Sie schafften es nicht durch die Tür.
Das war der Teil des Plans, der zusammenbrach, und er brach ungefähr vierzig Sekunden nach der Trennung zusammen, als Gu Tian im Rennen über die Schulter sah und feststellte, dass der Weg zurück nicht mehr existierte.
Der Wächter räumte nicht von der Mitte nach außen.
Er räumte von außen nach innen.
„Er schließt zu!“
»Ich sehe es!«
„Er nimmt zuerst die Ränder — er schneidet den Fremdkörper aus, deswegen fängt er außen an —“
»MENSCH. Ich sehe es. Ich kann sehen.«
Der Raumkörper wurde kleiner.
Es war eine der unangenehmsten Erfahrungen in Gu Tians zwei Leben: Sie rannten in eine Richtung, in der vor einer Minute noch dreihundert Meter Feld gelegen hatten, und der Rand kam ihnen entgegen.
Nicht als Wand. Als Ende.
Zwanzig Meter vor ihnen hörte alles auf: das graue Licht, der Boden, die reglosen Tiere, die schlaffen Stränge. Es gab dahinter kein Schwarz und kein Weiß. Es gab dahinter das, was Gu Tian in der Leere zwischen zwei Leben erlebt hatte, und er erkannte es sofort wieder und wollte es nicht noch einmal.
Xingchen bremste, indem sie sich in drei Windungen legte.
»Zurück.«
„Da ist er auch.“
»Ich weiß.«
Sie hob den Kopf und sah sich um, und Gu Tian sah zum ersten Mal, seit er sie kannte, dass ein Chaos-Drache rechnete.
»Er hat einen Punkt, an dem er aufhört.«
„Woher weißt du das?“
»Weil er den kranken Kern herausschneidet und nicht sich selbst.« Sie sah in die Richtung, in der das faustgroße Weiße hing. »Er nimmt alles um das Ding herum weg, bis nur noch das Ding übrig ist. Dann nimmt er das Ding.«
„Und dann?“
»Dann ist der Raumkörper leer und er macht ihn zu.«
Gu Tian sah in dieselbe Richtung.
„Also ist die letzte Stelle, die verschwindet —“
»— genau da, wo du gerade weggerannt bist. Ja.«
Er sagte ein Wort, das er in vierzehn Tagen auf dieser Welt nicht benutzt hatte.
»Das war unhöflich«, sagte Xingchen zufrieden.
Sie rannten zurück.
Es waren dreihundert Meter, und sie kosteten mehr als die fünf Stunden davor, weil der Raum jetzt an zwei Seiten gleichzeitig zuging und weil Gu Tian dabei etwas tat, das ihm hinterher niemand glaubte.
Er sammelte ein.
Nicht alles. Er hatte zwei Raumbeutel, jeder drei Kubikmeter, gekauft vor sechzehn Tagen für viertausend Punkte, und er hatte sie seitdem für Verbandsmaterial benutzt.
Im Vorbeirennen räumte er sie leer und füllte sie mit Steinnagern.
»WAS MACHST DU DA.«
„Vierzig!“
»Es sind RATTEN!«
„Es sind vierzig von vierhundert und mehr passt nicht rein!“
»DU BIST WAHNSINNIG!«
„Wahrscheinlich!“
Sie liefen weiter, und ungefähr hundert Meter später senkte Xingchen im Rennen den Kopf und schob mit der Schnauze etwas auf, das aussah wie eine Schuppe an ihrer linken Halsseite, und darunter war ein Hohlraum.
»Da. Zwölf.«
„Du hast einen —“
»Alle Drachen haben einen. Und wenn du das jemals jemandem erzählst, fresse ich dich.«
Sie kamen zur Lichtung mit vierzig Sekunden Vorsprung.
Der kranke Kern hing noch da, faustgroß, weiß, und das Weiße bewegte sich nicht mehr nach innen. Es lief jetzt langsam an der Oberfläche entlang, ziellos, wie Wasser in einem Becken, das man nicht mehr rührt.
