Meifeng legte den Tag am ersten Juli um 21:00 fest.
Und sie legte ihn nicht vorsichtig fest, und sie fragte auch nicht, ob es passe, sondern sie sagte einen Satz und blieb dann still.
„Ah Tian, morgen tust du nichts."
„Meifeng."
„Und ich habe es Herrn Gu Zhong schon gesagt."
Gu Tian sah auf.
„Wann?", sagte er.
„Um 19:00."
„Was hat er gesagt?"
Meifeng zog sich das Band aus dem Haar und legte es auf den Tisch.
„Er hat gesagt, dass er dafür keine Spalte hat", sagte sie.
„Und?"
„Und dass er trotzdem eine anlegt."
Es blieb einen Moment still im Zimmer.
„Meifeng, was heißt nichts?"
„Das habe ich aufgeschrieben", sagte sie.
Sie hatte vier Zeilen aufgeschrieben.
Und sie hatte sie auf ein halbes Blatt geschrieben, in ihrer Handschrift, die schnell war und nach links kippte, und sie hatte kein Datum daruntergesetzt, weil sie fand, dass ein Datum das Falsche daraus machen würde.
Keine Meldung, außer jemand blutet.
Keine Karte.
Keine Zahl.
Und wenn etwas Wichtiges passiert, holt dich Fräulein Luo, so wie immer.
Und Gu Tian las es zweimal.
„Meifeng, die vierte ist keine Regel."
„Nein."
„Was ist sie?"
Meifeng nahm ihm das Blatt aus der Hand.
„Ah Tian, sie ist der Grund, warum die ersten drei gehen", sagte sie.
Er wachte am zweiten Juli um 05:34 auf.
Und er wachte auf, weil er seit vier Jahren um diese Zeit aufwachte, und weil kein Blatt Papier daran etwas ändert.
Er blieb liegen.
Er blieb neununddreißig Minuten liegen.
Und das war keine besondere Leistung, und er wusste das, und trotzdem stellte er es fest.
Neben ihm lag Meifeng auf der Seite und atmete langsam, und ihre Hand lag auf der Decke zwischen ihnen, mit der Innenfläche nach oben.
Er legte seine Hand nicht hinein, weil sie schlief.
Um 06:13 legte sie sie selbst hinein.
„Du bist wach."
„Ja."
„Seit wann?"
Gu Tian überlegte, ob er lügen sollte, und verwarf es in etwa einer Sekunde.
„Seit 05:34", sagte er.
„Was hast du getan?"
„Nichts."
„Ah Tian."
„Meifeng, ich habe an die Decke gesehen", sagte er.
Und Meifeng lachte in das Kissen.
Sie lachte kurz, und danach rückte sie näher und legte den Kopf auf seine Schulter, und ihre Haare lagen quer über seinem Arm, und er ließ den Arm liegen, wo er war.
„Woran hast du gedacht?"
„An die vierte Zeile."
„Und?"
„Und daran, dass du sie zuletzt geschrieben hast", sagte er.
„Ja."
„Warum?"
Sie hob den Kopf ein Stück.
„Weil ich die ersten drei nicht schreiben konnte, bevor ich die vierte gedacht hatte", sagte sie.
Es blieb einen Moment still im Zimmer.
„Meifeng."
„Ah Tian?"
„Das ist derselbe Satz wie im Juni."
Und sie ließ den Kopf wieder auf seine Schulter fallen.
„Ja", sagte sie.
Zixuan stand um 06:40 im Hof.
Und sie stand nicht am Tisch und nicht an der Küchentür, sondern in der Mitte des Hofes, an einer Stelle, von der aus man vier Durchgänge gleichzeitig sah, und sie hatte ein Archivbuch unter dem Arm.
„Bruder."
„Zixuan."
„Ich schreibe heute mit", sagte sie.
„Was?"
„Dich."
Gu Tian sah auf das Buch.
„Zixuan, hat meine Frau dich gefragt?"
„Nein", sagte sie.
„Wer dann?"
„Niemand."
„Und?"
Zixuan schlug das Buch auf, und die erste Seite war schon beschrieben, und zwar mit einer einzigen Zeile.
„Und ich habe Frau Song gestern um 21:20 gefragt, ob sie es verbietet", sagte sie.
