Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 4 · Arc 09
Kapitel 534Leben tragen

Ein Planet auf chinesischen Schultern

3.971 Wörter · Band 4 — Vorhänge vor dem Himmel

Der zwölfte Februar 2137 war ein Freitag.

Und im Garten hinter dem Ostflügel stand die Winterblüte am Spalier, und sie stand seit dem sechsten offen, und sie roch nur, wenn man unter ihr stehen blieb.

Die Pflaume neben dem Brunnen stand nicht offen.

Der Boden war im Schatten gefroren und in der Sonne nicht.

Und die Grenze zwischen beidem lief quer über den Weg, und sie wanderte an diesem Nachmittag auf die Bank zu, und sie brauchte dafür den ganzen Nachmittag.

Im Brunnen stand das Eis am Rand und in der Mitte nicht.

Und Song Meifeng kam um 14:20 heraus.

Sie hatte zwei Blätter bei sich, und sie trug sie nicht in einer Mappe, sondern flach in der Hand, so wie man etwas trägt, das man gleich hinlegen wird.

Auf der dritten Stufe lag ein abgeschliffenes Stück Holz, kürzer als eine Hand.

Und es lag dort seit dem Vormittag, und Gu Lin Aelir war im Haus, und niemand hob es auf.

Tang Shu stand an der Brunnenkante.

Und sie hatte das Hausbuch dabei, und sie hielt es nicht unter dem Arm, sondern vor sich.

„Shu.“

„Meifeng.“

„Sie stehen.“

„Ja“, sagte Tang Shu.

„Seit wann?“

„Seit ich hier stehe.“

Und Meifeng legte die beiden Blätter auf die Bank und beschwerte sie nicht, weil kein Wind ging.

Das eine Blatt war ihres und hatte sieben Zeilen.

Und das andere war aus Songjiang und hatte vierzig, und es war nicht ihres, und sie hatte es sich am Mittwoch geben lassen.

„Sie haben es sich geben lassen“, sagte Tang Shu.

„Am Mittwoch.“

„Und Sie haben nicht gesagt, wofür.“

„Nein.“

„Und?“

„Und Sie haben es mir trotzdem gegeben“, sagte Meifeng.

Gu Tian kam um 14:51 vom Hof herüber.

Er hatte eine Decke über dem Arm, und er hatte sie nicht geholt, weil ihn jemand darum gebeten hatte, und er legte sie auf die Bank neben Tang Shu.

„Ich bin nicht kalt“, sagte Tang Shu.

„Ich weiß.“

„Und du legst sie trotzdem hin.“

„Ja.“

Tang Shu setzte sich um 15:02.

Sie setzte sich langsam und mit der linken Hand auf der Brunnenkante, und danach saß sie gerade, und sie legte das Hausbuch neben sich und nicht auf die Knie.

Meifeng blieb stehen.

„Fangen Sie an“, sagte Tang Shu.

„Womit?“

„Mit dem, weswegen Sie herausgekommen sind.“

„Es ist keine Sache, die man anfängt.“

„Dann fangen Sie mit Zahlen an“, sagte Tang Shu.

„Die acht Leinen sind seit dem fünften fertig“, sagte Tang Shu. „Alle nach dem Faden, und Punkt eins nach Norden.“

„Ich weiß. Ich habe sie am Dienstag gesehen.“

„Und?“

„Und zwei waren zerschnitten und mussten doppelt genäht werden“, sagte Meifeng. „Das habe ich Ihnen im Flugzeug nicht sagen können, weil ich es noch nicht gesehen hatte.“

„Sie haben gesagt, Sie sagen es mir, sobald Sie es sehen.“

„Ja“, sagte Meifeng. „Und ich habe es Ihnen am zweiten gesagt.“

Und Meifeng nahm das obere Blatt und las nicht davon ab, weil sie es nicht brauchte.

