Die Heilhalle in Songjiang hatte zwei Türen.
Und die hintere war seit dem Sommer 2135 zugenagelt.
Das lag nicht an der Sicherheit, sondern daran, dass eine Halle mit zwei Türen zwei Leute braucht, die wissen, wer hereinkommt.
Der zweiundzwanzigste Dezember 2136 war ein Dienstag.
Und an gewöhnlichen Dienstagen reichte in dieser Halle eine Heilerin, und Song Meifeng hatte diesen Satz vor achtzehn Tagen an einem Tisch gesagt, an dem neun Leute an der Wand saßen und nichts sagten.
Sie war um 05:40 in der Halle und nicht, weil jemand sie geholt hatte.
Die Öfen brannten seit dem sechsten November.
Und der zweite Ofen zog schlecht, und Han Da hatte gesagt, das komme vom Wind aus Nordost und nicht vom Ofen.
Auf dem Bord über dem Becken standen vierzehn Gefäße.
Meifeng räumte sie nicht um. Sie sah sie an, so wie man einen Raum ansieht, in dem man eine Weile nicht sein wird.
Vom ersten bis zum einundzwanzigsten Dezember waren einhundertvierundfünfzig Leute in diese Halle gekommen.
Einhundertneunzehn davon brauchten einen Verband und Ruhe, sechsundzwanzig brauchten mehr.
Und neun brauchten jemanden, der hinsieht.
Bei sieben von den neunen hatte sie selbst hingesehen.
Bei zweien nicht.
Und beide Male hatte Han Meiyu es allein gemacht, und beide Male war es gut gegangen, und das eine Mal war es knapp gewesen.
Meifeng führte darüber kein Buch.
Han Meiyu führte eines.
Und es war das zweite Buch, und es lag im Eckschrank hinter dem Vorhang, und Meifeng las es freitags.
Am Sonntagabend, dem zwanzigsten Dezember, hatte sie sich an den kleinen Tisch im Vorderraum gesetzt und ein Blatt vollgeschrieben.
Und es war kein langes Blatt geworden, und es hatte oben keine Überschrift, und unten stand kein Name.
Auf der oberen Hälfte standen fünf Fragen.
Und auf der unteren standen fünf Dinge, die liegen bleiben würden.
Sie hatte es am Montag nicht angefasst.
Am Dienstagmorgen legte sie es auf den Tisch im Vorderraum, mit der beschriebenen Seite nach oben, und ging Wasser holen.
Gu Tian kam um 08:50.
Er kam durch die vordere Tür und blieb kurz hinter ihr stehen.
Und er sah zuerst auf den Tisch und dann auf sie.
„Ah Tian."
„Meifeng."
„Setz dich ans Fenster", sagte sie.
„Und der Stuhl mit der Lehne ist für Shu."
Er setzte sich ans Fenster.
Und er nahm das Blatt nicht hoch, obwohl es beschriftet vor ihm lag, und das hatte sie erwartet und war ihr trotzdem angenehm.
Tang Shu kam um 09:04 und brauchte vom Ostflügel bis zur Halle länger als im November.
Sie setzte sich auf den Stuhl mit der Lehne und legte die Hände auf den Bauch, so wie man im siebten Monat sitzt, wenn man weiß, dass man eine Weile sitzen wird.
„Frau Song."
„Frau Tang."
Meifeng schloss die Tür zum Vorderraum.
Und danach waren es drei Leute in einem Raum und sonst niemand.
„Shu."
„Meifeng."
„Ich fange mit dem Ende an", sagte Meifeng.
„Und sonst hören Sie mir bei der Begründung nicht zu."
„Dann fangen Sie mit dem Ende an."
„Wenn Nightfall zusagt, führe ich die medizinische Basis."
„Die chinesische?"
„Die chinesische", sagte Meifeng.
„Am Ufer, außerhalb, auf der Landseite."
„Und?"
„Und ich gehe nicht durch das Portal."
Tang Shu sagte darauf eine Weile nichts.
Gu Tian sagte auch nichts.
Und er sah dabei aus dem Fenster und nicht auf den Tisch.
„Das ist entschieden?", sagte Tang Shu.
„Seit Sonntagabend."
„Von wem?"
„Von mir", sagte Meifeng.
„Weiß es Zixuan?"
„Am Donnerstag."
„Warum nicht heute?"
„Weil ich es erst Ihnen beiden sage und dann dem Buch", sagte Meifeng.
