Der Korridor war am neunten Januar trocken.
Und die Seitenwände waren bis in Schulterhöhe dunkler als darüber, und sie waren es seit fünfundzwanzig Stunden, und in dieser Zeit war der Stein nicht heller geworden.
Lu Chen hatte die Liste um 08:12 verlesen und danach vier Wörter gesagt.
„Wir gehen noch einmal hinein."
Er nannte keinen Grund dafür, und er nannte auch keinen dafür, dass er zehn mitnahm und nicht siebzehn.
Und die anderen sieben blieben am Südrand, und Kang Zhiyuan stand am Eingang und sah nach hinten.
Luo Shuang maß als Erstes den Spalt.
Und sie maß ihn an derselben Kante wie am achten, und sie maß ihn zweimal, und danach sagte sie die Zahl.
„Vier Meter eins."
„Gestern?"
„Vier Meter eins."
„Und?"
„Und zwei gleiche Zahlen an zwei Tagen sind noch keine Reihe", sagte Luo Shuang.
Sie schrieb es in die zweite Spalte.
Und daneben schrieb sie die Höhenregel, die sie seit dem vierten Januar jeden Morgen einmal aufschrieb, weil sie sonst jemand falsch benutzt hätte.
Hinter dem Knick lief der Gang elf Meter, und dann stand die Wand.
Und in der Wand stand die Figur, und sie stand so, wie sie am achten gestanden hatte, und niemand hatte etwas davor gelegt und niemand etwas mitgenommen.
Fräulein Ma ging als Erste bis an die Wand und blieb eine Armlänge davor stehen.
Und sie hatte ihre Abschrift vom Vortag dabei und hielt sie nicht hoch.
„Herr Lu."
„Fräulein Ma?"
„Und ich habe gestern etwas nicht aufgeschrieben."
„Warum nicht?"
„Weil ich es für Schmutz gehalten habe", sagte Fräulein Ma.
Sie zeigte es mit der flachen Hand und fasste es nicht an.
Und unter der linken Schale lief eine senkrechte Verfärbung durch den Stein, eine Handbreit breit, von der Schale bis auf den Boden.
Sie war nicht geschnitten.
Und sie hatte keine Kante, und sie lief an drei Stellen um Unebenheiten herum, so wie etwas herumläuft, das gelaufen ist.
Unter der rechten Schale war nichts.
Und unter der Vertiefung in der Mitte war auch nichts, und Fräulein Ma sagte beide Sachen einzeln, weil sie zwei Sachen waren.
„Fräulein Luo."
„Fräulein Ma?"
„Und ich schreibe es jetzt auf, und ich schreibe Verfärbung und nicht, was ich denke."
„Schreiben Sie es auf", sagte Luo Shuang.
Aiko Taira stand drei Schritte hinter ihnen und schrieb auf ihr eigenes Papier.
Und sie schrieb es in derselben Minute, und sie hielt ihr Blatt niemandem hin.
„Herr Gu."
„Herr Lu?"
„Gestern haben Sie gesagt, es ist geschnitten."
„Ja."
„Heute?"
„Es ist dieselbe Rechnung", sagte Gu Tian.
Er sagte es sofort, und er sagte es ohne Pause davor, und Lu Chen hatte den Stift noch nicht in der Hand.
„Dieselbe wie was?"
„Wie in China."
„Sagen Sie mir, woran."
„An drei Sachen", sagte Gu Tian. „Und an keiner davon an der Form."
Er trat an die Wand und blieb einen Schritt davor stehen und hob die Hände nicht.
„Rechts stehen neun Kerben in gleichen Abständen. Das ist eine Skala."
„Links?"
„Links stehen auch neun, und ihre Abstände sind ungleich", sagte er. „Das ist keine Skala. Das ist eine Reihenfolge."
„Der Unterschied?"
„Eine Skala geht in beide Richtungen", sagte Gu Tian. „Und eine Reihenfolge geht in eine."
Lu Chen schrieb es mit.
„Die zweite Sache."
„Die Schalen."
„Was ist mit ihnen?"
