Die ehemalige Straßenmeisterei stand seit 1971 am unteren Ende der nach innen führenden Straße.
Und sie hatte bis zum sechsten Oktober ein Dach gehabt, und über dem Ostteil hatte sie seitdem keines mehr, und die Sparren lagen so, wie sie heruntergekommen waren.
Lu Chen kam am elften November 2136 um 07:40 an.
Er kam mit sechs Leuten und zwei Wagen.
Und auf den Wagen lagen Werkzeug, acht Rollen Leine, zwei leere Kisten der Provinzstelle und ein Karton mit Papier.
Der Karton war das Leichteste, was er dabeihatte, und er trug ihn selbst hinein.
Im Hof stand noch der Blechkasten für Streusalz.
Und der Kasten war grün gewesen, und er war es an drei Seiten weiterhin, und die vierte Seite war seit dem sechsten Oktober grau bis auf Kniehöhe.
Niemand hatte bisher aufgeschrieben, warum.
„Herr Lu, wo fangen wir an?"
„Oben."
„Der Hof?"
Und Lu Chen sah auf den Kasten und danach die Straße hinauf.
„Der Hof wird das Letzte", sagte er.
Sie gingen die zwei Komma drei Kilometer zu Fuß.
Und sie gingen sie in einer Reihe und nicht nebeneinander, und sie brauchten dafür achtundzwanzig Minuten, und am sechsten Oktober um 04:06 hatten zehn Leute für dieselbe Strecke einundfünfzig gebraucht.
Es stand nichts mehr auf der Straße.
Zweihundert Meter vor der Kreuzung lagen zwei Bohlen über dem Bankettrand.
Und daneben stand mit Kreide links auf dem Asphalt.
Und die Kreide war noch da, und es hatte im Oktober zweimal geregnet.
Einer bückte sich mit dem Lappen.
„Nicht", sagte Lu Chen.
„Herr Lu?"
„Die bleibt."
Und er schrieb sich die Stelle auf, bevor er weiterging.
Kreidezeichen, 200 m vor der Kreuzung, links. Steht noch.
Am Betonpfosten hing seit dem fünften Oktober eine Leine.
Und sie hing an derselben Schlaufe, mit der sie angeknotet worden war, und der Knoten war ein Knoten der Provinzstelle und nicht einer von Nightfall.
Lu Chen band ihn nicht auf, sondern schnitt die Leine ab und ließ die Schlaufe hängen.
Sechzig Meter weiter war nichts.
Und es war eine Stelle im Bankett, an der das Gras im November so stand wie das Gras daneben, und ein Fremder wäre daran vorbeigegangen.
Lu Chen ging nicht daran vorbei.
Er blieb ungefähr zwanzig Sekunden stehen und ging danach weiter.
Und er sagte dabei nichts, und die sechs hinter ihm blieben ebenfalls stehen, und keiner von ihnen sagte etwas.
Das war die einzige Pause an diesem Vormittag, die niemand ansagte.
Die Senke am Talkopf war leer.
Und der Hang lag darin, wie ein Hang liegt, und die Platte lag unten, und sie war grau und ungefähr vier mal vier Meter groß und stand seit 2132 in der Liste der Provinzstelle.
Auf ihr stand nichts.
Luo Shuang war seit dem neunten November wieder im Tal.
Und sie hatte drei Geräte auf dem Rand der Senke stehen und ein viertes auf der Platte selbst, und sie saß auf einer Kiste und schrieb, und sie sah nicht auf, als sie ihn kommen hörte.
„Herr Lu."
„Fräulein Luo."
„Sie sind zwei Stunden früher als angekündigt."
„Ja."
„Warum?"
Und Lu Chen stellte den Karton neben die Kiste.
„Weil ich die Straße zu Fuß gehen wollte", sagte er.
Sie zeigte mit dem Stift auf die Platte.
„Herr Lu, gehen Sie nicht darüber."
„Was ist da?"
„Und darauf komme ich seit dem neunten Oktober nicht", sagte sie.
Es stand ein Raum auf der Platte.
