Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 4 · Arc 02
Kapitel 449Hundert Prozent

Ein Name ohne Last

4.963 Wörter · Band 4 — Vorhänge vor dem Himmel

Han Da fing am fünfundzwanzigsten August um 16:00 an zu messen.

Und er maß zuerst den langen Tisch der Länge nach, und danach den Hof, und beides zusammen dauerte elf Minuten, und in diesen elf Minuten sagte er nichts.

Dann ging er los und holte Gu Zhong.

„Herr Gu Zhong."

„Herr Han?"

„Der Tisch ist zu kurz", sagte er.

„Der Hof?"

„Der Hof auch."

Gu Zhong sah auf den Tisch, und dann sah er auf den Hof, und dann klemmte er sein Buch unter den Arm.

„Herr Han, beides kann nicht sein", sagte er.

Es konnte doch beides sein, und Han Da erklärte es in drei Sätzen.

„Ich habe zwei Bretter übrig."

„Ja."

„Und wenn ich sie drannehme, steht das Tischende elf Zentimeter vor dem Bord an der Ostwand", sagte er.

„Und?"

„Und dann kommt Frau Fang da nicht mehr durch."

Gu Zhong schlug sein Buch auf und schlug es wieder zu, ohne hineingesehen zu haben.

„Herr Han, dann fragen wir Frau Fang", sagte er.

Fang Xiuying kam mit nassen Händen aus der Küche und hörte sich beide an.

Und dann stellte sie sich zwischen Tisch und Bord und drehte sich einmal um sich selbst, und das ging, und sie machte es noch einmal mit einer Schüssel in der Hand, und das ging auch.

„Herr Han, ich brauche eine Handbreit."

„Elf Zentimeter."

„Und eine Handbreit ist keine elf Zentimeter", sagte sie.

Sie stritten danach etwa zwanzig Minuten über eine Handbreit.

Und am Ende maßen sie eine, und sie war dreizehn Zentimeter breit, und Han Da sagte, das sei die Hand einer Köchin und keine Maßeinheit.

„Herr Han."

„Frau Fang?"

„Wann sägen Sie?"

Han Da schob die Schnur wieder in die Tasche.

„Vor dem Frühjahr", sagte er.

„Warum nicht danach?"

„Weil danach jemand im Weg steht, den man nicht wegtragen kann."

Fang Xiuying nahm ihre Schüssel wieder auf.

„Herr Han, das ist der vernünftigste Satz, den Sie in diesem Jahr gesagt haben", sagte sie.

Fräulein Luos Platz blieb an diesem Abend leer.

Und sie war seit dem achtzehnten August in Fujian, und niemand setzte sich auf ihren Platz, obwohl an diesem Abend zwei Leute stehend gegessen hätten, wenn Han Da nicht eine Bank geholt hätte.

Gu Zhong legte das kleine Gerät, das sie vergessen hatte, mit dem Rücken nach oben darauf.

Gu Lin Aelir konnte am fünfundzwanzigsten August ungefähr fünfzehn Wörter.

Und drei davon waren Namen, und „da" war weiterhin das, was er für alles benutzte, was er jemandem hinlegen wollte, und seit dem neunten August war ein neues dazugekommen.

Das neue war „hua".

Er benutzte es nicht richtig.

Und er benutzte es für alles, was am Rand ausgefranst war, für die Distel an der Mauer, für einen zerfaserten Schnurrest von Han Da und einmal für eine zerkochte Frühlingszwiebel, und niemand korrigierte ihn, weil ihn niemand korrigierte.

Tang Shu hatte am dreiundzwanzigsten August mit ihm im überdachten Garten gesessen, als er es zum vierten Mal an diesem Nachmittag sagte.

Sie kamen um 18:30 an den langen Tisch, und sie kamen zu zweit, und sie waren die Ersten.

Und auf dem Tisch stand zwischen zwei Plätzen eine Schale, die seit dem siebten Juli dort stand und die niemand weggeräumt hatte, und Fang Xiuying wischte seit dem achten Juli um sie herum.

Tang Shu setzte sich nicht auf ihren Platz, sondern auf den daneben.

„Shu."

„Tian."

„Du sitzt falsch."

Und Tang Shu legte beide Hände flach auf das Holz.

„Ich weiß", sagte sie.

