Der lange Tisch stand seit dem November 2133 im Hof.
Und er stand dort im Sommer und im Winter, weil Han Da ihn dorthin gestellt hatte und weil ihn seitdem niemand verrückt hatte, und im Winter kamen Kohlebecken darunter.
Am dreißigsten Dezember 2136 stellte Han Da vier davon hin.
Das war eines mehr als sonst.
„Herr Han."
„Junger Herr."
„Vier?"
Und Han Da schob das vierte mit dem Fuß an die schmale Seite.
„Junger Herr, Frau Tang sitzt am schmalen Ende", sagte er.
„Seit wann?"
„Seit dem einundzwanzigsten. Der Stuhl mit der Lehne steht dort."
Gu Tian sah an der Tischkante entlang.
Und der Stuhl stand da, wo Han Da ihn beschrieben hatte, und er stand mit dem Rücken zur Mauer, weil dort kein Zug ging.
Han Da hatte am Nachmittag die Bank angehoben.
„Herr Han, kippelt sie noch?"
„Sie kippelt seit November."
„Woran liegt es?"
Und er klopfte mit dem Absatz gegen das Bankbein.
„Junger Herr, nachgegeben hat der Boden und nicht die Bank", sagte er.
„Wann richten Sie das?"
„Und zwar im Frühjahr, wenn er trocken ist", sagte Han Da.
Es war ein Mittwoch, und es war der vorletzte Tag des Jahres.
Und das Jahr endete an diesem Tisch ohne jede Vorbereitung, weil das Haus etwas anderes vorbereitete.
Fang Xiuying kochte seit dem achten Juli für zwanzig.
Und sie hatte die Zahl an keinem Tag geändert, auch nicht an den Tagen, an denen zwölf am Tisch saßen, und sie hatte auch nie erklärt, warum sie sie nicht änderte.
Am dreißigsten Dezember kochte sie für zwanzig.
„Frau Fang."
„Junger Herr?"
„Was gibt es?"
Sie hob einen Deckel an und ließ ihn wieder fallen.
„Junger Herr, das, was Sie am liebsten essen", sagte sie.
„Und das, was Frau Tang verträgt."
„Wenn das zweierlei ist?"
„Dann steht beides auf dem Tisch."
Auf dem niedrigen Bord an der Ostwand standen sechs Schalen und ein flacher Korb mit Walnüssen.
Und die Nüsse standen dort erst seit dem Nachmittag, und Fang Xiuying hatte sie hingestellt, ohne dass jemand danach gefragt hatte.
Gu Zhong kam um 18:10 mit seinem Buch.
Und er setzte sich an das breite Ende und schlug es auf und las die Zahl vor, die er jeden Abend vorlas.
„Junger Herr, dreihundertsechsundzwanzig."
„Herr Gu Zhong."
„Und heute trage ich nichts ein", sagte er.
„Warum nicht?"
Und Gu Zhong klappte das Buch zu, ohne die Seite zu wechseln.
„Junger Herr, weil in dieser Spalte niemand steht, der verreist ist", sagte er.
Zixuan blieb hinter ihm stehen und sah in das Buch.
„Herr Gu Zhong, das ist keine Spalte für Anwesenheit."
„Nein."
„Und trotzdem lassen Sie sie heute leer."
„Und zwar so lange, bis alle wieder da sind", sagte Gu Zhong.
Um 18:30 saßen sie.
Und es waren fünfzehn, und das war weniger als im Sommer, weil zwei im Lagezentrum waren und drei in Fujian und weil Frau Chen an diesem Abend nicht kam.
Zwischen Tang Shu und Zixuan stand eine leere Schale.
Sie stand dort seit dem siebten Juli.
Und niemand hatte sie je weggeräumt, und Fang Xiuying wischte am Morgen um sie herum, und im Dezember stellte sie sie näher an das Kohlebecken, damit sie nicht kalt wurde.
Es hatte auch das niemand erklärt.
