Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 1 · Arc 03
Kapitel 035Als sein Lebenszeichen erlosch

Die zukünftige Matriarchin

2.951 Wörter · Band 1 — Nightfall über Shanghai

Er antwortete nicht sofort.

Das war, wie Song später zugab, der Moment, in dem sie ihn zum ersten Mal wirklich gemocht hatte — nicht am Portalkern in Sheshan, nicht in einer Halle mit zwölf Tischen, sondern hier: Ein Mann, dem eine Frau eine solche Frage stellt, hat ungefähr sechs Antworten parat, die alle gut klingen, und Gu Tian benutzte keine davon.

Er saß da und dachte nach.

„Ich brauche zwei Minuten“, sagte er.

„Wofür?“

„Um es richtig zu sagen. Ich habe es mir überlegt, aber nicht in Worten, und wenn ich es jetzt improvisiere, sage ich etwas Falsches, und das wirst du mir in zehn Jahren noch vorhalten.“

Song setzte sich wieder hin.

„Zehn Jahre“, sagte sie.

„Ich rechne langfristig.“

Er brauchte tatsächlich zwei Minuten.

Dann sagte er: „Nicht hier.“

„Warum nicht?“

„Weil es kalt wird und weil du seit sechsundzwanzig Stunden nicht geschlafen hast, und weil ich das, was ich sagen will, nicht in einem Innenhof sagen möchte, in dem wir beide aussehen, als hätten wir zwei Tage in einem Portal verbracht.“

Er stand auf.

„Iss etwas. Schlaf. Und heute Abend rede ich.“

„Ah Tian, wenn du mich jetzt vertröstest —“

„Ich vertröste dich nicht. Ich verschiebe es um sechs Stunden, weil das, was ich sagen will, dir nicht in allen Teilen gefallen wird, und ich möchte nicht, dass du es entscheidest, während du umfällst.“

Song sah ihn an.

„Das ist die beunruhigendste Ankündigung meines Lebens.“

„Ja“, sagte Gu Tian. „Tut mir leid.“

Sie schlief acht Stunden.

Sie hatte vorgehabt, drei zu schlafen, und wachte um halb neun abends auf, weil ein Sternenfuchs auf ihrem Brustkorb saß und sie ansah.

Es gab Nudeln.

„Ich habe im Shop nachgesehen“, sagte Gu Tian, als sie sich an den dritten Tisch setzten. „Es gibt Lebensmittel.“

„Und?“

„Die günstigste Kategorie heißt Verpflegungspakete für Sektenexpeditionen und kostet zweihundert Punkte für dreißig Tage. Ich habe zwölf gekauft.“

„Und die schmecken?“

„Nach nichts.“

Song legte die Stäbchen hin.

„Du hast in vierzehn Tagen zweiundfünfzigtausend Punkte gesammelt“, sagte sie, „und du hast Verpflegungspakete gekauft, die nach nichts schmecken.“

„Ja.“

„Ah Tian, ich baue eine Küche. Das kommt auf die Liste. Auf Platz eins.“

„Die Liste hat hundertzwölf Punkte.“

„Sie hat jetzt hundertdreizehn, und der erste ist neu.“

Danach gingen sie in den Nordhof.

Es war der Hof, in dem Gu Tian cultivierte, und es war der einzige Ort im ganzen Palast, an dem etwas gewachsen war: In vierzehn Tagen hatte das harte Gras der Senke sich in einem Radius von ungefähr dreißig Metern verändert, weil der Boden seit der Gründungsnacht mehr Qi behielt, als er abgab.

Es war grün.

Es war das einzige Grün auf zwei Kilometern.

Sie setzten sich auf die Stufen.

„Ich fange mit dem Teil an, den du hören willst“, sagte Gu Tian, „damit du weißt, dass ich ihn nicht verstecke.“

„Gut.“

„Du bist die erste Person in zwei Leben, bei der ich mir vorstellen kann, dass sie bleibt.“

Song sagte nichts.

„Ich habe in meinem ersten Leben einundvierzig Jahre gehabt. Ich hatte in dieser Zeit zwei Beziehungen, beide unter zwei Jahren, beide sind daran gescheitert, dass ich um halb elf abends noch am Pult saß. Ich habe eine Schwester, die seit sechs Jahren nicht antwortet.“

„Als ich gestorben bin, habe ich an ein Haus gedacht, das ich nie gebaut habe, und an einen Tisch, an dem niemand saß.“

Er sah über den Hof.