„Und?"

„Und von hier aus sehe ich den ganzen Tisch."

Gu Tian setzte sich ihr gegenüber, was er sonst nicht tat.

„Warum willst du den ganzen Tisch sehen?", sagte er.

„Weil ich gleich etwas sage und wissen will, wie es aussieht, wenn ich es sage."

„Shu."

„Und weil in einer halben Stunde neunzehn Leute hier sitzen", sagte sie.

Sie sagte es dann, und sie sagte es ohne Anlauf, und sie sagte es einmal.

„Yinghua."

Und Gu Tian sagte etwa vier Sekunden lang gar nichts.

„Sag es noch mal."

„Yinghua."

„Das Zeichen?"

Tang Shu zeichnete es nicht auf den Tisch, weil sie es nirgends aufzeichnen wollte.

„Kirschblüte", sagte sie.

Er wiederholte es einmal für sich, und er wiederholte es leise, und es klang nicht wie ein Wort, das er zum ersten Mal sagte.

Und das lag daran, dass es keins war.

Das war das Erste, was ihm auffiel, und es war das Einzige an diesem Abend, das ihn wirklich überraschte.

„Shu, woher?"

„Von deinem Sohn."

Und Gu Tian sah auf.

„Erklär das", sagte er.

Und sie erklärte es, und sie brauchte dafür weniger Sätze, als er erwartet hatte.

„Er sagt seit dem neunten August ‚hua'."

„Ja."

„Und er sagt es für alles, was ausgefranst ist, und am dreiundzwanzigsten hat er es zu einer Distel gesagt", sagte sie.

„Dann?"

„Und dann war es zwei Tage in meinem Kopf, und ich habe es nicht dahin gerufen."

Gu Tian sah auf die leere Schale.

„Das ist die ganze Geschichte?", sagte er.

„Ja."

„Es gibt keinen Baum."

„Nein."

„Keinen Menschen, der so hieß?"

Tang Shu schüttelte den Kopf.

„Tian, es gibt nicht einmal einen Kirschbaum auf diesem Grundstück", sagte sie.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Und du hast am einunddreißigsten Juli gesagt, dass man kein Kind nach dem Wetter nennt, bei dem man darüber geredet hat."

„Ja."

„Und?"

Tang Shu sah ihn an.

„Und ein Kind, das ‚hua' sagt, ist kein Wetter", sagte sie.

Sie erklärte ihm danach das Zeichen, und sie erklärte es in drei Teilen, und sie hatte die drei Teile offensichtlich vorher geordnet, weil sie sich nicht verhaspelte.

„Erstens: Sie fällt."

„Shu."

„Eine Kirschblüte blüht und fällt, und niemand hält das für ein Versagen", sagte sie.

„Und das ist Vergänglichkeit."

„Ja."

„Und du willst deinem Kind einen Namen geben, in dem steht, dass etwas zu Ende geht."

Tang Shu nickte einmal.

„Ich will ihm einen Namen geben, an dem es nicht scheitern kann", sagte sie.

Und das war der Punkt, und Gu Tian brauchte etwa elf Sekunden, um ihn zu verstehen.

Denn an Freude konnte ein Kind scheitern, und an Frieden auch, und an einem Licht, das etwas ankündigt, sowieso.

Und an einer Blüte, die fällt, konnte niemand scheitern, weil das Fallen dazugehörte.

„Zweitens."

„Zweitens ist es Frühling."

„Aufbruch."

Und Tang Shu hob die Schultern.

„Tian, es ist das Erste, was an einem Baum passiert, und danach passiert alles andere", sagte sie.

„Drittens?"

Tang Shu antwortete darauf sofort.

„Drittens gehen Leute hin und sehen sie sich an, und sie tun es aus keinem Grund."

„Shu."

„Und sie freuen sich, und niemand hat etwas davon", sagte sie.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Und das ist reine Lebensfreude."

„Ja."

„Der Name verlangt dafür nichts?"

Tang Shu legte die Hand flach neben die leere Schale.

„Tian, er trägt gar nichts. Und das ist die ganze Sache", sagte sie.

Er hatte vier Fragen mitgebracht.

Und er hatte sie nicht an diesem Abend bekommen, sondern über drei Wochen, und drei davon waren an unterschiedlichen Morgen entstanden, immer nach 06:00, immer nachdem er ein Blatt aus Fujian gelesen hatte.

