Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 4 · Arc 02
Kapitel 452Hundert Prozent

Tangs Grenze

4.445 Wörter · Band 4 — Vorhänge vor dem Himmel

Tang Shu hatte in neunzehn Jahren ungefähr elftausend fremde Handgelenke in der Hand gehabt.

Und sie hatte in diesen neunzehn Jahren nie eines davon genommen, ohne vorher etwas zu sagen.

Der Satz war nicht immer derselbe gewesen, und manchmal war er nur ein Blick auf einen Arm und ein Heben des Kinns, und einmal war es ein Kind gewesen, das nicht sprechen konnte, und da hatte sie die Mutter gefragt.

Jedes dieser elftausend Handgelenke hatte sich wegziehen können.

Am vierzehnten September 2136 war sie um 05:20 wach.

Und sie war es, weil um 05:20 ein Umlauf endete, und weil das seit dem sechsten Juli so war, und sie hatte inzwischen aufgehört, sich darüber zu ärgern.

Auf dem Blatt neben ihrem Bett standen sieben.

Und darunter standen seit dem zwölften Juli vierundsechzig eigene Zahlen, und keine davon war je sieben gewesen, und an diesem Morgen schrieb sie 7:10.

Sie sah es zweimal an und machte keinen Strich darunter, mit dem sie es hätte erklären können.

Fang Xiuying stellte um 06:40 zwei Schalen hin.

Und die eine war voller als die andere, und das war seit dem achten Juli so, und an diesem Morgen sagte sie zum ersten Mal etwas dazu.

„Frau Tang, ab wann sind es drei?"

„Frau Fang, im März."

„Und?"

Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab.

„Und dann habe ich sechs Jahre Zeit, bis es vier sind", sagte sie.

Tang Shu ging um 07:10 über den Wohnhof und nahm den Weg an der Rückwand der Heilhalle entlang.

Und dort stand seit dem zweiundzwanzigsten August ein Zimmer, das im August noch vier Kreidelinien gewesen war, und es hatte zwei Türen, und die zweite ging in den Hof.

Han Da war um 07:12 an der zweiten Tür und hatte einen Hobel in der Hand.

„Frau Tang."

„Herr Han."

„Sie klemmt unten", sagte er.

„Seit wann?"

„Seit dem elften."

„Und?"

Han Da zog den Hobel einmal über die Unterkante und blies die Späne weg.

„Und ich habe sie am elften nicht gehobelt, weil ich wissen wollte, ob jemand sie überhaupt benutzt", sagte er.

„Und?"

„Und sie ist an vier Tagen elfmal aufgegangen."

Tang Shu sah auf die Schwelle, und die Schwelle war blank.

„Herr Han, wer zählt so etwas?"

Und er richtete sich auf.

„Frau Tang, jemand, der zweimal einen Tisch aufgesägt hat", sagte er.

Sie ging durch die zweite Tür hinein und durch die erste wieder hinaus.

Und das dauerte elf Sekunden, und danach war sie in der Heilhalle, und sie hatte dabei niemandem etwas erklären müssen.

Der Forschungsraum lag in der Werkstattreihe südlich der Prüfstelle.

Und Luo Shuang benutzte ihn seit dem Frühjahr 2135, und er hatte ein Fenster nach Norden, weil sie Nordlicht wollte, und an drei Wänden standen Tische und an der vierten ein Regal mit einundvierzig gleichen Kisten.

Auf dem Boden lagen Kabel in Bahnen, die parallel liefen, und niemand außer ihr wusste, warum sie parallel liefen.

Der Termin am vierzehnten September war ein zusätzlicher.

Und der reguläre lag am einundzwanzigsten und gehörte Han Meiyu, und diesen hier hatte Luo Shuang am neunten schriftlich angefragt, in vier Zeilen, und die letzte Zeile hatte gelautet: Frau Tang entscheidet, ob überhaupt.

Tang Shu hatte am zehnten September mit einem Wort geantwortet.

Sie kam um 09:20 an und war die Zweite.