Xuan Ling nahm sich als Erste, weil sie das immer als Erste tat.
Und Sheilan sah ihr dabei zu, und dann schob sie die Salzschale einen halben Meter nach rechts, an Xuan Ling vorbei.
„Frau Sheilan."
„Frau Xuan?"
„Das Salz steht dort falsch."
„Und es steht bei Frau Tang."
„Und?"
Sheilan aß weiter.
„Und Frau Tang salzt zu viel, und Sie salzen zu wenig, und dazwischen liegt ein halber Meter", sagte sie.
Xuan Ling nahm sich von dem Gemüse und sagte dazu nichts.
Und das war der Streit, den dieses Haus seit dem Frühjahr 2136 ungefähr viermal die Woche führte, und er ging nie aus und wurde nie entschieden.
Han Da hatte ihn im Herbst einmal schlichten wollen und war seitdem klüger.
Gu Lian setzte sich neben Tang Shu und rückte deren Stuhl zurecht, ohne zu fragen.
„Frau Gu."
„Frau Tang?"
„Der stand richtig."
„Und jetzt steht er zwei Finger weiter von der Kante weg", sagte Gu Lian.
„Warum?"
„Weil Sie beim Aufstehen daran hängen bleiben."
Luo Shuang saß am nördlichen Rand und hatte drei Kisten neben sich stehen.
„Fräulein Luo."
„Herr Gu?"
„Sie packen am Tisch."
„Ich packe nicht", sagte sie.
„Und ich sehe nach, ob ich gepackt habe."
„Wie oft?"
„Heute zum vierten Mal."
„Und?"
Sie schob den Deckel der obersten Kiste wieder zu.
„Und viermal dasselbe. Das ist der Punkt", sagte sie.
Gu Tian nahm sich Reis.
„Fräulein Luo, was ist in den Kisten?"
„Zwei Geräte, die ich kenne."
„Und keins, das ich dort brauchen werde."
„Warum nehmen Sie sie mit?"
„Weil ich ohne sie keine Grundlinie anlegen kann", sagte Luo Shuang. „Und weil ich in drei Tagen eine Zahl haben werde, hinter die ich mich nicht stelle."
„Und in sechs Wochen?"
„In sechs Wochen bin ich wieder hier."
Meifeng fragte über den Tisch hinweg nach dem Ufer.
„Fräulein Luo, zweihundertvierzig Meter vom Wasser – steht das noch so?"
„Frau Song, es steht seit dem fünften Dezember so."
„Und seitdem ist es dreimal gewachsen."
„Ja."
„Dann steht es nicht mehr so."
„Und ich weiß es erst, wenn ich davorstehe", sagte Luo Shuang.
Han Meiyu saß neben Tang Shu und aß langsam.
Und sie sprach an diesem Abend wenig, wie sie an jedem Abend wenig sprach, und was sie sagte, sagte sie zu der Person, die es anging.
„Frau Tang, am achten."
„Frau Han?"
„Und dann wieder am zweiundzwanzigsten, und wenn etwas dazwischen ist, kommen Sie dazwischen", sagte sie.
Tang Shu legte die Stäbchen quer über die Schale.
„Frau Han, und wenn nachts etwas ist?"
„Und dann schicken Sie jemanden über den Hof."
„Wenn niemand da ist?"
Han Meiyu sah nicht auf.
„Frau Tang, es ist immer jemand da."
„Und das ist die einzige Zahl, die in diesem Haus stimmt", sagte sie.
Song Meifeng saß Tang Shu gegenüber.
Und sie hatte an diesem Abend die Hände nicht in den Ärmeln, weil vier Kohlebecken unter dem Tisch standen und weil das reichte.
„Frau Tang."
„Frau Song?"
„Sie sitzen zu nah am Becken."
„Ich sitze richtig."
„Und?"
Tang Shu rückte den Stuhl nicht.
„Und ich rücke, wenn mir warm wird", sagte sie.