Und er war zwei Meter breit und sechs Meter hoch und achtzig Zentimeter tief, und er hatte eine Kante, und die Kante ließ sich anfassen wie die Kante eines Zimmers, in dem kein Licht brennt.
Seit dem neunten Oktober war sie um zwei Zentimeter gewandert und sonst nicht.
Man sah ihn nicht.
Und man sah durch ihn hindurch den Hang und das Bankett und ein Stück des zweiten Rings, und alles davon sah aus wie das, was es war.
Man sah ihn nur an einer einzigen Stelle.
Lu Chen kniete sich hin, weil Luo Shuang es ihm sagte.
Und auf Plattenhöhe, mit dem Auge ungefähr dreißig Zentimeter über dem Stein, stand die Kuppe hinter dem Raum zwei Handbreit weiter links als daneben.
Er ging zwei Schritte zur Seite, und die Kuppe stand wieder richtig.
„Fräulein Luo, was ist das?"
„Das ist die Stelle, an der etwas gewesen ist."
„Und was ist es jetzt?"
Luo Shuang legte den Stift hin.
„Und es ist eine Narbe, und sie ist ein Raum, und ich habe kein besseres Wort", sagte sie.
Sie hatte die Sachen aufgeschrieben, die man daran messen konnte, und es waren fünf.
Und sie hatte sie in der Reihenfolge aufgeschrieben, in der sie sie gefunden hatte, und nicht in der Reihenfolge, in der sie wichtig waren.
Die erste war der Reif.
Und in der Senke lag am elften November um 06:20 Reif, und auf der Platte lag keiner, und einen Meter um die Platte herum lag ebenfalls keiner.
Das Thermometer zeigte auf der Platte dasselbe wie zwei Meter daneben.
Die zweite war der Schall.
Und Luo Shuang schlug mit dem Griff des Schraubenziehers gegen die Kante, und der Schlag war da, und danach war er nicht mehr da, und es kam nichts zurück.
Sie schlug daneben, und es kam etwas zurück, und der Unterschied war der ganze Befund.
Die dritte war ein Blatt.
Und sie hatte am neunten Oktober ein Blatt vom Feigenbaum an der Schulmauer geholt und es in den Raum gelegt, und es lag dort seit dreiunddreißig Tagen.
Es war grün, und es war nicht getrocknet und nicht verfault, und es war auch nicht frisch.
„Herr Lu, es ist nicht am Leben."
„Und?"
„Es ist auch nicht kaputtgegangen."
Und Lu Chen sah das Blatt an und fasste es nicht an.
„Dreiunddreißig Tage", sagte er.
Die vierte war der Abstand.
Und Anker zwei stand vierhundert Meter weiter oben am Hang, und er zeigte seit dem sechsten Oktober, und was er zeigte, war ein Abstand von siebenunddreißig Sekunden.
Der Abstand hatte sich in sechsunddreißig Tagen nicht verändert.
Die fünfte war der Verlust.
Und der Raum gab ab, und er gab nach außen ab, und er gab in jeder Stunde dieselbe Menge ab wie in der Stunde davor.
Luo Shuang hatte es am neunten, am vierzehnten, am zwanzigsten und am siebenundzwanzigsten Oktober gemessen und am dritten und am neunten November, und alle sechs Zahlen standen untereinander, und alle sechs waren gleich.
„Fräulein Luo, wird es weniger?"
„Nein."
„Wann wird es weniger?"
Und sie schob ihm das Blatt mit den sechs Zahlen zu.
„Darauf antworte ich Ihnen nicht, weil ich sechs Zahlen habe und keine siebte", sagte sie.
Was fehlte, war das Wichtigste.
Und es ging nichts hindurch, und es kam nichts heraus, und es hatte kein Hinten und keine Adresse und keine Frequenz, an der man etwas hätte anrufen können.
Der Raum war kein Tor, und er tat nichts, und er hörte nicht auf.
Lu Chen hielt um 09:20 die Hand hinein.
Und er hielt sie bis zum Handgelenk hinein und ließ sie vier Sekunden dort und nahm sie wieder heraus, und Luo Shuang schrieb es mit, ohne ihn davon abzuhalten.