„Der Balken läuft gerade. Die Schnüre sind gleich lang geschnitten, und man sieht die Schnittkanten im Stein", sagte Gu Tian. „Und die linke hängt trotzdem eine Handbreit tiefer."
„Das heißt?"
„Dass es nicht gewogen worden ist."
Und er sah dabei nicht Lu Chen an, sondern die linke Schale.
„Wer eine Waage schneidet, in der eine Seite unten ist, bevor etwas darauf liegt, hat nicht gemessen", sagte Gu Tian. „Er hat verteilt."
„Die dritte Sache."
„Die Mitte."
„Und in der Mitte ist ein Punkt."
„Und in der Mitte ist kein Punkt", sagte Gu Tian. „Da ist ein Loch. Es geht tiefer als alles andere an der Figur, und es geht nach innen, und es kommt nichts heraus."
Lu Chen schrieb auch das mit und las es einmal zurück.
Und danach stellte er die Frage, die er seit dem gestrigen Vormittag hatte.
„Herr Gu, wer hat das geschnitten?"
„Das kann ich nicht sagen."
„Wann?"
„Auch nicht."
„Was können Sie sonst nicht sagen?"
Gu Tian antwortete darauf ohne Zwischenraum.
„Ob der, der es geschnitten hat, die Rechnung selbst gerechnet hat", sagte er.
„Erklären Sie das."
„Es gibt einen Unterschied zwischen einer Unterschrift und einer Gebrauchsanweisung", sagte Gu Tian. „Und ich sehe an dieser Wand nicht, welches von beiden es ist."
„Wenn es eine Gebrauchsanweisung ist?"
„Dann steht sie hier für jemanden, der sie braucht", sagte er. „Und wer sie braucht, war noch nicht hier oder ist nicht mehr da."
Luo Shuang schrieb es in die dritte Spalte und setzte kein Zeichen dahinter.
Und die dritte Spalte hieß seit Fujian Was ich nicht weiß, und an diesem Vormittag standen schon zwei Zeilen darin.
Um 10:20 ging Luo Shuang auf die Knie.
Und sie ging nicht wegen der Wand auf die Knie, sondern wegen des Bodens davor, und sie hatte am achten nicht darauf gesehen, weil am achten die Wand neu gewesen war.
Am Fuß der Rückwand lag Staub, und er lag dort so, wie Staub liegt.
Und sie schob ihn mit der Kante des Bandes zur Seite, einen halben Meter breit, und sie schob ihn nur zur Seite und nahm ihn nicht weg.
Darunter lag eine Rille.
Und sie lag im Stein und nicht auf ihm.
Sie war nicht so breit wie die tragenden Linien auf der anderen Ruine, und sie hatte auch nicht deren Grund, und beides sagte Luo Shuang, bevor sie irgendetwas maß.
„Elf Millimeter", sagte sie dann. „Sieben tief."
„Und?"
„Der Grund ist halbrund."
Deng Ruozhi hockte sich daneben und hielt die Lampe.
„Fräulein Luo, ein Bruch?"
„Ein Bruch hat keinen halbrunden Grund", sagte sie. „Ein Bruch hat gar keinen Grund. Er hat zwei Seiten."
Sie schob den Staub weiter zur Seite und fand die zweite.
Und die zweite lief einen Meter zwei neben der ersten, und sie war genauso breit, und sie fing genauso am Fuß der Wand an.
Die erste fing unter der Mitte an.
Und die zweite fing unter der linken Schale an, unter der Verfärbung.
Unter der rechten Schale fing keine an, und Luo Shuang schob dort den Staub trotzdem zur Seite und maß trotzdem, und sie schrieb nichts in die erste Spalte und nicht in die dritte.
„Fräulein Luo, warum in die erste?"
„Weil ich nachgesehen habe", sagte sie. „Und weil das ein Befund ist und keine Lücke."
Sie brauchte für die elf Meter bis zum Knick eine Stunde und zwölf Minuten.
Und sie ging beide Rillen einzeln ab, und sie legte die Schnur an, und Fräulein Ma schrieb die Zahlen, die sie ansagte.