Die vierte war älter.

Die erste lautete: Wie liest sich der Name in einer Meldung an eine Provinzstelle?

Die zweite lautete: Was macht ein Clan mit einem Namen, den Fremde weich finden?

Und die dritte lautete: Kann jemand ihn in vierzig Jahren wie eine Vorhersage lesen?

Er stellte keine davon.

„Shu."

„Tian."

„Ich habe eine Frage."

Und Tang Shu sah ihn an und wartete, und sie wartete länger, als sie an diesem Abend auf irgendetwas gewartet hatte.

„Liebst du ihn?", sagte er.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Ja."

„Dann heißt sie so."

Und Tang Shu setzte sich anders hin.

„Tian, das war zu schnell", sagte sie.

„Nein."

„Doch."

„Shu, ich habe seit dem sechsten Juli darüber nachgedacht, welche Frage ich stelle."

Und sie sah ihn an.

„Und heute Abend habe ich nur noch die eine gestellt", sagte er.

„Die anderen?"

„Es waren drei."

„Und?"

Gu Tian sah auf die leere Schale zwischen ihnen.

„Und alle drei haben mit Leuten zu tun, die nicht an diesem Tisch sitzen", sagte er.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Tian."

„Ja?"

„Der Mann, den ich damals kennengelernt habe, hätte die drei zuerst gestellt."

Und Gu Tian dachte etwa vier Sekunden darüber nach.

„Ja", sagte er.

„Und?"

„Und er hätte sie nicht einmal gemerkt."

Tang Shu nahm den Becher, der vor ihr stand.

„Tian, das ist der Unterschied", sagte sie.

Es blieb danach eine Weile still, und in dieser Zeit hörte man aus der Küche etwas fallen, und niemand ging hin.

Und dann kam der Einwand, und er kam von ihr selbst, und er kam als Erinnerung an eine eigene Bedingung.

„Tian, am einunddreißigsten Juli habe ich einen Namen verlangt, der für beide geht."

„Ja."

„Und Yinghua geht nicht für beide", sagte sie.

„Nein."

„Und?"

Gu Tian sagte darauf nichts, weil das ihre Bedingung gewesen war und nicht seine.

Tang Shu brauchte danach etwa eine Minute.

„Ich weiß, warum ich sie aufgestellt habe."

„Sag es."

„Damit ich mich nicht entscheiden muss", sagte sie.

„Shu."

„Ein Name, der für beide geht, ist kein Name. Er ist eine Vorsichtsmaßnahme."

Gu Tian sah sie an.

„Und?", sagte er.

„Und ich habe am einunddreißigsten Juli gesagt, dass ich nicht sieben Monate lang zwei Namen nebeneinander liegen haben will."

„Ja."

„Und jetzt liegt einer da", sagte sie.

„Wenn es ein Junge wird?"

Tang Shu antwortete darauf sofort, und sie antwortete unbekümmert, und das war das erste Mal an diesem Abend, dass sie so klang.

„Dann suchen wir im März in einer Stunde einen, und der wird schlechter sein."

„Shu."

„Und das ist mir egal", sagte sie.

„Und wir legen keinen zweiten bereit."

„Nein."

„Warum nicht?"

Und Tang Shu stellte den Becher ab.

„Weil ein Name, der wartet, ob er gebraucht wird, schon verloren hat", sagte sie.

Er kam trotzdem noch einmal auf eine Sache zurück, und es war die einzige, bei der er unsicher blieb.

„Shu, sie kommt im März."

„Ja."

„Und Kirschblüten sind im März."

Tang Shu sah ihn an, und sie hatte die Antwort schon.

„Ich habe den Namen deswegen am vierundzwanzigsten fast weggelegt", sagte sie.

„Warum hast du es nicht?"

„Weil das kein Grund ist."

„Was ist es?"

Sie hob die Schultern.

„Es ist nur wahr", sagte sie.

Sie probierte ihn danach aus, und sie probierte ihn genau so aus, wie sie es am einunddreißigsten Juli verlangt hatte.

Und sie stand auf und ging bis an die Mauer am anderen Ende des Hofes, und dort drehte sie sich um und rief ihn über den ganzen Hof zurück.