Es geschah nichts, und das war der Grund, warum es unangenehm war.
„Herr Lu, das war unnötig."
„Ja."
„Und?"
„Ich schreibe einen Bericht über eine Stelle, und ich stelle mich nicht hin und schreibe, dass ich sie nicht angefasst habe", sagte er.
Shen Zhaoxi kam um 11:00 mit dem Bus bis zur Kreisstadt und danach zu Fuß.
Und sie hatte die Mappe unter dem Arm und einen Beutel mit Draht und den Hammer, und sie ging zuerst zu Anker zwei und danach in die Senke.
Sie sagte zuerst das, was gemeldet werden musste.
„Herr Lu, zwei zeigt weiter."
„Siebenunddreißig?"
„Siebenunddreißig."
Und Shen Zhaoxi legte den Beutel auf die Kiste.
„Und ich habe im Oktober zweimal gehofft, dass ich es falsch abgelesen habe", sagte sie.
Am Nachmittag räumten sie den zweiten Ring.
Und sie holten die Bohlen, die Leine, zwei Kisten Sand, einen Halterring und vier Eisen, die seit dem vierten Oktober im Boden gestanden hatten, und sie zogen die Eisen einzeln und nicht mit dem Wagen.
Die einhundertsechzig Säcke im Schacht auf dem Schulhof ließen sie liegen.
„Herr Lu, die Säcke?"
„Bleiben."
„Warum?"
Und Lu Chen sah auf die Mauer mit dem Riss und auf den Feigenbaum davor.
„Und weil der Schacht nicht dicht ist, sondern zu", sagte er.
Er fing um 19:10 an zu schreiben.
Und er saß dabei im Westteil der Straßenmeisterei, in dem das Dach noch lag, an einem Tisch aus zwei Böcken und einer Tür, und er hatte eine Lampe, die an einem Aggregat hing.
Vor ihm lag ein Vordruck der Zentralbehörde vom zehnten November mit elf Feldern.
Feld vier hieß Begleitung und Sicherung der eingesetzten Einzelkraft.
Er las es dreimal und ließ es leer.
Und er ließ es nicht deshalb leer, weil er nicht gewusst hätte, was hineingehört, sondern weil das, was hineingehört hätte, dort falsch gestanden hätte.
Danach schrieb er auf ein eigenes Blatt drei Zeilen und legte es unter den Vordruck.
Vierzehn Leute.
Drei Ringe.
Ein Ausbruch, 03:47 Uhr, nicht aus dem Tor.
Das war der elfte November um 19:40, und das waren neun Wörter für dreiundzwanzig Stunden.
Und für die nächsten dreißig Zeilen brauchte er bis 23:20.
Denn er schrieb nicht, was gehalten worden war, sondern wer wo gestanden hatte.
Und er schrieb bei jedem dazu, was derjenige in dieser Nacht getan hatte, und er schrieb es in ganzen Sätzen, und er schrieb es ohne Rang.
Ein Rang sagt, was jemand kann, und in dieser Nacht hatte niemand getan, was er kann.
Vier standen an drei Steinen, vierhundert Meter vor der Senke, seit dem fünften Oktober um 08:20.
Und eine von ihnen schlug den Anker seit 09:12 des Vortages und zählte dabei jeden Schlag mit, auch die, die andere geschlagen hatten.
Sie öffnete den Halterring viermal und schloss ihn dreimal, und beim vierten Mal stellte sie sich in die Lücke.
Zehn gingen um 04:06 die Straße hinauf, in einer Gruppe und nicht in dreien.
Und die Frau mit dem kurzen Speer ging als Erste, weil sie den Bankettrand kannte.
Der Jüngste trug einen Bewusstlosen zweihundert Meter weit allein und blieb dabei viermal stehen und setzte ihn nicht ab.
Zwei liefen um 07:50 eine Leine den Hang hinunter und warfen sie nicht.
Und sie holten damit die Frau mit dem kurzen Speer von einem Stein, den sie mit dem eigenen Gewicht unten gehalten hatte, und sie hatte danach einen Unterarm, der an einer Stelle nicht mehr gerade war.
