Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 4 · Arc 01
Kapitel 442Der lange Tisch

Ein Platz mehr

4.172 Wörter · Band 4 — Vorhänge vor dem Himmel

Der Weg von der Heilhalle zum Wohnhof war hundertvierzig Schritte lang.

Und Gu Tian kannte die Zahl, weil Gu Zhong sie im Winter hatte messen lassen, um zu wissen, wie lange eine Trage brauchte, und es war eine Zahl aus einem anderen Zusammenhang.

Am siebten Juli 2136 gingen drei Menschen diese hundertvierzig Schritte, und sie gingen sie langsam, und dabei wurde etwas beschlossen.

„Keine Rede."

„Nein."

„Und keinen Toast."

Gu Tian sah nach vorn, wo die Dächer schon im Schatten lagen.

„Shu, keinen Toast", sagte er.

„Wenn Herr Gu Zhong aufsteht?"

„Dann setzt er sich wieder hin."

„Wenn deine Mutter aufsteht?"

Er dachte etwa vier Sekunden nach.

„Shu, dann lasse ich sie", sagte er.

Meifeng ging zwischen ihnen und sagte bis zum Tor nichts.

Und sie sagte es dann, und sie sagte es als Regel, und sie hatte an diesem Nachmittag schon drei Regeln aufgeschrieben, die alle mit Ruhezeiten zu tun hatten, und diese vierte schrieb sie nicht auf.

„Frau Tang."

„Frau Song?"

„Sie sagen es selbst, und Sie sagen es, wann Sie wollen", sagte sie.

Fang Xiuying kochte an diesem Abend für neunzehn.

Und am Tisch saßen dann siebzehn, und das war keine Fehlplanung, sondern Fang Xiuyings Verfahren, und sie hatte es im April 2134 zum ersten Mal erklärt und seitdem nicht mehr.

„Frau Fang, neunzehn?"

„Junger Herr, es kommt immer jemand dazu."

„Wenn nicht?"

Sie hob einen Deckel an und sah nicht auf.

„Und wenn nicht, essen Herr Han und ich morgen Mittag", sagte sie.

Auf dem niedrigen Bord an der Ostwand standen sechs Schalen.

Und dort standen immer Schalen, und Fang Xiuying stellte sie jeden Abend hin, bevor jemand kam, und das Bord war so hoch wie ein Stuhlsitz, weil Han Da es im Sommer 2135 so gebaut hatte.

Er hatte es so gebaut, damit sie sich nicht bücken musste.

Seit dem Frühjahr 2136 kam ein Kind an das Bord heran.

Han Da saß um 19:00 am Rand des Tisches.

Und er aß noch nicht, und er hatte auch nichts in der Hand, und das war bei Han Da ungewöhnlich genug, dass Gu Tian stehen blieb.

„Herr Han."

„Junger Herr."

„Sie schleifen nichts", sagte Gu Tian.

„Nein."

„Und?"

Han Da legte die Hände flach auf das Holz.

„Und ich habe heute nichts gefunden", sagte er.

Gu Zhong kam um 19:10 mit seinem Buch.

Und er kam damit, wie er seit über zwei Jahren damit kam, und er setzte sich an das schmale Ende und schlug es auf und las die eine Zahl vor, die er jeden Abend vorlas.

„Junger Herr, dreihundertsechsundzwanzig."

„Herr Gu Zhong."

„Und keine Änderung seit dem neunten Juni", sagte er.

Um 19:20 saßen sie.

Und es waren siebzehn: die Familie, Herr Gu Zhong, Herr Han, Frau Fang, Frau Chen, Fräulein Luo, Frau Han Meiyu und die drei Archivhelfer, die Zixuan seit dem April ausbildete und die immer noch zu leise sprachen.

Gu Zhong hatte weiterhin keine Sitzordnung gemacht.

Fang Xiuying setzte sich um 19:35 dazu, und das war das erste Mal seit dem zwölften Juni.

Chen Ruolan legte vier Blätter neben Gu Tians Schale.

Und sie legte sie hin, bevor er etwas nehmen konnte, und sie legte sie mit der beschriebenen Seite nach unten hin, weil sie wusste, dass er dann nicht las.

„Herr Gu, die vier sind entschieden."

„Frau Chen, von wem?"

„Von mir", sagte sie.

„Wie?"

„Zwei angenommen, zwei abgelehnt."

„Die Gründe?"

Chen Ruolan nahm sich Reis.