„Vor vierzehn Tagen habe ich in einem Amtsraum gestanden, und eine Frau hat gelacht, weil ich etwas Blödes gesagt habe, und das war das erste Angenehme an diesem Morgen. Ich habe das damals gesagt. Es war schon damals wahr.“

„Und jetzt der Teil, den du nicht hören willst“, sagte er.

Song zog die Knie an.

„Ja.“

„Ich will eine große Familie.“

Sie sah ihn an.

„Wie groß?“

„Sehr groß.“ Gu Tian sagte es ohne Umschweife. „Song, ich habe zwölf Tische. Das war kein Zufall und keine Systemlaune — das System hat mir gebaut, woran ich in meiner letzten halben Minute gedacht habe, und ich habe an einen Raum gedacht, der voll ist.“

„Ich will Kinder. Viele. Ich will ein Haus, in dem morgens dreißig Leute gleichzeitig frühstücken und sich streiten, wer die Küche aufräumt.“

„Und ich will das nicht in fünfzig Jahren als Alterswunsch. Ich will es bauen, ab jetzt, und ich werde dafür Leute aufnehmen und ich werde dafür kämpfen und ich werde vermutlich dafür Dinge tun, die dir nicht gefallen.“

Song schwieg.

„Das ist noch nicht der unangenehme Teil“, sagte sie.

„Nein.“

„Es wird nicht nur eine Frau sein.“

Er sagte es genau so, ohne Anlauf und ohne Beschönigung, und sah sie dabei an.

Song Meifeng sagte ungefähr acht Sekunden lang gar nichts.

„Erklär das“, sagte sie dann. „Und wenn in der Erklärung irgendwo das Wort Schicksal oder das Wort System vorkommt, stehe ich auf.“

„Beide kommen nicht vor.“

„Gut.“

„Ich weiß nicht, ob es an mir liegt oder an dem, was ich bin“, sagte Gu Tian. „Das ist die ehrliche Version. Ich habe darüber in den letzten zwei Wochen mehr nachgedacht, als mir lieb ist.“

„Was ich weiß: Ich habe nicht vor, das zu leugnen, und ich habe nicht vor, es dir häppchenweise beizubringen.“

Er sah über den Hof.

„Und ich weiß, dass mein Weg dahin führt, dass Menschen um mich herum stehen werden. Viele. Manche davon werden Frauen sein, mit denen mehr entsteht als Kameradschaft. Ich sage nicht, dass das morgen passiert oder mit wem. Ich sage, dass ich nicht so tun werde, als sei es ausgeschlossen, weil ich dann in einem Jahr vor dir stehe und lüge.“

„Das ist die Sache, die ich dir vorher sagen muss. Nicht danach.“

Song saß sehr still.

„Warum sagst du es jetzt?“, fragte sie. „Wir haben uns heute Nachmittag zum ersten Mal geküsst. Die meisten Männer hätten damit vier Monate gewartet.“

„Weil ich in zwei Leben gesehen habe, wie das läuft, wenn man wartet.“

Gu Tian drehte den Kopf.

„Song, ich bin in einem Haus aufgewachsen, in dem man Leuten die Wahrheit erst gesagt hat, als sie schon auf dem Tisch lagen. Meine Schwester hat am Abend vorher noch geglaubt, dass ich es überlebe, weil ihr das jemand erzählt hat.“

„Ich werde nicht der Mann sein, der jemandem etwas Wichtiges erst sagt, wenn es zu spät ist, sich anders zu entscheiden.“

„Du entscheidest heute Abend. Mit vollständiger Information. Und wenn du aufstehst und in dein Zimmer gehst und morgen sagst, dass du das nicht willst, dann ist das eine vollkommen vernünftige Entscheidung und ich werde sie nicht schwierig machen.“

Song stand auf.

Gu Tian rechnete damit, dass sie ging.

Sie ging nicht. Sie ging vier Schritte in das grüne Gras und blieb stehen, mit dem Rücken zu ihm, und ihre Schultern bewegten sich, weil sie tief atmete.

„Ich hasse das“, sagte sie.

„Ich weiß.“

„Nein.“ Sie drehte sich um. „Ah Tian, ich hasse nicht das. Ich hasse, dass du es so gesagt hast, dass ich nicht einfach empört sein kann.“

Sie kam zurück.

