Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 2 · Arc 01
Kapitel 148Hochzeit des Ewigen Dao

Du bist gestorben

3.003 Wörter · Band 2 — Der Drache kehrt nach Norden zurück

16. Juni 2133

Gu Tian erfuhr von Tang Shu am Abend des fünfzehnten Juni in vier Sätzen, und drei davon waren Warnungen.

„Ah Tian, sie ist neunzehn.“

„Ja.“

„Sie ist seit April mindestens fünfmal beobachtet worden, und zweimal davon in den letzten sechzehn Stunden.“

„Das hat mir Frau Luo gesagt.“

Song saß auf der Bank im Nordhof und hatte die Beine angezogen, was sie seit dem achten Juni immer tat, weil ihr ständig kalt war.

„Und der schwarze Zeiger ihrer Uhr hat gestern um 15:20 gezuckt“, sagte sie.

„Das hat mir Frau Luo nicht gesagt.“

„Weil ich es ihr nicht gesagt habe.“ Song sah auf den Baum. „Ah Tian, ich sage dir das jetzt und ich sage dir gleichzeitig, was ich nicht will.“

„Sag es.“

„Ich will nicht, dass sie morgen früh aufwacht und dass am Frühstückstisch drei Leute mit Messgeräten sitzen.“

Gu Tian setzte sich neben sie.

„Song, was will sie?“

Es war die erste Frage, die er stellte, und Song merkte es und sagte es ihm nicht.

„Ein Zimmer und keine Fragen.“

„Dann bekommt sie ein Zimmer und keine Fragen.“

„Ah Tian, du hast eine Autorität, die Tore sieht, und sie trägt einen Gegenstand mit sich herum, den ein Kultivierender vor drei Jahren angefasst hat und danach zwei Tage nicht geredet hat.“

„Ich weiß.“

„Und?“

„Und sie ist neunzehn und hat gestern einen Karton mit achtundvierzig fremden Sachen hierhergetragen“, sagte Gu Tian. „Das steht in meiner Reihenfolge weiter oben.“

Er sah sie am nächsten Morgen zum ersten Mal.

Es war 07:20, es war die zweite Frühstücksschicht, und der Speisesaal war zu klein, was er seit dem Februar war.

Der lange Tisch stand seit dem April 2130 an derselben Stelle.

Er war damals für vierzehn Leute gebaut worden. Inzwischen war er dreimal verlängert worden — zweimal von Wei Lao und einmal von einem Mann aus Kher Vaneth, der Tischler war und dessen Verlängerung sich von den anderen dadurch unterschied, dass sie besser war.

Gu Tian kam um 07:20 herein, weil er immer um 07:20 kam.

Und er blieb an der Tür stehen, weil er etwas sah.

Er sah keine schöne Frau.

Das war die Sache, die er hinterher Song gegenüber zugab, und Song sagte, dass sie das gewusst habe.

Er sah eine junge Frau, die vollkommen falsch saß.

Sie saß am äußersten Ende der Bank, mit ungefähr einer Handbreit Abstand zur nächsten Person, und sie saß in der Haltung, die Gu Tian in seinem ersten Leben bei Leuten gesehen hatte, die zum ersten Mal in einem Meeting sind, in das sie nicht gehören: beide Füße auf dem Boden, Ellbogen am Körper, Blick auf den eigenen Teller.

Sie hatte nichts gegessen.

Und sie hatte etwas getan, das ihn interessierte.

Vor ihr standen zwei Schalen.

In der einen war Reisbrei. In der anderen war das, was Fang Xiuying seit dem April für die Leute aus Kher Vaneth machte, weil deren Verdauung anders arbeitete und weil Nel im Mai eine Liste geschrieben hatte.

Tang Shu hatte offensichtlich beide bekommen, weil jemand am Ausgabefenster nicht gewusst hatte, wohin mit ihr.

Und sie hatte keine davon angerührt, weil sie nicht wusste, welche ihr zustand.

Gu Tian ging zum Ausgabefenster.

„Frau Fang.“

„Junger Herr.“

„Wer hat der Neuen zwei Schalen gegeben?“

Fang Xiuying, dreiundsechzig, sah über seine Schulter hinweg zum Tisch.

„Ich.“

„Warum?“

„Weil ich nicht wusste, was sie verträgt“, sagte Fang Xiuying. „Und weil ich sie nicht fragen wollte, weil sie dann hätte sagen müssen, dass sie es selbst nicht weiß.“

Gu Tian sah sie an.