„Herr Gu, auf der Rückseite", sagte sie.

„Frau Chen."

„Ja?"

„Warum liegen sie dann hier?"

Sie sah ihn kurz an, und in diesem Blick lag ungefähr das, was sie sonst in drei Sätzen sagte.

„Herr Gu, weil ich sie Ihnen nicht vorenthalte, sondern nur nicht vorlege", sagte sie.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Frau Chen, verstanden."

„Und?"

Gu Tian schob die vier Blätter zur Seite, ohne sie umzudrehen.

„Und ich lese sie morgen", sagte er.

Das war die zweite Sache an diesem Abend, die Zixuan sich merkte, ohne zu wissen, unter welches Zeichen sie gehörte.

Denn die erste war gewesen, dass Frau Tang seit dem Nachmittag anders saß.

Und Zixuan hatte beides nicht aufgeschrieben.

Um 19:50 fragte Gu Lian etwas.

Und sie fragte es beiläufig, und sie fragte es, weil ihr etwas aufgefallen war, und ihr fiel an einem Tisch immer als Erster auf, wer was nicht nahm.

„Frau Tang."

„Frau Gu?"

„Das ist kein Reiswein", sagte sie.

„Nein."

„Und?"

Tang Shu stellte den Becher ab und sah nicht Gu Lian an, sondern in die Mitte des Tisches, wo eine Schüssel stand, die niemandem gehörte.

„Und ich trinke seit vorgestern keinen mehr", sagte sie.

„Frau Tang, sind Sie krank?"

„Nein."

„Und?"

Tang Shu nahm den Becher wieder auf, weil sie etwas in der Hand halten wollte.

„Und ich bekomme ein Kind", sagte sie.

Der Tisch war etwa vier Sekunden lang still.

Und es war nicht die Stille von schlechten Nachrichten, denn die kannte dieser Tisch auch, und sie klang anders; bei schlechten Nachrichten hörten die Leute auf zu kauen.

An diesem Abend hörten sie auf zu reden und aßen weiter.

Dann sagte Fang Xiuying den ersten Satz.

„Frau Tang."

„Frau Fang?"

„Vertragen Sie Ingwer?", sagte sie.

„Ja."

„Fisch?"

Tang Shu dachte darüber nach, und sie dachte länger darüber nach als über die Antwort davor.

„Frau Fang, seit dem dritten Juli nicht", sagte sie.

„Seit wann wissen Sie es?"

„Seit gestern früh."

Und Fang Xiuying nickte einmal und stand auf und ging zum Ofen und kam nach etwa zwei Minuten zurück.

Sie brachte eine kleine Schüssel mit, in der etwas war, das nach Ingwer roch, und sie stellte sie vor Tang Shu hin und sagte nichts weiter dazu.

Sheilan schob die Salzschale weiter, ohne dass jemand danach gefragt hatte.

Und sie schob sie an Tang Shu vorbei zu Xuan Ling, und Xuan Ling sah die Schale an und dann Sheilan.

„Frau Sheilan, das ist zu wenig."

„Frau Xuan, das ist für Frau Tang."

„Und?"

Sheilan aß weiter.

„Und Frau Tang salzt seit einer Woche mehr, als ihr guttut", sagte sie.

Xuan Ling sagte darauf nichts.

Das war neu, und Meifeng bemerkte es, und Meifeng hatte den Streit über Salz seit dem Frühjahr 2136 ungefähr viermal die Woche gehört und zählte ihn längst nicht mehr.

Diesen zählte sie.

Gu Zhong schlug sein Buch wieder auf.

Und er tat es nicht schnell, und er tat es so, wie jemand ein Buch aufschlägt, der weiß, dass gleich eine Frage kommt, die er stellen muss, weil sonst niemand sie stellt.

„Junger Herr."

„Herr Gu Zhong?"

„Ich habe eine Spalte für Mitglieder", sagte er.

„Ja."

„Und ich trage heute nichts ein."

Gu Tian sah auf.

„Herr Gu Zhong, warum nicht?"

Und Gu Zhong sah in sein Buch, weil er in sein Buch sah, wenn er etwas sagte, das gegen eine Erwartung ging.

„Junger Herr, weil in diese Spalte nur kommt, wer sich entschieden hat", sagte er.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Herr Gu Zhong."

„Ja?"

„Wann trägt man dann jemanden ein?"

Gu Zhong klappte das Buch zu.