Um ihn herum war der Raumkörper auf einen Kreis von ungefähr achtzig Metern geschrumpft.
„Und jetzt?“, sagte Gu Tian.
»Jetzt ist der interessante Teil.«
„Xingchen.“
»Ja?«
„Ich habe keinen Plan für den interessanten Teil.“
»Ich weiß. Ich habe einen.«
Ihr Plan war so einfach, dass Gu Tian ihn im ersten Moment für einen Scherz hielt.
»Wenn er das Ding herausschneidet, macht er dabei ein Loch.«
„Was für ein Loch?“
»Ein Loch nach draußen. Wo sonst soll er es hinschneiden?« Xingchen sah ihn an, als sei er begriffsstutzig. »Er entfernt einen Fehler aus seinem Raumkörper. Er kann ihn nicht in seinen Raumkörper entfernen. Er muss ihn irgendwohin tun.«
Gu Tian stand vollkommen still.
„Er stößt ihn aus.“
»Natürlich stößt er ihn aus. Er ist ein Immunsystem. Das ist das Einzige, was Immunsysteme tun.«
„Und in dem Moment, in dem er ihn ausstößt —“
»— ist die Tür offen. Für ungefähr einen Herzschlag.«
[Sie hat recht.]
[Und ich möchte hinzufügen, warum ich das nicht selbst gesehen habe: Ich habe Wächterfunktionen kartiert, aber nie beobachtet. Ich weiß, was sie tun. Sie weiß, wie sich das anfühlt, weil ihre Linie älter ist als die Kartierung.]
[Das ist heute das zweite Mal, dass ich das sage.]
„Notiert“, sagte Gu Tian.
»Was sagt es?«
„Es sagt, du hast recht.“
»Natürlich habe ich recht.« Xingchen rollte sich in eine Position, die Gu Tian nach dreizehn Tagen als bereit erkannte. »Und jetzt der Teil, der dir nicht gefällt.«
„Ja?“
»Ein Herzschlag ist zu kurz für dich.«
Er widersprach nicht.
Das war, im Nachhinein, der Moment, an dem Gu Tian selbst am meisten merkte, wie sehr sich in vierzehn Tagen etwas verändert hatte: Vor zwei Wochen hätte er versucht, es allein zu lösen.
„Wie lange ist er für dich?“
»Lang genug.«
„Und für mich?“
»Wenn du auf meinem Rücken sitzt: auch lang genug.«
Gu Tian sah sie an.
„Ich habe gesagt, du bist kein Reittier.“
»Habe ich vergessen?« Der Chaos-Drache senkte den Kopf, bis er auf einer Höhe mit seinem war. »Mensch. Ich lasse mich nicht reiten. Ich trage dich. Der Unterschied ist, dass ich es angeboten habe und du es nicht befohlen hast.«
Sie schnaubte.
»Und wenn du gleich anfängst, dich zu bedanken, lasse ich dich fallen.«
Der Rand kam auf sechzig Meter.
Dann auf vierzig.
Dann auf zwanzig, und Gu Tian saß auf dem Nacken eines elf Meter langen Chaos-Drachen, zwischen zwei Schuppenkanten, die genau dafür gemacht schienen und es vermutlich waren, und hielt sich an der Mähne fest, die sich unter seinen Händen bewegte wie etwas unter Wasser.
Auf zehn Meter hörte der Boden auf, es zu geben.
Sie waren dann drei Sekunden lang in nichts.
Es war die schlimmste Erfahrung dieses ganzen Tages, und Gu Tian erlebte sie ausschließlich deshalb, weil elf Meter Chaos-Drache eine eigene Ordnung mitbrachten und der Raum ihre annahm, auch als er selbst schon aufgehört hatte, welche zu haben.
Sie schwebte in etwas, das keine Richtung hatte, und hielt ihr Oben fest.
»Halt dich fest.«
„Ich halte mich fest!“
»Fester.«
Der kranke Kern ging aus.