„Yinghua!"

Und aus dem Küchendurchgang kam Fang Xiuying heraus und sah sich um.

„Frau Tang?"

„Frau Fang, entschuldigen Sie."

Und Fang Xiuying sah noch einmal in den Hof und dann auf Tang Shu und dann wieder in den Hof.

„Wer soll das sein?", sagte sie.

Es blieb einen Moment still im Hof.

„Frau Fang, das sage ich Ihnen in einer halben Stunde."

„Und da drin brennt etwas an."

„Frau Fang."

„Und deshalb frage ich später", sagte sie.

Tang Shu kam zurück und setzte sich, und sie setzte sich diesmal auf ihren eigenen Platz.

„Er geht über den Hof."

„Ja."

„Und?"

Gu Tian sah zur Küchentür.

„Und du bist beim zweiten Teil nicht leiser geworden", sagte er.

Die zweite Bedingung prüfte sie im Sitzen.

Und sie sagte den Namen so leise, wie man etwas an einem Bett sagt, und sie sagte ihn dabei nicht zu ihm, sondern nach unten, und sie sagte ihn zweimal.

Beim zweiten Mal ging es besser als beim ersten.

„Tian."

„Ja?"

„Er geht auch leise."

Und Gu Tian antwortete darauf nicht sofort.

„Woher weißt du das?", sagte er.

„Weil ich es weiß."

„Shu."

„Ich habe vierzig Namen an Betten gesagt und die meisten davon zweimal", sagte sie.

Um 19:20 saßen sie.

Und es waren neunzehn: die Familie, Herr Gu Zhong, Herr Han, Frau Fang, Frau Chen, Frau Han Meiyu, die drei Archivhelfer, der junge Mann aus dem Lagezentrum, der sonst an Türen stand, und zwei Frauen aus der Küche, die Fang Xiuying an diesem Abend nicht weggeschickt hatte.

Fräulein Luos Platz blieb leer, und darauf lag ein Gerät mit dem Rücken nach oben.

Fang Xiuying hatte für zwanzig gekocht.

Und das tat sie seit dem achten Juli, und an diesem Abend saßen neunzehn Leute da, und das war für ihr Verfahren zu knapp.

„Junger Herr."

„Frau Fang?"

„Ich koche ab morgen für zweiundzwanzig", sagte sie.

Gu Zhong las seine Zahl vor, wie er sie jeden Abend vorlas.

„Junger Herr, dreihundertsechsundzwanzig."

„Herr Gu Zhong."

„Und keine Änderung seit dem neunten Juni", sagte er.

Tang Shu sagte es um 19:40.

Und sie sagte es nicht laut, und sie stand nicht auf, und sie legte nur die Stäbchen quer über ihre Schale, so wie Gu Lian es tat, wenn sie eine Weile nicht weiteressen wollte.

„Sie heißt Yinghua."

Der Tisch war etwa vier Sekunden lang still.

Und es war wieder nicht die Stille von schlechten Nachrichten, und diesmal war es auch nicht die vom siebten Juli, denn am siebten Juli hatten die Leute aufgehört zu reden und weitergegessen.

An diesem Abend legten drei von ihnen die Stäbchen hin.

Dann sagte Xuan Ling den ersten Satz.

„Frau Tang."

„Frau Xuan?"

„Kirschblüte", sagte sie.

„Ja."

„Und die fällt."

Tang Shu antwortete darauf ruhig, weil sie diesen Satz seit zwei Tagen erwartet hatte und weil sie ihn von genau dieser Frau erwartet hatte.

„Frau Xuan, das tut sie", sagte sie.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„In meiner Familie hat man das nicht gemacht."

„Frau Xuan."

„Man gab Kindern Namen aus Stein, aus Metall und aus Wasser, das steht", sagte sie.

„Hat es geholfen?"

Xuan Ling sah auf ihre Schale.

„Nein", sagte sie.

Sheilan schob die Salzschale weiter, ohne dass jemand danach gefragt hatte.

Und dann sagte sie etwas, und sie sagte es zu Xuan Ling, weil sie inzwischen fast alles zu Xuan Ling sagte.

„Frau Xuan."

„Frau Sheilan?"

„Bei uns heißt fast alles nach etwas, das aufhört", sagte sie.