Am Knick liefen die beiden zusammen.
Sie liefen nicht in einem Winkel zusammen, sondern in einem Bogen, und der Bogen war auf beiden Seiten gleich.
Und danach lief eine weiter.
„Vierzehn Millimeter", sagte Luo Shuang.
„Und?"
„Und elf und elf sind zweiundzwanzig", sagte sie. „Und hier sind es vierzehn, und ich weiß nicht, was das heißt."
Lu Chen schrieb die Vierzehn mit und schrieb kein Fragezeichen dahinter, weil sie eine Messung war.
Und hinter den halben Satz danach schrieb er eins.
Die Rille lief von dort weiter in den Gang hinein und dann unter der Schwelle durch nach draußen.
Und draußen lief sie über den offenen Stein weiter, und sie lief nicht zum Rand der Scheibe.
Sie lief nach innen.
„Fräulein Luo, wohin?"
„Und das sehe ich nicht", sagte Luo Shuang. „Sie hört nicht auf. Sie geht unter einen Block, und der Block liegt seit heute Morgen genauso da wie gestern."
Sie maß danach etwas, wofür sie zwanzig Minuten brauchte, und sie sagte vorher, was sie damit nicht sagen würde.
„Herr Lu, ich messe jetzt die Tiefe an zwei Enden."
„Und?"
„Und danach sage ich Ihnen nicht, dass es ein Gefälle ist."
„Warum nicht?"
„Weil hier das Unten wandert", sagte Luo Shuang. „Und weil ich keine Grundlinie habe, gegen die ich es lege. Ich habe zwei Löcher und ein Band."
Und sie maß an der Wand und maß am Knick.
„Am Fuß der Wand liegt der Grund der Rille sieben Millimeter unter der Oberfläche", sagte sie. „Am Knick liegt er siebenundzwanzig."
„Und?"
„Und das ist alles, was ich sage."
Deng Ruozhi rechnete es trotzdem laut.
„Zwei Zentimeter auf elf Meter."
„Ja", sagte Luo Shuang. „Und Sie haben es gesagt und nicht ich."
In der Rille lag Staub.
Und in den Rillen der Figur an der Wand lag keiner, und das stand seit dem achten Januar im Heft, und Luo Shuang las es sich noch einmal durch, bevor sie den nächsten Satz schrieb.
Sie hob den Staub an einer Stelle mit der Kante eines Blattes an.
Und darunter lag kein Stein, sondern ein Film, und der Film war dunkel und dünn und lag zusammenhängend im Grund der Rille.
An den oberen Kanten lag er nicht.
Und in den Krümmungen lag er auf der äußeren Seite dicker als auf der inneren, und Luo Shuang sah sich drei Krümmungen an und fand es dreimal.
„Herr Lu."
„Fräulein Luo?"
„Es ist geflossen", sagte sie. „Und es ist in eine Richtung geflossen, und die Richtung ist von der Wand weg."
„Woran?"
„Und an der Außenseite der Kurve", sagte Luo Shuang. „Wasser legt sich außen an. Alles legt sich außen an. Das ist die einzige Stelle heute, an der ich keine Grundlinie brauche."
„Der Staub?"
„Der Staub liegt darauf", sagte sie. „Das sagt Ihnen, was zuerst da war. Und es sagt Ihnen nicht, wie lange."
Um 11:40 fand sie die Ränder.
Und sie fand sie an der Innenwand der Rille, nicht im Grund, und sie fand sie an vier verschiedenen Stellen, und an allen vier waren es drei.
„Drei Ränder", sagte sie. „Übereinander."
„Abstände?"
„Zwischen dem ersten und dem zweiten ein Millimeter. Zwischen dem zweiten und dem dritten zwei."
„Was heißt das?"
„Dass etwas dreimal aufgehört hat zu stehen", sagte Luo Shuang.
„Dreimal?"
„Das habe ich nicht gesagt", sagte sie. „Ich habe gesagt, dass ich drei Ränder sehe. Wie oft es geflossen ist, steht nicht an der Wand einer Rille."