Sie hatte es am neunundzwanzigsten Januar geschrieben, und sie hatte es seitdem viermal in der Hand gehabt, und dreimal davon in einem Flugzeug.

„Über der langen Halle am Biwa-See liegt eine Abschirmung“, sagte sie. „Sie hat zwölf Punkte.“

„Wie viele halten sie?“

„Drei.“

„Seit wann?“

„Seit dem einundzwanzigsten November“, sagte Meifeng. „Davor waren es sechs.“

„Was ist am einundzwanzigsten November passiert?“

„Nichts. Drei sind abgezogen worden, und es ist kein Ersatz gekommen.“

„Und?“

„Das steht auf keinem Blatt, das ich gesehen habe“, sagte Meifeng.

Gu Tian stellte sich an das Spalier, dorthin, wo der Weg noch in der Sonne lag.

Und er sagte dazu nichts, und er setzte sich auch nicht.

„Ein Umlauf dauert achtundvierzig Sekunden“, sagte Meifeng. „Und jeder Punkt steht dabei neun Sekunden ohne Hand.“

„Wie viel ist das in der Stunde?“

„Elf Minuten.“

„Und in Songjiang?“

„Keine Sekunde“, sagte Meifeng. „Das haben Sie mir am neunundzwanzigsten Januar selbst gesagt.“

„Zwölf Menschen“, sagte Tang Shu. „Vier gleichzeitig, drei Schichten zu acht Stunden.“

„Und der Nächste legt auf, bevor der Vorige abnimmt.“

„Das steht so im Plan.“

„Wie alt ist der Plan?“

„Älter als die Halle“, sagte Tang Shu.

Und das war der Satz, wegen dem Meifeng am Mittwoch nach dem Blatt gefragt hatte.

Denn ein Plan, der älter ist als das Haus, in dem er hängt, ist von niemandem beschlossen worden, der noch gefragt werden kann.

Und Meifeng sah auf die zweite Zeile ihres Blattes.

„Ein Wurzelmessgerät für zwei Häuser“, sagte sie. „Fräulein Luos Gerät stand jeden Tag zwei Stunden in der Halle, und das japanische stand jeden zweiten Tag in Otsu.“

„Und an den übrigen?“

„An den übrigen wird ohne gemessen.“

„Was heißt das?“

„Zwei Heiler legen die Hand auf und lesen die linke Spalte, getrennt und ohne miteinander zu reden“, sagte Meifeng. „Und was an der Wurzel liegt und was nicht, entscheidet die Hand.“

„Wie oft ist die Hand falsch?“

„Das weiß niemand“, sagte Meifeng. „Ein Gerät, das nicht dagestanden hat, sagt über den Tag nichts.“

Und ein Kern reicht für einen, wenn es an der Wurzel liegt, und für neun, wenn nicht.

Sie sagte auch das, und sie sagte es genauso, wie Fräulein Luo es ihr gesagt hatte, und sie schrieb nichts dazu, weil sie nichts zum Schreiben dabeihatte.

Tang Shu schlug das Hausbuch nicht auf.

„Weiter.“

„Der Sud kommt aus Kyoto und nicht aus Shiga“, sagte Meifeng. „Er dämpft eine überreizte Wurzel sechs Stunden.“

„Wie viel bekommt die Halle?“

„Drei Portionen am Tag.“

„Wie viele Namen stehen auf der Liste?“

„Acht.“

„Und?“

„Und fünf warten sechs Stunden“, sagte Meifeng. „Und am nächsten Tag sind es vielleicht neun.“

„Wonach wird entschieden?“

„Nach der linken Spalte“, sagte Meifeng. „Bei gleicher linker Spalte nach der Aufnahmeminute. Und wenn beides gleich ist, entscheidet Morita Kazue.“

„Und?“

„Das schreibt sie nicht auf.“

Und Tang Shu sah eine Weile auf den Brunnen.

Im Wasser lag ein Blatt vom Vorjahr, und es lag unter dem Eis am Rand und kam dort nicht heraus.