Und Han Meiyu war die Erste und saß bereits am Fenstertisch, und der flache Kasten mit den vier Zeigern stand vor ihr, und daneben lag ihr erstes Buch und nicht das zweite.

„Frau Han."

„Frau Tang."

„Sie sind hier, weil ich Sie gefragt habe."

Und Han Meiyu klappte das Buch auf.

„Frau Tang, ich bin hier, weil ich sonst am einundzwanzigsten Sachen lese, bei denen ich nicht dabei war", sagte sie.

Luo Shuang kam um 09:22 und stellte drei Dinge auf den mittleren Tisch.

Und sie stellte sie in einer Reihenfolge hin, und die Reihenfolge war von links nach rechts, und links war das größte.

„Frau Tang."

„Fräulein Luo."

„Danke, dass Sie gekommen sind", sagte sie.

„Wann sind Sie zurück?"

„Seit dem elften."

„Wie lange waren Sie weg?"

Luo Shuang schraubte am ersten Gerät und sah nicht auf.

„Vierundzwanzig Tage", sagte sie.

Sie las danach vor, was sie vorhatte, und sie las es von einem Blatt ab.

Puls, Temperatur, Blutbild.

Ein vollständiger Umlauf mit dem Handgelenkgeber, 08:00 bis 10:40.

Zweite Spalte, passiv, ohne Anregung.

„Frau Tang, ich lese es vor, weil ich es hinterher nicht anders erzählen will."

„Ja."

„Und wenn eine Zeile nicht geht, sagen Sie es bei der Zeile und nicht am Ende", sagte sie.

Han Meiyu machte den ersten Teil.

Und sie nahm das Handgelenk, nachdem sie es angekündigt hatte, und sie sah dabei aus dem Fenster, weil sie beim Zählen immer aus dem Fenster sah, und sie zählte in ihrer normalen Geschwindigkeit.

„Frau Tang, achtzig."

„Am neunten August?"

„Sechsundsiebzig", sagte sie.

Sie sagte es zu Tang Shu.

Und das war keine Kleinigkeit, und Tang Shu hatte in der Heilhalle seit dem siebten Juli beobachtet, dass Han Meiyu jede Zahl zuerst in das Gesicht sagte, dem sie gehörte, und erst danach in den Raum.

Sie stellte danach elf Fragen.

Und drei davon waren neu, und die anderen acht waren dieselben wie am sechzehnten August und am dreiundzwanzigsten und am dreißigsten, und Tang Shu antwortete auf alle elf, auch auf die, bei denen nichts war.

„Übelkeit?"

„Nein."

„Schwindel?"

„Am zwölften September einmal, im Stehen, ungefähr zwanzig Sekunden."

Und Han Meiyu hielt den Stift an.

„Wann haben Sie das gesagt?", sagte sie.

„Am zwölften September um 16:10."

„Wem?"

„Frau Song."

Und Han Meiyu schrieb weiter.

„Frau Tang, dann steht es zweimal da, und das ist besser als nullmal", sagte sie.

Gu Tian kam um 09:40 herein und stellte sich an die Wand neben der Tür.

Und er sagte einen Satz und danach eine Stunde lang nichts.

„Fräulein Luo, Frau Han, Frau Tang."

Und Tang Shu wusste, warum er an der Wand stand und nicht am Tisch.

Denn am neunten August hatte er an derselben Stelle gestanden, an einer anderen Wand, in einem anderen Raum, und seitdem gab es zwischen ihnen eine Regel mit drei Wörtern.

Und die Regel hieß: Du fragst vorher.

Der Preis dieser Regel war, dass er auch dann nicht sprach, wenn er gefragt worden wäre.

Der zweite Teil begann um 09:50.

Und der Handgelenkgeber war ein Band aus grauem Gewebe mit einer Schnalle, und Luo Shuang legte ihn nicht selbst an, sondern legte ihn auf den Tisch.

„Frau Tang, die Schnalle geht nach innen."

„Wie fest?"

„So fest, dass Sie es vergessen", sagte sie.

Tang Shu legte ihn an und vergaß ihn nicht.

Auf Luo Shuangs Blatt liefen zwei Spalten nebeneinander.