Nicht kaputt — der Wächter zerstörte ihn nicht. Das Weiße, das seit sechs Stunden ziellos an der Oberfläche gelaufen war, wurde plötzlich zusammengezogen, und der faustgroße Punkt schrumpfte zu etwas, das kaum noch da war.
Und dann öffnete sich neben ihm eine Naht.
Sie war sauber, senkrecht, ungefähr zwei Meter hoch — dieselbe Sorte Naht, durch die Gu Tian vor Stunden gegangen war, und dahinter war eine Halle mit behauenem Stein und siebzig Metern Länge und weißen Wurzeln, die aus dem Boden kamen.
Der Wächter stieß den Fremdkörper aus.
Xingchen war schneller.
Halle auf Ebene zwei, 08:32.
Es geschah in dieser Reihenfolge:
Erstens öffnete sich in der Mitte der Halle, drei Meter über dem Boden, eine senkrechte Linie.
Zweitens kam etwas Kleines daraus hervor — faustgroß, weiß, kaum noch leuchtend — und fiel zu Boden und rollte.
Drittens kam ein Kopf.
Chen Ruolan riss den Speer hoch. Lu Chen ging vor Luo Shuang. Luo Shuang ließ ein Gerät fallen und sagte etwas, das niemand hörte.
Und Song Meifeng, die seit sechs Stunden nicht geschlafen hatte, sah zu, wie sich ein elf Meter langer Chaos-Drache durch eine zwei Meter hohe Naht in eine Portalhalle presste, in einer Bewegung, die aussah, als würde jemand eine Faust durch ein Schlüsselloch schieben und dabei das Schlüsselloch für falsch halten.
Auf ihrem Nacken saß ein Mann in einer Jacke, deren linker Ärmel drei Zentimeter über dem Handgelenk endete.
Song machte einen Laut.
Es war kein Wort. Sie erzählte später, sie habe keine Ahnung, was es gewesen sei, und Luo Shuang, die es als Einzige genau gehört hatte, weigerte sich, es zu beschreiben.
Sie machte einen Schritt.
Dann blieb sie stehen, weil hinter dem Drachen die Naht sich nicht schloss.
„ALLE WEG VOM KERN!“
Gu Tian schrie es, bevor Xingchen ganz durch war, und Chen Ruolan reagierte in einer halben Sekunde.
„Ostausgang! Sofort! Lu, nimm Luo!“
Sie liefen.
Das faustgroße weiße Ding lag auf dem Boden in der Mitte einer Halle, in der weiße Wurzeln aus dem Stein wuchsen, und tat gar nichts.
Und der Wächter kam hinterher.
Er kam nicht durch die Naht. Er war die Naht — der Steinhaufen am Westende der Halle hatte sich seit sechs Stunden nicht bewegt, und jetzt bewegte er sich, und das Loch in seiner Mitte war der Ort, aus dem gerade alles gekommen war.
Er ging auf den kranken Kern zu.
„Er will ihn zurückholen“, sagte Luo Shuang atemlos.
„Nein“, sagte Gu Tian.
Er glitt von Xingchens Nacken und landete, und die Zehntausend-Dao-Waffe war schon in seiner Hand.
„Er will ihn entfernen. Er hat ihn aus seinem Innenraum geschoben, weil ein Fremdkörper nicht im Raumkörper bleibt. Jetzt entfernt er ihn aus dem Portal.“
„Ist das nicht gut?“
„Das wäre sehr gut“, sagte Gu Tian, „wenn dieses Ding seit zwei Monaten nicht die halbe Struktur dieses Innenraums tragen würde.“
[Er hat recht.]
[Der kranke Kern ist vom Kreislauf getrennt, aber die Struktur, die er in zwei Monaten aufgebaut hat, hängt weiterhin an ihm. Wenn der Wächter ihn jetzt entfernt, verliert dieser Innenraum in derselben Sekunde ungefähr die Hälfte seiner Ordnung.]
[Vier Menschen, ein Drache und du befinden sich darin.]