„Und?"
„Und sie hat gesagt, dass sie es nicht verbietet."
Er sah sie an.
„Zixuan, hat sie sonst noch etwas gesagt?"
Zixuan sah in ihr Buch.
„Sie hat gelacht", sagte sie.
„Und das hast du aufgeschrieben."
„Ja."
„Warum?"
Zixuan hielt den Stift ruhig, so wie sie ihn am zwanzigsten Juni ruhig gehalten hatte.
„Bruder, weil eine Beobachtung ohne Aufzeichnung eine Behauptung ist", sagte sie.
Der erste Eintrag stand um 06:51.
Und Gu Tian sah nicht, was sie schrieb, und er wusste trotzdem, was sie schrieb, weil er vier Sekunden vorher gefragt hatte, ob über Nacht etwas gekommen sei.
Gu Zhong hatte geantwortet, dass nichts gekommen sei.
Dann hatte er hinzugefügt, dass er das auch dann gesagt hätte, wenn etwas gekommen wäre, weil er ein Blatt Papier von Frau Song habe.
„Herr Gu Zhong."
„Junger Herr?"
„Wenn es wichtig gewesen wäre?"
Gu Zhong schlug sein Buch nicht einmal auf.
„Junger Herr, dann hätte Fräulein Luo Sie geholt und nicht ich", sagte er.
Es blieb einen Moment still am Tisch.
„Herr Gu Zhong, das steht in der vierten Zeile."
„Ja."
„Und?"
Gu Zhong setzte sich an das schmale Ende.
„Junger Herr, und ich habe sie gelesen, bevor ich sie unterschrieben habe", sagte er.
Am langen Tisch saßen an diesem Morgen neun Leute.
Und das war wenig, und es war Absicht, und die Absicht war nicht seine gewesen.
Sein Sohn saß auf einem Stapel aus zwei Kissen und einer zusammengelegten Decke und aß mit den Händen, weil er es mit den Händen schneller konnte.
Han Da kam um 07:30 über den Hof.
Und er kam mit vier Brettern unter dem rechten Arm, und die Bretter waren unterschiedlich lang, und er hatte sie nicht zugeschnitten.
„Junger Herr."
„Herr Han."
„Frau Song sagt, Sie bauen heute etwas", sagte er.
„Was?"
„Das hat sie nicht gesagt."
Gu Tian sah auf die Bretter.
„Herr Han, und was haben Sie mitgebracht?"
Han Da legte sie auf den Boden.
„Vier Bretter", sagte er.
„Woher?"
„Vom Tisch."
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Herr Han, von diesem Tisch?"
Han Da klopfte mit dem Absatz gegen das längste Brett.
„Junger Herr, das ist der Rest vom dritten Mal", sagte er.
„Den heben Sie seit dem März auf?"
„Ja."
„Warum?"
Han Da richtete sich auf und drückte den Rücken durch, und das dauerte etwa vier Sekunden.
„Junger Herr, weil ich in dreißig Jahren viermal etwas weggeworfen habe, das ich zwei Wochen später gebraucht hätte", sagte er.
Gu Tian bat ihn um Hilfe.
Und er bat ihn nicht als Clanoberhaupt, sondern so, wie man einen Mann fragt, der Werkzeug hat und weiß, wie es geht.
„Herr Han, haben Sie eine Stunde?"
„Nein."
„Heute Nachmittag?"
Han Da sah in Richtung Küche.
„Junger Herr, ich habe heute den ganzen Tag keine Zeit", sagte er.
„Herr Han."
„Ja?"
„Sie stehen mit vier Brettern in meinem Hof."
Und Han Da nahm einen Beutel vom Gürtel und legte ihn neben die Bretter.
„Junger Herr, Frau Song hat mich gestern um 19:40 gebeten, heute keine Zeit zu haben", sagte er.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Die Bretter?"
„Die hat sie nicht verboten."
„Der Beutel?"
Han Da machte ihn auf und drehte ihn um, und darin waren Holzdübel, ungefähr vierzig Stück, und nicht ein einziger Nagel.
„Junger Herr, ich habe auch die Nägel nicht verboten bekommen", sagte er.
„Warum sind trotzdem keine drin?"