Und die linke war seit dem zwanzigsten Juni beschriftet, und die rechte war es seit dem ersten September nicht mehr, weil sie an diesem Tag ihren Namen wieder gestrichen hatte.

„Fräulein Luo."

„Ja?"

„Wie heißt die rechte?"

Und Luo Shuang sah auf die leere Kopfzeile.

„Sie heißt nichts", sagte sie.

„Seit wann?"

„Seit dem ersten September, 07:20."

„Vorher?"

Luo Shuang antwortete darauf sofort, weil sie Fragen nach Daten immer sofort beantwortete.

„Vorher hieß sie Wurzelantwort, und das war eine Behauptung und keine Beschriftung", sagte sie.

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Fräulein Luo, das haben Sie sich selbst weggenommen."

„Ja."

„Und?"

Sie legte den Stift quer über das Blatt.

„Und deshalb hätte ich gern etwas, womit ich sie neu benennen kann", sagte sie.

Das war der erste Satz an diesem Vormittag, bei dem Tang Shu genauer hinsah.

Sie sah nicht auf das Blatt, sondern auf Luo Shuangs Hände, und die Hände waren ruhig, und die Frau war seit vierundzwanzig Tagen unterwegs gewesen und hatte an diesem Morgen keine zehn Minuten über Fujian gesprochen.

Denn Fujian war der Grund, und sie sagte es von selbst.

„Frau Tang, ich habe seit dem zwanzigsten August dreimal ein Echo im Rhythmus."

„Ja."

„Und es kommt einundfünfzig Minuten nach dem Berg und ist umgekehrt geformt", sagte sie.

„Was heißt das?"

„Und das ist das Problem."

Sie zog ein Blatt hervor und legte es hin, mit dem Rücken nach oben, und drehte es nicht um.

„Frau Tang, ich kann nicht sagen, ob das ein zweiter Ort ist oder ob es das Tor selbst zweimal tut", sagte sie.

„Woran liegt das?"

„An mir."

„Fräulein Luo."

Und sie sah auf.

„Frau Tang, ich habe kein Verfahren, mit dem ich zwei Quellen in einer Kurve trenne, wenn beide gleichzeitig da sind", sagte sie.

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

Und Tang Shu verstand in diesem Moment noch nicht, wohin der Satz führte, und sie fragte trotzdem weiter, weil sie neugierig war, und weil sie in ihrem Leben selten etwas nicht gefragt hatte.

„Und Sie suchen so ein Verfahren."

„Seit dem einundzwanzigsten August."

„Finden es nicht?"

Luo Shuang schüttelte einmal den Kopf.

„Doch. Einmal", sagte sie.

„Wann?"

„Am neunten August um 08:00."

Es blieb sehr still im Forschungsraum.

„Wie lange?"

Luo Shuang antwortete darauf leiser als vorher.

„Sieben Herzschläge", sagte sie.

Sie erzählte es danach in vier Sätzen, und sie erzählte es wie jemand, der einen Fund beschreibt und nicht wie jemand, der etwas will.

Und am neunten August waren zwei Kurven gleichzeitig ausgeschlagen, in zwei Gebäuden, zweihundertvierzig Meter auseinander, und sie hatten dieselbe Länge gehabt und nicht dieselbe Form.

Sie hatte es in fünf Wochen kein einziges Mal wieder bekommen.

„Frau Tang, ich habe es viermal versucht."

„Bei wem?"

„Bei Frau Song am vierten August, bei Fräulein Shen am elften, bei Herrn Gu am ersten September und beim Tor am achten."

„Und?"

Luo Shuang legte die Handflächen auf den Tisch.

„Und viermal war da eine Kurve. Und einmal waren da zwei, die sich beantwortet haben", sagte sie.

Der Umlauf lief weiter.

Und es war 10:16, und der Wechsel kam um 10:40, und Tang Shu wusste das ohne Uhr, weil sie ihn seit neunzehn Jahren ohne Uhr wusste.

„Fräulein Luo, was wollen Sie jetzt?"

„Drei Dinge."

„Sagen Sie das erste."

Und Luo Shuang zeigte auf das Band an Tang Shus Handgelenk.