„Und warum?"

„Weil bei uns nichts aufhört, was schnell genug ist."

Xuan Ling sah sie an.

„Frau Sheilan, das ist kein Argument, das ist ein Trost", sagte sie.

„Ja."

„Und?"

Sheilan aß weiter.

„Und ich habe nicht behauptet, dass es eins ist", sagte sie.

Xuan Ling sagte danach nichts mehr dazu.

Und um 19:55 stand sie auf und ging um den Tisch herum, und das waren elf Schritte, und sie ging sie hinter den Rücken von sechs Leuten entlang.

Diesmal blieb sie nicht hinter Tang Shu stehen, sondern neben ihr, und sie sagte den Namen einmal, und zwar so, wie sie mit ihrem Enkel sprach: in einem ganzen Satz und ohne die Stimme zu heben.

„Yinghua, das ist ein Name, den ich nicht ausgesucht hätte."

„Frau Xuan."

„Und ich werde ihn trotzdem elftausendmal rufen", sagte sie und ging zurück und setzte sich und aß weiter.

Gu Zhong schlug sein Buch wieder auf.

Und er tat es so, wie jemand ein Buch aufschlägt, der weiß, dass gleich eine Frage kommt, die er stellen muss, weil sonst niemand sie stellt.

„Junger Herr."

„Herr Gu Zhong?"

„Der alte Gu-Clan hatte ein Generationszeichen", sagte er.

„Ja."

„Und in jeder Generation trug jedes Kind dasselbe Zeichen im Namen."

Gu Tian nahm sich von dem Gemüse, das vor ihm stand.

„Ich weiß", sagte er.

„Und Ihr Sohn heißt Lin."

„Ja."

„Und dieses Kind heißt Ying", sagte Gu Zhong.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Herr Gu Zhong, und?"

„Und wenn wir eins festlegen wollen, dann jetzt."

Gu Tian legte die Stäbchen hin.

„Nein", sagte er.

„Junger Herr."

„Wir legen keins fest."

„Und wenn in dreißig Jahren jemand fragt, welcher Generation ein Gu angehört?"

Gu Tian sah ihn über den Tisch hinweg an.

„Dann sagt er ihm sein Alter", sagte er.

Gu Zhong klappte das Buch zu.

„Junger Herr, verstanden."

„Herr Gu Zhong."

„Ja?"

„Und warum haben Sie gefragt?"

Gu Zhong legte beide Hände auf den Buchdeckel.

„Weil sonst niemand an diesem Tisch auf die Idee gekommen wäre, und weil es dann in vier Jahren jemand von außen tut", sagte er.

„Und dann?"

„Und dann steht Ihre Antwort schon irgendwo."

Gu Tian nickte einmal.

„Herr Gu Zhong, schreiben Sie sie auf", sagte er.

Chen Ruolan sagte an diesem Abend genau einen Satz zu der Sache.

Und sie sagte ihn, während sie sich Reis nahm, und sie sagte ihn nicht zu Tang Shu und nicht zu Gu Tian, sondern in die allgemeine Richtung des Tisches.

„Zwei Silben sind gut", sagte sie.

„Frau Chen?"

„Herr Gu?"

„Warum?"

Und Chen Ruolan sah kurz auf.

„Herr Gu, weil man drei Silben über Funk nicht durchbekommt", sagte sie.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

Und dann lachte Meifeng, und sie lachte zuerst, und sie lachte so, dass die drei Archivhelfer erschraken.

„Frau Chen."

„Frau Song?"

„Ich rufe seit anderthalb Jahren nur die erste Hälfte", sagte sie.

„Und die zweite?"

„Die zweite sage ich, wenn er neben mir steht."

Und Meifeng sah zu ihrem Sohn, der an diesem Abend zwischen seiner Großmutter und Gu Lian saß und mit beiden Händen aß.

„Frau Chen, und sonst kommt sie nicht an", sagte sie.

Danach sagte Meifeng noch etwas, und sie sagte es zu Tang Shu, und es dauerte zwei Sätze.

„Frau Tang, ich habe den Namen meines Sohnes seit dem März 2135 ungefähr vierzigmal erklärt."

„Frau Song."

„Und Ihren wird nie jemand erklären müssen", sagte sie.

„Ist das besser?"