„Frau Fang, das war gut.“

„Das war Küche“, sagte Fang Xiuying. „Junger Herr, wenn Sie jetzt hingehen und mit ihr reden, dann sieht der halbe Saal hin.“

„Ich weiß.“

„Also?“

„Also gehe ich vorher hier vorbei und hole mir selbst etwas“, sagte Gu Tian, „und dann sieht es aus wie ein Weg.“

Er setzte sich ihr nicht gegenüber.

Er setzte sich zwei Plätze weiter auf dieselbe Bank, was bedeutete, dass zwischen ihnen ein leerer Platz war, und er stellte seine Schale ab und fing an zu essen.

Tang Shu sah nicht hoch.

Nach etwa einer halben Minute sagte er, ohne den Kopf zu drehen: „Die rechte.“

„Was?“

„Die rechte Schale.“ Er nahm einen Löffel. „Die linke ist für die Leute aus Kher Vaneth. Die ist salziger, als Sie es gewohnt sind, und Sie hätten den halben Vormittag Durst.“

Tang Shu sah auf die beiden Schalen.

„Woher wissen Sie, dass ich nicht wusste, welche?“

„Weil Sie beide nicht angerührt haben“, sagte Gu Tian.

Sie nahm die rechte.

Sie aß vier oder fünf Löffel, und dann legte sie den Löffel hin und drehte sich zu ihm.

„Sie sind Gu Tian.“

„Ja.“

„Frau Song hat gesagt, dass Sie nicht fragen werden.“

„Ich frage auch nicht.“

„Sie haben gerade gefragt, warum ich nichts esse.“

„Nein“, sagte Gu Tian. „Ich habe Ihnen gesagt, welche Schale.“

Tang Shu sah ihn an.

Und dann lachte sie, ein einziges kurzes Mal, und im Saal drehten sich vier Leute um, weil das Lachen fremd war.

„Frau Song hat gesagt, dass Sie so reden.“

„Frau Song sagt viel.“

„Sie hat auch gesagt, dass Sie es nicht mögen, wenn man das erwähnt.“

„Das ist gelogen“, sagte Gu Tian. „Ich mag es sehr.“

Es passierte um 07:34.

Sie hatte sich zu ihm gedreht, und sie hatte dabei die Hand auf den Tisch gelegt, und der Abstand zwischen ihnen war von zwei Plätzen auf etwa einen Meter zwanzig geschrumpft, weil sie sich beide leicht vorgebeugt hatten.

Und dann hörte sie auf zu atmen.

Gu Tian bemerkte es sofort.

Nicht, weil er etwas gemessen hätte — er hatte die Dao-Sicht seit dem elften Februar 2132 dauernd offen und seit dem dreißigsten Mai auf die niedrigste Stufe gedämpft, weil sie ihn sonst bei jedem Frühstück mit vierhundert Meridiannetzen bombardierte.

Er bemerkte es, weil Menschen, die aufhören zu atmen, eine bestimmte Art von Stille haben.

Er legte den Löffel hin.

„Frau Tang.“

Sie antwortete nicht.

Ihre Augen waren offen und sahen ihn an, und in ihrem Gesicht passierte etwas, das er nicht einordnen konnte, weil es keine Angst war und kein Schmerz.

Und dann veränderten sich ihre Augen.

Es dauerte etwa eine Sekunde.

Das linke Auge wurde hell.

Nicht weiß — silbrig, wie die Innenseite einer Muschel, und die Pupille blieb dabei sichtbar, was das Unangenehmste daran war.

Das rechte wurde schwarz.

Es war nicht dunkelbraun geworden. Die Iris war verschwunden, und da war nur noch Schwarz, und es war ein Schwarz, das Gu Tian kannte, weil er es jeden Morgen im Spiegel sah, wenn auch ohne den goldenen Ring.

[Warnung.]

„Ich sehe es.“

[Gu Tian, ich melde dir, dass ich nicht messen darf.]

„Dann miss nicht.“

[Ich sage dir das nicht als Bitte um Erlaubnis.] Es kam schnell. [Ich sage dir, dass etwas an ihr sich gerade geöffnet hat, dass ich es sehen kann und dass ich es nicht darf, weil sie nicht zugestimmt hat, und dass ich in vier Sekunden anfangen werde, das für einen Fehler in meiner eigenen Konstruktion zu halten.]

„System.“

[Ja.]

„Miss nicht“, sagte Gu Tian.

Er bewegte sich nicht.

Das war die Entscheidung, die er in dieser Sekunde traf, und er traf sie, weil er eine Frau von neunzehn vor sich hatte, die aufgehört hatte zu atmen, und weil jede Bewegung von ihm in diesem Moment ein Angriff gewesen wäre.