„Junger Herr, wenn er alt genug ist, es selbst zu sagen, und wenn er es dann sagt", sagte er.

Und Gu Tian antwortete darauf nicht sofort.

Er hätte im Jahr 2131 vermutlich etwas gesagt, das mit Selbstverständlichkeit zu tun hatte, und im Jahr 2136 sagte er etwas anderes.

„Herr Gu Zhong, schreiben Sie diesen Satz auf."

„Junger Herr, den ganzen?"

„Und mit dem Datum", sagte er.

Xuan Ling stand um 20:10 auf.

Und sie stand nicht auf, um etwas zu holen, und sie ging einmal um den Tisch herum, und das waren an diesem Tisch elf Schritte, und sie ging sie hinter den Rücken von sechs Leuten entlang.

Dann blieb sie hinter Tang Shu stehen und legte ihr eine Hand auf die Schulter.

Sie sagte dabei nichts.

Dann ging sie zurück und setzte sich und aß weiter.

Luo Shuang hatte ihr Gerät den ganzen Abend nicht angesehen.

Und das war die vierte Sache, die Zixuan sich merkte, denn Luo Shuang sah alle zwanzig Minuten auf ihr Gerät, und an diesem Abend lag es mit dem Rücken nach oben neben ihrer Schale.

Stattdessen redete sie.

Sie redete über das, worüber sie redete, wenn sie sich freute, und das waren Messungen.

„Frau Song."

„Fräulein Luo?"

„Frau Han hat gesagt, dass in der Heilhalle die Instrumente ausgeschlagen haben."

Meifeng legte die Stäbchen hin.

„Ja", sagte sie.

„War das Leben, Yin-Yang und Urchaos zugleich?"

„Fräulein Luo."

„Und wenn ja, dann ist das der früheste Zeitpunkt, zu dem jemals eine Wur–"

„Nein", sagte Meifeng.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

Und Meifeng hatte nicht laut gesprochen, und sie hatte nicht scharf gesprochen, und sie hatte den Satz einer Frau abgeschnitten, die sie mochte, und sie tat es freundlich und ohne jede Möglichkeit, es misszuverstehen.

„Fräulein Luo, keine Messung an diesem Kind."

„Frau Song."

„Und keine Vorhersage, und keine Wurzelfrage, und nicht in diesem Jahr und nicht im nächsten", sagte sie.

„Frau Song, ich wollte nichts vorhersagen."

„Ich weiß."

„Und?"

Meifeng nahm die Stäbchen wieder auf.

„Und deshalb sage ich es jetzt und nicht später", sagte sie.

„Frau Song, das ist dieselbe Regel wie beim Jungen."

„Ja."

„Die galt auch für mich?"

Meifeng sah kurz zu ihrem Sohn, der an diesem Abend zwischen seiner Großmutter und seinem Vater saß und mit beiden Händen aß.

„Fräulein Luo, die galt zuerst für mich", sagte sie.

Luo Shuang zog ihr Gerät zu sich heran und drehte es trotzdem nicht um.

„Frau Song."

„Ja?"

„Ich schreibe es auf."

„Fräulein Luo, das ist nicht nötig."

Und Luo Shuang sah auf.

„Frau Song, doch. Weil sich sonst nur die daran halten, die heute hier sitzen", sagte sie.

Und Meifeng dachte etwa vier Sekunden nach.

„Fräulein Luo, dann schreiben Sie es auf."

„Unter welchem Zeichen?"

Zixuan antwortete, ohne dass jemand sie gefragt hatte.

„Fräulein Luo, unter Familie. Und da liegt seit dem März 2135 schon ein Blatt", sagte sie.

Gu Tian sagte während dieser Wechselreden nichts.

Und er sagte auch danach nichts, und Luo Shuang sah ihn an, weil Leute ihn ansahen, wenn sie wissen wollten, ob eine Sache jetzt gilt.

„Herr Gu."

„Fräulein Luo?"

„Sie?"

Er nahm sich von dem Gemüse, das vor ihm stand.

„Fräulein Luo, meine Frau war schneller. Und sie hat dasselbe gesagt, was ich gesagt hätte", sagte er.

Um 20:30 saß Gu Lin Aelir auf dem Schoß seiner Großmutter.

Und er war am zweiten Juli sechzehn Monate alt geworden, und er sprach ungefähr neun Wörter, und drei davon waren Namen und eines war „da".