„Wer stellt den Ort?"
„Japan."
„Und?"
„Und wer darin bestimmt, was geschieht, steht auf dem Entwurf nicht."
„Frau Song, das ist die Hälfte Ihrer ersten Frage."
„Ja."
„Und deswegen steht sie oben und nicht unten", sagte Meifeng.
Tang Shu zog das Blatt zu sich, drehte es aber nicht um.
„Fünf und fünf."
„Oben, was ich holen will. Unten, was hierbleibt."
„Lesen Sie oben."
Und Meifeng las oben nicht vor, sondern sagte es, weil sie es nicht auswendig gelernt, sondern aufgeschrieben hatte, damit sie es nicht vergaß.
„Erstens. Wer entscheidet dort, wer zuerst behandelt wird, wenn zwölf gleichzeitig ankommen."
„Und?"
„Und ob dieser Mensch dabei gleichzeitig etwas anderes tut", sagte Meifeng. „Weil das bei uns dieselbe Person ist und ich nicht weiß, ob das gut ist oder nur gewachsen."
„Zweitens?"
„Wer aufhören darf. Und ab welcher Minute."
Und Tang Shu sah kurz auf und sagte nichts dazu.
„Drittens. Ob es dort eine Zahl gibt wie meine elf Tage."
„Und wenn es eine gibt?"
„Dann will ich wissen, wer sie aufgeschrieben hat", sagte Meifeng.
„Und ob sie im dritten Monat noch gilt oder nur im ersten."
„Viertens?"
„Wie eine Hochrangverletzung dort aussieht, bevor jemand sie in ein Wort übersetzt."
„Erklären Sie das."
„In unseren Blättern steht innere Zerreißung und Wurzelriss und Rückstand", sagte Meifeng.
„Und das sind drei Wörter für vierzig verschiedene Sachen, und wir benutzen sie, weil Fräulein Luo sie 2131 in eine Spalte geschrieben hat."
„Dort?"
„Dort haben sie andere Wörter, und die sind aus anderen Verletzungen entstanden."
„Fünftens."
„Wie sie es machen, wenn der Verletzte und der Heiler keine gemeinsame Sprache haben."
Tang Shu drehte das Blatt jetzt doch um und sah auf die untere Hälfte und las sie nicht.
„Das ist keine Frage nach dem Dolmetscher."
„Nein", sagte Meifeng.
„Was ist es dann?"
„Ein Mensch, der Schmerzen hat, sagt zuerst etwas Falsches", sagte Meifeng.
„Und in unserer Sprache erkenne ich am dritten Satz, dass der erste falsch war."
„Und in einer fremden?"
„In einer fremden habe ich nur den ersten."
„Und?"
„Und ich behandle das, was er zuerst gesagt hat", sagte Meifeng.
„Das tun Sie hier auch."
„Hier merke ich es am Mittag. Dort merke ich es am dritten Tag."
Gu Tian sagte an dieser Stelle das erste Mal etwas, und es war kurz.
„Das ist die schwerste von den fünfen."
„Ich weiß", sagte Meifeng.
Und er sagte danach nichts weiter und nahm ihr die Frage nicht ab.
Tang Shu legte die Hand flach auf das Blatt.
„Frau Song, ich stelle jetzt die unhöfliche."
„Stellen Sie sie."
„Gehen Sie, weil er geht?"
Meifeng hatte mit dieser Frage gerechnet.
Und sie hatte trotzdem gebraucht, bis sie antwortete.
„Nein."
„Das ist eine kurze Antwort."
„Ja", sagte Meifeng.
„Und ich habe eine lange, und die ist unangenehmer."
„Sagen Sie die lange."
„In dieser Halle arbeiten neun Leute", sagte Meifeng.
„Und drei von den neunen können mehr als verbinden."
„Ich weiß."
„Und im November sind zehn Leute gekommen, bei denen das nicht gereicht hat, und im Dezember neun."
„Und?"
„Wenn im Januar am selben Tag drei davon kommen, dann geht es aus."
„Es ist noch nie ausgegangen."
„Es ist zweimal knapp gewesen", sagte Meifeng.
„Und beide Male habe ich hinterher aufgeschrieben, es sei gut gegangen."
Tang Shu sah sie an.
„Japan ändert daran was?"
„Japan ändert daran nichts", sagte Meifeng.