Meifeng dachte etwa vier Sekunden nach.

„Nein."

„Und?"

„Und es ist leichter, und ich habe nichts dagegen, dass in diesem Haus einmal etwas leichter ist", sagte sie.

Der erste der drei Archivhelfer sprach um 20:15, und er sprach wie immer zu leise, und er musste es zweimal sagen.

„Fräulein Gu."

„Ja?"

„Der Familienbogen hat neun Felder", sagte er.

„Ja."

„Und eines davon ist Geburtsdatum."

Und Zixuan sah ihn an, und sie sah ihn so an, wie sie Leute ansah, die etwas Richtiges zu früh sagten.

„Ja", sagte sie.

„Und eines ist Wurzel."

Es blieb einen Moment still am Tisch.

Und niemand sah zu Meifeng, obwohl mehrere Leute daran dachten, und Meifeng sagte an dieser Stelle nichts, weil sie es am siebten Juli gesagt hatte.

Und Zixuan antwortete, bevor es jemand anders tat.

„Das Feld bleibt nicht leer."

„Fräulein Gu?"

„Es wird gestrichen", sagte sie.

„Und was ist der Unterschied?"

Und Zixuan legte die Stäbchen hin, und sie erklärte es genau, weil sie Dinge genau erklärte.

„Ein leeres Feld heißt: noch nicht."

„Ja."

„Und ein gestrichenes heißt: nie. Und dieses heißt nie", sagte sie.

Der junge Mann aus dem Lagezentrum sah bei diesem Satz auf, weil er zum ersten Mal an diesem Tisch saß und nicht wusste, dass man hier so redete.

Und Han Da bemerkte es und schob ihm die Fischschüssel hin.

Gu Lin Aelir rutschte um 20:22 von der Bank.

Und niemand hielt ihn fest, und er lief an vier Stühlen vorbei und blieb einmal stehen, weil Han Da wieder ein Bein ausgestreckt hatte, und diesmal ging er nicht darüber, sondern darum herum.

Und er kam nicht zum Bord an der Ostwand, sondern zu der Stelle, an der Tang Shu saß.

Er hatte nichts in der Hand.

Und das war neu, denn seit dem siebten Juli hatte er ihr fünfmal etwas gebracht, und viermal davon war es eine Schale gewesen.

Und er stellte sich zwischen ihre Knie und sah zu ihr hoch.

„Hua."

Es blieb einen Moment still am Tisch.

Und Tang Shu antwortete ihm in ganzen Sätzen, weil sie in ganzen Sätzen sprach, und sie antwortete leiser als vorher.

„Ja."

„Hua."

„Lin, so ungefähr", sagte sie.

Und dann sagte er es noch dreimal, weil er Wörter, die ankamen, immer noch dreimal sagte, und beim vierten Mal ließ er es und ging zum Bord an der Ostwand und holte eine Schale.

Und er stellte sie nicht an einen leeren Platz.

Er stellte sie neben die Schale, die seit dem siebten Juli auf dem Tisch stand, und dann setzte er sich wieder hin.

Fang Xiuying stand nicht auf.

Meifeng schüttelte diesmal nicht den Kopf, weil niemand aufgestanden war, und die beiden Frauen sahen sich dabei an.

Dann standen dort zwei Schalen.

Gu Lian sagte um 20:30 etwas, und sie sagte es über eine Schale mit einem Sprung hinweg.

„Kleine Schwester, du isst seit einer Stunde nicht."

„Schwester."

„Und?"

Und Zixuan sah auf ihre Hände, weil sie auf ihre Hände sah, wenn sie etwas prüfte, das sie nicht messen konnte.

„Und ich habe seit einer Stunde einen Bogen im Kopf, in dem ein Feld leer bleibt", sagte sie.

„Und das hältst du nicht aus."

„Nein."

„Und?"

Und Zixuan antwortete darauf ehrlich, und sie brauchte dafür einen Satz.

„Und ich lege ihn heute Nacht trotzdem ab", sagte sie.

„Kleine Schwester."

„Ja?"

„Warum heute Nacht?"

Und Zixuan sah zu ihrem Bruder hinüber, der am anderen Ende saß und nichts sagte.

„Weil ich es sonst morgen früh besser wissen will", sagte sie.