„Sie merken es zu spät."
„Frau Song, das haben Sie im November auch gesagt."
„Und im November hatte ich recht", sagte Meifeng.
Es lachte jemand am unteren Ende des Tisches, und es war Gu Lian.
Und Meifeng sah nicht hin, und Tang Shu sah nicht hin, und beide aßen weiter, und beide hatten den ganzen Abend nicht ein einziges Mal etwas anderes gesagt als „Frau Song" und „Frau Tang".
Gu Lin Aelir saß zwischen seiner Großmutter und einem leeren Stuhl.
Und er war am zweiten Dezember einundzwanzig Monate alt geworden, und er sprach jetzt mehr Wörter, als jemand zählte, und er setzte zwei davon hintereinander.
Er aß an diesem Abend mit den Händen und ließ sich das nicht abgewöhnen.
Um 19:05 rutschte er vom Stuhl.
Und niemand hielt ihn fest.
Er lief an drei Plätzen vorbei zur Ostwand, wo das niedrige Bord stand, und er blieb einmal stehen, weil Han Da wieder ein Bein ausgestreckt hatte.
Am Bord stand der flache Korb mit den Walnüssen.
Und er nahm eine, und er nahm sie mit beiden Händen, obwohl eine Hand gereicht hätte, und dann lief er zurück und legte sie neben Han Da.
Han Da knackte sie mit dem Griff seines Messers und legte die Hälften hin.
Und der Junge sah sich das an und lief wieder los.
Sheilan und Xuan Ling stritten in diesem Augenblick darüber, ob Salz vor oder nach dem Kochen an den Fisch gehörte.
Und es war der zweite Teil desselben Streits, und er lief seit ungefähr elf Minuten.
„Neun", sagte Gu Tian.
Niemand sah auf.
Und Han Da knackte die neunte Nuss und legte die Hälften zu den anderen, und der Junge trug sie einzeln zurück zum Bord, weil das die zweite Hälfte des Spiels war.
Zixuan hatte ihr Buch nicht mitgebracht.
„Bruder."
„Zixuan?"
„Ich habe es liegen lassen."
„Warum?"
Und sie schob ihre Schale ein Stück von sich weg, was bei ihr hieß, dass sie einen Satz vorbereitet hatte.
„Weil ich es sonst aufschlage", sagte sie.
„Und?"
„Und wenn ich es aufschlage, trage ich ein, was hier gesagt wird."
„Wenn du es einträgst?"
Zixuan sah auf die leere Schale zwischen sich und Tang Shu.
„Bruder, dann ist es ein Vorgang", sagte sie.
Und Gu Lian legte ihr eine Hand auf den Arm und nahm sie gleich wieder weg.
„Kleine Schwester."
„Schwester?"
„Und du hast es zweimal geholt und zweimal zurückgetragen."
Und Zixuan sah in ihre Schale.
„Ja", sagte sie.
Um 19:20 wurde von der anderen Seite über etwas ganz anderes gestritten.
Han Da wollte den Tisch im Frühjahr um zwei Handbreit verbreitern, und Fang Xiuying war dagegen, weil sie dann nicht mehr in die Mitte reichte.
„Frau Fang, ich mache es an der Nordseite."
„Herr Han, dann steht die Nordseite im Weg."
„Und sie steht schon im Weg."
„Und?"
Fang Xiuying stellte die Kanne ab.
„Und ich gehe seit sechzehn Jahren um diesen Tisch herum, und ich weiß, wo er im Weg steht", sagte sie.
Han Da sagte darauf nichts und nahm sich zum zweiten Mal Fisch.
Und dieser Streit war belanglos, und alle am Tisch wussten es, und deswegen führten sie ihn.
Gu Tian aß und hörte zu und sagte nichts dazu.
Und er saß seit 18:30 an derselben Stelle, und vor ihm lagen an diesem Abend keine Blätter, und das war Chen Ruolans Verdienst und nicht seiner.
