8. September 2134
Sie verbrachte vom dritten bis zum achten September in sechs Bereichen je einen Tag.
Und niemand hatte ihr das vorgeschlagen.
Sie hatte am zweiten September um 21:00 in ihr Heft geschrieben, dass sie nicht weiß, was sie mag, und dass man das nicht ausrechnen kann, und dass sie deswegen etwas anderes probiert.
Ich sehe mir alles an.
Die Heilhalle war am dritten September.
Und sie war darin gut und nutzlos zugleich: Sie kannte jede Behandlung, und ihre Finger machten sie falsch.
„Fräulein Gu.“
„Frau Song?“
„Sie kennen die Reihenfolge besser als vier meiner Leute“, sagte Song.
„Ja.“
„Und Sie brauchen für einen Verband die vierfache Zeit.“
Zixuan sah auf ihre Hände.
„Frau Song, das ist korrekt.“
„Und stört es Sie?“
„Frau Song, es langweilt mich“, sagte sie.
Die Küche war am vierten.
Und dort war es umgekehrt: Sie war schlecht darin und es machte ihr etwas aus.
„Frau Fang, ich habe den Reis verbrannt.“
„Fräulein, ich weiß.“
„Und ich weiß, warum“, sagte sie.
„Und?“
„Und ich habe es trotzdem gemacht.“
Fang Xiuying nahm ihr den Topf ab.
„Fräulein, das ist Küche“, sagte sie.
Die Werkstatt war am fünften.
Und Han Da ließ sie vier Stunden zusehen und nichts anfassen, und das war Absicht.
„Herr Han, ich möchte etwas machen.“
„Fräulein, nein.“
„Warum nicht?“
Han Da schlug weiter.
„Weil Sie sich sonst die Hand kaputt machen und ich das erklären muss“, sagte er.
Der Ausbildungshof war am sechsten.
Und dort war sie zum ersten Mal richtig schlecht, und zwar auf eine Art, die ihr nichts ausmachte.
„Fräulein Mu, ich bin die Schlechteste hier.“
„Fräulein Gu, ja.“
„Und?“
Mu Qingzhao sah auf den Hof.
„Und Sie sind seit fünf Wochen alt“, sagte sie.
Das Nordlager war am siebten.
Und dort passierte die Sache, wegen der der Rest des Monats anders lief.
Denn im Nordlager wohnten seit Juni die Geretteten aus der zwölften Ebene, für die es keinen anderen Ort gab, und einer davon suchte seit Wochen etwas.
Und er hieß Xu Wenzhi und war neunundfünfzig.
„Fräulein.“
„Ja?“
„Sie arbeiten hier?“
Zixuan sah auf.
„Nein“, sagte sie.
„Und warum sind Sie dann hier?“
„Weil ich mir das Nordlager ansehe.“
Xu Wenzhi setzte sich auf eine Bank.
„Fräulein, dann kann ich Sie ja fragen“, sagte er.
„Was?“
„Ob es eine Liste gibt.“
„Von was?“
Er sah auf seine Hände.
„Von den Namen aus der zwölften Ebene“, sagte er.
Es blieb einen Moment still im Nordlager.
„Warum?“
„Fräulein, ich habe dort eine Frau gesehen, die ich kannte.“
„Und?“
„Und ich weiß nicht, ob sie herausgekommen ist“, sagte Xu Wenzhi.
Zixuan setzte sich neben ihn.
„Wie hieß sie?“
„Fräulein, das ist das Problem.“
„Sie wissen den Namen nicht.“
„Ich wusste ihn 2119“, sagte er.
Es blieb einen Moment still.
„Und was wissen Sie noch?“
Und er sagte vier Sachen, und alle vier waren wertlos: Sie war ungefähr fünfzig, sie hatte einen Ring, sie war aus Wuxi, und sie hatte in der zwölften Ebene vier Reihen weiter gestanden.
Und Zixuan hörte zu.
Und dann sagte sie etwas, das sie nicht geplant hatte.
„Ich sehe nach.“
„Fräulein —“
„Es dauert vermutlich vier Tage“, sagte sie.
Und dann tat sie es.
Und sie tat es nicht über das System, weil das System die Namen nicht hatte: Die Listen der zwölften Ebene lagen als Papier im Archiv, sie stammten aus Bao Ruixins Büchern, und niemand hatte sie seit Juni angefasst.
Und Zixuan saß am achten September acht Stunden im Archiv.
Und sie las zweitausendvierhundert Namen — die vollständige Liste aller Gewichte, Überlebende wie Tote.
„Fräulein Gu.“
„Herr Wei.“
„Sie sitzen seit 06:00 hier.“
Wei Guolin stellte etwas ab.
„Und Sie haben keinen Auftrag“, sagte er.