„Und Japan ist der einzige Ort, an dem ich in vierzehn Tagen sehe, wie es jemand anders macht, der mehr davon hat als wir."
„Mehr wovon?"
„Mehr Verletzte über dem A-Rang. Und mehr Jahre damit."
„Wenn es dort schlechter ist als hier?"
„Dann weiß ich es", sagte Meifeng.
„Und dann höre ich auf, unsere Halle mit einer Vorstellung zu vergleichen, die ich mir selbst gemacht habe."
Gu Tian drehte sich am Fenster halb um.
„Meifeng."
„Ah Tian?"
„Das ist ein guter Grund", sagte er, und weiter sagte er dazu nichts.
Und Tang Shu wartete, bis er wieder aus dem Fenster sah.
„Frau Song, es fehlt noch eine Sache in Ihrer langen Antwort."
„Welche?"
„Sie haben mir gesagt, warum Sie fahren", sagte Tang Shu.
„Und Sie haben mir nicht gesagt, warum Sie nicht hineingehen."
„Das steht nicht in derselben Zeile."
„Nein", sagte Tang Shu.
„Und deswegen frage ich getrennt."
Meifeng setzte sich auf die Bank am Fenster, gegenüber dem Stuhl mit der Lehne.
Und sie setzte sich hin und nicht auf die Kante, weil sie an diesem Vormittag noch nicht wieder aufstehen wollte.
„Es ist keine Vorsicht", sagte sie.
„Ich habe nicht Vorsicht gesagt."
„Sie haben es aber angenommen."
„Ja", sagte Tang Shu.
„Und ich nehme es zurück."
„Hinsehen dauert zwölf Minuten", sagte Meifeng.
„Und danach bin ich zwei Stunden zu nichts zu gebrauchen, das Hände braucht."
„Ich weiß."
„Und meine Grenze ist ein Einsatz und danach elf Tage."
„Die haben Sie selbst gesetzt."
„Am vierten Dezember, ja."
„Und?"
„Sie gilt für mich genauso wie für die anderen acht", sagte Meifeng.
„Und sonst ist es keine Grenze, sondern eine Laune."
Tang Shu bewegte sich auf dem Stuhl und gewann nichts damit.
„Rechnen Sie es mir vor."
„Ich gehe hinein", sagte Meifeng.
„Und im Kern liegt einer, und ich sehe hin, weil er vor mir liegt und weil ich es kann."
„Ja."
„Und dann bin ich elf Tage lang nicht die Leitung der Basis, sondern eine Frau, die auf einer Pritsche liegt und deren Hände kalt sind."
„Und in diesen elf Tagen?"
„In diesen elf Tagen kommt jeder Verletzte aus diesem Portal an eine Stelle, an der niemand mehr entscheidet, wer zuerst drankommt", sagte Meifeng.
„Das könnte jemand anders entscheiden."
„Ja."
„Und?"
„Und dann brauche ich dort niemanden, der die Basis führt", sagte Meifeng. „Dann brauche ich dort eine Heilerin, und dafür fahre ich nicht nach Japan."
Tang Shu sagte darauf nichts.
Und das war bei ihr keine Zustimmung, sondern das Ende einer Prüfung.
„Es gibt noch einen Grund", sagte Meifeng.
„Sagen Sie ihn."
„Eine Basis zu leiten ist etwas anderes als hinzusehen."
„Das ist kein Grund, das ist ein Unterschied."
„Der Unterschied ist der Grund", sagte Meifeng. „Wer drinnen ist, sieht einen Menschen."
„Und wer draußen steht, sieht alle, die noch kommen."
„Und wer beides will?"
„Wer beides will, macht das eine schlecht und weiß hinterher nicht, welches", sagte Meifeng.
Gu Tian stand am Fenster auf und ging nicht hinaus.
Und er ging zur Wand mit dem Bord, sah die vierzehn Gefäße an und stellte keines um.
„Ah Tian."
„Meifeng?"
„Du hast noch nichts dazu gesagt."
„Nein."
„Willst du?"
„Nein", sagte Gu Tian.
„Warum nicht?"
„Weil es dann meine wäre."
Meifeng nickte einmal und war damit zufrieden.
Und sie war es nicht auf die stille Art.
„Eine Sache sage ich doch", sagte Gu Tian.
„Sag sie."
„Auf dem Entwurf, den Wei Dianchen am Samstag geschickt hat, steht kein Feld dafür, wer die Reihenfolge bestimmt."