Sie fragte ihn um 20:40 über den halben Tisch hinweg, und sie fragte nicht leise, weil sie Fragen nicht leise stellte.

„Bruder."

„Zixuan?"

„Unter welchem Zeichen liegt heute?", sagte sie.

„Unter Familie."

„Und?"

„Und heute kommt ins Archiv."

Zixuan sah ihn etwa vier Sekunden an.

„Bruder, am siebten Juli hast du das Gegenteil gesagt", sagte sie.

„Ja."

„Und was ist der Unterschied?"

Und Gu Tian antwortete darauf sofort.

„Am siebten Juli war es eine Nachricht", sagte er.

„Und heute?"

„Und heute ist es ein Name."

Zixuan nickte einmal.

„Bruder, das ist der Unterschied zwischen einer Meldung und einem Eintrag", sagte sie.

Die Meldung aus Fujian kam um 20:45, und der junge Mann aus dem Lagezentrum brachte sie nicht, weil er am Tisch saß.

Und deshalb brachte sie einer der beiden anderen, und er kam bis an die Tischkante und blieb dort stehen, und Gu Tian nahm das Papier und las es einmal.

Und Tang Shu sah, dass er es nur einmal las.

Auf dem Papier standen drei Zeilen.

Zwei-Komma-Vier seit dem einundzwanzigsten August unverändert.

Das Echo vom zwanzigsten ist seither dreimal aufgetreten, jedes Mal am Ende des Eigenrhythmus.

Fräulein Luo bleibt bis zum achtundzwanzigsten. Herr Lu meldet weiter um 08:00 und um 20:00.

Er faltete es einmal und legte es neben seine Schale, mit der beschriebenen Seite nach unten.

Und dann aß er weiter, und das dauerte etwa zwei Minuten, und in diesen zwei Minuten sah Chen Ruolan ihn an und sagte nichts.

Und dann sah sie zu Tang Shu, und Tang Shu schüttelte den Kopf, und Chen Ruolan aß ebenfalls weiter.

„Tian."

„Shu?"

„Du hast es einmal gelesen."

Und Gu Tian sah auf das gefaltete Papier.

„Es stand nichts Neues darauf", sagte er.

„Und am einunddreißigsten Juli?"

„Da stand etwas Neues darauf."

Tang Shu nahm den Becher wieder auf.

„Tian, ich wollte nur wissen, ob du es merkst", sagte sie.

Han Meiyu sagte an diesem Abend genau zwei Sätze.

Und sie sagte sie um 21:00, und sie sagte sie zu Tang Shu und nicht zu Gu Tian und nicht zu Meifeng.

„Frau Tang, am einundzwanzigsten September."

„Frau Han?"

„Und der Name ändert an dem Termin nichts", sagte sie.

Xingchen kam um 21:10 vom Süddach herunter.

Und sie kam in kleiner Form und nicht geflogen, sondern über die Mauer und die Bank, und sie legte sich neben die beiden Schalen auf das Holz und sah sie sich an.

Und die drei Archivhelfer hörten wieder auf zu reden.

„Tang Shu."

„Xingchen?"

„Sag ihn noch einmal", sagte sie.

Und Tang Shu sagte ihn noch einmal.

Und der Drache hörte zu, und dann sagte sie ihn selbst, und sie sagte ihn so, wie sie Menschen ansprach, nämlich vollständig.

„Gu Yinghua."

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Xingchen."

„Ja?"

„Das war das erste Mal, dass jemand beide Teile gesagt hat."

Und der Drache legte den Kopf auf die Vorderklauen.

„Ich weiß", sagte sie.

„Und?"

„Und ich habe noch nie einen Namen gesagt, bevor der Mensch da war."

Tang Shu legte zwei Finger auf die Schuppen zwischen ihren Augen.

„Und warum heute?", sagte sie.

Und Xingchen antwortete darauf nicht sofort.

„Weil ich seit dem vierundzwanzigsten Juni etwas rieche, das keinen Namen hat", sagte sie.

„Und jetzt hat es einen."

„Ja."

„Und ist das besser?"

Und der Drache schloss die Augen.

„Tang Shu, es ist ordentlicher", sagte sie.

Das System meldete sich um 21:30, und es meldete sich von selbst, und das kam seit dem einunddreißigsten Juli zum zweiten Mal vor.