„Und das erste läuft bereits", sagte sie.

„Das zweite?"

„Der Wechsel um 10:40, mit höherer Auflösung."

„Wie viel höher?"

Und sie drehte am zweiten Gerät.

„Vierzig Werte pro Herzschlag statt vier", sagte sie.

Tang Shu dachte darüber ungefähr vier Sekunden nach.

„Ja."

„Frau Tang?"

„Das ist meine Uhr", sagte sie.

Und dann kam das dritte, und es kam nicht anders als das erste und das zweite.

Das war der Punkt, an den Tang Shu später am häufigsten zurückdachte: Es klang genauso, es hatte denselben Ton, es lag in derselben Reihe auf demselben Tisch.

Luo Shuang nahm das kleinste der drei Geräte in die Hand.

Und es war ungefähr so groß wie eine Streichholzschachtel und hatte kein Kabel, und sie hielt es zwischen zwei Fingern hoch.

„Frau Tang, und das hier kommt tiefer."

„Wie tief?"

Und sie zeigte mit der freien Hand eine Stelle an ihrem eigenen Körper, eine Handbreit unterhalb des Nabels.

„Etwa hier", sagte sie.

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Wofür?"

„Der Handgelenkgeber sieht die Summe."

„Ja."

Und Luo Shuang legte das kleine Gerät hin und legte den Finger daneben.

„Und wenn Ihre Uhr die eine Kurve ist, dann ist die zweite nicht Sie", sagte sie.

„Fräulein Luo."

„Frau Tang, und die kann ich trennen."

Tang Shu stand auf.

Und sie stand nicht schnell auf und stieß nichts um, und sie schob den Stuhl mit der Wade zurück, so wie sie ihn neunzehn Jahre lang an Betten zurückgeschoben hatte, wenn eine Untersuchung zu Ende war.

Sie machte mit der rechten Hand die Schnalle des Bandes auf.

„Schluss."

Han Meiyu schrieb die Uhrzeit auf, bevor sie etwas anderes tat.

„10:29."

Es blieb sehr still im Forschungsraum.

Und Gu Tian stand an der Wand neben der Tür, und Tang Shu sah nicht hin, und sie wusste trotzdem genau, was er tat.

Er tat nichts.

Luo Shuang legte das kleine Gerät zurück in die Reihe.

„Frau Tang."

„Fräulein Luo."

„Es ist passiv", sagte sie.

„Ja."

„Und es gibt nichts ab. Es liegt auf und hört zu."

„Ja."

Und Luo Shuang sprach schneller als vorher, und das war das erste Mal an diesem Vormittag.

„Und es geht in elf Minuten, und danach nehme ich es wieder weg", sagte sie.

„Fräulein Luo."

„Und wenn elf Minuten zu lang sind, dann eine."

„Fräulein Luo."

Und sie hielt an.

„Ja", sagte sie.

„Sie handeln gerade."

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Ja", sagte sie.

Und dann tat Luo Shuang das, was Tang Shu ihr am wenigsten übelnahm und woran sie sich am längsten erinnerte.

Sie sah zur Wand neben der Tür.

„Herr Gu."

„Fräulein Luo?"

„Sagen Sie etwas."

Und Gu Tian sah nicht zu Tang Shu.

„Nein", sagte er.

„Warum nicht?"

Und er ließ die Hände, wo sie waren.

„Weil es dann meine Entscheidung wäre", sagte er.

Es blieb sehr still im Forschungsraum.

„Herr Gu, Sie sind das Oberhaupt."

„Ja."

„Und im Juni haben Sie vier Regeln aufgeschrieben, und in der vierten stand ein Name, und der Name war nicht Ihrer."

Gu Tian antwortete darauf ruhig.

„Fräulein Luo, den haben Sie geändert und nicht ich", sagte er.

„Heute?"

„Und heute steht dort schon ein Name."

„Wo?"

Und Gu Tian sah auf den mittleren Tisch, auf das Blatt mit den vier Zeilen, das Luo Shuang am neunten September geschrieben hatte.

„In Ihrer letzten Zeile", sagte er.