Sie sagte dabei zwei Sätze, und Lu Chen schrieb beide hin.
Eine andere hatte seit der Nacht eine Rippe.
Und sie meldete es um 05:10, und um 07:28 stand sie wieder an der Leine, und Lu Chen schrieb auch das hin.
Er schrieb nicht dazu, dass es falsch gewesen war, weil es in dieser Nacht nichts gegeben hatte, was stattdessen richtig gewesen wäre.
Und um 23:20 stand auf dem Blatt alles außer dreien.
Er ging danach hinaus und blieb ungefähr zehn Minuten im Hof stehen.
Und über dem Tal hatte der zwölfte November noch nicht angefangen, und im Norden lag kein Licht, weil dort nichts liegt, was Licht macht.
Vierhundert Meter weiter oben schlug niemand mehr einen Anker.
Am zwölften November um 06:20 lag wieder Reif.
Und er lag auf der Kiste und auf den Geräten und auf dem Bankett und auf zweiundzwanzig Quadratmetern Senke, und auf vier mal vier Metern Platte lag keiner.
Shen Zhaoxi stand um 06:22 davor und sah es sich an.
„Fräulein Shen."
„Herr Lu?"
„Was sehen Sie?"
Und sie sah nicht auf die Platte, sondern auf die Linie, an der der Reif aufhörte.
„Und ich sehe eine Kante, die ich nicht gezogen habe", sagte sie.
Sie arbeitete an diesem Tag an etwas anderem.
Denn Luo Shuang hatte am neunten November drei Ziele aufgeschrieben, und das erste hieß Rhythmus und das zweite Signatur und das dritte austretendes Licht.
Und Shen Zhaoxi wollte für das zweite wissen, wie weit es reicht, und dafür legte sie eine Probeschlaufe.
Eine Probeschlaufe ist ein Ring aus Draht mit einem einzigen Knoten.
Und sie misst nichts von selbst, und sie zeigt an, wie stark etwas sie kreuzt, und dafür muss man sie speisen, und wer sie speist, bezahlt sie mit dem, was er hat.
Shen Zhaoxi legte sie um 08:00 in sieben Metern Abstand aus und speiste sie und las ab.
„Fräulein Luo, sieben Meter."
„Und?"
„Vier Komma zwei."
Luo Shuang schrieb es in die Spalte, in der seit dem neunten November die Signatur stand.
Um 09:00 legte sie die zweite Schlaufe bei vierzig Metern.
Und um 10:20 die dritte bei zweihundert.
Und um 12:00 die vierte bei achthundert, und bei achthundert war nichts mehr zu lesen.
„Fräulein Shen, achthundert."
„Ja."
„Das ist die Signatur."
Und Shen Zhaoxi schrieb die vier Zahlen untereinander.
„Und das ist die kleinste von den dreien", sagte sie.
Denn das austretende Licht war bei vierzig Metern zu Ende.
Und der Rhythmus war es nicht, und Luo Shuang hatte ihn am zehnten November mit dem Gerät der Provinzstelle bei elf Kilometern noch gehabt, an derselben Stelle, an der im Juli zwei Werte elf Kilometer auseinandergelegen hatten.
Elf Kilometer sind keine Entfernung, die man mit Stoff zumacht.
Sie ging um 13:40 zur ersten Schlaufe zurück, um sie einzurollen.
Und sie hatte die Speisung um 08:12 abgestellt und seitdem nicht wieder angestellt, und sie hatte es sich notiert, weil sie sich alles notierte.
Die Schlaufe zeigte vier Komma zwei.
Shen Zhaoxi blieb davor stehen.
Und sie blieb ungefähr zwanzig Sekunden davor stehen, und sie fasste sie nicht an, und dann ging sie zurück zu ihrer Mappe und sah nach, wann sie abgestellt hatte.
Danach ging sie wieder hin, und die Schlaufe zeigte vier Komma zwei.
„Fräulein Luo."
„Fräulein Shen?"
„Wie lange läuft eine Probeschlaufe ohne Speisung?"
Und Luo Shuang antwortete, ohne nachzusehen, weil sie es seit ihrer Ausbildung wusste.