„Frau Morita schreibt sonst alles auf.“

„Sie unterschreibt jeden Bogen ausgeschrieben“, sagte Meifeng. „Besonders die, in denen keine Entscheidung liegt.“

„Warum besonders die?“

„Damit später niemand nachrechnet, wie viele sie unterschrieben hat.“

„Und dann findet er eine Zahl, die nichts bedeutet“, sagte Tang Shu.

„Das habe ich ihr auch gesagt.“

Und Gu Tian ging vom Spalier zwei Schritte weiter, weil die Sonne weitergegangen war.

Er blieb dabei auf dem Weg und nicht auf dem Gras, weil das Gras gefroren war und knirschte.

„Auf dem Bord neben der Tür lag seit dem vierzehnten Januar kein Kern“, sagte Meifeng. „Die Halle bekommt achtzehn im Monat, und acht davon standen auf Januar.“

„Und auf Februar?“

„Fünf.“

„Der Februar hat achtundzwanzig Tage“, sagte Tang Shu.

„Ja.“

„Ich hatte einundzwanzig in zwölf Kisten“, sagte Meifeng. „Ich habe ihr neun dagelassen und zwölf mitgenommen.“

„Sie hat neun genommen.“

„Sie hat neun genommen und nicht zwanzig.“

„Warum neun?“

„Weil sie für neun ein Blatt hatte.“

„Und für zwölf nicht.“

„Und für zwölf nicht“, sagte Meifeng.

„Wo sind die zwölf?“, sagte Tang Shu.

„In der Halle“, sagte Meifeng. „Alle in der Schale.“

„Und?“

„Und in der Schale sind sie nicht mehr zu unterscheiden“, sagte Meifeng. „Ich habe sie am ersten Februar hineingelegt, und ich habe daneben aufgeschrieben, woher sie kommen, und das war das erste Mal, dass in Songjiang etwas neben dieser Schale stand.“

Um 15:20 ging die Sonne hinter den Giebel des Westflügels, und der Weg lag danach ganz im Schatten.

Und Gu Tian blieb stehen, wo er stand, und es war jetzt kein Grund mehr, dort zu stehen.

„Vierzehn Heiler stehen auf dem Plan“, sagte Meifeng. „Elf in der Halle, zwei in Otsu.“

„Und?“

„Die liegt in der zweiten Reihe.“

Tang Shu sagte darauf nichts.

Und sie sagte auch die zwei Sätze nicht, die sie sonst gesagt hätte, und Meifeng wartete sie ab und ging dann weiter.

„Am achtundzwanzigsten Januar hat eine Heilerin aus der vierten Reihe zweimal die Hand weggenommen“, sagte Meifeng. „Um 10:05 und um 10:58.“

„Zu früh?“

„Neunzehn Minuten und vierzig.“

„Und?“

„Nein“, sagte Meifeng. „Beide Male nicht. Es kam ein Wagen, und auf dem neuen Bogen stand eine kleinere Zahl als bei dem, an dem ihre Hand lag.“

„Und wer ist zu ihr gegangen?“

„Niemand.“

„Und Sie?“

„Ich bin auch nicht zu ihr gegangen“, sagte Meifeng. „Ich bin an dem Vormittag die zweite Reihe entlanggegangen und bei niemandem stehen geblieben.“

„Warum nicht?“

„Weil wer zu ihr geht, ihr damit sagt, dass es das erste Mal war“, sagte Meifeng.

Und Tang Shu zog die Decke nicht über die Knie und schob sie auch nicht weg.

Sie lag zwischen ihnen auf der Bank, und sie lag da, wo Gu Tian sie hingelegt hatte.

„Die sechste Zeile“, sagte Meifeng.

„Lesen Sie sie.“

Eine Leitende ohne eigenen Patienten. Folge: sie kann nicht ausfallen, und niemand hat das unterschrieben.