Han Da machte den Beutel wieder zu.
„Weil ein Kind dabei ist", sagte er.
Der Junge kam um 08:10 in den Hof.
Und er kam allein, und er kam barfuß, und er hatte in der linken Hand einen Stein, den er seit dem achtundzwanzigsten Juni nicht mehr hergegeben hatte.
Er ging an vier Erwachsenen vorbei und blieb bei den Brettern stehen.
„Da", sagte er.
Und er legte den Stein auf das längste Brett.
Gu Tian setzte sich daneben auf den Boden.
Und das war eine Entscheidung, und sie dauerte etwa eine Sekunde, und danach saß ein Mann, der amtlich als SS-9 geführt wurde, im Staub eines Hofes und hatte ein Brett auf den Knien.
„Was bauen wir?"
Sein Sohn antwortete nicht, weil er neun Wörter konnte und keines davon passte.
Er setzte sich stattdessen auf das zweitlängste Brett.
Meifeng entschied es aus vier Metern Entfernung.
„Ein Gestell."
„Meifeng?"
„Für seine Steine", sagte sie.
„Wie viele hat er?"
„Das weiß ich nicht."
„Und?"
Meifeng kam näher und stellte einen Krug Wasser in den Schatten.
„Und ich habe am Montag vierzehn aus dem Bett geholt", sagte sie.
Er maß es mit der Hand.
Und er hätte es anders messen können, und das wusste er, und es dauerte etwa vier Sekunden, bis er merkte, dass er kurz davor gewesen war.
Denn Dao-Sicht hätte ihm die Maserung, den Faserverlauf und die vier Stellen gezeigt, an denen das Holz später reißen würde.
Und dann hätte er ein Gestell gebaut, das nicht reißt.
Darum ging es nicht.
Der erste Schnitt saß schief.
Und er saß nicht schief, weil Gu Tian schlecht sägte, sondern weil ein Kind von sechzehn Monaten in der Mitte des Schnitts das Brett angehoben hatte, um darunter zu sehen.
Gu Tian hielt die Säge an.
Danach ließ er ihn das Brett anheben und sah mit darunter.
Darunter war Boden.
„Da", sagte sein Sohn.
„Ja", sagte er.
Zixuan schrieb um 08:44.
Und Gu Tian sah es diesmal, weil sie zwei Schritte näher gekommen war.
„Zixuan."
„Bruder?"
„Was steht da?"
Und sie las es vor, ohne zu zögern.
„Acht Uhr vierundvierzig: hat mit dem Sägen aufgehört, ohne den Grund zu prüfen", sagte sie.
„Ist das gut?"
„Das ist keine Spalte."
„Welche Spalten hast du?"
Zixuan hielt das Buch schräg, damit er es sehen konnte, und er sah vier Striche und vier Überschriften.
„Uhrzeit. Versuch zu arbeiten. Abgewehrt von wem. Dauer", sagte sie.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Zixuan, in der dritten Spalte steht dreimal derselbe Name."
„Ja."
„Wessen?"
Sie klappte das Buch zu.
„Bruder, deiner", sagte sie.
Tang Shu kam um 09:00 und setzte sich auf die Stufe.
Und sie setzte sich nicht auf die Bank und nicht auf einen Hocker, sondern auf die unterste Stufe zur Halle, weil man von dort aus den ganzen Hof sah und weil sie in der Sonne saß.
Sie sagte zunächst nichts.
„Frau Tang."
„Herr Gu."
„Sie sitzen in der Sonne."
Und Tang Shu zog die Beine an und legte die Arme darauf.
„Ja", sagte sie.
„Ist Ihnen nicht zu warm?"
„Doch."
„Und?"
Sie sah auf den Hof.
„Und ich sitze trotzdem hier", sagte sie.
Sie fing um 09:04 an zu zählen.
Und sie zählte nicht Umläufe, und sie hatte kein Papier dabei, und sie hatte den Pinsel seit dem neunundzwanzigsten Juni nicht mehr aus dem Becher genommen.
Und sie zählte etwas anderes.
Das Erste war um 09:20.
Und um 09:20 fiel dem Jungen ein Dübel aus der Hand, und der Dübel rollte über die Steine und blieb unter dem Tisch liegen, und der Junge sah ihm etwa vier Sekunden nach.
