählt.

Und die Schale war nicht abgeschlossen, und es hing keine Liste daneben, und wenn sie leer wurde, war sie am nächsten Morgen wieder voll, und Han Meiyu füllte sie auf, und Meifeng hatte sie nie danach gefragt.

Sie hatte in vierzehn Jahren nie gewusst, wie viele darin lagen.

Und sie hatte nie gewusst, woher sie kamen.

Hier war die Wand an dieser Stelle glatt.

Und ihre Hand blieb ungefähr zwei Sekunden in der Luft, und dann ging sie wieder herunter, und es sah niemand hin, weil sie mit dem Rücken zur Reihe stand.

Und sie stand danach noch eine Weile am Becken.

Es war keine Scham, und es war auch kein Vorwurf, und sie suchte an diesem Vormittag nach beidem und fand nichts.

Es war nur eine Bewegung, die sie seit vierzehn Jahren gemacht hatte und die zum ersten Mal ins Leere ging.

Am Nachmittag fing sie an zu arbeiten.

In der Heilhalle Songjiang lagen neun Haltekreise.

Und Fräulein Luo hatte sie im Winter 2133 gebaut, und jeder war ein Quadrat aus Leinen mit vier Punkten, und in die Mitte kam ein Kern.

Ein Haltekreis heilt nichts.

Und er hält den Zustand, den er vorfindet, und wenn ein Mensch darauf liegt, wird er nicht besser und nicht schlechter, und in Songjiang benutzte man sie für die, die warten mussten.

Sie waren also genau das, was diese Halle brauchte.

Denn sie ändern keine Zahl, sondern die Uhr, und wer nicht heute entschieden werden muss, wird morgen entschieden.

Und Meifeng wusste, was sie wegnehmen musste, bevor sie den ersten hinlegte.

Sie musste den Kern wegnehmen.

Ohne Kern in der Mitte braucht der Kreis eine andere Quelle, und die einzige andere Quelle in dieser Halle war ein Mensch.

Und ein Mensch war hier nicht das Knappe.

Sie zeichnete es auf und zeigte es Morita Kazue.

Und Morita sah es an und stellte ihr durch drei Gesten eine einzige Frage, und die Frage lautete: wie lange.

„Eine Stunde", sagte Meifeng auf Chinesisch und hielt einen Finger hoch.

Der erste Versuch lief um 13:40 an Platz sechzehn.

Der Heiler war jung und hatte eine Binde am linken Handgelenk, und er setzte sich an die untere Kante des Leinens und legte zwei Finger auf den dritten Punkt, so wie Meifeng es ihm vorgezeichnet hatte.

Und es lief.

Es lief acht Minuten sauber.

In der neunten Minute sah Meifeng auf die Hand des Mannes, der auf dem Leinen lag.

Und in der elften Minute nahm sie den jungen Heiler am Handgelenk und zog ihn zurück, und sie tat es zu grob, und es sagte danach eine Weile niemand etwas.

Meifeng zeigte auf den Puls des Liegenden und dann auf den Puls des jungen Heilers.

Und Morita Kazue legte beiden eine Hand auf, nacheinander, und zählte, und dann schrieb sie zwei Zahlen auf ein Blatt, und die zwei Zahlen waren dieselbe Zahl.

Der Kreis hatte den Zustand nicht gehalten.

Er hatte ihn angeglichen.

Ein Kern hat keinen Rhythmus.

Und ein Mensch hat einen, und nach elf Minuten war der Rhythmus des jungen Heilers durch die vier Punkte gegangen und im Mann angekommen, und der Mann lag jetzt im Takt eines jungen Mannes mit einer Binde am Handgelenk.

Es war nicht gefährlich, und es war falsch.

Meifeng saß danach zwanzig Minuten an dem Tisch, der zu hoch war.

Und sie versuchte es zuerst mit dem Vorzeichen und dann mit dem Abstand und dann mit einem fünften Punkt, und sie verwarf alle drei, weil alle drei einen Heiler brauchten, der merkte, wann es kippte.

Und wer das merkt, kann es auch ohne Kreis.

Dann nahm sie das Falsche heraus.

Der Fehler war nicht der Mensch.

Der Fehler war, dass der Mensch die ganze Zeit dranblieb.

Ein Kern gibt gleichmäßig ab, und deshalb darf man ihn liegen lassen.

Und ein Mensch gibt nicht gleichmäßig ab, und deshalb darf man ihn nicht liegen lassen, sondern man muss ihn anschlagen und wegnehmen.

Um 15:50 zeichnete sie es neu.

Und sie zeichnete vier Bilder und schrieb keinen einzigen Satz dazu.