„Fräulein Luo hat mich in der Maschine nach der sechsten gefragt“, sagte Meifeng. „Ich habe die Mitte gesagt.“

„Die Mitte wovon?“

„Vom Stern. Vier Anschläge tragen ein Viertel, die Mitte trägt drei Viertel, und nach dem Drehen der Leinen zwei Drittel.“

„Und darunter kommen Sie nicht.“

„Nein.“

„Dann ist die Mitte nicht die sechste Zeile“, sagte Tang Shu.

„Nein“, sagte Meifeng. „Es ist dieselbe Stelle von zwei Seiten. Auf der Liste steht die Leitende. Die Mitte steht auf keiner Zeile.“

„Warum nicht?“

„Weil der Bogen für die Mitte keine Spalte hat.“

Gu Tian sah auf den Weg und dann auf Meifeng.

„Am einunddreißigsten hast du einen Satz gesagt.“

„Ja.“

„Ich habe im Gang gestanden.“

„Das habe ich nicht gewusst“, sagte Meifeng.

„Nein“, sagte Gu Tian.

„Welcher Satz?“, sagte Tang Shu.

„Der steht nicht auf ihrem Blatt“, sagte Gu Tian.

„Nein“, sagte Meifeng.

Und Tang Shu fragte nicht noch einmal.

Sie sah Meifeng dabei an, und Meifeng sah zurück, und keine von beiden machte daraus etwas.

Um 15:33 kam in der Rinne unter dem Spalier Wasser in Bewegung, weil es am Vormittag getaut hatte.

Und danach war es wieder still, und man hörte vom Hof her zweimal ein Tor und danach nichts mehr.

„Am neunundzwanzigsten hat Frau Morita drei Sätze gesagt“, sagte Meifeng. „Sie hat gesagt: Wir können das. Und: Wir können alles, was in Ihrem Haus jemand kann.

„Und der dritte?“

Und wir können es einmal.

„Das ist der Satz“, sagte Tang Shu.

„Ich habe sie danach gefragt, was fehlt“, sagte Meifeng. „Sie hat gesagt, ich soll es ihr sagen, weil ich nichts hinschreibe, was ich nicht gesehen habe.“

„Und Sie haben es gesagt.“

„Die Zweiten.“

„Und sie?“

Wir haben zu allem einen. Und zu nichts zwei.

Und „Frau Morita weiß, dass ihre Kerne über Shiga aus Tokio kommen“, sagte Meifeng. „Und wie viele Tokio bekommt, weiß sie nicht.“

„Und Sie?“

„Ich habe vierzehn Jahre lang nicht gewusst, wie viele in der Schale liegen“, sagte Meifeng. „Und ich habe auch nicht gewusst, woher sie kommen.“

„Und der Unterschied?“

„Der Unterschied ist nicht, dass sie weniger hat“, sagte Meifeng. „Der Unterschied ist, dass sie jeden Monat weiß, wie wenig es ist.“

Und Meifeng nahm das zweite Blatt.

Sie nahm es mit beiden Händen, weil es größer war und weil es nicht ihres war.

„Vierzig Häuser hängen an dem Netz über Songjiang“, sagte sie. „Neun davon stehen nicht in China.“

„Sechsunddreißig mit Datum“, sagte Tang Shu. „Bei vier steht nicht einmal, seit wann.“

„Und in unserer Halle liegen neun Haltekreise“, sagte Meifeng. „Fräulein Luo hat sie im Winter 2133 gebaut, und sie hat sie nicht für Japan gebaut und für die vierzig auch nicht.“

„Sie hat sie für die Halle gebaut.“

„Ja.“

„Und dann sind zwei Verletzte aus Japan darin gelandet“, sagte Tang Shu.

„Ja“, sagte Meifeng.