„Wie lange, wenn wir ihn abbauen statt herausreißen?“
[Wenn du die Struktur ablöst, bevor der Kern fällt: Der Innenraum bleibt bestehen. Er wird kleiner und ärmer, aber er kollabiert nicht.]
„Wie lange brauche ich?“
[Vier bis sechs Minuten.]
„Und wie lange braucht er?“
[Vierzig Sekunden.]
„Frau Chen!“
Sie war schon da.
„Ich höre!“
„Wir müssen ihn aufhalten. Nicht töten — aufhalten. Vier bis sechs Minuten.“
Chen Ruolan sah zu dem sechs Meter hohen Haufen aus Stein und Metall, der sich mit zwei Metern pro Schritt auf ein faustgroßes weißes Ding zubewegte.
„Wie tötet man ihn nicht?“
„Man tötet ihn gar nicht, das ist der Punkt“, sagte Luo Shuang, die plötzlich wieder redete, sehr schnell. „Man kann ihn nicht töten, er wird aus dem Innenraum ersetzt — aber genau das heißt, dass man ihn ausgeben kann, Frau Chen, jedes Stück, das er verliert, muss er nachbauen, und Nachbauen kostet Zeit —“
„Wie viel?“
„Vier Sekunden pro Block. Gu Tian hat es gestern gemessen.“
Chen Ruolan drehte sich um.
„Nightfall. Einmal.
Wir bauen ihn ab. Nicht kaputt — ab. Jeder Block, den wir ihm nehmen, kostet ihn vier Sekunden.
Lu, du gehst rein und ziehst. Du reißt raus, was du zu fassen kriegst, und du gehst zurück, bevor er dich trifft.
Luo, Trennimpuls. Sie haben ihn seit Sheshan nicht abgegeben, weil niemand danach gefragt hat — heute fragt jemand.
Ich halte den Arm.
Song —“
„Ich bin leer“, sagte Song.
„Ich weiß. Sie halten den Kern im Auge und Sie schreien, wenn sich daran etwas ändert. Das ist keine Beschäftigungstherapie, das ist der wichtigste Job in dieser Halle.“
Sie machten es vier Minuten und elf Sekunden lang.
Es war der erste Kampf, in dem Nightfall als Einheit funktionierte, und niemand von ihnen führte danach jemals wieder eine Diskussion darüber, ob ein Sonderteam aus fünf mittelmäßig eingestuften Leuten einen Sinn hatte.
Lu Chen ging viermal hinein.
Er ging jedes Mal in denselben Winkel — links, unter dem Steinarm hindurch, weil Chen Ruolan ihm gesagt hatte, dass ein Arm, der einmal geschwungen hat, zwei Sekunden braucht — und er riss jedes Mal etwas heraus.
Beim ersten Mal einen Block behauenen Stein.
Beim zweiten Mal ein Stück Trägerstahl von zwei Metern Länge, das er anschließend als Waffe benutzte, weil er es nicht loswerden wollte.
Beim dritten Mal fasste er daneben und bekam den Steinarm gegen die Schulter und flog neun Meter.
Er stand wieder auf.
„LU!“
„Geht schon!“ Er hustete. „Chefin, ich hab da was gemerkt!“
„Was?“
„Der ist innen leer!“ Er kam zurückgelaufen. „Da ist nix drin! Das ist alles nur die Schale, und in der Mitte ist das Loch, und dazwischen ist —“
„Luft“, sagte Luo Shuang.
Sie riss den Kopf hoch.
„Frau Chen, er ist eine Hülle. Er hat keine Struktur, er hat eine Oberfläche! Wenn ich den Trennimpuls nicht auf einen Block setze, sondern auf die Naht zwischen zwei Blöcken, an einer Stelle, wo die Schale dünn ist —“
„Dann?“
„Dann fällt eine ganze Seite auf einmal!“
Sie setzte ihn dreimal.
Der erste Impuls saß falsch und löste einen einzigen Block.
Der zweite saß richtig und nahm dem Wächter die ganze linke Flanke, achtzehn Blöcke auf einmal, und der Steinhaufen sackte um einen halben Meter zusammen und stand zwölf Sekunden lang still, während der Portalkern nachlieferte.