Luo Shuang drehte das Blatt herum und las ihre eigene vierte Zeile.

Frau Tang entscheidet, ob überhaupt.

Und sie las sie zweimal.

„Frau Tang."

„Fräulein Luo?"

„Es tut nicht weh", sagte sie.

Und das war die letzte Frage, und Tang Shu beantwortete sie, und sie beantwortete sie ruhig, weil sie dieses Thema ruhig beantworten konnte.

„Fräulein Luo, das ist nicht die Frage."

„Was ist die Frage?"

Sie legte das graue Band auf den Tisch, zwischen sich und das kleine Gerät.

„Und die Frage ist, wer den Arm wegziehen kann", sagte sie.

Es blieb sehr still im Forschungsraum.

„Ich habe neunzehn Jahre lang gemessen."

„Ja."

„Und ich habe elftausend Handgelenke in der Hand gehabt, und kein einziges davon hat mir gehört", sagte sie.

„Und?"

„Und jedes davon konnte den Arm wegziehen. Und drei haben es getan, und ich weiß bei allen dreien noch, an welchem Tag."

Tang Shu sah auf das kleine Gerät.

„Und das hier kann es nicht", sagte sie.

Luo Shuang setzte sich hin.

Und sie setzte sich langsam hin und nicht wie jemand, der aufgibt, sondern wie jemand, der etwas nachrechnet, und sie rechnete ungefähr zwölf Sekunden.

Danach sagte sie den Satz, den sie an diesem Tag als Einzige hätte sagen können.

„Frau Tang, ich habe Sie nicht gefragt."

„Nein."

„Und ich habe gedacht, dass ich es frage, wenn ich weiß, ob es überhaupt geht."

„Ja."

Und Luo Shuang sah auf ihre eigenen zwei Spalten.

„Und das ist die falsche Reihenfolge", sagte sie.

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Fräulein Luo, sagen Sie es genauer."

„Frau Tang?"

„Sie sagen sonst alles genauer", sagte Tang Shu.

Und Luo Shuang sagte es genauer, und es kostete sie sichtbar mehr als die erste Fassung.

„Ich habe drei Sachen aufgeschrieben und sie in eine Reihe gelegt, und die dritte gehört nicht in dieselbe Reihe wie die ersten beiden."

„Nein."

„Und ich habe sie trotzdem dorthin gelegt, weil sie dann leichter zu sagen war", sagte sie.

„Wann haben Sie das gemerkt?"

Luo Shuang antwortete darauf ohne Pause.

„Als Sie aufgestanden sind", sagte sie.

Han Meiyu klappte ihr Buch zu und sagte danach vier Sätze, und es waren die einzigen vier, die sie an diesem Vormittag ungefragt sagte.

„Fräulein Luo."

„Frau Han?"

„Eine Untersuchung hat einen Patienten. Ein Versuch hat eine Frage", sagte sie.

„Und?"

„Und ich untersuche Frau Tang."

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Und Sie haben ab dem dritten Punkt niemanden mehr untersucht", sagte sie.

Luo Shuang nahm das hin, ohne zu widersprechen.

Und dann sagte Han Meiyu noch etwas, und das war neu für alle im Raum außer für sie selbst.

„Fräulein Luo, Sie haben mich am elften September um etwas gebeten."

„Ja."

„Und ich habe es Ihnen gegeben."

„Ja."

Und Han Meiyu legte die Hand flach auf ihr erstes Buch.

„Und die Hälfte davon war durchgestrichen", sagte sie.

Luo Shuang sah auf.

„Frau Han, das habe ich gesehen."

„Ja."

„Und ich habe nicht gefragt, warum", sagte sie.

„Warum nicht?"

Luo Shuang antwortete auch darauf.

„Und weil ich es wusste", sagte sie.

Es blieb sehr lange still im Forschungsraum.

Und Tang Shu setzte sich wieder hin, und sie setzte sich hin, weil sie gemerkt hatte, dass sie stand und dass das Stehen jetzt eine eigene Aussage war, und sie wollte an diesem Vormittag nur die eine Aussage machen.