„Zhou Liangchen kommt dreimal in der Woche in unsere Halle“, sagte Meifeng. „Und dafür haben wir zwei Leute.“

„Und Kang Zhiyuan?“

„Die Rippen brauchen sechs Wochen und keinen Kern“, sagte Meifeng. „Und einen, der ihn davon abhält, etwas zu heben.“

„Und wenn er in Shiga läge?“

„Dann läge er in der langen Halle“, sagte Meifeng. „Auf einem von einundneunzig Plätzen, und in der Nacht stünden über ihm zwölf Punkte und drei Hände.“

„Und auf dem Bord neben dem zweiten Becken steht eine Schale“, sagte Tang Shu.

„Aus Ton.“

„Und vierzehn Jahre lang hat sie niemand gezählt.“

„Nein.“

„Niemand in Songjiang hält die Punkte, weil er über die vierzig etwas zu sagen gehabt hätte“, sagte Meifeng. „Und niemand in den neun Häusern hat je gefragt, wer nachts an ihnen steht.“

„Nein.“

„Es hängt dort, und es hängt lange, und es hängt weiter.“

„Ja“, sagte Tang Shu.

„Und keiner von den vierzig hat je unterschrieben, dass es so bleibt.“

Meifeng legte die beiden Blätter nebeneinander auf die Bank, so wie sie sie am neunundzwanzigsten Januar auf einen zu hohen Tisch gelegt hatte.

Auf dem einen standen sieben Zeilen und auf dem anderen vierzig, und zwischen ihnen lagen zwei Finger breit Stein.

Und Tang Shu sah lange auf die beiden Blätter.

„Das ist eine Rangliste“, sagte sie.

Meifeng antwortete nicht sofort.

„Ich habe den Satz geschrieben“, sagte sie dann. „Sie haben weniger, als wir haben. Er stand da, und ich habe ihn angesehen, und dann habe ich ihn gestrichen.“

„Warum?“

„Weil eine Rangliste nichts beantwortet“, sagte Meifeng. „Und weil ich an diesem Tag in dieser Halle nichts gesehen habe, was dort jemand falsch gemacht hätte.“

„Und?“

„Ja.“

„Auf dem einen stehen elf Minuten und auf dem anderen keine Sekunde“, sagte Tang Shu. „Was soll ich damit lesen, wenn nicht das?“

Meifeng stellte den Fuß auf die untere Steinkante des Brunnens und nahm ihn wieder weg.

„Nicht, dass wir mehr können“, sagte sie. „Sondern dass es keinen Zweiten gibt.“

„Für was keinen Zweiten?“

„Für nichts davon“, sagte Meifeng. „Nicht für die Halle in Shiga. Nicht für die neun Häuser, die nicht in China stehen. Nicht für die zwölf Punkte, die hier nachts gehalten werden.“

„Und?“

„Nein“, sagte Meifeng. „Eine Rangliste sagt, dass wir oben stehen. Das hier sagt, dass die Welt an wenigen Händen hängt.“

„Und?“

„Und das ist etwas anderes, und es ist schlimmer.“

Tang Shu sagte eine Weile nichts.

Und dann sagte sie es doch, und sie sagte es langsam, so wie sie am neunundzwanzigsten Januar am Telefon zwei Zahlen gesucht hatte.

„Sagen Sie es noch einmal.“

„Wenn wir besser wären, dann könnte jemand anders auch besser werden“, sagte Meifeng. „Wenn es keinen Zweiten gibt, hilft es niemandem, dass wir besser sind.“

„Es hilft an dem Tag.“

„An dem Tag ja.“

„Und am nächsten?“

„Am nächsten steht wieder nur eine Halle“, sagte Meifeng.

Und Gu Tian ging drei Schritte auf die Bank zu und blieb einen Schritt davor stehen.

„Das ist ein Grund“, sagte er.

„Wofür?“, sagte Tang Shu.

„Hinzugehen.“

„Und?“

„Und es ist keine Schuld.“

Meifeng sah ihn an.