Xuan Ling redete mit ihm, wie sie mit ihm redete, nämlich in ganzen Sätzen und ohne die Stimme zu heben.

„Lin."

Und der Junge sah sie an.

„Da kommt jemand dazu", sagte sie.

„Da."

„Ja."

„Da."

Und Xuan Ling nickte einmal.

„Lin, im nächsten Frühjahr", sagte sie.

Und dann rutschte er von ihrem Schoß.

Niemand hielt ihn fest, weil er das seit dem Mai zwanzigmal am Tag tat, und er lief an vier Stühlen vorbei zur Ostwand.

Er brauchte dafür etwa vierzig Sekunden, weil er einmal stehen blieb.

Er blieb stehen, weil Han Da ein Bein ausgestreckt hatte und er darüber steigen musste.

Am niedrigen Bord standen sechs Schalen.

Und er nahm die dritte von links, und er nahm sie mit beiden Händen, und dann drehte er sich um und lief zurück.

Auf dem Rückweg ging er langsamer, weil er etwas trug.

Er stellte sie zwischen Tang Shu und Zixuan auf den Tisch.

Dort war Platz, weil dort an diesem Abend Platz war, denn Fang Xiuying hatte für neunzehn gekocht und Gu Zhong keine Sitzordnung gemacht.

Er stellte sie nicht in die Mitte und nicht an den Rand.

Er stellte sie so hin, wie eine Schale steht, wenn jemand davor sitzt.

„Da", sagte er.

Und dann setzte er sich wieder hin.

Niemand am Tisch sagte etwa neun Sekunden lang etwas.

Han Da hörte auf zu kauen.

Fang Xiuying stand halb auf, um die Schale zu füllen.

Und Meifeng schüttelte den Kopf, und Fang Xiuying setzte sich wieder, und die beiden Frauen sahen sich dabei nicht an.

Und die Schale blieb leer.

Gu Tian sah sie an.

Er sah sie länger an, als er an diesem Abend irgendetwas angesehen hatte, und er sah dabei nicht mit der Dao-Sicht hin, weil an einer leeren Schale nichts zu sehen war, was eine Dao-Sicht gezeigt hätte.

Das Violett am Rand seiner goldenen Augen lief nicht schneller.

Er dachte in diesen Sekunden nichts Kluges.

Tang Shu sagte um 20:40 etwas.

Und sie sagte es zu einem Kind, das sechzehn Monate alt war und es nicht verstand, und sie sagte es trotzdem in ganzen Sätzen, weil sie in ganzen Sätzen sprach.

„Lin."

Und der Junge sah nicht auf, weil er aß.

„Danke", sagte sie.

Und danach wurde weitergegessen.

Und das ist der Teil, den man später schwer erklären kann: Es gab keine Rede, und niemand hob einen Becher, und die drei Archivhelfer sprachen weiter zu leise über eine Ablage, und Han Da nahm sich zum dritten Mal Fisch.

Der Tisch war derselbe, und an ihm stand eine leere Schale, und alles war anders.

Zixuan weinte um 20:48.

Und sie merkte es nicht sofort, und sie merkte es, als sie die Stäbchen ablegte und die Hand nass war, und sie sah die Hand an, als gehöre sie zu einer Messung.

Und Gu Lian sah es als Erste.

„Kleine Schwester."

„Schwester?"

„Du weinst."

Und Zixuan wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht, und sie tat es ungeschickt, weil sie es selten tat.

„Schwester, das ist ein Messfehler", sagte sie.

„Nein."

„Doch."

„Was misst du?"

Und Zixuan sah auf die leere Schale zwischen sich und Tang Shu.

„Schwester, nichts. Und deshalb ist es ein Fehler", sagte sie.

Gu Lian legte ihre Stäbchen hin.

Und sie legte sie quer über ihre Schale, wie man es tut, wenn man vorhat, eine Weile nicht weiterzuessen, und das machte an diesem Tisch niemand sonst.

„Kleine Schwester."

„Ja?"

„Wer misst?", sagte sie.

„Ich."

„Wer prüft dich?"

Und Zixuan öffnete den Mund und schloss ihn wieder.

Das dauerte etwa vier Sekunden.

„Schwester, niemand", sagte sie.

„Und?"

„Und dann kann ich nicht wissen, ob es ein Fehler ist."

Gu Lian nahm die Schale mit dem Sprung, die vor ihr stand, und stellte sie vor Zixuan hin.