„Vier Sekunden", sagte sie.
„Und meine läuft seit fünf Stunden und achtundzwanzig Minuten."
Es blieb einen Moment in der Senke still.
„Fräulein Shen, dann speist sie etwas."
„Ja."
„Was?"
Und Shen Zhaoxi zeigte nicht auf die Schlaufe, sondern auf die Platte.
„Und das, was hinausgeht", sagte sie.
Sie setzte sich hin und rechnete es nicht sofort.
Und sie setzte sich deshalb hin, weil sie am fünfzehnten Oktober einen ganzen Tag lang nichts gebaut hatte, und weil dieser Tag doppelt gezählt hatte.
Nach elf Minuten stand sie auf und ging zu Luo Shuang.
„Fräulein Luo, ich habe seit dem neunten November nach einer Quelle gesucht."
„Ja."
„Und ich habe seit dem neunten November danebengestanden."
Luo Shuang legte drei Blätter nebeneinander, weil sie es besser aushielt, wenn drei Blätter nebeneinanderlagen.
„Fräulein Shen, dann sagen Sie es genau."
„Der Verlust ist kein Schaden."
„Was ist er?"
„Und er ist Speisung, und wir haben ihn vierunddreißig Tage lang als Verlust geschrieben, weil ihn niemand haben wollte", sagte sie.
Sie rechneten es zwischen 14:20 und 17:00.
Und sie rechneten es zweimal, und beim zweiten Mal rechnete Luo Shuang rückwärts, weil sie das immer tat, und beim zweiten Mal kam dasselbe heraus.
Dann legte sie den Stift hin und sagte die Zahl.
„Fräulein Shen, der Raum gibt in vierundzwanzig Stunden das her, was zwei Kristalle der dritten Güte hergeben."
„Zwei."
„Zwei."
Und Shen Zhaoxi sah auf die Platte und nicht auf das Blatt.
„Und die Fläche im Hof hat neun Tage lang von einem gelebt", sagte sie.
„Wie groß ist die hier?"
„Achtzehnmal."
Und Luo Shuang rechnete es im Kopf, weil achtzehn durch neun keine Rechnung ist, die man aufschreibt.
„Zwei am Tag", sagte sie.
Es blieb einen Moment in der Senke still.
„Fräulein Shen, das ist genau so viel, wie hinausgeht."
„Ja."
„Und?"
„Und genau so viel ist zu wenig", sagte sie.
Der Bote der Provinzstelle kam am zwölften November um 15:40.
Und er brachte ein Blatt und eine Empfangsbestätigung, und auf dem Blatt standen zwei Namen und zwei Geburtsdaten und darunter ein Satz, der nicht zur Auskunft gehörte.
Der Satz lautete: Um 03:58 Uhr waren es elf, und ich habe Ihnen elf gemeldet.
Lu Chen unterschrieb die Empfangsbestätigung und legte das Blatt vor sich hin.
Und er hatte am neunten November darum gebeten, und er hatte in der Bitte nicht nach Rang und nicht nach Dienststelle gefragt, sondern nach den Namen und danach, was die beiden zwischen 03:49 und 04:44 getan hatten.
Auf dem Blatt stand das Zweite nicht.
Er fragte um 16:10 telefonisch nach und bekam eine ehrliche Antwort, und die Antwort lautete, dass es niemand weiß.
Und die neun, die lebend herauskamen, hatten die beiden zuletzt am Betonpfosten gesehen.
Und gefunden worden waren sie sechzig Meter weiter oben.
Lu Chen schrieb an diesem Abend die drei Zeilen, die noch fehlten.
Und er schrieb sie zwischen 20:00 und 21:50, und die dritte schrieb er zweimal.
Die erste war ein Name und ein Geburtsdatum und danach ein Satz.
Lag am 6. Oktober um 04:44 Uhr sechzig Meter oberhalb des Betonpfostens.
Und die zweite war ein Name und ein Geburtsdatum und danach derselbe Satz.
Er schrieb darunter, warum die beiden dort gelegen hatten, und er strich es durch.