Zwölf Sekunden.
„NOCH MAL!“, schrie Chen Ruolan.
Der dritte saß auch richtig.
Vierzehn Sekunden.
Chen Ruolan hielt den Arm.
Sie tat es mit einem Speer und einer Rang-5-Wurzel gegen ein Wesen im oberen B-Bereich, und sie tat es nicht durch Kraft.
Sie tat es durch Ablenkung: Jedes Mal, wenn der Steinarm kam, setzte sie die Speerspitze so an, dass er zwei Grad daneben ging.
Es war unspektakulär und ging viermal gut und beim fünften Mal nicht.
Der Arm streifte sie an der Hüfte und warf sie sechs Meter weit gegen eine weiße Wurzel.
Sie stand nach vier Sekunden wieder.
„Frau Chen —“
„Weiter!“
Und Gu Tian arbeitete.
Er stand die ganze Zeit über neben einem faustgroßen weißen Ding und tat etwas, das aus drei Metern Entfernung aussah wie gar nichts.
Die Dao-Sicht war vollständig offen. Der goldene Ring an seinen tiefschwarzen Augen brannte hell genug, dass Song, die vierzig Meter entfernt stand und den Kern im Auge behielt, ihn dadurch fand.
Er sah dreizehn eingewachsene Leitungen.
Sie liefen aus dem kranken Kern heraus und in den Innenraum hinein, und an ihren Enden hingen die Dinge, die dieses Ding in zwei Monaten aufgebaut hatte: die Sperrmembran. Die veränderte Markierungsregel. Der Abzug. Die halbe Ordnung von vier Ebenen.
Er löste sie einzeln.
Nicht mit einem Schnitt. Ein Schnitt hätte sie durchtrennt und den Innenraum in derselben Sekunde einen Teil seiner Ordnung gekostet.
Er benutzte die Ursprungstrennung anders, als er sie je benutzt hatte: nicht quer durch die Leitung, sondern an ihrem Ansatzpunkt entlang, sodass die Verbindung sich nicht auflöste, sondern übergab — die Last wanderte an den echten Kern, drei Ebenen tiefer, der sie zurücknahm wie ein Körper eine Funktion zurücknimmt, die er nie hätte abgeben sollen.
Es war die feinste Arbeit, die er in zwei Leben gemacht hatte.
„Vier“, sagte er nach einer Minute.
„Sieben.“
„Neun.“
„Elf.“
Bei zwölf ging Chen Ruolan zu Boden und blieb liegen.
„Frau Chen!“
Song war bei ihr, bevor irgendjemand sich bewegt hatte, und sie hatte kein Qi und keine Kraft und tat trotzdem, was sie in sechs Jahren gelernt hatte: Hände auf die Hüfte, drücken, Blutung stoppen, Kopf zur Seite.
„Sie ist wach! Sie hat den Beckenkamm ab, es blutet stark, ich brauche —“
„LU!“, schrie Luo Shuang. „Der Arm kommt!“
Lu Chen stellte sich davor.
Er stellte sich mit einem Schild davor, den er von seinem Anteil an der Sheshan-Prämie gekauft hatte und der mehr gekostet hatte als sein Anteil, und der Steinarm traf ihn frontal.
Der Schild hielt.
Lu Chen rutschte drei Meter über den Boden, mit beiden Füßen, und blieb stehen.
„HA!“, sagte er, und es klang furchtbar. „Der ist neu!“
„Dreizehn“, sagte Gu Tian.
Er richtete sich auf.
„Fertig! Frau Luo, alles abgelöst — der Innenraum hängt nicht mehr an ihm!“
„Sind Sie sicher?!“
„Nein!“
„Das ist keine gute Antwort!“
„Es ist die ehrliche!“
Er trat zurück von dem faustgroßen weißen Ding.
„Xingchen.“
Der Chaos-Drache, der die ganzen vier Minuten am Ostende gelegen und mit einer Ungeduld zugesehen hatte, die man aus zweihundert Metern gespürt hätte, hob den Kopf.