Und dann sagte sie nichts dazu.

„Schwester, das ist deine."

„Nein."

„Doch. Du nimmst sie seit dem März."

Und Gu Lian nahm sich die Schale, die vor Zixuan gestanden hatte, und sie war ganz und hatte keinen Sprung und war völlig gleichwertig.

„Kleine Schwester, seit heute nicht mehr", sagte sie.

Es blieb einen Moment still zwischen ihnen.

„Schwester."

„Ja?"

„Warum?"

Und Gu Lian aß weiter.

„Kleine Schwester, weil du geweint hast und weil ich nichts anderes tun kann", sagte sie.

Und Zixuan sah die Schale mit dem Sprung an.

Und dann aß sie daraus.

Das war die siebte Sache an diesem Abend, die sie sich merkte, und es war die erste, bei der sie sicher war, dass sie sie nie ablegen würde.

Um 20:55 fragte sie ihren Bruder.

Und sie fragte über den halben Tisch hinweg, und sie fragte es nicht leise, weil sie Fragen nicht leise stellte.

„Bruder."

„Zixuan?"

„Unter welchem Zeichen liegt heute?", sagte sie.

„Unter gar keinem."

„Und?"

„Und heute kommt nicht ins Archiv."

Zixuan sah ihn an.

„Bruder, ich habe noch nie etwas nicht abgelegt", sagte sie.

„Ich weiß."

„Wenn ich es vergesse?"

Und Gu Lian antwortete, bevor Gu Tian etwas sagen konnte.

„Kleine Schwester, du vergisst nichts. Das ist ja dein Problem", sagte sie.

Und der Tisch lachte.

Und es war kein großes Lachen, und es dauerte etwa vier Sekunden, und Han Da lachte am lautesten und verschluckte sich dabei fast, und Gu Zhong lächelte in sein geschlossenes Buch.

Zixuan sah von einem zum anderen und begriff etwa auf halbem Weg, dass nicht über sie gelacht wurde.

Dann lachte sie auch, und sie lachte immer noch ein wenig falsch, und niemand korrigierte sie.

Der Reflex kam um 21:05.

Und Gu Tian kannte ihn inzwischen so gut, dass er ihn nicht mehr an der Bewegung merkte, sondern an dem Satz, der davor im Kopf stand, und der Satz lautete: Ich könnte nach dem Essen die Fujian-Werte ansehen.

Und er prüfte, warum.

Er fand diesmal nur einen Grund.

Der Grund war nicht Fujian, denn Fujian hatte am Nachmittag ein Blatt geschickt, und auf dem Blatt stand, was seit dem vierundzwanzigsten Juni jeden Tag darauf stand.

Der Grund war, dass an diesem Tisch etwas Gutes passiert war und dass er dafür keine Aufgabe hatte.

Das war schwerer, als er es sich zugestanden hätte.

Denn eine Meldung konnte man lesen, und eine Zahl konnte man einordnen, und ein Tor konnte man schließen.

Und ein Abend, an dem siebzehn Menschen aßen und eine leere Schale auf dem Tisch stand, verlangte nichts von ihm außer, dabei zu bleiben.

Und er blieb sitzen.

Sheilan sagte um 21:15 etwas, das nach Anthelen klang.

Und sie sagte es zu Xuan Ling, weil sie inzwischen fast alles zu Xuan Ling sagte, und sie sagte es ohne Feierlichkeit, wie sie alles ohne Feierlichkeit sagte.

„Frau Xuan."

„Frau Sheilan?"

„Bei uns sagt man es erst im vierten Monat", sagte sie.

„Warum?"

„Weil bei uns die ersten drei Monate der Frau gehören."

Xuan Ling nahm sich von dem Gemüse.

„Frau Sheilan, und heute?"

Und Sheilan sah über den Tisch zu ihrer Tochter und zu der Frau, die neben ihrer Tochter saß.

„Frau Xuan, und ich bin seit dreiundzwanzig Jahren nicht in Anthelen", sagte sie.

Han Meiyu sagte an diesem Abend genau zwei Sätze.

Und sie sagte sie um 21:20, und sie sagte sie zu Tang Shu und nicht zu Gu Tian und nicht zu Meifeng, und das war ihre Art, seit sie im Clan arbeitete.

„Frau Tang, am einundzwanzigsten."

„Frau Han?"

„Und wenn etwas vorher ist, kommen Sie vorher", sagte sie.