Und Lu Chen ließ sich beides zeigen und sah es sich zweimal an.
Danach ging er zwei Schritte zurück und stellte die Frage, die Geld kostete.
„Fräulein Luo, wie viel habe ich?"
„Vier Meter eins."
„Einundsechzig?"
„Dann stehen drei Meter vierzig", sagte Luo Shuang. „Und sechsundzwanzig sind es, wenn es aufgeht."
„Herr Gu."
„Herr Lu?"
„Einmal."
Der Rand ging flach.
Und Deng Yuxian stellte sich an die Latte, und Fräulein Ma legte ihr Blatt weg, und Aiko Taira legte die Hand an den Griff und zog nicht.
Es dauerte drei Sekunden, bis der violette Rand um die goldenen Augen zu laufen anfing.
Der Stein ging hinunter.
Einundsechzig Zentimeter, und Deng Yuxian las sie ab und sagte sie, und ihre Stimme kam nach einem Drittel einer Sekunde von unten zurück.
Er sah zwei Sekunden hin.
„Die Rille läuft weiter, als der Korridor lang ist", sagte Gu Tian. „Sie geht nach innen und nicht zum Rand, und sie hört im Stein nicht auf."
„Wie weit sehen Sie?"
„Elf Meter", sagte er. „Und danach sehe ich meinen eigenen Blick."
Er setzte nichts dahinter.
Und der Stein kam in sechs Sekunden herauf, so wie er hier in sechs Sekunden heraufkam.
„Was ist darin?"
„Das sehe ich nicht", sagte Gu Tian. „Und wer es hineingetan hat, auch nicht, und wann, auch nicht."
Luo Shuang schrieb den Preis daneben, so wie sie ihn am fünften Januar danebengeschrieben hatte.
Ein Blick: einundsechzig. Zwei Sekunden.
Lu Chen ließ um 12:30 abrücken und ließ vier Leute im Korridor.
Und dann sagte er, was hinausgehen würde, und er sagte es Fräulein Ma und nicht dem Kanal.
„Ihre Abschrift geht als Wortlaut hinaus."
„Herr Lu, sie ist lang."
„Und sie geht als Wortlaut hinaus", sagte Lu Chen. „Keine Zusammenfassung. Keine Reihenfolge, die Sie hübscher finden."
„Wenn die Zeile abbricht?"
„Dann fangen Sie an derselben Stelle wieder an und nicht am Anfang."
„Wer trägt sie?"
„Herr Gu und Sie", sagte Lu Chen. „Und Sie tragen das Papier, und er trägt gar nichts."
Der markierte Weg zur Eintrittsscheibe war seit dem sechsten Januar dreimal nachgelegt worden.
Und er lief über zwei Leinen und über den Südrand der zweiten Scheibe, und man brauchte dafür ungefähr vierzig Minuten, wenn man nicht stehen blieb.
Sie blieben zweimal stehen.
Und beide Male, weil ein handbreites Band über das Wasser lief und Fräulein Ma es zählte, und beide Male lief es acht Mal in der Minute.
Um 13:52 stand die Fläche am Südrand der Eintrittsscheibe.
Und sie stand vierzehn Zentimeter über dem Stein und zeigte das japanische Ufer, und im Bild war es 10:40, so wie im Bild seit dem vierten Januar 10:40 war.
Gu Tian ging als Erster hindurch.
Und im Bild ging niemand vorbei, und auf der anderen Seite war es 14:53 japanischer Zeit, und die Luft war kalt und roch nach See.
Der Kontrollraum lag drei Schritte hinter der Übergabestelle.
Und an seiner Wand hing seit dem dritten Januar ein zweiter Schalter, und davor stand ein Mensch, und der Mensch war Song Meifeng.
„Ah Tian."
„Meifeng."
„Und die Leitung nach Songjiang steht seit 09:00", sagte sie. „Fräulein Gu ist am Kanal, seit sie gehört hat, dass jemand herauskommt."
Im Raum standen sieben Leute.
Und vier davon waren japanische Verbindungsleute, und zwei schrieben mit, und einer saß an der Nummer, die seit dem ersten Januar durchgehend voll lag, ob gesendet wurde oder nicht.