Bild eins: eine Hand auf dem dritten Punkt.

Bild zwei: eine Hand, die weggeht.

Bild drei: ein Sitz außerhalb des Leinens.

Bild vier: dieselbe Hand wieder auf dem dritten Punkt, und daneben eine Sanduhr.

Für das zweite Bild brauchte sie ein Wort, und das Wort war loslassen.

Und sie bekam es von zwei Leuten zweimal verschieden übersetzt, und beim zweiten Mal lachte sie kurz und zeichnete stattdessen die Hand.

Danach war das Wort nicht mehr nötig.

Der zweite Versuch lief um 16:20.

Der junge Heiler schlug den Kreis an, ging vier Schritte weg und setzte sich auf einen Hocker, den jemand aus der dritten Reihe geholt hatte.

Und nach ungefähr einer Viertelstunde stand er auf und schlug ihn wieder an.

Und er tat das viermal, und beim vierten Mal machte Morita Kazue eine Bewegung mit der Hand, die keine Anweisung war.

Es hielt.

Und es hielt weniger.

Zwischen zwei Schlägen sackte der Zustand ab, und man sah es an der Farbe im Gesicht des Liegenden, und man sah es besser, als Meifeng lieb war.

Der Kreis hielt jetzt ungefähr die Hälfte von dem, was er in Songjiang hielt.

Und Meifeng schrieb das mit auf, und zwar als Erstes.

Denn wer ein Verfahren weggibt und den Preis nicht dazuschreibt, gibt kein Verfahren weg, sondern ein Versprechen.

Bis 18:00 lagen vier Haltekreise in der zweiten Reihe.

Und drei liefen, und einer nicht, weil der Boden an Platz dreiundzwanzig zwei Zentimeter tiefer lag und das Leinen dort nicht flach auflag.

Han Da hätte das in vier Minuten gemacht, und Han Da war zwölfhundert Kilometer weit weg, und der junge Heiler schob ein Stück Pappe darunter.

Es lief danach.

Um 18:30 stand Morita Kazue an ihrem zu hohen Tisch und schrieb den Tag ab.

Und Meifeng stellte sich neben sie und stellte die Frage, die sie den ganzen Nachmittag nicht gestellt hatte.

Und sie brauchte dafür den Dolmetscher, der um 18:15 zurückgekommen war.

„Frau Morita, in meinen zwölf Kisten liegen sechsunddreißig."

Morita Kazue schrieb weiter.

„Ich weiß", sagte sie.

„Woher?"

„Ihre Ladeliste ist am einunddreißigsten Dezember durch dieses Haus gegangen", sagte sie. „Und ich lese Ladelisten."

„Darf ich Ihnen welche geben?"

Und Morita Kazue legte den Stift hin und drehte sich zum ersten Mal an diesem Tag ganz zu ihr um.

„Nein."

„Warum nicht?"

„Weil Ihre siebzehn am vierten hineingehen und am achten herauskommen", sagte sie. „Und weil ich heute keine Zahl habe, die sagt, wie viele Sie dann noch brauchen."

„Und wenn ich sie schätze?"

„Dann schreibe ich in mein Buch eine geschätzte Zahl", sagte Morita Kazue. „Und dann steht sie neben achtzehn und neben acht, und die beiden sind keine Schätzungen."

Meifeng nickte einmal.

„Fragen Sie mich am neunten", sagte Morita.

„Ich frage Sie am neunten."

„Und ich frage einmal und nicht zweimal."

„Und ich sage Ihnen dann ja oder nein, und beides ist möglich."

Meifeng schrieb den neunten Januar an diesem Abend an die Wand ihrer eigenen Basis.

Und sie schrieb ihn an die Wand, an der die Liste hing, und darunter schrieb sie ihren Namen, weil das an dieser Wand so gemacht wurde.

Sechsunddreißig Kerne für siebzehn Leute.

Und sie hatte sie nicht gepackt, und niemand hatte sie gefragt, ob sechsunddreißig zu haben seien, und die Liste war aus der Heilhalle in Songjiang gekommen, und in der Heilhalle in Songjiang hatte niemand nachgesehen.

Es hatte nachsehen müssen niemand.

Und das war der Satz, den sie an diesem Abend aufschrieb, und sie schrieb ihn zweimal, weil er beim ersten Mal wie ein Vorwurf ausgesehen hatte.

Beim zweiten Mal sah er wie eine Auskunft aus.

In Songjiang stand eine Schale auf einem Bord, und ich habe sie nie gezählt, weil sie immer voll war.

Und sie schrieb darunter keine Folgerung.