Und er strich es so durch, dass es lesbar blieb, und darunter schrieb er, dass es niemand weiß.
Eine durchgestrichene Zeile ist mehr wert als eine, die nie dagestanden hat.
Die dritte war der Mann, der zweimal fragte.
Und er schrieb den Namen zuerst und danach die Uhrzeit, und danach saß er ungefähr acht Minuten und schrieb nichts.
Denn was in diese Zeile gehörte, war kein Vorgang und keine Meldung und nichts, wofür der Vordruck der Zentralbehörde ein Feld hatte.
Und es war die Sache, an der Lu Chen ihn kannte.
Er hatte jeden Befehl zweimal gehört.
Und er hatte ihn beim ersten Mal gehört und beim zweiten Mal nachgefragt, und er hatte das an vier Tagen bei allem getan, was Lu Chen sagte, und Lu Chen hatte es dreimal für Unsicherheit gehalten und beim vierten Mal nicht mehr.
Denn er hatte keinen einzigen Befehl zweimal ausführen müssen.
Lu Chen schrieb es hin.
Und dann las er es, und dann strich er es durch, weil es in einem Bericht an eine Zentralbehörde nichts zu suchen hat.
Dann schrieb er es darunter noch einmal hin.
Hat jeden Befehl zweimal gehört und keinen zweimal ausführen müssen. Hielt am 6. Oktober um 04:44 Uhr die Straßenbreite, zweiundfünfzig Sekunden. Sechs Leute trugen in dieser Zeit vier Menschen über die Kuppe.
Shen Zhaoxi kam um 22:00 herein, um die Lampe zu holen.
Und sie sah das Blatt liegen und las nicht darauf, und Lu Chen drehte es nicht um.
„Herr Lu."
„Fräulein Shen?"
„Und?"
„Ich bin fertig", sagte er.
„Wie viele Blätter?"
„Neun."
„Und der Vordruck hat elf Felder."
Lu Chen legte den Vordruck obenauf.
„In zehn davon steht etwas", sagte er.
Im Karton lag außerdem ein Brief vom achten November.
Und er war der dritte in vier Monaten, und er kam aus dem dritten Hof in Songjiang, und er war von Xu Anping, und die neun Liegewochen waren seit Mitte Oktober vorbei.
Auf die ersten zwei hatte Lu Chen schriftlich geantwortet, und beide Antworten hatten Nein geheißen.
Und der dritte enthielt keine Bitte.
Und er enthielt eine Liste mit sechs Sachen, die sie inzwischen wieder konnte, und daneben die Angabe, wie lange sie sie am Stück konnte, und in der letzten Zeile stand, wie lange nicht.
Lu Chen legte ihn in den Karton zurück und schrieb an diesem Abend nichts darauf.
Gu Tian kam am dreizehnten November um 06:50.
Und er kam allein und mit dem Bus bis zur Kreisstadt und die letzten sechzehn Kilometer zu Fuß, und die Sonne war seit vierzig Minuten oben.
Er sagte zuerst guten Morgen und danach nichts.
Er ging an der Kante des Raums entlang, zweiunddreißig Schritte, und blieb an der Nordseite stehen.
Und er sah ihn sich danach mit Dao-Sicht an, und der violette Rand um seine goldenen Augen lief schneller, und das Gold blieb Gold.
Es dauerte ungefähr zwei Minuten.
„Fräulein Shen."
„Herr Gu?"
„Da ist keine Linie mehr."
„Nein."
Und Gu Tian sah weiter auf die Platte.
„Und es ist auch keine abgerissen", sagte er.
„Was ist es dann?"
„Und es ist die Stelle, an der etwas gewesen ist, und sie weiß es noch."
Shen Zhaoxi schrieb das nicht auf.
Und sie schrieb es nicht auf, weil es ein Bild war, und weil ein Bild kein Beleg ist.
Sie legten ihm die Zahlen um 08:00 auf die Kiste.
Und es waren vier Blätter, und Luo Shuang hatte sie nebeneinandergelegt, und Shen Zhaoxi sagte sie der Reihe nach, und sie beschönigte nichts.