Xingchen kam um 21:30 vom Süddach herunter.

Und sie kam in ihrer kleinen Form, die ungefähr so lang war wie ein Arm, und sie kam nicht geflogen, sondern über die Mauer und die Bank, und sie legte sich neben Tang Shus Schale auf das Holz.

Und die drei Archivhelfer hörten auf zu reden.

„Tang Shu."

„Xingchen?"

„Du riechst seit dem vierundzwanzigsten Juni anders", sagte sie.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Und du hast nichts gesagt?"

„Nein."

„Und warum nicht?"

Und der Drache legte den Kopf auf die Vorderklauen.

„Weil es deins war", sagte sie.

Und Tang Shu sah sie eine Weile an.

Und dann tat sie etwas, das sie bei Xingchen sonst nicht tat, weil Xingchen kein Tier war und weil man einem Drachen nicht über den Kopf strich.

Sie legte nur zwei Finger auf die Schuppen zwischen den Augen.

Xingchen ließ es zu.

„Xingchen."

„Ja?"

„Und was riechst du sonst noch?"

Und der Drache öffnete ein Auge und sah dabei nicht Tang Shu an, sondern Meifeng, die zwei Plätze weiter saß und nichts gesagt hatte.

„Nichts, wonach du fragen solltest", sagte sie.

Han Da wartete bis 21:45.

Und dann holte er ein Stück Schnur aus der Tasche, und er legte es an der Tischkante an und schob es zweimal weiter und knotete an einer Stelle einen Knoten hinein.

Und er tat das genau dort, wo die leere Schale stand.

„Herr Han."

„Junger Herr."

„Was messen Sie?"

Han Da steckte die Schnur wieder ein.

„Nichts", sagte er.

„Und?"

„Und ich habe im März zwei Bretter übrig behalten."

Gu Tian sah ihn an.

„Herr Han, warum?"

Und Han Da nahm sich zum vierten Mal Fisch.

„Junger Herr, weil ich diesen Tisch zweimal aufgesägt habe und jedes Mal jemand dazugekommen ist", sagte er.

Luo Shuang gab ihm das Blatt um 22:00 im Hof.

Und sie gab es ihm draußen und nicht am Tisch, und sie hatte es seit 18:30 in der Tasche gehabt, und darauf standen vier Zeilen, und drei davon waren Zahlen.

Stufe-vier-Portal Fujian, 6. Juli 18:00 bis 7. Juli 18:00.

Fremder Anteil weiter über dem Dreijahresmittel. Rhythmus unverändert.

Vierzehnter Tageswert der Reihe.

Nachrichtlich.

„Fräulein Luo."

„Herr Gu?"

„Sie hatten es seit halb sieben."

Und Luo Shuang sah in den Hof, in dem noch Licht brannte.

„Ja", sagte sie.

„Und?"

„Und es war nachrichtlich."

„Wenn es das nicht gewesen wäre?"

Sie sah ihn an.

„Herr Gu, dann hätte ich Sie an der Heilhalle abgefangen und nicht am Tisch", sagte sie.

„Fräulein Luo."

„Ja?"

„Steigt es weiter?"

Und sie dachte etwa vier Sekunden nach, und sie dachte darüber nach, weil sie an dieser Stelle nicht schätzte.

„Herr Gu, seit dem vierundzwanzigsten Juni jeden Tag ein bisschen. Und ich weiß nicht, ob das eine Kurve ist oder nur vierzehn Tage", sagte sie.

„Und wann wissen Sie es?"

„Vielleicht am zwanzigsten."

„Und bis dahin?"

Luo Shuang nahm das Blatt zurück, weil sie es ablegen musste.

„Bis dahin messe ich, und Sie tun nichts", sagte sie.

Und Gu Tian lachte kurz.

„Fräulein Luo."

„Herr Gu?"

„Sie werden mit dem Ton allmählich schlimmer als meine Schwester."

Und Luo Shuang steckte das Blatt weg.

„Herr Gu, ich habe es von Ihrer Schwester", sagte sie.

Um 22:15 standen drei Menschen in einer Tür.

Und es war die Tür zum Westflügel, und es war eng, und es war nicht besonders würdevoll, und Tang Shu hatte ein schlafendes Kind auf dem Arm, das ihr eigenes nicht war.

Und Meifeng hatte eine Hand flach auf Tang Shus Rücken.

Niemand sagte etwas, bis Tang Shu etwas sagte.