Tang Shu sprach ihn um 19:40 an.
Und sie sprach ihn über die Ecke des Tisches hinweg an, nicht leiser als sonst, und der Streit über den Fisch lief daneben weiter.
„Tian."
„Shu."
„Wie lange?"
Und er legte die Stäbchen nicht hin.
„Der Plan sagt vierzehn Tage bis zum ersten Eintritt und danach so lange, wie es dauert."
„Und der Plan von Herrn Lu?"
„Der sagt dasselbe mit anderen Wörtern."
„Tian, ich frage nicht nach dem Plan."
„Ich weiß."
„Und?"
Und er sah sie an und antwortete nicht schneller, als er es sonst tat.
„Es kann länger dauern", sagte er. „Und es kann über den März hinausgehen."
Und Tang Shu nickte einmal.
„Das habe ich mir gedacht."
„Seit wann?"
„Seit dem vierundzwanzigsten, als du gesagt hast, dass die Berichte regelmäßig kommen."
„Und was war daran?"
„Regelmäßig ist ein Wort für lange", sagte Tang Shu.
Und Gu Tian widersprach dem nicht, weil es stimmte.
„Shu, ich verspreche dir nichts über den März."
„Nein."
„Ich kann es nicht."
„Ich habe dich nicht darum gebeten", sagte sie.
Es blieb an dieser Ecke des Tisches einen Moment still, und am anderen Ende wurde weiter über die Nordseite gestritten.
„Und was ich dir zugesagt habe, halte ich."
„Was hast du zugesagt?"
„Berichte", sagte er.
„Und zwar regelmäßig und nicht beschönigt."
„Auch wenn es schlecht steht?"
„Auch dann."
„Auch wenn du meinst, ich soll es später erfahren?"
Und er dachte etwa vier Sekunden nach, weil das die Frage war, die eine Antwort brauchte.
„Auch dann, Shu", sagte er.
„Gut."
„Und mehr habe ich nicht."
„Tian, das ist auch alles, was du haben kannst", sagte sie.
Und sie nahm die Stäbchen wieder auf, und dann sagte sie den Satz, für den sie an diesem Abend nichts vorbereitet hatte.
„Yinghua kommt im März."
„Ja."
„Und wenn du nicht da bist, ist sie trotzdem da."
„Ja."
„Und wenn du nicht wiederkommst, ist sie auch da", sagte Tang Shu.
Sie sagte das genauso ruhig wie den Satz davor.
Und es war bei ihr seit Jahren so, sobald es um Tote ging, und es überraschte an diesem Tisch niemanden mehr, und Gu Tian hatte es sich nie erklärt.
„Shu."
„Ja?"
„Was brauchst du dann?"
Und sie dachte darüber länger nach als er.
„Einen Namen, der schon vergeben ist", sagte sie. „Und der ist er."
„Und sonst?"
„Und sonst nichts, was du von dort aus geben kannst."
„Frau Song bleibt bis Mai in Japan?"
„Sie bleibt, solange die Basis steht."
„Und dann?"
„Und dann bleibt sie noch elf Tage nichts tun, weil das ihre Regel ist und meine auch", sagte Tang Shu.
Gu Tian sah zu Meifeng hinüber, die am anderen Ende saß und mit Han Meiyu über etwas sprach, das mit Verbandsmaterial zu tun hatte.
Und er sagte dazu nichts.
Der Läufer kam um 20:05 durch das Hoftor.
Und er kam aus dem Lagezentrum und nicht aus dem Archiv, und er ging nicht um den Tisch herum, sondern blieb am Rand stehen, weil ihm das jemand beigebracht hatte.
Zixuan stand auf und ging zu ihm.
Und sie kam mit einem Blatt zurück und setzte sich wieder hin, bevor sie es las.
„Bruder."
„Zixuan?"
„Nachrichtlich", sagte sie.
„Von wem?"
„Japanische Portalaufsicht, über das Lagezentrum."