Er saß still.

Und Tang Shu sah ihn an.

Was sie sah, erzählte sie ihm zwei Tage später, und sie brauchte dafür lange, weil sie keine Wörter dafür hatte.

Sie sah keine Bilder.

Sie sah nicht Xenoton, nicht Ebene 44, nicht die Klimaanlage und nicht die dreihundert Rechenkerne, und sie sah auch keinen Tisch mit einem offenen Brustkorb.

Sie sah eine Linie.

Sie beschrieb es so.

„Bei allen Leuten ist es eine Schnur. Sie fängt irgendwo an, sie ist unterschiedlich dick, und irgendwo hört sie auf. Ich sehe nicht, wo sie aufhört. Ich sehe nur, ob sie gleichmäßig ist.“

„Und bei mir?“

„Bei Ihnen sind es zwei.“

Die erste war beendet.

Nicht abgerissen. Nicht zerschnitten. Beendet — mit einem Ende, das aussah wie das Ende einer Schnur, die zu Ende gegangen war, und Tang Shu hatte in drei Jahren achtundvierzig solcher Enden gesehen und kannte den Unterschied zwischen einem Ende und einem Riss besser als jeder Arzt in Shanghai.

Die zweite fing an.

Sie fing nicht dort an, wo die erste aufhörte.

Sie fing daneben an.

Und dazwischen war nichts.

Nicht Leere. Nicht Dunkelheit.

Ein Abstand von vielleicht der Breite eines Fingers, in dem keine Schnur war, und Tang Shu sah in diesen Abstand hinein und begriff in etwa einer halben Sekunde, dass sie dort niemals hineinsehen dürfte, weil dort etwas war, das kein Ort war.

Und dann fing sie an zu weinen.

Sie merkte es nicht.

Das war die Sache, die vier Leute am langen Tisch mitbekamen und über die im Speisesaal an diesem Tag geredet wurde: Ein Mädchen, das niemand kannte, saß neben dem Clanführer und fing an zu weinen, ohne das Gesicht zu verziehen.

Es lief einfach.

Und sie saß da und sah ihn an und atmete immer noch nicht.

„Frau Tang.“

Nichts.

„Frau Tang, atmen Sie.“

Sie atmete.

Es war ein einzelner tiefer Zug, und danach fing sie an zu zittern, und ihre Augen waren wieder braun, beide, und das dauerte insgesamt ungefähr sieben Sekunden von Anfang bis Ende.

Und dann sagte sie es.

Nicht laut.

Sie sagte es so, wie man jemandem etwas sagt, das man gerade herausgefunden hat und das man dem anderen nicht zumuten will und trotzdem nicht für sich behalten kann.

„Du bist gestorben.“

Am Tisch wurde es still.

Nicht überall — der Speisesaal hatte um 07:34 etwa neunzig Leute, und die meisten aßen weiter.

Aber in einem Umkreis von vier Metern hörten sechs Leute auf, und einer davon war Lu Chen, der zwei Plätze gegenüber saß und der seine Schale hinstellte und langsam die Hände auf den Tisch legte, wo man sie sah.

Gu Tian sah ihn kurz an und schüttelte einmal den Kopf.

Lu Chen aß weiter.

„Das kommt gelegentlich vor“, sagte Gu Tian.

Tang Shu sah ihn an.

„Was?“

„Ich sagte: Das kommt gelegentlich vor.“ Er nahm den Löffel wieder auf. „Frau Tang, essen Sie den Brei, solange er warm ist. Frau Fang merkt es, wenn man ihn stehen lässt, und sie merkt es auch bei Gästen.“

Tang Shu saß etwa fünf Sekunden vollkommen still.

Dann wischte sie sich mit dem Handrücken über das Gesicht, sah auf ihre nasse Hand, als sei sie überrascht, und sagte: „Oh.“

„Ja.“

„Das mache ich sonst nicht.“

„Das habe ich mir gedacht“, sagte Gu Tian.

Sie aß den Brei.

Sie brauchte dafür ungefähr vier Minuten, und Gu Tian aß in dieser Zeit seinen eigenen und sagte kein Wort, und das war die einzige Sache, die er in diesem Moment richtig machen konnte.

Dann stellte sie den Löffel hin.

„Herr Gu.“

„Ja?“

„Sie fragen nicht.“

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Weil ich es weiß“, sagte Gu Tian.

Tang Shu sah hoch.