Das Bild war schlecht.
Und es war schlecht, seit es nie mehr schwarz wurde, und das war der Preis gewesen, und niemand im Raum rechnete ihn an diesem Nachmittag noch einmal nach.
„Bruder."
„Zixuan."
„Und Frau Tang sitzt seit 06:30 hier", sagte Gu Zixuan. „Ich habe die Archivbilder auf dem Tisch, und ich protokolliere ab jetzt jedes Wort."
„Protokollier es."
„Und ich protokolliere auch, wer im Raum steht", sagte sie.
Fräulein Ma gab das Papier an Song Meifeng, weil Song Meifeng vor dem Gerät stand.
Und Song Meifeng las die Abschrift vor, und sie las sie so, wie sie geschrieben war, und sie las sie zweimal.
„Frau Tang."
„Frau Song?"
„Und die letzte Zeile lautet: am linken Arm neun Kerben, Abstände ungleich."
„Lesen Sie mir die Schnüre noch einmal", sagte Tang Shu.
„Beide Schnüre gleich lang geschnitten, Schnittkanten im Stein sichtbar."
„Die Schalen?"
„Linke Schale eine Handbreit tiefer. Balken gerade."
Es blieb eine kurze Zeit still auf der Leitung.
„Frau Song, das ist der Ansatzpunkt", sagte Tang Shu.
„Welcher?"
„Die Schalen."
„Sie hängen falsch."
„Sie hängen nicht falsch", sagte Tang Shu. „Falsch hängt eine Waage, die jemand schlecht gebaut hat. Diese hier hängt so, wie sie geschnitten worden ist."
„Und?"
„Und dann ist es keine Arbeit. Dann ist es eine Aussage."
Song Meifeng legte das Blatt auf den Tisch und drehte es so, dass die Zeile oben lag.
„Sagen Sie sie."
„Sie sagt, welche Seite unten ist, bevor irgendetwas darauf liegt", sagte Tang Shu.
Und Gu Tian sagte dazu nichts, weil er es um 09:40 im Korridor gesagt hatte und weil Zixuan es beim ersten Mal mitgeschrieben hatte.
„Frau Tang, und weiter?"
„Weiter ist es die zweite Hälfte", sagte Tang Shu. „Und die zweite Hälfte ist nicht, was es bedeutet, sondern was jemand damit erreicht."
„Erreicht?"
„Fräulein Gu, holen Sie die Bilder aus dem Verzeichnis. Alle, auf denen die Figur vollständig ist."
Zixuan brauchte dafür eine Minute.
„Und ich habe sechs", sagte sie. „Vier aus Kopien, zwei aus dem eigenen Bestand. Alle zwischen Mai und Juni 2134."
„Wie viele davon hängen gleich?"
„Sechs von sechs."
„Wie viele haben Schrift daneben?"
Und Zixuan sah sie durch, und sie sah sie einzeln durch, und sie sagte danach eine Zahl und nicht zwei.
„Sechs von sechs."
„Was steht darin?"
„Ein Zeichen", sagte Zixuan. „Und im Verzeichnis steht daneben eine Region."
„An der Wand am Biwa-See?"
„Und dort steht keine Schrift", sagte Gu Tian.
„Gar keine?"
„Gar keine."
Tang Shu sagte danach vier Sätze hintereinander, und sie sagte sie ruhig, so wie sie seit Jahren über Verwaltungen sprach.
„Sechs Bilder mit Schrift und eines ohne", sagte sie. „Kerben brauchen keine Sprache. Eine Zahl in Kerben liest ein Mensch in jedem Land, und ein Zeichen liest er in einem."
„Und?"
„Und wer ein Zeichen so umbaut, dass es nirgends gelesen werden muss, hat vor, es an mehreren Stellen zu benutzen."
„Frau Tang, das ist eine Vermutung."
„Nein, Frau Song", sagte Tang Shu. „Das ist der Unterschied zwischen sechs und null, und den hat Fräulein Gu gerade gezählt."