„Und eingegangen um 19:50."
„Lies."
Und sie las es vor, wie sie alles vorlas, nämlich vollständig und ohne die Stimme zu heben.
„Himmlische See, Nordbecken Biwa-See. Vierzehnte Stufe, gemessen am dreißigsten Dezember um 04:12 Ortszeit."
„Abstand zur dreizehnten: elf Tage fünf Stunden."
„Nachrichtlich."
Am Tisch aß weiter, wer aß.
Und Han Da nahm sich zum dritten Mal Fisch, und Sheilan schob die Salzschale wieder nach links, und der Junge trug eine Nuss zum Bord zurück.
Luo Shuang hielt die Hand auf.
„Fräulein Luo?"
„Ich lese es selbst, Herr Gu."
„Und vorgelesene Zahlen höre ich falsch."
Zixuan gab ihr das Blatt über zwei Plätze hinweg.
Und Luo Shuang las es zweimal und legte es dann neben ihre Schale, mit der beschriebenen Seite nach unten.
„Und?"
„Der zwölfte Abstand war sieben Tage", sagte Luo Shuang. „Der dreizehnte war sieben Tage. Der vierzehnte ist elf Tage fünf Stunden."
„Er ist länger geworden."
„Drei Abstände werden gar nichts."
„Und ein Abstand, der aus der Reihe fällt, ist ein Abstand, der aus der Reihe fällt."
„Fräulein Luo, wann sind es genug?"
„Bei sechs weiß ich, ob es eine Kurve ist", sagte sie.
„Und bei sechs bin ich dort und messe selbst, und dann ist es keine fremde Zahl mehr."
„Und bis dahin?"
„Bis dahin steht es auf einem Blatt, das nachrichtlich ist."
Und sie drehte das Blatt trotzdem nicht um.
Gu Tian aß den Rest von dem, was in seiner Schale war.
„Fräulein Luo."
„Herr Gu?"
„Ändert es etwas an morgen?"
Und Luo Shuang sah ihn an, und der Streit über die Nordseite lief immer noch.
„Nein", sagte sie.
„Und dann steht es morgen in Ihrer Kiste."
„Es steht schon darin."
Gu Zhong hatte die ganze Zeit dagesessen und nichts gesagt.
„Junger Herr."
„Herr Gu Zhong?"
„Fünfzehn Stufen sind viel."
„Ja."
„Wird es ein sechzehntes Mal geben?"
Und Gu Tian schob die Schale von sich weg.
„Herr Gu Zhong, ja", sagte er.
„Und dann sind Sie dort."
„Ja."
Zixuan trug das Blatt nach dem Essen ins Archiv und legte es unter das Zeichen, unter dem alles aus Japan lag.
Und sie legte es an diesem Abend als Letztes ab und nicht als Erstes, und das war der einzige Unterschied zu jedem anderen Tag.
Xingchen kam um 20:20 über die Mauer.
Und sie kam in ihrer kleinen Form und legte sich auf das Holz neben die leere Schale, weil das die wärmste Stelle des Tisches war.
„Gu Tian."
„Xingchen?"
„Ihr redet heute weniger."
„Wir essen."
„Ihr esst auch weniger."
„Und?"
Der Drache legte den Kopf auf die Vorderklauen.
„Und ich sage es nur, weil es sonst niemand sagt", sagte sie.
Gu Lian füllte nach, ohne gefragt zu werden.
Und sie füllte bei Tang Shu nach und bei Zixuan und bei Han Meiyu und ließ die leere Schale leer.
Fang Xiuying stellte Tang Shu eine kleine Schüssel hin, in der etwas nach Ingwer roch.
„Frau Fang, das hatte ich heute schon zweimal."
„Ja."
„Morgen?"
„Und morgen zum dritten Mal", sagte sie.
„Frau Fang, ich habe es Ihnen im Juli einmal gesagt und seitdem nicht mehr."
„Frau Tang, einmal reicht."