„Fräulein Luo."

„Frau Tang?"

„Fragen Sie mich jetzt", sagte sie.

Und Luo Shuang fragte, und sie fragte es in der Form, in der man am wenigsten davonkommt.

„Frau Tang, was darf ich messen?"

Und Tang Shu antwortete mit einem Wort.

„Mich."

„Wie weit?"

„So weit, wie ich es merke und Ihnen sagen kann."

„Wenn etwas an Ihnen etwas über das andere aussagt?"

Tang Shu dachte darüber vier Sekunden nach, weil die Frage gut war.

„Dann schreiben Sie es auf und leiten nichts daraus ab", sagte sie.

„Frau Tang, das ist ein Unterschied ohne Gerät."

„Ja."

„Und?"

Tang Shu sah sie an.

„Und deshalb müssen Sie ihn machen und nicht Ihr Gerät", sagte sie.

Luo Shuang holte das Verfahrensbuch aus der zweiten Kiste.

Und es war ein dickes Buch mit einem grauen Rücken, und darin standen seit 2131 alle Verfahren, die sie jemals benutzt hatte, und sie schlug eine leere Seite auf und schrieb das Datum darüber.

„Frau Tang, sagen Sie den Satz."

„Fräulein Luo, das ist Ihr Buch."

Und Luo Shuang legte den Stift hin und schob das Buch zwei Handbreit über den Tisch.

„Ja. Und deshalb", sagte sie.

Tang Shu sagte den Satz, und sie brauchte dafür keinen Anlauf, weil er seit dem siebten Juli in ihr fertig war.

„Am Ungeborenen wird nicht gemessen."

Und dann sagte sie den zweiten Satz, weil ein Verbot allein ein schlechtes Verfahren ist.

„Und gemessen wird meine Gesundheit."

Luo Shuang schrieb beide Sätze auf.

Und darunter schrieb sie eine dritte Zeile, die Tang Shu ihr nicht gesagt hatte, und sie las sie laut vor, bevor jemand fragen musste.

Zuständig ist Frau Tang. Nicht der Clan und nicht ich.

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Fräulein Luo."

„Frau Tang?"

„Die dritte Zeile ist die schwerste", sagte sie.

„Warum?"

Und Tang Shu sah auf das aufgeschlagene Buch.

„Weil sie auch dann gilt, wenn ich falsch entscheide", sagte sie.

Der Wechsel kam um 10:40.

Und Tang Shu saß dabei auf dem Stuhl am mittleren Tisch, und das graue Band lag zwei Handbreit von ihrer Hand entfernt, und der Wechsel dauerte vier Herzschläge und war nicht leer.

Luo Shuang saß gegenüber und legte beide Handflächen flach auf das Holz und sah zum Nordfenster.

Sie fasste in diesen vier Herzschlägen nichts an.

Han Meiyu schrieb die Uhrzeit auf.

„10:40."

„Frau Han."

„Und daneben steht, was in diesen Sekunden gemessen wurde", sagte sie.

„Was steht da?"

Han Meiyu drehte das Buch nicht um.

„Frau Tang, ein Strich", sagte sie.

Tang Shu ging um 10:52 hinaus und nahm den Gang nach Osten.

Und im Gang war niemand, und sie blieb an der dritten Säule stehen und legte zwei Finger an ihr eigenes Handgelenk.

Sie zählte fünfzehn Sekunden und rechnete es hoch, so wie sie es an fremden Handgelenken tat.

Sechsundneunzig.

Und sie zählte noch einmal, weil sie es nicht glaubte, und beim zweiten Mal waren es vierundneunzig.

Dann stand sie ungefähr eine Minute an der Säule und stellte fest, dass sie in diesem Raum nicht ruhig gewesen war.

Sie hatte nur ruhig geklungen.

Und danach ging sie zurück in den Forschungsraum, weil auf einem Blatt in ihrem Zimmer seit dem neunten August eine vierte Zeile stand.

Und was Sie merken, hört jemand am selben Tag.

Han Meiyu war noch da und packte den flachen Kasten ein.

„Frau Han."

„Frau Tang?"