Und dann fing er an zu weinen, und zwar sofort und laut.
Gu Tian tat nichts.
Das war das Erste.
Er griff nicht.
Und er stand nicht auf, und er sah nicht unter den Tisch, und er hielt seinem Sohn keinen zweiten Dübel hin, obwohl neununddreißig davon neben seinem Knie lagen.
Und er sagte einen Satz.
„Er ist unter dem Tisch."
Und dann wartete er.
Und sein Sohn weinte etwa zwölf Sekunden weiter und hörte dann auf und ging unter den Tisch und kam mit dem Dübel zurück und legte ihn auf Gu Tians Knie.
„Da."
„Ja", sagte Gu Tian.
Tang Shu sah auf ihre eigene Hand.
Und sie stellte fest, dass sie sich geöffnet hatte.
Und sie machte sie wieder zu und ließ sie auf dem Knie liegen, und niemand hatte es gesehen.
Das Zweite war um 10:15.
Und um 10:15 kippte das halbfertige Gestell nach vorn, weil zwei von vier Dübeln noch nicht saßen und weil ein Kind sich mit beiden Händen an das oberste Fach gehängt hatte.
Und es fiel.
Es fiel auf die Seite, auf der der Junge stand.
Im Februar hätte er es gehalten.
Und er hätte es nicht mit den Händen gehalten, sondern anders, und es hätte etwa vier Zentimeter über dem Boden gestanden und sich nicht bewegt, und danach hätte im Hof ein Mann gestanden, der einem Kind gezeigt hatte, dass Bretter nicht fallen.
Und am zweiten Juli hielt er es mit dem Unterarm.
Der Unterarm reichte.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Herr Gu."
„Frau Tang?"
„Sie haben nicht hingesehen."
Und Gu Tian richtete das Gestell wieder auf und drückte den dritten Dübel mit dem Daumen hinein.
„Nein", sagte er.
„Woher wussten Sie, wohin es fällt?"
„Es hing an einer Seite."
„Und?"
Er sah auf seinen Sohn, der schon wieder am obersten Fach zog.
„Und Bretter fallen dorthin, wo jemand zieht", sagte er.
Das war das Zweite.
Und Tang Shu behielt es und schrieb es nicht auf, und sie merkte, dass sie kurz überlegt hatte, wo sie Papier herbekäme.
Zixuan schrieb um 10:41.
Und diesmal sagte sie es von selbst.
„Bruder."
„Zixuan?"
„Zehn Uhr einundvierzig: hat gefragt, ob Fräulein Luo schon gemessen hat", sagte sie.
„Was habe ich gefragt?"
„Das."
„Zixuan, ich habe es nicht laut gefragt."
Und sie sah ihn an, so wie sie Gu Lian am zehnten Juni angesehen hatte.
„Bruder, du hast zum Nordtor gesehen", sagte sie.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Das reicht dir?"
„Nein."
„Und?"
Sie schrieb etwas dazu.
„Und deshalb steht ein Fragezeichen daneben", sagte sie.
„Zixuan."
„Ja?"
„Das ist unheimlich."
Und Zixuan klappte das Buch zu und hielt es mit beiden Händen vor sich.
„Bruder, Schwester hat das am zehnten Juni auch gesagt", sagte sie.
Um 11:20 stand das Gestell.
Und es hatte vier Fächer, und drei davon waren ungefähr gleich groß, und das vierte war kleiner, weil das kürzeste Brett kürzer gewesen war, als Gu Tian gedacht hatte.
Und das ganze Ding stand nicht gerade.
Es stand nach links geneigt.
Und die Neigung betrug ungefähr eine Daumenbreite auf einen halben Meter, und Gu Tian sah es sofort, und er sah auch sofort, an welchem der vier Dübel es lag.
Und er zog den Dübel nicht heraus.
Meifeng kam um 11:30 mit Tee.
Und sie stellte die Kanne auf die zweite Stufe neben Tang Shu und sah sich das Gestell etwa vier Sekunden lang an.
„Ah Tian."
„Meifeng?"
„Es ist schief", sagte sie.
„Ja."
„Und?"