Um 20:40 stand Meifeng auf und ging um den Tisch zu ihrem Sohn.
Und sie ging nicht schnell, und sie nahm ihn nicht hoch, und sie setzte sich neben ihn auf den leeren Stuhl und redete mit ihm in ganzen Sätzen, wie es in diesem Haus alle taten.
„Lin."
Und der Junge sah sie an.
„Ich bin eine Weile weg", sagte sie.
„Weg."
„Ja."
„Weg."
Und Meifeng nickte einmal.
„Lin, und Frau Tang ist da", sagte sie.
Der Junge sah zu Tang Shu, die am schmalen Ende saß, und dann wieder zu seiner Mutter.
„Da", sagte er.
Und das war seit dem Sommer 2136 dasselbe Wort, und niemand hatte es ihm beigebracht.
Gu Tian sah das von seinem Platz aus.
Er sagte dazu nichts, und Meifeng sah nicht zu ihm herüber, und es hätte auch nichts geändert.
Han Da hatte an diesem Abend eine Handvoll Späne und drei Keile in der Jackentasche.
Und die Keile waren für die Bankbeine, weil der Hofboden im November nachgegeben hatte und die Bank seitdem kippelte, und er hatte sie am Nachmittag aus einem Rest Kiefer geschnitten.
Zwei hatte er schon untergeschlagen.
Der dritte lag um 21:00 auf der Tischkante.
Und Gu Lin Aelir nahm ihn.
Er nahm ihn, wie er alles nahm, nämlich mit beiden Händen, und niemand nahm ihn ihm ab, weil er keine Kante hatte, an der man sich schnitt.
Dann ging er damit um den halben Tisch herum.
Und er ging an Sheilan vorbei und an Zixuan vorbei und an der leeren Schale vorbei, und er brauchte dafür länger als sonst, weil er etwas trug.
Er blieb neben seinem Vater stehen und hielt den Keil hoch.
„Tor", sagte er.
„Lin."
„Tor auf."
Es sagte einen Moment lang niemand etwas.
Und dann sagte Xuan Ling den Satz, den an diesem Tisch sonst niemand gesagt hätte.
„Tian'er, er meint, das macht das Tor auf", sagte sie.
„Woher hat er das?"
„Aus dem Hof."
„Und Herr Han hat gestern eine Tür ausgehängt, und der Junge hat zugesehen."
„Und der Keil?"
Xuan Ling nahm sich von dem Gemüse.
„Tian'er, der Keil lag daneben", sagte sie.
Der Junge hielt ihn immer noch hoch.
Und er hielt ihn mit ausgestrecktem Arm, und der Arm war einundzwanzig Monate alt und wurde schwer, und er ließ ihn trotzdem nicht sinken.
Der Keil war drei Finger lang.
Und er war aus Kiefer, auf einer Seite gehobelt und auf der anderen nicht, und an der dicken Kante war das Holz ausgerissen.
Er öffnete nichts.
Er war ein Stück Abfall aus einer Werkstatt, und er hatte kein Zeichen, keine Formation und keine Geschichte, und er wäre in vier Wochen verbrannt worden.
Gu Tian nahm ihn.
„Danke", sagte er.
„Tor auf."
„Ja."
Und der Junge ließ den Arm sinken und ging zurück zu seinem Stuhl und aß weiter, und das war das Ende der Sache, soweit es ihn betraf.
Han Da sah von der Bank her zu.
„Junger Herr, ich schneide Ihnen einen neuen."
„Nein."
„Der ist ausgerissen."
„Herr Han, ich habe diesen", sagte Gu Tian.
Han Da nahm sich zum vierten Mal Fisch und sagte nichts weiter dazu.
Und Luo Shuang sah kurz auf den Keil und dann weg, und sie fragte nicht, und in ihre Spalten kam er nicht.
Gu Tian legte ihn neben seine Schale.
Und er lag dort bis zum Ende des Essens, und wenn jemand die Kanne über den Tisch schob, schob er ihn beiseite und wieder zurück.