„Um 10:53 sechsundneunzig. Um 10:54 vierundneunzig", sagte sie.

Han Meiyu machte das Buch wieder auf.

„Um 10:20?"

„Achtzig."

„Was war dazwischen?"

Tang Shu sagte es, ohne es weicher zu machen.

„Und dazwischen habe ich Schluss gesagt", sagte sie.

Han Meiyu schrieb es auf, und sie schrieb es in ihrer normalen Geschwindigkeit.

„Frau Tang."

„Ja?"

„Sechsundneunzig ist kein Befund", sagte sie.

„Was ist es?"

Han Meiyu klappte das Buch zu.

„Und es ist der Preis. Und den schreibe ich trotzdem auf, weil er sonst niemandem gehört", sagte sie.

Am Nachmittag stand die Tür des Forschungsraums offen.

Und Tang Shu ging um 15:40 vorbei, auf dem Weg von der ersten Stunde Liegen zur zweiten, und sie sah hinein, ohne stehen zu bleiben.

Dann blieb sie doch stehen.

Auf dem mittleren Tisch lag das kleine Gerät in vierzehn Teilen.

Und daneben lag ein Schraubendreher, und die Kiste, aus der es gekommen war, stand offen, und Luo Shuang saß davor und sortierte die Teile in vier Häufchen.

„Fräulein Luo."

„Frau Tang."

„Was machen Sie da?"

Und Luo Shuang legte eine kleine Feder in das dritte Häufchen.

„Ich zerlege es", sagte sie.

„Warum?"

„Weil es sonst im Regal liegt."

„Und?"

Sie schob das erste Häufchen zusammen.

„Und weil ich weiß, in welcher Kiste es liegt", sagte sie.

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Fräulein Luo, das ist nicht nötig."

„Nein."

„Und?"

Und Luo Shuang sah auf.

„Und ich habe heute um 10:24 gemerkt, dass ich handle, und das war vor dem, was ich um 10:29 gemerkt habe", sagte sie.

Tang Shu ging in den Raum und setzte sich auf den Stuhl gegenüber.

„Fräulein Luo, bauen Sie es wieder zusammen."

„Frau Tang?"

„Nicht heute. Und nicht für mich", sagte sie.

„Wofür?"

„Für Fujian."

Und Luo Shuang sah auf die vierzehn Teile.

„Frau Tang, dafür ist es zu klein", sagte sie.

„Die Frage?"

„Die Frage ist dieselbe."

„Ja", sagte Tang Shu.

Es blieb einen Moment still im Forschungsraum.

„Frau Tang, darf ich noch etwas fragen?"

„Ja."

„Nach der Geburt?"

Und Tang Shu antwortete darauf sofort, weil sie diese Frage seit dem fünfundzwanzigsten August erwartet hatte.

„Fräulein Luo, dann fragen Sie mich noch einmal", sagte sie.

„Die Antwort?"

„Und die Antwort wird nein sein."

„Warum sagen Sie dann, ich soll fragen?"

Und Tang Shu stand auf und schob den Stuhl mit der Wade zurück.

„Damit Sie in Übung bleiben", sagte sie.

Und Luo Shuang lachte kurz, und das hatte an diesem Tag noch niemand getan.

Am langen Tisch saßen an diesem Abend zwanzig Leute.

Und Fang Xiuying kochte seit dem sechsundzwanzigsten August für zweiundzwanzig, und es blieb an diesem Abend etwas übrig, und niemand sagte etwas dazu, weil es fast jeden Abend etwas übrig blieb.

Gu Lin Aelir war seit dem zweiten September achtzehn Monate alt.

Und er kam mit einem Stein an den Tisch, und der Stein war rund und hatte keine weiße Kante, und er legte ihn neben Tang Shus Schale und sagte ein Wort.

„Hua."

Und er benutzte dieses Wort seit dem neunten August für alles Ausgefranste, und ein runder Stein ist nicht ausgefranst, und niemand am Tisch verbesserte ihn.

Und Tang Shu ließ den Stein liegen, wo er lag, und aß daneben.

Sie gingen um 20:40 durch den Hof zurück, und sie gingen und liefen nicht.