„Was wissen Sie?“

„Dass ich gestorben bin.“ Er trank einen Schluck. „Frau Tang, das ist keine Neuigkeit für mich. Es ist eine Neuigkeit für Sie, und Sie sitzen seit sieben Minuten damit an einem Frühstückstisch, und das ist ein schlechter Ort dafür.“

„Und wo wäre ein guter?“

„Draußen.“

Er stand auf und nahm beide Schalen mit, seine und ihre, und stellte sie am Ausgabefenster ab, wo Fang Xiuying ihn kurz ansah und nichts sagte.

Dann ging er zur Tür.

Und Tang Shu stand auf und ging mit, und im Speisesaal drehten sich vierzehn Leute um.

Der Nordhof war um 07:50 leer.

Das lag daran, dass Wei Lao um diese Zeit im Gewächshaus war und Bai Xiao in der Schule und Yueying seit vier Tagen in Baoshan.

Es standen eine Bank, ein Kräuterbeet und ein Baum darin.

Der Baum war drei Meter hoch, sein Stamm hatte etwa den Durchmesser eines Unterarms, und niemand konnte sagen, was für ein Baum es war, weil es keinen gab, der so aussah.

Gu Tian setzte sich auf die Bank und ließ ihr Platz.

Sie setzte sich nicht.

Sie stand vor dem Baum und sah ihn an, und nach einer Weile sagte sie: „Der ist auch komisch.“

„Ja.“

„Ist der von Frau Song?“

„Sie hat ihn am siebzehnten Mai 2130 gepflanzt“, sagte Gu Tian. „Damals war er vier Zentimeter.“

Tang Shu drehte sich um.

„Herr Gu, ich muss Ihnen etwas erklären, und ich kann es nicht.“

„Dann erklären Sie es falsch.“

Sie hielt inne.

„Das hat Frau Song auch gesagt.“

„Sie hat es von einer Heilerin aus Kher Vaneth“, sagte Gu Tian. „Und die hat es von ihrer Lehrerin. Es ist inzwischen ein Clansatz. Erklären Sie es falsch.“

Sie erklärte es falsch.

Es dauerte etwa zehn Minuten, und sie benutzte dabei viermal das Wort Schnur und dreimal das Wort Ticken, und zweimal hörte sie mitten im Satz auf und fing anders an.

Gu Tian unterbrach sie kein einziges Mal.

Am Ende sagte sie: „Und dazwischen war ein Stück, wo nichts war. Und ich habe hineingesehen, und ich habe sofort aufgehört.“

„Warum?“

„Weil ich sonst nicht wieder aufgehört hätte“, sagte Tang Shu.

Gu Tian saß eine Weile still.

„Frau Tang, ich stelle Ihnen jetzt eine Frage, und Sie dürfen nein sagen.“

„Fragen Sie.“

„Haben Sie das schon einmal gesehen?“

„Nein.“

„Bei niemandem?“

„Herr Gu, ich habe bei achtundvierzig Leuten zugesehen, wie eine Schnur zu Ende geht“, sagte Tang. „Ich habe noch nie eine zweite gesehen.“

[Ich melde etwas, und es ist kurz.]

„Melde.“

[Ich habe nicht gemessen.]

„Ich weiß.“

[Und ich habe trotzdem etwas gesehen, weil sie es in einem Radius von einem Meter zwanzig um dich herum getan hat und weil das für mich dasselbe ist, als würde jemand in deinem Zimmer laut sprechen.]

„Und was hast du gehört?“

[Eine Gesetzesresonanz.] Eine Pause. [Versiegelt. Hochrangig. Und ich nenne dir keinen Rang, weil ich ihn nicht kenne und weil ich ihn dir sonst schätzen würde.]

„Kann sie es steuern?“

[Nein.]

„Woher weißt du das?“

[Weil eine Frau, die es steuern kann, nicht an einem Frühstückstisch anfängt zu weinen], sagte das System.

„System, letzte Frage.“

[Stell sie.]

„Was brauchst du, um es richtig anzusehen?“

[Ihre Zustimmung.] Eine Pause. [Und, Gu Tian, ich melde dir das ausdrücklich als Bedingung und nicht als Höflichkeit: Ich kann eine versiegelte Gesetzesresonanz nicht gegen den Willen ihres Trägers untersuchen. Das ist keine Regel, die ich befolge. Das ist eine, an der ich scheitere.]

Gu Tian sah zu Tang Shu hinüber, die immer noch vor dem Baum stand.