Zixuan schrieb es mit und sagte dabei einen halben Satz.
„Und ich habe die Sechs gezählt und nicht die Folgerung."
„Die zweite Sache sind die Schalen", sagte Tang Shu.
„Wir hatten die Schalen."
„Und wir hatten sie als Aussage", sagte sie. „Jetzt haben wir sie als Deckung."
Song Meifeng sah auf das Blatt.
„Erklären Sie das."
„Frau Song, stellen Sie sich einen Menschen vor, der an diese Wand kommt und einen Bogen ausfüllt", sagte Tang Shu. „Er ist keiner von uns. Er ist eine Prüfstelle, ein Vermesser, ein Beamter mit einer Liste."
„Und?"
„Und er sieht eine Waage, deren eine Schale hängt", sagte Tang Shu. „Was schreibt er in sein Feld?"
„Beschädigt."
„Beschädigt", sagte Tang Shu. „Oder verzogen, oder unvollständig, und in drei Sprachen heißt das dasselbe."
Es sagte im Kontrollraum eine Weile niemand etwas.
Und einer der beiden Mitschreiber blätterte um, und das war das einzige Geräusch.
„Eine leere Waage steht in jedem Gerichtsgebäude", sagte Tang Shu. „Sie steht auf jedem Eichamt und über jeder zweiten Behördentür, und niemand sieht sie an."
„Und eine schiefe?"
„Eine schiefe ist kaputt", sagte sie. „Und was kaputt ist, wird nicht zugeordnet. Es wird abgehakt."
Und Gu Tian stand an der Tischkante und legte die Hände nicht auf.
„Shu."
„Tian?"
„Sag den Satz, der daraus folgt."
„Am achtzehnten Dezember habe ich gesagt, dass die Rechnung ohne Kopf weiterläuft, weil ein Formblatt keinen braucht", sagte Tang Shu. „Das nehme ich nicht zurück."
„Und?"
„Und ein Formblatt wird abgeschrieben und nicht umgebaut."
Sie machte eine kleine Pause, und die war nicht rhetorisch.
„An dieser Wand hat jemand etwas weggenommen und etwas anderes hingesetzt. Das tut niemand, der abschreibt. Das tut jemand, der weiß, wofür die Vorlage da ist."
„Frau Tang, ist das eine Führung?"
„Nein", sagte Tang Shu. „Das ist eine Hand."
Zixuan hob den Kopf.
„Frau Tang, ich schreibe Hand und nicht Person."
„Schreiben Sie Hand, Fräulein Gu."
Und Song Meifeng nahm das Blatt wieder auf.
Und sie las die dritte Zeile von unten noch einmal, und sie las sie leise, und sie las sie nur für sich.
„Frau Tang."
„Frau Song?"
„Und Sie sitzen seit –"
Sie hielt an.
„Und ich brauche die dritte Zahl noch einmal", sagte Song Meifeng.
„Neun", sagte Tang Shu. „Und links neun."
Zixuan schrieb weiter, und die beiden Mitschreiber schrieben weiter, und der Mann an der Nummer sah auf sein Gerät und nicht in den Raum.
Und niemand fragte nach.
„Frau Song, ich habe noch eine Frage an die Abschrift."
„Stellen Sie sie."
„Die Vertiefung in der Mitte. Steht darin, ob sie glatt ist?"
Und Song Meifeng sah nach.
„Innenwand glatt. Kein Werkzeugstrich. Boden nicht erreichbar mit einem Finger."
„Fräulein Gu, und in den sechs Bildern?"
„In den sechs Bildern ist die Mitte ein Punkt", sagte Zixuan. „Und ein Punkt ist eine Marke."
„Dann ist das der dritte Unterschied", sagte Tang Shu. „Aus einer Marke ist eine Aufnahme geworden."
„Frau Tang, das steht so nicht auf dem Papier."
„Nein, Frau Song", sagte sie. „Auf dem Papier steht Loch. Ich sage Ihnen, was ein Loch in einer Zeichnung ist, in der alles andere flach ist."