„Ich weiß", sagte Meifeng. „Ich habe ihn am Sonntag gelesen."
„Und?"
„Und ich schreibe es selbst hinein."
„In welches Feld?"
„In das leere unter Nummer sechs", sagte Meifeng.
„Und wenn es jemand streicht, will ich wissen, wer."
„Frau Song, was brauchen Sie dort, damit es überhaupt eine Basis ist?"
„Einen Raum mit einer Tür."
„Und?"
„Wasser, das nicht aus dem See kommt. Licht, das nicht ausgeht. Eine Wand, an der eine Liste hängen darf."
„Das ist wenig."
„Das ist alles, was ich verlangen kann, ohne dass mir jemand ausrechnet, was ich sonst noch verlange", sagte Meifeng.
„Gilt Ihre Zahl dort für alle?"
„Sie gilt für jeden, der auf meiner Liste steht."
„Auch für die sieben, die Sie nicht kennen?"
„Auch für die sieben."
„Wenn einer sie nicht einhält?"
„Dann steht sie an der Wand, an der die Liste hängt", sagte Meifeng.
„Und darunter steht, wer sie aufgeschrieben hat."
Gu Tian sah sie an und sagte dazu nichts weiter.
Und er streckte auch die Hand nicht nach dem Entwurf aus.
Auf dem Entwurf standen neunzehn Stellen und sieben Namen.
Von den sieben kannte Meifeng keinen.
Und die zwölf leeren Stellen würden bis zum Abfahrtstag nicht alle gefüllt sein, und das stand nicht darauf, sondern das wusste sie.
„Wie viele nehmen Sie von hier mit?", sagte Tang Shu.
„Eine."
„Wen?"
„Mich", sagte Meifeng.
Und Tang Shu sah auf.
„Nicht zwei von den dreien?"
„Nein."
„Warum nicht?"
„Weil ich am vierten Dezember auf diesen Tisch gelegt habe, dass ein Einsatz im Ausland zwei von den dreien mitnimmt", sagte Meifeng.
„Und weil das der Grund war, aus dem der ganze Tisch mir zugehört hat."
„Und jetzt nehmen Sie eine."
„Jetzt nehme ich eine, und die Halle behält zwei", sagte Meifeng.
„Und die Basis bekommt Leute, die nicht aus dieser Halle sind."
„Die Sie nicht kennen."
„Die ich nicht kenne."
„Frau Song, das ist die schlechtere Hälfte Ihres Plans."
„Ja", sagte Meifeng.
„Und es ist die einzige Hälfte, bei der hier niemand fehlt."
Es wurde in der Halle einen Moment still.
Und draußen ging jemand mit einem Eimer über den Hof.
„Dann die untere Hälfte", sagte Tang Shu.
„Fünf Sachen."
„Lesen Sie."
„Erstens. Die Behandlung führt Frau Han weiter, und die Nächte auch", sagte Meifeng.
„Und daran ändert sich nichts. Das ist keine Übergabe, sondern eine Feststellung."
„Zweitens?"
„Das zweite Buch."
„Das im Eckschrank?"
„Ich lese es freitags", sagte Meifeng.
„Und ab dem zweiten Januar liest es jemand anders, und zwar mittwochs, weil freitags nichts Besonderes ist außer, dass ich es so angefangen habe."
„Wer?"
Meifeng antwortete darauf nicht sofort.
„Sie", sagte sie.
„Drittens", sagte Tang Shu, ohne auf das Zweite einzugehen.
„Die Halle sagt Nein wie alle anderen."
„Das steht seit dem vierten Dezember."
„Es steht", sagte Meifeng.
„Und es hat bisher immer eine gesagt, die im selben Haus stand, und ab Januar steht die in einem anderen Land."
„Und?"
„Dann sagt es hier jemand, ohne mich zu fragen", sagte Meifeng.
„Und nicht: ohne mich zu fragen, weil es eilt. Sondern: ohne mich zu fragen."
„Viertens?"
„Die Briefe."
Und Tang Shu sah sie an und wartete, weil sie wusste, dass das Wort allein nicht reichte.
„Wer länger als neun Tage in dieser Halle liegt, dessen Familie bekommt am Freitag einen Brief", sagte Meifeng. „Seit dem August."
„Und es sind nie mehr als vier, und im Oktober waren es sieben."
„Wer schreibt sie?"
„Ich."