„Auf meinem Blatt steht in keiner Zeile, wer schuld ist.“

„Ich weiß“, sagte Gu Tian. „Ich habe es gelesen.“

„Wann?“

„Am Dienstag.“

Tang Shu legte die Hand flach auf das Hausbuch.

„Tian.“

„Ja.“

„Wenn Frau Morita morgen schreibt und fragt.“

„Dann fahre ich.“

„Und wenn sie übermorgen wieder schreibt.“

„Dann fahre ich wieder.“

„Und wenn sie jeden Tag schreibt.“

Gu Tian antwortete nicht sofort.

„Dann fahre ich nicht jeden Tag“, sagte er.

„Warum nicht?“

„Weil hier auch etwas steht.“

Und er sagte nicht, was.

Er sagte auch nicht, wie oft er fahren würde, und niemand fragte ihn danach, und die Frage wäre eine Zahl gewesen.

Tang Shu sah ihn an und dann wieder auf die Blätter.

Um 15:52 ging im Haus im ersten Stock Licht an, und es ging in dem Raum an, in dem das Kind schlief.

„Meifeng.“

„Ja.“

„Sie sollten hineingehen“, sagte Meifeng.

„Ich habe Meifeng gesagt, und Sie haben mir gesagt, ich soll hineingehen“, sagte Tang Shu.

„Es ist kalt.“

„Es ist seit einer Stunde kalt.“

„Shu.“

„Ich bin im neunten Monat“, sagte Tang Shu. „Ich sitze auf einer Bank, und ich friere nicht, und ich gehe hinein, wenn ich hineingehe.“

„Ja.“

„Und Sie haben bei der sechsten Zeile aufgehört“, sagte Tang Shu. „Es sind sieben.“

Meifeng nahm das Blatt wieder auf.

Keine zweite Halle. Folge: wer hier liegt, liegt hier.

„Lesen Sie sie noch einmal.“

Keine zweite Halle. Folge: wer hier liegt, liegt hier.

„Sie haben sie in der Nacht auch zweimal gelesen“, sagte Tang Shu.

„Woher wissen Sie das?“

„Weil Sie sie jetzt zweimal gelesen haben“, sagte Tang Shu.

Und Gu Tian setzte sich auf die zweite Stufe, mit dem Rücken zum Haus.

Von dort sah er weder die Bank noch den Brunnen, sondern das Spalier, und die Winterblüte war von dieser Seite dunkel.

„In Songjiang liegen dreihundertsechsundzwanzig auf drei Heiler, die hinsehen können“, sagte Meifeng.

„Drei.“

„Ja.“

„Und in der Halle am Biwa-See?“

„Elf, und keiner davon kann hinsehen“, sagte Meifeng. „Sie haben Hände und eine linke Spalte.“

„Und die neun Häuser, die nicht in China stehen“, sagte Tang Shu. „Wer hält die Punkte für die?“

„Songjiang.“

„Wer in Songjiang?“

Meifeng sagte es nicht sofort.

„Das weiß ich nicht“, sagte sie. „Ich habe in vierzehn Jahren nicht gewusst, wer die zwölf sind.“

„Ich weiß es“, sagte Tang Shu und machte das Hausbuch nicht auf. „Es sind neun aus Songjiang und drei von außerhalb, und zwei von den neun sind Geschwister, und der eine hat im Dezember eine Woche gefehlt.“

„Und was ist in der Woche passiert?“

„Nichts“, sagte Tang Shu. „Die anderen elf haben die Schichten anders gelegt, und im Plan steht davon keine Zeile.“

Und Meifeng setzte sich auf das andere Ende der Bank.

Zwischen ihnen lagen die Decke und die beiden Blätter, und die Bank war lang genug, dass sich das ausging.

Und um 16:11 nahm Tang Shu die Decke und legte sie über Meifengs Knie.

Meifeng nahm sie nicht weg.

„Auf Ihrem Blatt steht die Leitende ohne eigenen Patienten“, sagte Tang Shu.