„Frau Tang.“

„Ja?“

„Ich habe Ihnen gesagt, dass ich nicht frage, und daran halte ich mich.“ Er stand auf. „Ich sage Ihnen stattdessen, was möglich ist, und Sie entscheiden irgendwann. Nicht heute.“

„Gut.“

„Es gibt eine Möglichkeit, dass jemand sich ansieht, was mit Ihnen los ist. Nicht die Uhr. Sie.“

Tang Shu drehte sich um.

„Und wer?“

„Ich habe etwas, das mir hilft.“ Er sagte es so, weil es keinen kürzeren Weg gab und weil sie in der ersten Woche kein System erklärt bekommen musste. „Es kann viel sehen. Und es kann bei Ihnen nichts sehen, wenn Sie nicht zustimmen.“

„Warum nicht?“

„Weil es an Ihnen scheitert“, sagte Gu Tian.

Sie sah ihn eine Weile an.

„Herr Gu, ist das gut oder schlecht?“

„Für mich ist es unpraktisch.“

„Und für mich?“

„Für Sie ist es das Beste, was ich Ihnen diese Woche sagen kann“, sagte Gu Tian. „Frau Tang, in diesem Land gibt es ungefähr vierzig Organisationen, die eine junge Frau mit einer versiegelten Resonanz gern untersuchen würden, und Sie haben seit April fünf oder sechs davon an Bushaltestellen stehen sehen.“

Tang Shu wurde still.

„Frau Song hat gesagt, dass die vom Parkhaus mir zugesehen haben.“

„Ja.“

„Und nicht ihr.“

„Nein.“

„Herr Gu, warum?“

„Das wissen wir noch nicht“, sagte Gu Tian. „Frau Luo Shuang hat gestern um 15:14 eine Richtung. Sie hat am Freitag eine Entfernung. Und danach hat Herr Gu Zhong in etwa einer Woche einen Namen.“

„Und bis dahin?“

„Bis dahin sind Sie hier.“

Tang sah zum Tor hinüber, das man vom Nordhof aus nicht sah.

„Herr Gu, ich möchte niemandem Ärger machen.“

„Frau Tang, dieser Clan hat im letzten Monat einen Dämonenoffizier getötet“, sagte Gu Tian. „Sie sind nicht das Problem dieser Woche.“

Sie standen eine Weile.

Dann sagte sie: „Darf ich Sie etwas fragen?“

„Ja.“

„Sie müssen nicht antworten.“

„Ich weiß.“

Tang Shu sah auf den Baum, weil es ihr offensichtlich leichter fiel, wenn sie ihn dabei nicht ansah.

„Kann ein Mensch nach dem Tod derselbe bleiben?“

Gu Tian antwortete nicht sofort.

Er dachte darüber nach, und er dachte länger darüber nach, als sie erwartet hatte, und das war der Grund, warum sie ihm die Antwort glaubte.

„Nein“, sagte er.

„Ah.“

„Aber er kann entscheiden, wer er danach wird.“

Tang Shu stand vor einem Baum, der drei Meter hoch war und den es sonst nirgendwo gab.

„Herr Gu.“

„Ja?“

„Das war eine bessere Antwort, als ich verdient habe.“

„Frau Tang, ich habe gut drei Jahre gebraucht, um sie zu finden“, sagte Gu Tian. „Sie können sie gern haben.“

Er ging um 08:20 zurück.

Und auf halbem Weg fiel ihm etwas ein, und er drehte sich noch einmal um.

„Frau Tang.“

„Ja?“

„Der Baum.“

Sie sah hoch.

„Sehen Sie ihn an“, sagte Gu Tian. „Nicht mit dem, was Sie heute Morgen gemacht haben. Nur so.“

Tang Shu sah den Baum an.

„Was soll ich sehen?“

„Sagen Sie mir, ob er tickt.“

Sie blinzelte.

„Herr Gu, Bäume ticken nicht.“

„Frau Tang, das ist auch kein Baum“, sagte Gu Tian.

Sie sah ihn eine Weile an.

Dann drehte sie sich zum Stamm, machte einen Schritt näher und legte den Kopf schief, so wie man es tut, wenn man auf etwas hört.

Es dauerte vielleicht zwanzig Sekunden.

Und dann trat sie einen Schritt zurück.

„Und?“

„Er tickt nicht“, sagte Tang Shu.

„Gut.“

„Nein.“ Sie hielt beide Hände vor sich, als wolle sie etwas abwehren, das nicht da war. „Herr Gu, Sie verstehen mich falsch. Alles tickt. Sie ticken. Ich ticke. Das Gras tickt.“

Gu Tian stand vollkommen still.

„Und er nicht.“

„Er nicht“, sagte Tang Shu.

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