„Und ab Januar?"
„Ab Januar Sie", sagte Meifeng.
„Und schreiben Sie nicht meine Sätze."
„Warum nicht?"
„Weil eine Frau in Nantong im September zwei nebeneinandergelegt hat und mir geschrieben hat, sie seien gleich", sagte Meifeng.
„Und sie hatte recht, und ich habe mich geschämt."
„Fünftens."
Meifeng stand von der Bank auf und tat es langsamer, als sie musste.
„Mein Sohn ist einundzwanzig Monate alt."
„Ja."
„Und er fragt seit dem Herbst nach Leuten, die nicht im Raum sind."
„Er fragt nach Ihnen?"
„Er fragt nach allen", sagte Meifeng.
„Und er bekommt auf dieselbe Frage von vier Leuten vier verschiedene Antworten, und drei davon sind freundlich."
„Was soll er bekommen?"
„Einen Satz", sagte Meifeng.
„Und jeden Tag denselben, in denselben Wörtern, von wem auch immer er fragt."
„Welchen?"
„Deine Mutter ist in Japan und kommt wieder."
Tang Shu sagte das nach, einmal, leise, so wie man einen Satz nachsagt, den man behalten muss.
„Wenn er ihn zwanzigmal am Tag fragt?"
„Dann zwanzigmal", sagte Meifeng.
„Und wenn es nicht stimmt?"
Meifeng sah sie an.
Und Tang Shu sah nicht weg, und keine von beiden hielt das für unhöflich.
„Dann ist er der einzige in diesem Haus, dem man vier Wochen lang dasselbe gesagt hat", sagte Meifeng.
„Und das ist mehr, als ich hatte."
„Was ist mit dem Rest?"
„Welcher Rest?"
„Neun Leute in dieser Halle, dreihundertsechsundzwanzig im Haus, ein Kind, das nach allen fragt", sagte Tang Shu.
„Und ich bin im siebten Monat, Frau Song. Ich nehme vier Sachen und nicht vierzig."
„Ich habe Ihnen vier gegeben."
„Sie haben vier aufgeschrieben."
„Ja."
„Und gefragt haben Sie mich heute", sagte Tang Shu.
„Wäre es anders gewesen, wenn ich Sonntag gefragt hätte?"
„Nein."
„Warum sagen Sie es dann?"
„Damit Sie es das nächste Mal in der anderen Reihenfolge machen", sagte Tang Shu.
Sie ging danach zum Eckschrank und schob den Vorhang zur Seite.
Und der Vorhang lief auf einer Stange, und die Stange saß seit dem November locker, und Han Da wusste es und hatte es nicht gemacht, weil er es sich für einen Tag aufhob, an dem er sonst nichts zu tun hatte.
Im unteren Fach stand ein flacher Kasten aus Kiefernholz.
Darin lagen das zweite Buch, die Durchschriften der Freitagsbriefe seit August und ein Bündel mit den neun Namen aus dem Dezember.
Der Deckel war nur eingelegt und nicht eingehängt.
Meifeng hob den Kasten heraus und hatte ihn schief, bevor sie den ersten Schritt gemacht hatte.
„Shu, halt ihn fest. Er geht auf."
Tang Shu hatte eine Hand unter dem Deckel und die andere an der Kante.
Und sie brauchte dafür nicht aufzustehen.
„Ich hab ihn. Lass los, Meifeng."
Meifeng ließ los.
Der Kasten stand auf dem Tisch, der Deckel lag darauf.
Und keine von beiden sagte etwas dazu.
Gu Tian stand an der Wand mit dem Bord und hatte den Rücken zum Tisch.
Und er drehte sich nicht um.
Und Meifeng nahm das Bündel heraus und legte es neben den Kasten.
„Die neun aus dem Dezember. Zwei liegen noch."
„Namen?"
„Auf dem obersten Blatt", sagte sie.
Tang Shu las die beiden Namen und legte das Blatt zurück, wie es gelegen hatte.
„Frau Han weiß, dass ich das mache?"
„Frau Han weiß es seit gestern Abend."
„Und?"
„Sie hat gefragt, ob du mittwochs schon etwas anderes hast."
„Und?"
„Und ich habe gesagt, das müsse sie dich fragen", sagte Meifeng.
Es klopfte um 10:12 zweimal.
Und Han Meiyu machte die Tür auf, bevor jemand etwas gesagt hatte, und das tat sie seit Jahren so.