„Ja.“

„Und auf meinem stehen vierzig Häuser.“

„Ja.“

„Wer ist bei den vierzig die Leitende ohne eigenen Patienten?“

Es sagte eine Weile niemand etwas.

Und die Grenze zwischen gefroren und nicht gefroren war inzwischen an der Bank angekommen und lief unter ihr durch.

„Das steht auf keinem der beiden Blätter“, sagte Meifeng.

„Ich weiß“, sagte Tang Shu. „Ich frage trotzdem.“

„Ich habe für die vierzig keinen Namen“, sagte Meifeng. „Ich habe für die Halle in Shiga einen, und der steht auf ihrem eigenen Plan, und sie hat ihn selbst hingeschrieben.“

„Und für die vierzig schreibt ihn niemand hin.“

„Nein.“

„Es steht in keiner Ordnung, dass eine nicht ausfallen darf“, sagte sie dann.

„Nein.“

„Und sie darf trotzdem nicht.“

„Ja.“

Und niemand sagte danach, ob das richtig sei.

Gu Tian sagte es nicht, und er stand dabei auch nicht auf, und das Stück Holz lag zwei Stufen unter ihm, und er hob es nicht auf.

„Und wenn Songjiang aufhört?“, sagte Tang Shu.

„Songjiang hört nicht auf“, sagte Meifeng.

„Das ist keine Antwort.“

„Nein“, sagte Meifeng.

„Dann noch einmal“, sagte Tang Shu. „Wenn das Netz über den vierzig Häusern eine Woche steht wie der eine im Dezember. Was passiert in den neun Häusern, die nicht in China stehen, und in den vier, bei denen nicht einmal steht, seit wann?“

„Das habe ich nicht gerechnet“, sagte Meifeng.

„Und?“

„Und ich habe es nicht gerechnet, weil ich keine Zahl von vorher habe“, sagte Meifeng. „Es hat noch nie eine Woche gestanden.“

„Dann fragen Sie Fräulein Luo.“

„Fräulein Luo sagt, sie hat dafür keine Grundlinie.“

„Sie hat für vieles keine Grundlinie“, sagte Tang Shu. „Und sie schreibt es trotzdem auf.“

Meifeng schwieg dazu.

Und um 16:20 machte im Haus im Erdgeschoss jemand ein Fenster zu, und danach war es leiser als vorher.

„Ich möchte etwas sagen“, sagte Meifeng, „und ich weiß, dass es keine Folge hat.“

„Sagen Sie es.“

„Der junge Mann mit der Binde hat am neunundzwanzigsten Januar von dreizehn Uhr an eine Stunde zwanzig in der Mitte des Sterns gesessen“, sagte Meifeng. „Danach hat ihn niemand abgelöst.“

„Und?“

„Und ich habe mich hingesetzt.“

„Wie lange?“

„Von 14:20 bis 16:50.“

„Und?“

„Niemand“, sagte Meifeng. „Um 16:50 war es zu Ende, weil der Stern zu Ende war.“

Tang Shu sah auf den Brunnen und nicht auf sie.

„Auf wie vielen Bogen steht der junge Mann mit der Binde?“

„Auf keinem“, sagte Meifeng. „Er liegt nicht in der Halle. Er steht an der Rampe.“

„Und auf wie vielen stehen Sie?“

„Auf keinem.“

Und danach sagte drei oder vier Atemzüge lang niemand etwas.

Vom Hof her kam das Geräusch von jemandem, der Wasser ausschüttete, und danach ging eine Tür.

Und Gu Tian stand um 16:28 auf.

„Es wird jetzt schnell kalt“, sagte er.

„Ja“, sagte Tang Shu und blieb sitzen.

Und er ging nicht hinein.