Und Gu Tian saß immer noch auf dem Boden.
„Und ich weiß, warum", sagte er.
„Machst du es gerade?"
„Nein."
„Warum nicht?"
Er sah auf seinen Sohn, der gerade den vierten Dübel in das kleinste Fach steckte, wo er nicht hingehörte.
„Meifeng, weil er den dritten gehalten hat", sagte er.
Es blieb einen Moment still im Hof.
Und dann setzte sich Meifeng hinter ihn auf die unterste Stufe, mit einem Bein rechts und einem links von ihm, und sie legte die Hände in seine Haare und sortierte etwas darin, das nicht sortiert werden musste.
Und Gu Tian ließ es geschehen.
„Ah Tian."
„Ja?"
„Du hast Staub im Nacken."
Und sie klopfte ihn ihm heraus, und zwar nicht besonders sanft.
„Meifeng, das ist mein Nacken", sagte er.
„Ja."
„Und?"
Sie beugte sich vor und küsste ihn auf die Stelle, an der eben noch Staub gewesen war.
„Und er ist auch meiner", sagte sie.
Und Tang Shu sah in ihren Tee.
Sie sah etwa vier Sekunden hinein, und danach sah sie wieder hin, und Meifeng bemerkte es und sah zurück und lachte kurz.
„Frau Tang."
„Frau Song?"
„Sie sitzen in der Sonne und ich sitze im Schatten", sagte sie.
„Ja."
„Und?"
Und Meifeng rückte etwa eine Handbreit nach links.
„Und jetzt sitzen Sie neben mir", sagte sie.
Sie aßen um 12:00 im Hof.
Und sie aßen nicht am langen Tisch, sondern auf dem Boden, und zwar deshalb, weil ein Kind, das gerade ein Gestell besitzt, nicht bereit war, dieses Gestell für eine Mahlzeit zu verlassen.
Und Fang Xiuying brachte alles heraus und stellte es auf ein Tuch und sagte dazu genau einen Satz.
„Junger Herr, das Tuch ist älter als der Clan", sagte sie.
Und der Junge trug während des Essens vier Steine an.
Und drei davon legte er in das oberste Fach, und den vierten legte er in Meifengs Schale.
Meifeng aß daneben weiter und nahm ihn nicht heraus.
Um 13:20 fragte er das System.
Und er fragte es nicht heimlich, und er drehte sich dafür auch nicht weg, und er wusste beim Fragen genau, dass er es tat.
„System."
[Ja?]
„Ist etwas?"
[Nein.]
„In den letzten sieben Stunden?"
Es blieb etwa vier Sekunden still.
[Auch nicht.]
„System, danke."
[Gu Tian.]
„Ja?"
[Du hast heute zum ersten Mal gefragt], sagte es.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„System, ist das viel?"
[Es ist um 13:20 das erste Mal.]
„Und?"
[Und im Februar war das erste Mal um 04:50], sagte es.
„System."
[Ja?]
„Ich habe nicht nach dem Februar gefragt."
Und es blieb wieder etwa vier Sekunden still.
[Nein], sagte es.
„Und?"
[Und deine Schwester schreibt mit, und ich wollte in ihrer vierten Spalte nicht schlechter aussehen als du], sagte das System.
Zixuan schrieb es auf.
Und sie schrieb es auf, obwohl sie nur eine Hälfte des Gesprächs gehört hatte, und sie schrieb daneben, welche Hälfte.
„Bruder."
„Ja?"
„Dreizehn Uhr zwanzig: Versuch zu arbeiten, abgewehrt vom System", sagte sie.
„Zixuan, das war kein Versuch zu arbeiten."
„Doch."
„Woran erkennst du das?"
Und sie hielt den Stift wieder ruhig.
„Bruder, daran, dass du danach erleichtert warst", sagte sie.
Xingchen lag auf dem Süddach.
Und sie lag dort in kleiner Form seit dem Morgen, und sie hatte den Kopf über die Kante gelegt, und sie hatte den ganzen Vormittag nichts gesagt.
„Xingchen."
„Gu Tian?"
„Du sagst heute nichts."
„Nein."
„Und?"
Und der Drache sah auf ein Gestell mit vier Fächern hinunter.