„Frau Song."
„Frau Han."
„Der Mann aus dem Nordhof ist da, und der Verband ist durch."
„Seit wann?"
„Seit heute Nacht, und er hat es bis jetzt niemandem gesagt."
„Frau Tang, entschuldigen Sie mich einen Moment."
„Frau Song, gehen Sie."
Han Meiyu sah einmal auf den Kasten auf dem Tisch und schrieb sich nichts dazu ins Gesicht.
„Frau Tang."
„Frau Han?"
„Mittwochs ist der Eckschrank ab 14:00 offen."
„Dann komme ich ab 14:00", sagte Tang Shu.
Meifeng war elf Minuten im Hinterraum.
Der Verband war durch und darunter war es sauber.
Und der Mann bekam einen neuen und die Auskunft, dass er beim nächsten Mal nicht bis zum Morgen wartet.
Und Han Meiyu sagte an der Tür einen Satz, den sie seit Jahren sagte.
„Frau Song, das war eine Hand und kein Hinsehen."
„Ich weiß, Frau Han."
„Und ich sage es Ihnen trotzdem jedes Mal."
Sie sah dabei nicht hin.
Es war nicht nötig.
Und sie hätte es gemerkt, wenn es nötig gewesen wäre, und das war der ganze Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Dienstag und einem anderen.
Als sie zurückkam, saß Tang Shu noch so, wie sie gesessen hatte.
Und Gu Tian stand jetzt am Türrahmen.
Han Meiyu war wieder draußen.
Und die Tür zum Vorderraum stand offen, und Meifeng machte sie zu.
„Es fehlt eine sechste Sache", sagte Tang Shu.
„Auf dem Blatt stehen fünf."
„Ja", sagte Tang Shu.
„Und die sechste steht nicht darauf, weil du sie nicht abgeben willst."
„Sag sie."
„Wer sagt dir ab?"
Und Meifeng blieb am Tisch stehen.
„Erklär das."
„Du sitzt ab Januar an einem See in einem fremden Land", sagte Tang Shu.
„Und irgendwann im Februar schreibst du hierher, dass du etwas brauchst. Eine Person, ein Gerät, zwei Wochen von jemandem."
„Möglich."
„Und wer sagt dann Nein?"
Meifeng antwortete darauf nicht sofort.
Und das lag daran, dass sie die Antwort kannte und nicht mochte.
„Niemand", sagte sie.
„Siehst du."
„Du willst es."
„Ich will es nicht", sagte Tang Shu. „Ich sage nur, dass ich es dann bin, weil sonst keiner übrig ist, der es kann."
„Frau Han kann es."
„Frau Han kann dir sagen, dass die Halle es nicht schafft", sagte Tang Shu. „Sie kann dir nicht sagen, dass du zu viel verlangst."
Gu Tian sagte vom Türrahmen aus einen einzigen Satz.
„Das stimmt."
Und damit hatte er an diesem Vormittag alles gesagt, was er sagte, und er ging danach nicht weg.
„Dann bist du es", sagte Meifeng.
„Sag es richtig."
„Wenn ich aus Japan etwas verlange, das dieses Haus nicht hergibt, dann sagst du Nein", sagte Meifeng. „Ohne Begründung, ohne Vermerk, ohne Nachfrage."
„Und du beschwerst dich nicht."
„Und ich beschwere mich nicht."
Tang Shu legte das Blatt in den Kasten und den Deckel darauf.
„Dann schreib es als sechstes hin, und zwar auf dasselbe Papier und nicht daneben."
Meifeng schrieb es hin.
Und es war der einzige Punkt auf dem Blatt, der von der stammte, die ihn ausführen sollte.
„Es gibt eine Sache, die ich nicht übernehme", sagte Tang Shu.
„Ich weiß."
„Sag sie trotzdem."
„Du gehst nachts nicht über den Hof", sagte Meifeng.
„Und ab Februar auch tagsüber nicht allein, und ab dem ersten März gehst du in diese Halle nur noch als Patientin."
„Wer hat das entschieden?"
„Frau Han hat es am achtzehnten aufgeschrieben, und ich habe es gelesen und nichts geändert."
„Und wenn es um 03:00 an der Tür klopft?"
„Dann macht Frau Han auf", sagte Meifeng.
„Und du hörst es und bleibst liegen, und das ist der schwerste Teil von allem, was heute hier auf dem Tisch liegt."