„Ich habe in Japan gesehen, wie Heilung eingeteilt wird“, sagte Meifeng. „Drei Portionen und acht Namen, und die Reihenfolge ist die linke Spalte. Das ist nicht schlecht gemacht. Es ist gut gemacht, und es ist trotzdem eine Einteilung.“

„Und hier?“

„Hier wird nicht eingeteilt“, sagte Meifeng. „Hier ist genug da.“

„Seit wann?“

„Das weiß ich nicht“, sagte Meifeng. „Ich weiß nur, dass die Schale vierzehn Jahre voll war und ich nie gefragt habe, worauf sie steht.“

Tang Shu nahm die Hand vom Hausbuch.

„Ich habe sie auch nicht gefragt“, sagte sie. „Und ich führe es.“

Und das war das Erste an diesem Nachmittag, was keine von beiden mit einer Zahl beantwortete.

Es blieb auch danach unbeantwortet, und keine von beiden kam noch einmal darauf zurück.

Und um 16:35 fing im Westen der Himmel an, die Farbe zu verlieren.

Die Winterblüte roch weiter, aber nur unter dem Spalier, und dort stand jetzt niemand mehr.

„Ah Tian.“

„Ja.“

„Wenn ich morgen sage, dass ich nach Shiga fahre.“

„Dann fährst du.“

„Und wenn ich sage, ich fahre und bleibe dort.“

Gu Tian sah sie an, und er antwortete nicht so schnell wie vorher.

„Dann frage ich, wer hier in der Mitte sitzt“, sagte er.

„Und wenn ich keinen Namen habe?“

„Dann fährst du trotzdem“, sagte Gu Tian. „Und wir haben dann keinen Namen.“

Meifeng sagte darauf nichts.

„Das ist keine Erlaubnis“, sagte Tang Shu.

„Nein“, sagte Gu Tian.

„Und?“

„Nein.“

„Was ist es dann?“

„Eine Frage, die dann offen ist“, sagte Gu Tian.

Und er sagte nichts weiter dazu, und niemand verlangte es von ihm.

Und Tang Shu stand um 16:44 auf.

Sie stand mit der linken Hand auf der Brunnenkante auf, und es dauerte, und niemand fasste sie an.

„Meifeng.“

„Ja.“

„Schicken Sie die Liste noch einmal“, sagte Tang Shu. „An die Jägervereinigung.“

„Ich habe sie am einunddreißigsten geschickt.“

„Und?“

„Nein.“

„Dann schicken Sie sie am ersten März wieder“, sagte Tang Shu. „Und dann wieder.“

„Warum?“

„Weil eine Liste, die einmal kommt, eine Meldung ist“, sagte Tang Shu. „Und eine, die jeden Monat kommt, ist eine Zeile in einem Buch.“

„Und dann?“

„Und dann steht sie in einem Buch“, sagte Tang Shu. „Mehr sage ich nicht.“

Meifeng nahm die Decke von den Knien und legte sie zusammen.

Und sie legte sie nicht über den Arm, sondern auf die Bank, zwischen die Stelle, an der Tang Shu gesessen hatte, und die Stelle, an der sie selbst gesessen hatte.

Gu Tian ging die zwei Stufen hinunter und hob das Stück Holz auf.

Er nahm es mit, und er sah es sich nicht an.

„Es ist ein Hoftor“, sagte Tang Shu.

„Ja“, sagte Gu Tian.

Und die drei gingen nicht zusammen hinein.

Tang Shu ging zuerst, weil sie langsamer war und es keinen Sinn hatte, hinter ihr zu gehen, und Gu Tian ging danach, und er ging nicht neben ihr, sondern eine Stufe tiefer und links.

Meifeng blieb an der Bank stehen und nahm die beiden Blätter auf.

Das eine hatte sieben Zeilen, und das andere hatte vierzig.

Und sie legte sie aufeinander und schrieb nichts darunter.

Und um 17:02 lag die Bank ganz im Schatten, und im Brunnen stand das Eis jetzt weiter herein als am Nachmittag.

Auf der Bank lag die Decke.

Und auf keinem der beiden Blätter, die Meifeng in der Hand hielt, stand, wer in der Mitte saß.

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