„Und ich habe seit vier Stunden nichts gesehen, was ich hätte melden müssen", sagte sie.
„Wenn du etwas siehst?"
„Dann sage ich es."
„Wenn es klein ist?"
Xingchen legte den Kopf schief.
„Gu Tian, dann sage ich es auch, und du entscheidest, ob du aufstehst", sagte sie.
Das Dritte war um 14:35.
Und um 14:35 stellte der Junge das Wasserbecken um, das nicht umgestellt werden konnte, weil es aus Stein war, und in dem Versuch kippte er die Kanne mit dem restlichen Tee.
Und der Tee lief über vier Steine und in die Fugen.
Der Junge sah es sich an und sagte nichts.
Gu Tian sagte auch nichts.
Er stand auf, und er holte einen Lappen, und er gab den Lappen nicht dem Kind und wischte es auch nicht selbst weg, sondern legte ihn in die Pfütze und setzte sich wieder hin.
Danach dauerte es ungefähr vier Minuten.
Danach war die Pfütze weg und der Lappen auch, und niemand wusste, wo der Lappen war.
Tang Shu zählte das Dritte.
Und sie zählte dabei etwas mit, das sie am neunundzwanzigsten Juni noch nicht mitgezählt hätte: dass er beim Aufstehen nicht schnell aufgestanden war.
Und dass sein Gesicht dabei nichts getan hatte.
„Herr Gu."
„Frau Tang?"
„Das war das dritte Mal."
Und Gu Tian sah zur Stufe hinüber.
„Wovon?", sagte er.
„Etwas ist heruntergefallen und Sie sind nicht erschrocken."
„Ja."
„Und?"
Und Tang Shu stellte ihre Schale neben sich auf die Stufe.
„Und im Oktober 2134 sind Sie aufgestanden, weil in der Küche ein Deckel heruntergefallen ist", sagte sie.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Frau Tang, das weiß ich noch."
„Ja."
„Und?"
Und er wischte sich die Hände an der Hose ab.
„Und in der Küche stand damals niemand, den ich kannte", sagte er.
„Heute?"
Gu Tian sah in den Hof, in dem an diesem Nachmittag vier Erwachsene und ein Kind waren.
„Und heute kenne ich alle", sagte er.
Sie blieben danach eine Weile sitzen.
Und in dieser Weile passierte nichts.
Und ein Kind räumte ein Gestell ein und wieder aus, und eine Frau schlief für ungefähr zwanzig Minuten mit dem Rücken an einer Säule ein, und eine andere Frau sah zu und weckte sie nicht.
Um 15:40 kam Han Da noch einmal vorbei.
Und er kam nicht wegen des Gestells, und er behauptete das auch, und er blieb trotzdem vier Meter davor stehen und sah es sich an.
„Junger Herr."
„Herr Han."
„Das ist schief", sagte er.
„Ja."
„Und?"
Und Gu Tian saß immer noch auf dem Boden.
„Und es steht", sagte er.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Junger Herr, es steht, weil das kleinste Fach unten ist."
„Ja."
„Und wissen Sie das?"
Gu Tian sah zu ihm auf.
„Herr Han, ich habe es beim Zusammensetzen gemerkt", sagte er.
„Und warum haben Sie es unten gelassen?"
Und Gu Tian sah nicht auf das Gestell, sondern auf seinen Sohn, der bis auf ungefähr vier Zentimeter an das kleinste Fach heranreichte, ohne sich zu strecken.
„Herr Han, weil er nur an das unterste kommt", sagte er.
Han Da sagte etwa vier Sekunden lang nichts.
„Junger Herr."
„Ja?"
„Dann ist es nicht schief", sagte er.
„Herr Han, es ist schief."
„Ja."
„Und?"
Und Han Da drehte sich um und ging weiter.
„Und es ist trotzdem richtig herum", sagte er.
Der Junge räumte um 16:00 ein.
Und er räumte in einer Reihenfolge ein, die er selbst festgelegt hatte, und die Reihenfolge war weder nach Größe noch nach Farbe noch nach irgendetwas, das ein Erwachsener hätte nachvollziehen können.
Und der Stein mit der weißen Kante kam zuerst.
Tang Shu erkannte ihn.