Und Gu Tian sagte danach den Satz, wegen dem er herausgekommen war.
„Es gibt zwei Kanäle im Boden."
Fräulein Ma las die Maße vor, und sie las sie in der Reihenfolge vor, in der sie sie aufgeschrieben hatte.
Elf Millimeter breit. Sieben tief. Halbrunder Grund. Einer unter der Mitte, einer unter der linken Schale, keiner unter der rechten.
„Und unter der linken läuft eine Verfärbung von der Schale bis auf den Boden", sagte sie.
„Wie breit?"
„Eine Handbreit. Und ohne Kante."
Tang Shu hörte es sich zu Ende an und fragte danach nur eine Sache.
„Unter der rechten steht wirklich nichts?"
„Nichts", sagte Gu Tian.
„Dann ist die tiefere Seite die, an der etwas hinuntergelaufen ist."
„Ja."
„Und das ist kein Zufall", sagte Tang Shu.
„Das kann ich nicht sagen", sagte Gu Tian.
Es blieb kurz still auf der Leitung.
„Nein", sagte Tang Shu dann. „Das können Sie nicht, und ich auch nicht."
Und Zixuan schrieb es auf, und sie schrieb beide Sätze auf, und sie setzte hinter keinen von beiden ein Zeichen.
Um 15:12 ging Gu Tian zurück.
Und Song Meifeng ging die drei Schritte mit bis vor die Übergabestelle und blieb dort stehen, weil sie dort stand.
„Ah Tian."
„Meifeng?"
„Und Frau Morita hat heute noch nicht geantwortet."
„Der Tag ist nicht zu Ende."
„Nein", sagte sie. „Und ich sage es dir trotzdem heute und nicht morgen."
Er war um 16:04 wieder im Korridor, und Lu Chen ließ ihn den Wortlaut wiederholen.
Und er wiederholte ihn, und er ließ die Stellen weg, an denen zwei Leute dasselbe gesagt hatten, und Lu Chen ließ ihn die Stellen nachliefern.
„Herr Gu, was haben wir jetzt?"
„Einen Verdacht."
„Und was fehlt zu einem Beweis?"
„Sechs Sachen", sagte Gu Tian. „Und Fräulein Luo hat vier davon aufgeschrieben, bevor ich zurück war."
Luo Shuang las sie vor, und sie las sie aus der dritten Spalte vor.
„Erstens. Niemand weiß, was der Film ist. Ich habe kein Gerät, das es sagt, und draußen liegt keine Probe."
„Zweitens. Ich habe keine Grundlinie und kann nicht datieren. Drei Ränder sind drei Ränder."
„Drittens. Ich weiß nicht, wohin die Rille läuft. Sie geht unter einen Block."
„Viertens. Und zwischen der Figur an der Wand und den Rillen im Boden steht bisher nur, dass sie nebeneinanderliegen."
Und Lu Chen sah auf.
„Sagen Sie das noch einmal."
„Die Rillen fangen am Fuß der Wand an", sagte Luo Shuang. „Und niemand hat gesehen, dass sie durch die Wand hindurchgehen. Ich habe eine Nachbarschaft, und ich habe keine Verbindung."
„Und die fünfte?"
„Die fünfte ist meine", sagte Gu Tian. „Das Zeichen belegt eine Denkweise. Eine Denkweise hat keine Finger."
„Und die sechste?"
„Dass etwas hineingelaufen ist, heißt nicht, dass das Tor davon gewachsen ist", sagte er. „Das sind zwei Sätze, und heute steht nur der erste halb da."
Lu Chen schrieb alle sechs auf und las sie einmal laut vor.
Und danach ordnete er an, und er ordnete in fünf Teilen an, und er sagte jeden Teil einmal.
„Erstens. Proben."
„Sechs Stück. Drei aus der Rille unter der Mitte, bei einem Meter, bei fünf, bei zehn. Eine aus der Rille unter der linken Schale bei einem Meter. Eine aus der Verfärbung an der Wand."
„Und die sechste?"
„Die sechste ist aus dem Stein daneben, wo nichts ist", sagte Lu Chen. „Handbreit neben der Rille, auf derselben Höhe."