„Wenn du mir das in vier Monaten gesagt hättest, hätte ich dir eine Schale an den Kopf geworfen und wäre gegangen, und ich hätte mich großartig gefühlt. Das wäre einfach gewesen.“

„Jetzt sitze ich hier und muss tatsächlich nachdenken.“

„Ja.“

„Ich mag das nicht.“

„Nein.“

Sie setzte sich wieder hin, weiter weg als vorher.

„Ich stelle dir drei Fragen“, sagte sie.

„Ja.“

„Erstens. Wenn irgendwann eine zweite Frau dazukommt — entscheide ich mit?“

Gu Tian dachte drei Sekunden nach.

„Nein.“

Song sah scharf auf.

„Nicht so, wie du es meinst“, sagte er. „Du entscheidest nicht über sie. Kein Mensch entscheidet über einen anderen Menschen; das ist die eine Regel, an der ich nicht rüttle, egal wie unbequem sie wird.“

„Aber du entscheidest über dich. Immer. An jedem Tag. Wenn du irgendwann sagst, dass du das nicht mehr willst, dann ist das keine Verhandlung, die du gewinnen musst. Dann ist es vorbei, und ich werde nicht versuchen, dich zu überreden.“

„Das ist die Antwort. Sie ist schlechter als die, die du wolltest.“

Song nickte langsam.

„Und wenn ich in fünf Jahren sage: Ich will das nicht mehr — und wir haben dann Kinder?“

„Dann wird es sehr schwierig“, sagte Gu Tian, „und ich werde trotzdem nicht anfangen, dich zu halten.“

„Zweitens.“ Song sah ihn an. „Gibt es irgendetwas an dieser Sache, das mit meiner Wurzel zu tun hat?“

„Nein.“

„Sicher?“

„Nein“, sagte Gu Tian noch einmal, „und ich sage es dir genauer, weil du es genauer verdienst.“

„Wir haben eine Resonanz. Wir wissen beide, dass sie da ist. Das System hat am siebzehnten März gesagt, sie erzeuge keine Zuneigung, keine Bindung, keine Verpflichtung — nur Nähe der Wahrnehmung. Ich glaube das, weil ich in vierzehn Tagen keinen Fall erlebt habe, in dem es anders war.“

„Aber ich kann dir nicht beweisen, dass mein Gefühl davon unberührt ist. Kein Mensch kann so etwas beweisen.“

„Was ich dir sagen kann: Was mich an dir interessiert, hat noch nie mit deiner Wurzel zu tun gehabt.“

„Was dann?“

Gu Tian sah sie an.

„Du hast am Siebzehnten in einer Prüfstelle gestanden und gelacht, als ich etwas Blödes gesagt habe. Du hast dich in einem Portal überzogen, weil du sechs Leute heil rausbringen wolltest. Du hast heute Morgen vor deinem eigenen Team einen Satz zurückgenommen, weil du gemerkt hast, dass du ihn aus Angst gesagt hast.“

„Song, ich habe in zwei Leben ungefähr vier Menschen getroffen, die einen Satz zurücknehmen können. Das ist seltener als eine Rang-2-Wurzel.“

Song Meifeng sah eine ganze Weile ins Gras.

„Dritte Frage“, sagte sie.

„Ja.“

„Was bin ich?“

„Das war die erste Frage.“

„Ich stelle sie noch mal, weil du sie noch nicht beantwortet hast. Du hast mir gerade zehn Minuten lang gesagt, was du willst. Ich habe gefragt, was ich bin.“

Gu Tian stand auf.

Er ging bis in die Mitte des Hofes, in das grüne Gras, und drehte sich um, und Song saß auf den Stufen und sah ihn an.

„Du bist die Erste“, sagte er.

„Das ist eine Reihenfolge.“

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Es ist eine Stellung.“

„Song, ich baue einen Clan. Das ist keine Metapher — es ist ein Ort mit fünftausendzweihundert Zimmern, einer Schriftenhalle und einer Regel, die besagt, dass niemand gegen seinen Willen Mitglied wird. In diesem Clan wird es irgendwann Hunderte geben, und dann Tausende, und dann muss jemand entscheiden, wer aufgenommen wird und wer nicht, wer welche Ressourcen bekommt und was passiert, wenn zwei Familien sich streiten.“

„Das mache ich nicht allein. Ich habe es einundvierzig Jahre lang allein gemacht und bin daran gestorben.“

„Was ich meine, wenn ich sage die Erste, ist nicht: die Erste in einer Reihe.“

„Es ist: die, mit der ich das baue.“

Er sah sie an.