Sie erkannte ihn von der Stufe aus, aus etwa vier Metern Entfernung, und sie hatte ihn seit dem achtundzwanzigsten Juni nicht in der Hand gehabt.
Sie stand auf und ging hin.
Sie hatte den anderen in der Tasche.
Und sie hatte ihn seit vier Tagen in derselben Tasche, und sie hatte ihn dreimal in andere Kleidung mitgenommen, und das war ihr am ersten Juli aufgefallen und sie hatte nichts dazu gedacht.
Und jetzt nahm sie ihn heraus und legte ihn in das unterste Fach.
Der Junge sah ihn sich an.
Und er nahm ihn wieder heraus, und Tang Shu wartete darauf, dass er ihn ihr zurückgäbe.
Und er legte ihn stattdessen eine Reihe höher.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Frau Tang."
„Frau Song?"
„Er hat ihn umgeräumt."
Und Tang Shu sah weiter auf das Gestell.
„Ja", sagte sie.
„Und was heißt das?"
„Das weiß ich nicht."
„Und?"
Und Tang Shu setzte sich auf den Boden neben das Gestell, so wie Gu Tian seit acht Stunden auf dem Boden saß.
„Und ich habe es trotzdem gemerkt", sagte sie.
Das vierte Fach blieb leer.
Und es war das kleinste, und es war das oberste nicht, sondern das zweite von unten, und der Junge hatte alle vier anderen gefüllt und dieses ausgelassen.
Und niemand sagte etwas dazu.
Tang Shu sah es sich ungefähr vier Minuten lang an.
Am Abend saßen vierzehn Leute am langen Tisch.
Und das Gestell stand nicht im Hof, sondern neben dem Tisch, weil Meifeng gesagt hatte, dass etwas, das an einem Tag gebaut wird, am selben Abend gesehen werden muss.
Und es stand schief.
Zwei Leute sagten es, und beide bekamen dieselbe Antwort.
Zixuan las um 20:10 vor.
Und sie las nicht ungefragt vor, und Meifeng hatte sie gefragt, und Zixuan hatte vorher noch einmal in ihr Buch gesehen, so wie jemand, der eine Zahl prüft, bevor er sie nennt.
„Frau Song."
„Zixuan?"
„Vier Versuche", sagte sie.
Es blieb einen Moment still am Tisch.
„Und wann?"
„Sechs Uhr einundfünfzig, zehn Uhr einundvierzig, dreizehn Uhr zwanzig und siebzehn Uhr fünf."
„Und der letzte?"
Und Zixuan sah in ihr Buch.
„Frau Song, um siebzehn Uhr fünf ist er zum Nordtor gegangen", sagte sie.
„Und wie weit?"
„Vier Schritte."
„Und dann?"
Und Zixuan las die Zeile ab, so wie sie dastand.
„Und dann ist er umgedreht und hat einen Stein aufgehoben", sagte sie.
Es blieb sehr still am Tisch.
„Ah Tian."
„Meifeng?"
„Stimmt das?"
Und Gu Tian legte die Stäbchen hin.
„Ja", sagte er.
„Und was war am Nordtor?"
„Nichts."
„Und?"
Er sah auf das Gestell neben dem Tisch.
„Und ich wollte nachsehen, ob nichts da ist", sagte er.
„Warum bist du umgedreht?"
Gu Tian dachte etwa vier Sekunden nach.
„Meifeng, weil der Stein flach war", sagte er.
Und Meifeng lachte.
Und sie lachte laut, und sie lachte so, dass zwei Leute am unteren Ende des Tisches aufsahen, ohne zu wissen, warum, und Gu Lian fragte etwas, das niemand beantwortete.
Gu Tian aß weiter.
Zixuan sagte danach noch etwas.
Und sie sagte es leiser als das andere, und sie sagte es, nachdem sie das Buch schon zugeklappt hatte, und sie machte es dafür noch einmal auf.
„Frau Song."
„Zixuan?"
„Ich habe eine fünfte Spalte", sagte sie.
„Und was steht darin?"
Und Zixuan sah auf die Seite und nicht auf die Leute.
„Frau Song, sie heißt: Ob ich es gern aufgeschrieben habe", sagte sie.
Es blieb einen Moment still am Tisch.