Um 21:15 fing das Abräumen an.
Und es fing an, wie es immer anfing, nämlich damit, dass Fang Xiuying aufstand und dass danach vier andere aufstanden und sie es nicht verhinderte.
Gu Zhong ging als Erster hinein, weil er um 21:30 schlief.
Sheilan und Xuan Ling gingen zusammen, und sie stritten dabei über etwas Drittes.
Han Meiyu sagte zu Tang Shu noch einmal am achten und ging.
Der Junge schlief um 21:20 auf Gu Lians Schoß ein.
Und Gu Lian trug ihn hinein, und Zixuan ging mit und nahm die Kanne mit, und Han Da löschte zwei von den vier Kohlebecken.
Gu Tian trug zwei Schalen zur Küchentür.
Und er trug sie, weil er sie in der Hand hatte, und nicht, weil ihn jemand darum gebeten hatte, und der Weg von der schmalen Seite des Tisches zur Küchentür war kurz.
An der Tür standen Meifeng und Tang Shu.
Und sie standen dort allein, und die anderen waren im Hof oder im Haus, und die beiden räumten das ein, was Fang Xiuying nicht mehr anfasste.
Meifeng hielt ein Glas hoch.
„Shu, der Ingwer steht jetzt im zweiten Fach."
„Warum?"
„Weil du sonst auf die Zehen musst."
Und Tang Shu nahm ihr das Glas ab und stellte es selbst hin.
„Dann stell ihn zurück, wenn du wiederkommst", sagte sie.
„Ja."
„Und die Kanne kommt nach unten, Meifeng. Die ist zu schwer."
„Ich weiß."
Gu Tian stellte die zwei Schalen ab und ging wieder hinaus.
Im Hof brannten noch zwei Kohlebecken, und der Tisch war halb leer.
Und Han Da rollte die Schnur auf, die er zum Messen benutzte, und steckte sie ein und ging.
Xingchen war schon auf dem Süddach.
Tang Shu kam um 21:40 heraus und setzte sich wieder an das schmale Ende.
Und sie setzte sich, weil das Aufstehen und Hinsetzen im siebten Monat zwei getrennte Vorgänge waren und sie an diesem Abend genug davon gehabt hatte.
„Tian."
„Shu?"
„Setz dich hin."
Und er setzte sich auf den Platz neben ihr, der leer war, und das war ein anderer als der, auf dem er den ganzen Abend gesessen hatte.
„Ich habe heute Nachmittag die Liste fertig gemacht", sagte sie.
„Welche?"
„Die vier Fragen für die japanische Seite."
„Und für jeden Ring einzeln."
„Und?"
Sie hatte das Blatt nicht dabei, weil sie es am Nachmittag weggegeben hatte.
„Und drei Ringe haben alle vier ausgefüllt, und beim vierten steht bei wer räumt ein Wort, das ich nicht übersetzt bekomme."
„Wer übersetzt?"
„Fräulein Luo hat es einer Frau aus dem Lagezentrum gegeben."
„Und die Frau sagt, das Wort heißt beides."
„Beides?"
„Die zuständige Stelle und wer gerade da ist", sagte Tang Shu.
Und Gu Tian sah auf den Tisch.
„Dann fragen wir noch einmal."
„Ich habe schon noch einmal gefragt."
„Und es geht morgen früh hinaus."
„Shu."
„Ja?"
„Du hättest das nicht heute machen müssen."
Und sie legte die Hände auf den Bauch, weil sie sie irgendwohin legte.
„Doch", sagte sie. „Und zwar heute, weil ich morgen nicht mehr dazu komme."
„Warum nicht?"
„Weil morgen alle weg sind."
„Und weil ich mir dann Arbeit suche, die keine ist."
Sie sagte das ohne besonderen Ton.
Und Gu Tian antwortete darauf nicht, weil er darauf nichts hatte, und sie hatte auch nichts erwartet.