Und sie schrieb auch nicht, dass es anderswo anders sei, weil sie anderswo nicht gewesen war, sondern hier.

Um 19:40 ging sie noch einmal durch die lange Halle.

An Platz sieben in der zweiten Reihe lag der Mann mit der Zahl vom März 2134.

Und in der ersten Reihe lag der, der um 08:41 den Kern bekommen hatte, und er schlief.

Der andere lag in der dritten.

Und bei ihm hatte am Abend jemand eine zweite Zeile geschrieben, und in der zweiten Zeile stand links eine Zwei, wo am Morgen eine Drei gestanden hatte.

Das war keine Entscheidung.

Das war Rechnen.

Und Meifeng blieb bei ihm ungefähr eine Minute stehen und legte ihm die Hand nicht auf.

Und sie sah nicht hin, und sie sagte nichts, und das Einzige, was sie tat, war, dass sie den Haltekreis aus der zweiten Reihe holen ließ und unter ihn legen ließ.

Der junge Heiler mit der Binde schlug ihn um 19:52 an.

Er hielt die Hälfte.

Und die Hälfte war nichts, was man einen Erfolg nennt, und es hieß nur, dass die Zwei bis zum Morgen wahrscheinlich eine Zwei bleiben würde und nicht am Abend schon eine Eins wurde.

Und was am Morgen daraus wurde, wusste an diesem zweiten Januar niemand in dieser Halle.

Morita Kazue sah es vom Kopfende aus und schrieb es nicht auf.

Und dann schrieb sie es doch auf, in der letzten Zeile, und sie schrieb es in die Spalte für Verfahren und nicht in die für Kerne.

Vor der Tür war es kalt, und über dem Nordbecken stand kein Licht mehr, das man Tag nennen konnte.

„Frau Song."

„Frau Morita?"

„Wie viele Heiler haben Sie zu Hause, die hinsehen können?"

Und Meifeng antwortete darauf sofort, weil sie die Zahl seit dem vierten Dezember an einem Tisch gesagt hatte.

„Drei."

„Und eine von den dreien steht gerade hier."

„Auf wie viele Leute?"

„Dreihundertsechsundzwanzig."

Und Morita Kazue rechnete es nicht nach und nickte nicht und sagte auch nicht, dass das wenig sei.

„Dann haben Sie dasselbe Problem", sagte sie. „Und Sie haben es an einer anderen Stelle."

„An welcher?"

„Bei Ihnen ist der Mensch knapp", sagte Morita Kazue. „Und hier ist der Mensch das Einzige, was nicht knapp ist."

Meifeng stand danach noch einen Moment an der Tür.

Denn das war die ganze Sache, und diese Frau hatte sie in zwei Sätzen gesagt, und sie hatte dafür keinen Vorwurf gebraucht und keinen Vergleich.

„Frau Morita, ich habe noch zwei Fragen."

„Morgen."

„Ja", sagte Meifeng.

Und sie ging die vierhundert Meter zurück und ging sie langsam.

Und der Kies war gefroren, und am Wasser stand niemand, und im mittleren Teil der chinesischen Basis brannte Licht, weil dort die Liste hing.

Auf der Liste standen vierzehn Namen und fünf leere Zeilen.

Und darunter hing seit dem ersten Januar ein Blatt mit der Elf-Tage-Regel, und darunter stand, wer sie aufgeschrieben hatte.

Und seit heute Abend stand daneben ein Datum, und das Datum war der neunte Januar.

Sie schrieb den Tagesbericht in achtzehn Zeilen.

Und in Zeile vier stand achtzehn im Monat, und in Zeile fünf stand acht im Januar, und in Zeile sechs stand heute noch fünf.

In Zeile achtzehn stand ein Satz, der nicht zum Bericht gehörte.

Ich habe heute nicht hingesehen, und der Grund liegt datiert in Songjiang.

Sie strich ihn nicht.

Und sie schickte den Bericht so, wie er war, weil ein Bericht, aus dem man den unangenehmen Satz herausnimmt, in vier Wochen von jemandem gelesen wird, der nicht dabei war.

Am vierten Januar würden siebzehn Leute durch dieses Portal gehen.

Und in der langen Halle am Ostufer würden an diesem Tag fünf Kerne liegen, und einundneunzig Plätze, und eine Frau am Kopfende der ersten Reihe, die von 06:00 bis 20:00 nichts anderes tat.

Meifeng machte das Licht um 22:10 aus.

Und sie hatte an diesem Abend warme Hände, und das war das Einzige an diesem zweiten Januar, was sie sich selbst nicht erklären musste.

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