„Frau Song."

„Frau Tang?"

„Sie haben heute Nachmittag kaum etwas gegessen."

Und Meifeng nahm ihr das Kind ab, weil es ihr Kind war und weil es schwer wurde.

„Ja", sagte sie.

„Und?"

„Und es war ein langer Tag."

Tang Shu sah sie an.

„Frau Song, das war nicht meine Frage."

Und Meifeng lachte leise, weil dieser Satz in diesem Haus einer Frau gehörte und weil eine andere ihn gerade benutzt hatte.

„Frau Tang, ich weiß", sagte sie.

Und dann ging sie mit dem Kind hinein, und sie ging, ohne die Frage zu beantworten, und Tang Shu ließ sie gehen und merkte sich die Frage.

Und Gu Tian stand daneben und sagte nichts.

Er hörte zwei Frauen zu, die einander seit Jahren mit „Frau Song" und „Frau Tang" ansprachen, und niemand in diesem Haus verwechselte das noch mit Abstand.

„Tian."

„Shu?"

„Du hast den ganzen Abend nichts dazu gesagt."

Und er dachte darüber nach, und sie hatte recht, und er hatte an diesem Abend zu dieser Sache keinen einzigen Satz gesagt.

„Nein", sagte er.

„Und?"

„Und du hast es gesagt. Und danach war nichts mehr zu sagen."

Tang Shu sah in den Hof, in dem der lange Tisch stand und auf dem langen Tisch eine leere Schale.

„Tian, das war die richtige Reihenfolge", sagte sie.

Xuan Ling fand ihn um 22:30 auf der Stufe vor dem Ostflügel.

Und sie setzte sich nicht dazu, und sie blieb stehen, und sie hielt eine Schale in der Hand, aus der sie nicht trinken wollte.

„Tian'er."

„Mutter?"

„Ich bin heute um den Tisch gegangen", sagte sie.

„Ja."

„Und weißt du, warum?"

Und Gu Tian sah in den Hof.

„Nein."

Und sie stellte die Schale auf die Stufe.

„Tian'er, weil ich achtzehn Jahre lang an keinem Tisch gesessen habe, an dem jemand dazukam", sagte sie.

Es blieb einen Moment still auf der Stufe.

„Mutter."

„Ja?"

„Und heute?"

Und Xuan Ling sah zu der Stelle hinüber, an der ein Stück Schnur einen Knoten hatte.

„Tian'er, und heute bin ich einmal herumgegangen, weil ich es konnte", sagte sie.

Er fragte das System an diesem Abend nicht.

Und das fiel ihm um 23:00 auf, und er prüfte, warum, weil er das inzwischen prüfte.

Und der Grund war einfach: Es gab an diesem siebten Juli nichts, was er wissen wollte und was eine Messung hätte beantworten können.

Alles, was er wissen wollte, würde erst im nächsten Frühjahr eine Antwort haben.

Fang Xiuying räumte um 22:40 ab.

Und sie räumte alles ab, und sie spülte alles, und sie stellte alles zurück, und dann stellte sie eine Schale wieder auf den Tisch.

Und Gu Zhong sah ihr dabei zu und fragte nichts.

Er fragte es am nächsten Morgen.

„Frau Fang."

„Herr Gu Zhong?"

„Da steht eine Schale."

Und Fang Xiuying schnitt weiter, was sie schnitt.

„Herr Gu Zhong, ich habe sie dahin gestellt, wo sie gestanden hat", sagte sie.

„Und wie lange steht sie da?"

„Das weiß ich nicht."

„Und?"

Und Fang Xiuying legte das Messer hin.

„Und ich koche ab heute für zwanzig", sagte sie.

Am achten Juli um 05:50 war der Hof leer.

Und Xingchen lag auf dem Süddach, und im Archivflügel brannte Licht, weil jemand um 04:00 aufgestanden war und ein Blatt unter dem Zeichen Familie abgelegt hatte, auf dem nur ein Satz stand.

Und der Satz lautete: Keine Messung. Keine Vorhersage. Keine Wurzelfrage.

Darunter stand ein Datum und kein Name.

Auf dem langen Tisch, den ein Zimmermann im November 2133 gebaut und zweimal aufgesägt hatte, stand zwischen zwei Plätzen eine leere Schale.

Niemand hatte sie weggeräumt.

Niemand hatte darüber gesprochen.

Fang Xiuying wischte am Morgen um sie herum.

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