Meifeng kam um 21:55 heraus und blieb hinter Tang Shus Stuhl stehen.
„Frau Tang."
„Frau Song?"
„Es wird kalt."
„Noch nicht."
„Und?"
Meifeng legte ihr eine Hand auf die Schulter und nahm sie nach zwei Sekunden wieder weg.
„Und ich sage es Ihnen um zehn noch einmal", sagte sie.
Tang Shu stand um 22:10 auf, und Meifeng ging mit ihr über den Hof, und sie redeten dabei über eine Tür, die klemmte.
Gu Tian blieb am Tisch sitzen.
Xuan Ling fand ihn dort um 22:25.
Und sie setzte sich diesmal, und das tat sie selten, und sie setzte sich auf den Platz, auf dem Han Da gesessen hatte, weil der der Bank am nächsten war.
„Tian'er."
„Mutter?"
„Der Junge geht dir nach."
„Er geht allen nach."
„Er geht dir nach, seit du gepackt hast", sagte Xuan Ling.
„Und?"
„Und ich sage es dir nicht, damit du etwas tust."
„Warum dann?"
Und sie sah über den Tisch, auf dem noch die leere Schale stand.
„Tian'er, weil ich achtzehn Jahre lang niemanden hatte, dem ich es hätte sagen können", sagte sie.
Es blieb auf der Bank einen Moment still.
„Mutter."
„Ja?"
„Er kann bis morgen früh bei Ihnen bleiben."
„Er bleibt sowieso bei mir", sagte Xuan Ling.
Sie stand um 22:40 auf und ging hinein.
Und sie nahm im Vorbeigehen die leere Schale nicht mit, und das tat in diesem Haus niemand.
Fang Xiuying kam noch einmal heraus und wischte den Tisch ab.
Sie wischte um die Schale herum, wie sie jeden Morgen um sie herumwischte.
„Junger Herr."
„Frau Fang?"
„Ich koche morgen für zwanzig."
„Es sind morgen weniger."
„Das weiß ich."
„Und?"
Sie faltete das Tuch zusammen.
„Und ich habe die Zahl im Juli festgelegt und nicht für einen bestimmten Abend", sagte sie.
Um 23:00 war der Hof leer.
Das letzte Kohlebecken glomm noch, und auf dem langen Tisch, den ein Zimmermann im November 2133 gebaut und zweimal aufgesägt hatte, standen eine leere Schale und ein Stück Kiefer.
Gu Tian nahm den Keil.
Und er drehte ihn einmal um und sah sich die ausgerissene Kante an, und sie sah aus, wie ausgerissenes Kiefernholz aussieht.
Der Mantel lag im Ostflügel über der Kiste, weil er seit dem Nachmittag dort lag.
Und in der linken Innentasche steckten zwei Blätter und ein Kartenrand, und der Keil passte daneben, ohne dass etwas heraussah.
Er steckte ihn hinein.
Dann ging er zurück in den Hof und löschte das letzte Kohlebecken, weil Han Da es vergessen hatte.
Um 23:20 stand er noch einmal an der Tischkante und sah auf den Platz am schmalen Ende, wo der Stuhl mit der Lehne stand.
Er dachte in diesen Sekunden nichts Kluges.
Im Archivflügel brannte Licht.
Und Zixuan legte um 23:35 das letzte Blatt des Jahres ab, und es war das aus Japan, und sie trug es unter dem Zeichen ein, unter dem alles aus Japan lag.
Sie schrieb nachrichtlich daneben und nicht mehr.
Am einunddreißigsten Dezember um 05:40 war der Hof kalt.
Und im Ostflügel lag ein Mantel über einer Kiste, und in der linken Innentasche steckten zwei Blätter, ein Kartenrand und ein Keil aus Kiefernholz, der nichts öffnete.
Auf dem langen Tisch stand eine leere Schale.
Fang Xiuying wischte am Morgen um sie herum.