„Herr Gu, drei Ziele. Das Licht reicht vierzig Meter, die Signatur achthundert, der Rhythmus elf Kilometer."
„Und der Rhythmus ist siebenunddreißig Sekunden."
„Ja."
„Seit wann?"
„Seit dem sechsten Oktober um 08:01", sagte sie.
„Was kostet ein Vorhang darüber?"
„Zwei Kristalle der dritten Güte am Tag."
„Was gibt der Raum her?"
Und Shen Zhaoxi sah ihn dabei an.
„Zwei", sagte sie.
Es blieb einen Moment in der Senke still.
„Und?"
„Deshalb läuft er, und er läuft ohne Kristalle und ohne Sie, und er läuft ohne jede Reserve", sagte sie.
Und Luo Shuang legte das vierte Blatt obenauf.
„Herr Gu, eine Formation ohne Reserve ist eine Formation, die am ersten schlechten Tag steht."
„Wann ist der erste schlechte Tag?"
„Und das weiß ich nicht, und dass ich es nicht weiß, ist genau das Problem", sagte sie.
Shen Zhaoxi sagte danach die Sache, die sie nicht hatte verschweigen wollen.
Und sie sagte sie, weil sie sie in der Nacht aufgeschrieben hatte, und weil eine Möglichkeit, die man verschweigt, später von jemand anderem vorgeschlagen wird.
„Herr Gu, es gibt einen zweiten Weg."
„Sagen Sie ihn."
„Der Raum hat eine Kante, und die Kante ist zwei Zentimeter gewandert, und sie ist nicht fest."
„Weiter."
„Und wenn man ihn eine Handbreit weiter aufmacht, gibt er dreimal so viel her."
Es blieb einen Moment in der Senke still.
„Fräulein Shen, geht das?"
„Ja."
„Wie lange dauert es?"
Und Shen Zhaoxi antwortete darauf genau, weil sie es ausgerechnet hatte.
„Vier Tage", sagte sie.
Gu Tian sah auf die Platte und danach auf die vier Blätter.
„Nein", sagte er.
„Herr Gu."
„Fräulein Shen, ich sage Ihnen zwei Sätze dazu, und danach ist es entschieden."
„Der erste ist, dass wir nehmen dürfen, was ohnehin hinausgeht."
„Und der zweite ist, dass wir nichts aufreißen, damit mehr hinausgeht."
Er sagte danach nichts weiter.
Und er begründete es nicht ausführlicher, und er fragte niemanden, ob es einleuchte, und er wartete auch nicht darauf, dass jemand widersprach.
Shen Zhaoxi schrieb beide Sätze wörtlich mit.
„Herr Gu, dann fehlt mir die Reserve weiterhin."
„Ja."
„Und?"
Gu Tian sah dabei auf die Kante, an der am Morgen der Reif aufgehört hatte.
„Und dann wird der Vorhang billiger und nicht die Quelle größer", sagte er.
Luo Shuang schrieb das in die Spalte, in der seit dem neunten November die Ziele standen.
Und sie schrieb es als Aufgabe und nicht als Satz.
Drei Schichten. Zusammen unter zwei am Tag.
Lu Chen hatte bis dahin nichts gesagt.
Und er stand seit 08:00 an der Kiste, und er hatte die neun Blätter unter dem Arm, und er sagte um 08:40 das, wofür er die drei Tage im Tal gewesen war.
„Herr Gu."
„Herr Lu?"
„Wenn der Vorhang hängt, sieht von außen niemand mehr etwas."
„Ja."
„Und dann steht in elf Kilometern Entfernung ein Gerät, das nichts mehr findet."
„Ja."
„Und der, der es abliest, schreibt, dass hier nichts mehr ist."
Es blieb einen Moment in der Senke still.
„Herr Lu, was schlagen Sie vor?"
„Dass in meinem Bericht steht, was der Vorhang zudeckt, und zwar in Zahlen."
„Der Bericht geht am achtzehnten November an die Zentralbehörde."
„Ja."
„Und Sie schreiben darin, dass hier etwas steht, das man nicht mehr messen kann."
Lu Chen nickte einmal.