»ENDLICH.«
„Nicht das Ding. Den Haufen.“
»…was?«
„Der Haufen ist die Immunfunktion dieses Portals und er hat gerade recht“, sagte Gu Tian. „Er will den Fremdkörper entfernen. Ich will das auch. Wir stehen nur im Weg.“
Er sah zu dem Steinhaufen, der Lu Chen zum zweiten Mal umwarf.
„Räum ihn zur Seite. Nicht auflösen — er gehört hierher. Nur weg von uns, für zwanzig Sekunden.“
»Das ist eine sehr unbefriedigende Aufgabe.«
„Ich weiß.“
»Ich mache sie trotzdem.«
Elf Meter Chaos-Drache gegen sechs Meter Portalwächter, in einer Halle mit sechs Metern Deckenhöhe, war kein Kampf.
Es war Umzugsarbeit.
Xingchen legte den Kopf unter die Grundfläche des Haufens und hob, und der Steinhaufen, der Lu Chen viermal umgeworfen und Chen Ruolan die Hüfte aufgerissen hatte, kippte über den Rücken eines Drachen und schlug vierzig Meter weiter in die Westwand.
Er begann sofort, sich wieder zu ordnen.
„Zwanzig Sekunden“, sagte Gu Tian.
Er ging zu dem faustgroßen weißen Ding.
Er hob es nicht auf.
Er hockte sich davor und sah es an, und in der Dao-Sicht war es das Traurigste, was er an diesem Tag gesehen hatte: ein Portalkern, faustgroß, wie jeder andere — und darin, überall, mit einer Sorgfalt eingearbeitet, für die jemand Jahre gebraucht hatte, ein Muster aus Regeln, das nicht dorthin gehörte.
Es war nicht dämonisch.
Das war die Sache, die ihn stehen ließ.
[Nein.]
[Ich habe es geprüft, seit es hier liegt. Keine Korruption. Keine dämonische Signatur. Nichts von dem, was du in Sheshan gereinigt hast.]
[Das hier ist Handwerk. Menschliches Handwerk, sehr gutes, über Jahre.]
„Wofür?“
[Ich weiß es nicht.]
„Rate.“
[Ich rate nicht. Ich sage dir, was ich sehe: Jemand hat gelernt, wie man die Markierungsregel eines Portalkerns umschreibt, und hat es an einem C-Tor in einem stillgelegten Industriegebiet ausprobiert.]
[Und ich sage dir, was ich daran nicht mag: Man probiert nicht an einem C-Tor, wenn man ein C-Tor will.]
Gu Tian stand auf.
„Er soll es kriegen“, sagte er.
Er ging zurück, drei Schritte, vier, und der Steinhaufen an der Westwand hatte sich wieder aufgerichtet und drehte eine Öffnung von anderthalb Metern in die Mitte der Halle.
„Alle weg. Vierzig Meter.“
Sie gingen. Lu Chen trug Chen Ruolan.
Und der Portalwächter von C-4 Anting-Nord, dessen ganze Aufgabe seit vierzehn Monaten darin bestanden hatte, zu entfernen, was der Kern als fehlerhaft markierte, tat zum ersten Mal seit zwei Monaten genau das, wofür er gebaut war.
Er nahm den kranken Kern auf.
Und dann — das hatte niemand erwartet, nicht einmal das System — sackte er in sich zusammen.
Nicht kaputt.
Er ließ los. Sechs Meter Stein und Metall und Knochen und ein Streifen orangefarbener Kunststoff, auf dem ACHTUNG stand, fielen in einer einzigen Bewegung auseinander und lagen als Haufen auf dem Boden einer Halle.
Und in der Mitte, wo eben noch eine Öffnung gewesen war, hing für ungefähr drei Sekunden nichts.
Dann fing der Haufen an zu leuchten.
„Was —“, sagte Luo Shuang.
Und Gu Tian, der als Einziger die Dao-Sicht offen hatte, sagte: „Er hat es noch nicht abgeschlossen.“