Und der vierzehnte September war ein klarer Abend gewesen, und auf dem Süddach lag etwas Armlanges, das den Kopf nicht hob, als sie vorbeikamen.

„Shu."

„Tian."

„Ich fand es richtig", sagte er.

Und Tang Shu blieb stehen.

„Wann hast du das entschieden?"

„Um 10:29."

„Wann hast du es gesagt?"

Und Gu Tian sah sie an.

„Um 20:41", sagte er.

„Und dazwischen?"

„Dazwischen habe ich an einer Wand gestanden."

Es blieb einen Moment still im Hof.

„Und wie war das?", sagte sie.

Und er brauchte für die Antwort länger als für alles andere an diesem Tag.

„Schlecht."

„Ja?"

„Und ich habe dreimal angefangen, Luft zu holen", sagte er.

Tang Shu ging weiter, und sie ging langsamer als vorher.

„Tian, du hast das im August schon einmal gesagt."

„Was?"

„Dass du sonst gewinnst", sagte sie.

„Ja."

„Und heute?"

Und Gu Tian machte die Hand auf und wieder zu, so wie er es am neunten August getan hatte.

„Und heute hätte ich nicht gewonnen. Ich hätte nur schneller Schluss gesagt als du", sagte er.

„Wäre das falsch gewesen?"

„Nein."

„Und?"

Es blieb einen Moment still im Hof.

„Und danach hätte Fräulein Luo den Satz in ihrem Buch von mir gehabt", sagte er.

Tang Shu blieb an der zweiten Tür stehen, die Han Da am Morgen gehobelt hatte.

„Und was macht das für einen Unterschied?"

Und Gu Tian sah die Tür an.

„Und dann steht in ihrem Buch, was der Clan will, und nicht, was du willst", sagte er.

„Wenn ich in sechs Jahren müde bin?"

„Dann steht es trotzdem da."

„Und wenn jemand mich dann überredet?"

Und Gu Tian antwortete darauf, ohne den Blick wegzunehmen.

„Dann hat er dich überredet und nicht mich", sagte er.

Sie machte die zweite Tür auf und wieder zu, einmal, ohne durchzugehen.

Und sie ging leicht.

„Tian."

„Shu?"

„Und was sagt es?"

Und Gu Tian wusste sofort, wovon sie sprach, weil sie es seit dem siebten Juli nur ein einziges Mal gefragt hatte.

„Nichts", sagte er.

„Und hast du gefragt?"

„Nein."

„Und wenn du fragen würdest?"

Und er ging weiter, und sie ging neben ihm.

„Und dann würde es antworten. Und deshalb frage ich nicht", sagte er.

Es blieb einen Moment still im Hof.

„Und seit wann machst du das so?"

„Seit dem einunddreißigsten Juli."

„Und warum?"

Und Gu Tian sah zum Süddach hoch.

„Und weil es an diesem Tag von selbst aufgehört hat und mir das gesagt hat, damit ich es weiß", sagte er.

Der letzte Umlauf des Tages endete um 21:20.

Und Tang Shu lag dabei, und neben ihr lag nichts, und Gu Tian hatte seit dem sechsten Juli jeden Abend die Hand flach auf sie gelegt und hatte kein einziges Mal danach gefragt.

Und der Wechsel kam, und er dauerte vier Herzschläge, und er war nicht leer.

Sie zählte ihn nicht.

Sie merkte erst hinterher, dass sie es nicht getan hatte, und sie lag danach noch ungefähr vier Minuten wach und stellte fest, dass ihr nichts fehlte.

Das war das erste Mal seit neunzehn Jahren.

Im Forschungsraum lag um Mitternacht ein Buch mit grauem Rücken aufgeschlagen auf dem mittleren Tisch.

Und auf der linken Seite standen zwei Spalten aus dem August, und die rechte hatte keine Überschrift.

Und auf der rechten Seite standen drei Zeilen unter dem Datum des vierzehnten September, und die dritte war die, die niemand diktiert hatte.

Zuständig ist Frau Tang. Nicht der Clan und nicht ich.

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