„Und?"
„Und bei achtzehn von einundzwanzig Einträgen steht dasselbe Wort."
„Zixuan."
„Ja."
„Welches?", sagte Meifeng.
Und Zixuan las es vor.
„Ja", sagte sie.
„Und bei den drei anderen?"
„Da steht nichts."
„Und warum nicht?"
Und Zixuan klappte das Buch zu und ließ die Hand darauf liegen.
„Frau Song, weil ich bei den drei anderen nicht sicher bin, ob das noch eine Beobachtung ist", sagte sie.
Es blieb sehr still am Tisch.
„Zixuan."
„Bruder?"
„Das ist keine."
Und Zixuan sah ihn an.
„Nein", sagte sie.
„Und?"
„Und ich habe sie trotzdem in ein Archivbuch geschrieben."
„Zixuan."
„Und ich streiche sie nicht", sagte sie.
Der Junge schlief um 20:50 ein.
Und er schlief auf Meifengs Arm ein, und zwar mitten in einer Bewegung, so wie er es seit sechzehn Monaten machte, und in der linken Hand hatte er einen Dübel.
Und Meifeng nahm ihn ihm nicht weg.
Gu Tian trug ihn nicht.
Und das fiel Tang Shu auf, und sie sah, warum: weil Meifeng ihn trug, und weil Meifeng ihn tragen wollte, und weil Gu Tian daneben herging und die Tür aufmachte.
Und das war das Vierte.
Sie schrieb an diesem Abend nichts auf.
Und sie ging um 21:20 in ihr Zimmer, und die unterste Schublade blieb zu, und sie stellte sich ans Fenster und sah in einen Hof, in dem nichts mehr stand außer einem Tisch.
Und sie legte die Hand flach auf sich selbst und zählte nicht.
Meifeng fragte um 22:30.
Und sie fragte im Bett, und sie fragte es ohne Anlauf.
„Ah Tian."
„Meifeng?"
„Wie war er?"
„Wer?"
„Der Tag."
Und Gu Tian sah an die Decke, so wie er am Morgen an die Decke gesehen hatte.
„Lang", sagte er.
„Und?"
„Und ich habe viermal versucht zu arbeiten."
„Ja."
„Und?"
Und er drehte den Kopf zu ihr.
„Und ich habe es viermal gemerkt", sagte er.
„Im Februar?"
Er dachte etwa vier Sekunden nach.
„Meifeng, im Februar hätte ich es nicht gemerkt, weil ich nicht versucht hätte, es zu lassen", sagte er.
Es blieb einen Moment still im Zimmer.
„Ah Tian."
„Ja?"
„Das ist der Unterschied."
Und er legte den Arm um sie.
„Meifeng, das hast du im Juni schon einmal gesagt", sagte er.
„Ja."
„Und?"
Und sie legte den Kopf auf seine Brust.
„Und ich sage es, bis du es einmal zuerst sagst", sagte sie.
Er stand um 23:10 noch einmal auf.
Und er stand nicht auf, weil eine Meldung gekommen war, und es war keine gekommen, und er hätte es gewusst, weil Fräulein Luo ihn geholt hätte.
Und er stand auf, weil er das Fenster zumachen wollte.
Im Hof stand ein Gestell.
Es stand neben einem Tisch, den ein Mann zweimal aufgesägt hatte, und es hatte vier Fächer, und drei davon waren voll mit Steinen, die keinen Wert hatten.
Eines war leer.
Gu Tian sah es sich etwa vier Minuten lang an.
Dann dachte er zum ersten Mal an diesem Tag an Fujian.
Er dachte nicht an die Kurve und nicht an die Ringe und nicht an die vierhundertdreißig Leute in den drei Dörfern.
Er dachte daran, dass er am zweiten Juli auf einem Hofboden gesessen hatte.
Er machte das Fenster zu.
Er ging zurück ins Bett, und im Zimmer nebenan schlief ein Kind mit einem Holzdübel in der Hand, und im Westflügel stand eine Frau am Fenster, die nichts aufschrieb.
Irgendwo weit außerhalb von allem, was gemessen werden konnte, tastete etwas weiter.
In Songjiang war der zweite Juli 2136 zu Ende, und es war nichts passiert.