„Und dass es weiter abgibt, und dass es nicht aufhört", sagte er.
Gu Tian sah ihn dabei an und nicht auf die Blätter.
„Wenn die Behörde daraufhin die Stelle wieder besetzt?"
„Dann besetzt sie sie."
„Und wenn sie es nicht tut?"
Lu Chen antwortete darauf so, wie er es am sechsten Oktober um 05:31 getan hatte.
„Und dann steht es trotzdem da", sagte er.
„Herr Lu, das ist kein Vorschlag."
„Nein."
„Was ist es?"
Und Lu Chen legte die neun Blätter auf die Kiste, mit der beschriebenen Seite nach oben.
„Und das ist die Bedingung", sagte er.
Gu Tian las die erste Zeile des obersten Blattes.
Und darauf standen vierzehn Leute, drei Ringe und ein Ausbruch, und darunter stand kein Satz über einen Mann, der durch ein Fenster gegangen war.
Er las bis zur Mitte des zweiten Blattes und legte sie danach zurück.
„Herr Lu."
„Ja?"
„In Feld vier steht nichts."
„Nein."
Und Gu Tian nahm den Vordruck nicht in die Hand.
„Und das lassen Sie so", sagte er.
Sie räumten am dreizehnten November zwischen 09:00 und 15:30 den Rest.
Und sie holten die vier Eisen vom Hang, die zwei Kisten der Provinzstelle, die letzte Rolle Leine und das Gerät, das seit dem vierten Oktober auf dem Rand der Senke gestanden hatte.
Die drei Steine ließen sie stehen.
„Herr Lu, die Steine?"
„Bleiben."
„Warum?"
Und Lu Chen sah die vierhundert Meter hinunter.
„Und weil einer davon noch etwas anzeigt", sagte er.
Anker zwei zeigte um 15:31 einen Abstand von siebenunddreißig Sekunden.
Und er hatte ihn um 15:30 und dreiundzwanzig ebenfalls gezeigt, und er würde ihn um 15:32 wieder zeigen.
Niemand hatte sie je gezählt.
Shen Zhaoxi rollte die Probeschlaufen ein.
Und sie rollte drei davon in den Beutel und ließ die vierte liegen, die bei sieben Metern, und sie hatte die Speisung seit dem zwölften November um 08:12 nicht wieder angestellt.
Die Schlaufe zeigte vier Komma zwei.
„Fräulein Shen, die nehmen Sie nicht mit?"
„Nein."
„Und?"
Shen Zhaoxi machte den Beutel zu.
„Und ich will am vierzehnten wissen, ob sie noch läuft", sagte sie.
Sie gingen um 16:10 die zwei Komma drei Kilometer hinunter.
Und sie gingen sie nebeneinander und nicht in einer Reihe, weil auf der Straße nichts stand und weil der Bankettrand an einer einzigen Stelle schmal war, und an dieser Stelle gingen sie hintereinander.
Es stand mit Kreide links auf dem Asphalt.
Im Hof der ehemaligen Straßenmeisterei stand der Blechkasten für Streusalz.
Und sie luden die Wagen, und Luo Shuang setzte sich zu ihren Kisten nach hinten, und Shen Zhaoxi legte die Mappe auf die Knie.
Lu Chen legte den Karton zwischen die Füße.
Und im Karton lagen neun beschriebene Blätter, ein Vordruck mit einem leeren Feld und ein Brief vom achten November.
Und auf den neun Blättern standen vierzehn Namen, zwei Verletzungen und drei Tote.
Zwei der drei standen darauf mit einem durchgestrichenen Satz und einem darunter.
Sie fuhren um 16:40 los.
Und hinter ihnen lagen zwei Komma drei Kilometer Straße, ein Schacht mit einhundertsechzig Säcken Sand, eine Mauer mit einem Riss von der Traufe bis auf halbe Höhe und drei Steine, von denen einer etwas anzeigte.
Und auf einer grauen Platte in einer Senke stand ein Raum, den man nicht sah, und er gab weiter ab, und er gab in jeder Stunde dasselbe ab wie in der Stunde davor.