„Wenn dieser Clan in zwanzig Jahren ein Oberhaupt hat und eine Matriarchin, dann bist du die Matriarchin. Nicht, weil du zuerst da warst. Weil ich in zwei Leben niemanden getroffen habe, dem ich das lieber gäbe.“

„Das ist kein Titel, den ich dir heute verleihe. Es gibt nichts zu verleihen; wir sind drei Bewohner und ein Drache. Es ist eine Absicht, und ich sage sie dir, weil du danach gefragt hast.“

„Und wenn du sie nicht willst, will ich sie auch nicht.“

Song Meifeng saß auf den Stufen und sagte sehr lange nichts.

Als sie sprach, war ihre Stimme ganz ruhig.

„Ich brauche Zeit.“

„Selbstverständlich.“

„Nein, warte.“ Sie stand auf. „Ich brauche Zeit für den zweiten Teil. Für den Teil mit nicht nur eine Frau. Den werde ich nicht heute Abend entscheiden, und ich werde ihn vermutlich Monate lang nicht abschließend entscheiden, und ich möchte, dass du das aushältst, ohne mich zu fragen, wie weit ich bin.“

„Ich halte es aus.“

„Gut.“

Sie kam die Stufen herunter, in das grüne Gras.

„Für den ersten Teil brauche ich keine Zeit.“

Sie blieb einen Schritt vor ihm stehen.

„Ich will dich“, sagte sie. „Das habe ich heute Morgen um vier Uhr gewusst, als ich an einem Wasserbecken saß und dir gesagt habe, dass ich nicht darüber hinwegkomme. Es hat sich seitdem nicht geändert und es wird sich in den nächsten Monaten auch nicht ändern, egal wie ich mich beim zweiten Teil entscheide.“

„Also: ja. Zu dem, was heute ist. Zu dem, was in vier Wochen ist. Zum Clan, wenn du mich fragst, und ich sage dir gleich, dass ich Ja sagen werde, aber du sollst mich trotzdem fragen.“

Sie hob den Kopf.

„Und zu dem anderen: vielleicht. Ehrlich vielleicht. Nicht vielleicht als höfliches Nein.“

„Reicht dir das?“

Gu Tian sah sie an.

„Ja“, sagte er.

„Warum?“

„Weil du gerade drei Dinge auseinandergehalten hast, die die meisten Menschen zusammenwerfen würden, um schneller fertig zu sein.“

Song lachte.

Und dann küsste sie ihn zum zweiten Mal, und dieser Kuss war deutlich besser als der erste, weil beide geschlafen hatten und weil diesmal niemand am Kragen zog.

Er dauerte eine Weile.

Als sie sich löste, blieb sie stehen, wo sie stand — eine Handbreit entfernt, mit einer Hand an seinem Kragen, und diesmal nicht als Faust.

„Ah Tian.“

„Ja?“

„Das mit dem Vielleicht“, sagte sie. „Ich sage dir, was ich brauche, damit es irgendwann ein Ja werden kann.“

„Sag.“

„Ich muss sehen, wie du mit dem ersten Fall umgehst.“ Sie sah ihn an. „Nicht theoretisch. Wenn es irgendwann tatsächlich eine Frau gibt, die etwas von dir will, dann werde ich zusehen, wie du dich verhältst. Und wenn du dabei nur ein einziges Mal jemanden zu etwas drängst, oder mich anlügst, oder mir etwas erst hinterher sagst —“

„Dann ist es vorbei.“

„Ja.“

„Das ist fair.“

„Das ist hart“, sagte Song. „Ich möchte, dass du weißt, dass es hart ist. Ich bin nicht großzügig. Ich bin nur nicht bereit, dich wegen einer Sache zu verlieren, die noch nicht passiert ist.“

Sie standen noch eine Weile im Gras.

Dann sagte Gu Tian: „Es gibt noch etwas.“

„Heute Abend nicht“, sagte Song sofort.

„Es ist nichts Schlimmes.“

„Ah Tian, ich habe in dreißig Stunden geglaubt, du seist tot, ich habe eine Portalhalle aufgerissen, ich habe dich geküsst und du hast mir erklärt, dass du eine sehr große Familie willst. Ich habe für heute genug Information.“

Sie legte den Kopf an seine Schulter, was sie noch nie getan hatte.

„Aber morgen“, sagte sie.

„Morgen.“

„Und dann erzählst du mir die Dinge, die du bisher niemandem erzählt hast.“

Gu Tian stand sehr still.