Zixuan sah auf.
„Herr Wei, das ist korrekt.“
„Und?“
„Und ich suche eine Frau aus Wuxi, die 2119 einen Ring hatte“, sagte sie.
Wei Guolin setzte sich hin.
„Fräulein, das sind sehr wenige Angaben.“
„Ja.“
„Und wie viele Frauen aus Wuxi haben Sie bisher?“
Zixuan sah auf ihr Blatt.
„Herr Wei, vierzehn“, sagte sie.
Sie fand sie um 16:40.
Und sie fand sie nicht über Wuxi und nicht über den Ring, sondern über eine Nebenspalte in Bao Ruixins Büchern, in der stand, wo jemand in der Ebene gestanden hatte.
Und vier Reihen weiter war eine Angabe, die niemand ausgewertet hatte.
Und die Frau hieß Cao Jinlan und war zweiundfünfzig.
„Herr Wei.“
„Fräulein?“
„Sie hat überlebt.“
Wei Guolin sah auf.
„Fräulein, sind Sie sicher?“
„Sie steht auf der Überlebendenliste“, sagte Zixuan.
„Und wo ist sie?“
Zixuan sah auf ihr Blatt.
„Herr Wei, sie ist im Juni zu Angehörigen nach Wuxi gegangen.“
„Und?“
„Und es steht eine Adresse dabei“, sagte sie.
Sie ging um 17:20 ins Nordlager.
Und Xu Wenzhi saß auf derselben Bank, und er saß dort seit vier Stunden, und Zixuan setzte sich neben ihn und sagte einen Satz.
„Sie heißt Cao Jinlan und sie lebt in Wuxi.“
Und dann sagte Xu Wenzhi etwa vier Minuten lang nichts.
„Fräulein.“
„Ja?“
„Wer hat Sie darum gebeten?“
Zixuan sah auf ihre eigenen Hände.
„Niemand“, sagte sie.
Es blieb sehr still im Nordlager.
„Fräulein, und warum haben Sie es dann gemacht?“
Und sie brauchte etwa vier Sekunden, und dann sagte sie die Wahrheit.
„Herr Xu, das weiß ich nicht“, sagte sie.
Sie merkte es am Abend.
Und sie merkte es im Osthof, wo sie inzwischen dreimal die Woche saß, weil dort Tang Shu saß und weil dort niemand etwas von ihr wollte.
„Frau Tang.“
„Zixuan?“
„Heute war etwas anders“, sagte sie.
„Was?“
„Ich habe acht Stunden im Archiv gesessen.“
„Und?“
Zixuan sah in den Hof.
„Und niemand hat mich gefragt, wie weit ich bin“, sagte sie.
Es blieb einen Moment still im Hof.
„Frau Tang, das war noch nie so.“
„Zixuan.“
„Und ich habe trotzdem weitergemacht“, sagte sie.
Tang Shu legte den Stift hin.
„Zixuan, das ist der Unterschied.“
„Frau Tang, welcher?“
„Zwischen etwas tun und etwas erledigen“, sagte sie.
Gu Tian fragte sie nicht.
Und das war die eigentliche Leistung dieses Abends, und Song sagte es ihm am neunten September auch so.
„Ah Tian, du hast vier Tage nichts gesagt.“
„Meifeng, ich weiß.“
„Und?“
„Und ich habe es dreimal fast gemacht“, sagte er.
„Was fast?“
„Meifeng, ich wollte fragen, ob sie beitritt.“
Song sah ihn an.
„Ah Tian, und warum hast du es gelassen?“
„Weil sie dann ja sagt“, sagte er.
Zixuan sagte am neunten September um 21:00 einen Satz.
Und sie sagte ihn zu Song und nicht zu ihrem Bruder, und das war Absicht, und sie erklärte den Grund nicht.
„Frau Song.“
„Zixuan?“
„Ich glaube, ich fange an zu verstehen, warum Leute freiwillig bleiben“, sagte sie.
Song legte den Stift hin.
„Zixuan, und warum?“
„Frau Song, das kann ich noch nicht sagen.“
„Und was kannst du sagen?“
Zixuan sah auf ihre eigenen Hände.
„Frau Song, dass es nichts damit zu tun hat, gebraucht zu werden“, sagte sie.
In derselben Nacht passierte etwas anderes.
Und es passierte nicht im Anwesen, und niemand im Anwesen merkte es.
Um 02:14 hob in Guizhou ein Wesen den Kopf, das seit sehr langer Zeit nicht den Kopf gehoben hatte.
Und um 02:14 taten drei weitere dasselbe.
In Fujian.
In Shanxi.
In einem See in Heilongjiang, dessen Tiefe niemand kannte.
Und alle vier drehten sich in dieselbe Richtung.