„Herr Lu, wozu?"
„Und damit jemand draußen weiß, wie dieser Stein aussieht, wenn nichts darauf war", sagte Lu Chen.
Und Luo Shuang schrieb es auf und schrieb ein Wort daneben, das sie seit dem fünften Januar nicht hatte schreiben können.
Grundlinie.
„Zweitens. Wer nimmt."
„Fräulein Luo nimmt, und sie nimmt alle sechs, und niemand sonst nimmt eine."
„Und wenn sie ausfällt?"
„Dann fällt die Reihe aus und wird nicht von einem anderen zu Ende gebracht", sagte Lu Chen.
„Drittens. Wie beschriftet wird."
„Auf jedem Gefäß: das Datum, die Uhrzeit, der Abstand vom Fuß der Rückwand in Metern, und der Name dessen, der genommen hat."
„Und?"
„Und kein Wort, das eine Deutung ist. Nicht Blut. Nicht Zugabe. Nicht Rest."
Fräulein Ma schrieb es mit.
„Herr Lu, was, wenn nichts hineingeht?"
„Dann steht auf dem Gefäß dasselbe drauf und leer dahinter", sagte Lu Chen. „Ein leeres Gefäß ist auch eine Probe."
„Viertens. Wer gegenzeichnet."
„Zwei Unterschriften auf jedes Blatt. Fräulein Luo, weil sie genommen hat. Und ein Zweiter, der danebengestanden und zugesehen hat."
„Und Sie?"
„Ich zeichne nicht gegen", sagte Lu Chen. „Ich habe nicht zugesehen."
Aiko Taira trat einen Schritt vor.
„Herr Lu."
„Frau Taira?"
„Und ich stehe daneben."
„Bei allen sechs?"
„Bei allen sechs", sagte Aiko Taira. „Und ich zeichne auf Ihrem Blatt, und ich schreibe es zusätzlich auf mein eigenes."
„Warum zusätzlich?"
„Weil das hier japanischer Boden ist", sagte sie. „Und weil eine Stelle, die später fragt, nicht Ihr Blatt bekommt."
Lu Chen sah sie an und brauchte dafür keine Zeit.
„Dann schreiben Sie es doppelt."
„Fünftens. Der Korridor."
„Niemand geht allein hinein. Jede Zahl wird von zwei Leuten gemessen und zweimal geschrieben. Die Wand wird nicht angerührt, außer bei der Probe aus der Verfärbung, und diese eine nimmt Fräulein Luo unter Frau Tairas Augen."
„Und die Rille draußen?"
„Und die Rille draußen bleibt liegen", sagte Lu Chen. „Wir heben den Block nicht an. Wir wissen nicht, was er hält."
Deng Ruozhi fragte als Letzter, und er fragte im Sitzen.
„Herr Lu, wie oft schreiben wir?"
„Jede Stunde eine Zeile, auch die Stunden, in denen nichts war."
„Und wenn nichts war?"
„Dann steht in der Zeile, dass nichts war", sagte Lu Chen. „Und darunter steht die nächste."
Luo Shuang nahm die erste Probe um 16:52.
Und Aiko Taira stand daneben, und sie stand so, dass sie die Hand sah und nicht die Rille, und sie schrieb es danach auf zwei Blätter.
Gu Tian stand am Knick und tat nichts.
Und der violette Rand um seine goldenen Augen lief so, wie er lief, wenn er nicht hinsah.
Um 17:30 war die vierte Probe genommen, und die Scheibe hing auf vier Meter eins.
Und sie hing dort seit dem Morgen, und Luo Shuang schrieb die Zahl zum dritten Mal an diesem Tag auf und schrieb zum dritten Mal nichts daneben.
Draußen lief ein handbreites Band über das Wasser.
Und es lief acht Mal in der Minute, und es zerbrach das Bild dabei nicht, und über der Scheibe standen drei Wolkenbänder und darunter dieselben drei.
An der Rückwand hing die linke Schale eine Handbreit tiefer als die rechte.
Und der Balken lief gerade.