„Woher weißt du, dass es welche gibt?“

„Weil du heute Abend zweimal in zwei Leben gesagt hast“, sagte Song Meifeng, „und einmal auf einem Planeten, den es für mich nicht mehr gibt.“

„Und weil ich Heilerin bin und Leuten den ganzen Tag zuhöre.“

Sie hob den Kopf.

„Ich habe nicht nachgefragt, weil du es sagen sollst, wenn du willst. Nicht, wenn ich frage.“

Gu Tian sah sie an.

Dann sagte er: „Morgen.“

[Wenn ich einen Moment darf.]

Song zuckte zusammen.

„Es macht das jetzt einfach so?“

[Ich habe gewartet, bis ihr fertig wart. Das waren siebzig Minuten und ich fand sie sehr lang.]

„Was ist?“, fragte Gu Tian.

[Zwei Dinge, und beide sind Fragen, keine Meldungen.]

[Erstens: Ich registriere keine Beziehungen. Ich habe im letzten Monat mehrfach gesagt, dass ich Freiwilligkeit nicht als Höflichkeit behandle, sondern als Baumaterial, und ein System, das protokolliert, wer wen küsst, wäre das Gegenteil davon. Es wird dafür keine Meldung geben, keine Anzeige, keine Belohnung und keine Punkte.]

[Ich sage das, weil Frau Song sich das seit ungefähr einer Stunde fragt.]

Song wurde rot.

„Das ist —“

[Es war eine vernünftige Sorge.]

[Zweitens, und das ist die Frage:]

[Es existiert eine Clanfunktion, die ich nur mit beidseitiger Zustimmung aktivieren kann. Sie heißt Familienresonanz.]

[Sie ist keine Bindung und kein Vertrag. Sie tut genau zwei Dinge: Beide Beteiligten wissen jederzeit, ob der andere lebt und ungefähr in welcher Richtung er ist. Und im Todesfall des einen erhält der andere eine Warnung, bevor es geschieht, statt danach.]

[Sie ist trennbar. Von jeder Seite, jederzeit, ohne Begründung, ohne Kosten.]

[Ich biete sie an, weil Frau Song vor dreißig Stunden geglaubt hat, dass ein Mann tot ist, und weil sie deswegen fast ein Team getötet hätte, und weil ich die Funktion habe und es unterlassen hätte, sie zu erwähnen.]

Es blieb still.

„Was kostet sie?“, fragte Gu Tian.

[Nichts. Sie ist eine Clanfunktion und wird aus dem Sitz gespeist.]

„Und was ist der Haken?“

[Dass ihr danach beide wisst, wenn der andere in Schwierigkeiten ist, und nichts dagegen tun könnt, wenn ihr zu weit weg seid.]

[Es ist keine Rettung. Es ist nur ein Ende der Ungewissheit, und Ungewissheit ist nicht immer das Schlimmere.]

Song sah Gu Tian an.

„Deine Entscheidung“, sagte er sofort.

„Nein“, sagte Song. „Unsere. So funktioniert das.“

Sie dachte ungefähr zwanzig Sekunden nach.

„Ich will es“, sagte sie dann. „Nicht, damit ich dich retten kann. Ich weiß, dass ich dich nicht retten kann. Ich will es, damit ich nie wieder in einer Halle stehe und einen Satz sage, den ich hinterher zurücknehmen muss.“

„Ich auch“, sagte Gu Tian.

[Ich frage jeden von euch einzeln, und ich frage es genau einmal.]

[Gu Tian. Willst du das?]

„Ja.“

[Song Meifeng. Willst du das?]

„Ja.“

Es tat nicht weh.

Es fühlte sich an wie das, was es war: Als hätte jemand in einem Haus, in dem zwei Leute wohnen, eine Tür zwischen zwei Zimmern eingebaut.

Song machte ein leises Geräusch.

„Ich spüre dich.“

„Ich weiß.“

„Nein, ich meine —“ Sie legte die Hand auf ihre eigene Brust. „Ich habe dich vorher gespürt. Die Resonanz. Das war so etwas wie ein Geruch im Raum. Das hier ist —“

Sie suchte nach dem Wort.

„Das hier ist eine Richtung“, sagte Gu Tian.

„Ja.“

Sie standen im grünen Gras des Nordhofs, in einem Palast mit fünftausendzweihundert Zimmern, von denen jetzt drei bewohnt waren, und über ihnen auf dem Dach der großen Halle drehte sich ein elf Meter langer Chaos-Drache im Schlaf.

„Morgen“, sagte Song.

„Morgen.“

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