Und Tang Shu sah eine Weile auf den Kasten.
„Ja", sagte sie.
Sie stand um 10:50 auf.
Und sie nahm den Kasten nicht mit, weil er im Eckschrank blieb, bis es Januar war.
Und an der Tür drehte sie sich noch einmal um.
„Meifeng, wie lange?"
„Der Entwurf sagt vier Wochen."
„Und du?"
„Ich sage sechs", sagte Meifeng.
„Und ich sage das nicht, weil ich mehr weiß, sondern weil vier Wochen in diesem Haus noch nie vier Wochen waren."
„Sechs Wochen sind nicht genug, um etwas zu verstehen."
„Nein."
„Und?"
„Ich komme mit fünf Antworten zurück, von denen drei falsch sind", sagte Meifeng.
„Und dann weiß ich, welche drei ich nachprüfen muss."
„Dann sage ich dem Jungen sechs."
„Sag ihm gar keine Zahl."
„Warum nicht?"
„Weil er sie behalten würde", sagte Meifeng.
Tang Shu nickte und ging hinaus.
Und im Hof lag Frost, und sie nahm die zweite Stufe und nicht die erste, weil die untere ausgetreten war.
Meifeng blieb mit Gu Tian in der Halle.
Und er stand noch am Türrahmen, und er hatte den ganzen Vormittag über nichts angefasst, was auf dem Tisch lag.
„Ah Tian."
„Meifeng?"
„Sag mir eine Sache, die dagegen spricht."
Und Gu Tian überlegte nicht lange.
„Ich habe keine", sagte er.
„Du hast eine."
„Ich habe eine, und sie ist meine und nicht deine", sagte er.
„Sag sie mir trotzdem."
„Mir wäre lieber, du wärst hier."
Er sagte es ohne Betonung, so wie er Zahlen vorlas, die auf einem Blatt standen.
„Das ist keine, die dagegen spricht."
„Nein", sagte Gu Tian. „Deswegen habe ich gesagt, ich habe keine."
Meifeng räumte danach die vierzehn Gefäße auf dem Bord um, zum ersten Mal seit dem Frühjahr.
Sie stellte die vier, die Han Meiyu am häufigsten brauchte, nach vorn und die anderen zehn nach hinten.
Und sie sagte niemandem, dass sie es getan hatte.
Um 11:30 saßen im Speisesaal achtunddreißig Leute.
Und das Blatt lag da, wo es am Morgen gelegen hatte.
Am Nachmittag kam Tang Shu noch einmal, ohne dass sie etwas mitbrachte.
Und sie blieb nicht lange.
Sie war zwischen zwei Wegen und hatte den Umweg genommen.
Und das sagte sie nicht.
Es war 15:20, und es war niemand sonst im Raum.
„Der zweite Ofen zieht nicht."
„Ich weiß."
„Und?"
„Han Da sagt, das sei der Wind aus Nordost."
„Und im November war der Wind auch schon da", sagte Tang Shu.
„Sag es ihm, bevor du gehst."
„Er hört bei dir schneller zu."
Meifeng schrieb am Abend das Blatt ins Reine und ließ die sechste Zeile so stehen, wie Tang Shu sie diktiert hatte.
Und darunter schrieb sie ein Datum und keinen Namen, weil der Name am Donnerstag von Zixuan eingetragen werden würde und weil ein Blatt, das zweimal unterschrieben ist, aussieht wie ein Vertrag.
Gu Lin Aelir fragte um 19:40 nach seiner Mutter, obwohl sie im Raum war.
Und Meifeng sagte ihm den Satz zum ersten Mal, in denselben Wörtern, in denen er ab Januar gesagt werden würde, und das Kind hörte gar nicht zu und sah dabei die Lampe an.
Sie sagte ihn danach noch zweimal an diesem Abend.
Und beim dritten Mal saß es sauber, und sie hörte selbst, dass sie das Wort wieder nicht mehr betonte.
Und später ging sie noch einmal über den Hof zur Halle und schloss ab, obwohl Han Meiyu es schon getan hatte.
Der Frost lag auf der unteren Stufe.
Und Meifeng trat in die Mitte, und das war eine alte Gewohnheit und keine Vorsicht.
Im Vorderraum brannte kein Licht mehr.
Und auf dem Tisch lag nichts.
Auf dem Bord über dem Becken standen vierzehn Gefäße.
Und vier davon standen vorn.