[Ich melde eine Möglichkeit.]

„System."

[Ich könnte prüfen, ob dieser Name in einer bekannten Dao-Geschichte vorkommt], sagte es.

„Nein."

[Verstanden.]

„Und?"

Es blieb etwa vier Sekunden still.

[Und ich habe nicht geprüft, bevor ich gefragt habe], sagte das System.

„System."

[Ja?]

„Danke."

[Gu Tian.]

„Ja?"

[Du hast heute Abend keine einzige Zahl genannt, und das ist seit dem dreizehnten Juni nicht vorgekommen], sagte es.

Um 21:50 stand er auf und ging in den Westflügel.

Und er ging allein, und er blieb elf Minuten weg, und als er zurückkam, hatte er einen Stapel Papier in der Hand.

Und er legte ihn vor Tang Shu auf den Tisch, mit der beschriebenen Seite nach unten.

„Shu."

„Tian."

„Elf."

Und Tang Shu sah den Stapel an und drehte ihn nicht um.

„Elf was?", sagte sie.

„Elf Namen."

„Seit wann?"

„Seit dem sechsten Juli", sagte er.

Es blieb einen Moment still am Tisch.

„Und am einunddreißigsten Juli habe ich gesagt, dass wir nichts aufschreiben."

„Ja."

„Und?"

Und Gu Tian legte die Hand flach auf den Stapel.

„Und ich hatte sie da schon", sagte er.

Tang Shu sah ihn eine Weile an.

Und sie war ungefähr zwei Sekunden ärgerlich, und danach war sie es nicht mehr, und der Grund dafür lag auf dem Tisch: elf Blätter, mit der Schrift nach unten, und keins davon hatte er an diesem Abend genannt.

„Tian, dreh sie nicht um", sagte sie.

„Warum nicht?"

„Weil einer davon vielleicht besser ist."

„Ist er nicht."

Und Tang Shu schob den Stapel von sich weg.

„Das weißt du nicht", sagte sie.

„Doch."

„Und woher?"

Und Gu Tian nahm den Stapel wieder auf.

„Weil ich bei keinem von den elf gefragt hätte, ob du ihn liebst", sagte er.

Han Da verbrannte sie um 22:10 im Küchenofen.

Und er fragte nicht, was darauf stand, und er sah auch nicht hin, und er legte sie einzeln hinein, weil elf Blätter auf einmal den Zug zumachen.

Und Fang Xiuying sah dabei zu und schnitt weiter, was sie schnitt.

„Herr Han, Sie haben nicht gelesen."

„Nein."

„Und?"

Und Han Da schloss die Ofenklappe.

„Und ich trage in diesem Haus seit dem November 2133 Sachen von einem Ort zum anderen, ohne sie aufzumachen", sagte er.

Um 22:30 standen zwei Frauen und ein Mann in der Tür zum Westflügel, und der Mann sagte nichts.

Und es war eng, und Tang Shu hatte diesmal kein Kind auf dem Arm, weil Xuan Ling es schon hineingetragen hatte.

Und Meifeng hatte kalte Hände, und Tang Shu nahm eine davon und sagte nichts dazu.

„Frau Song."

„Frau Tang?"

„Sie haben heute Nachmittag hingesehen."

Und Meifeng zog die Hand nicht weg.

„Ja", sagte sie.

„Bei wem?"

„Bei Herrn Liang aus dem dritten Hof."

„Und?"

Und Meifeng sah in den Hof, in dem noch Licht brannte.

„Und er ist siebenundsiebzig und wird es bleiben", sagte sie.

„Frau Song, das war nicht meine Frage."

„Ich weiß."

Und Meifeng lachte leise, weil dieser Satz in diesem Haus einer Frau gehörte und weil eine andere ihn zum zweiten Mal benutzt hatte.

„Frau Tang, zwei Stunden", sagte sie.

Sie gingen danach zu zweit den Gang hinunter.

Und Gu Tian legte im Gehen eine Hand in Tang Shus Nacken, und sie ließ den Kopf dagegen fallen, und so gingen sie ungefähr zwanzig Schritte, ohne etwas zu sagen.

„Tian."

„Shu?"

„Sag ihn einmal."

Und Gu Tian blieb stehen.

„Yinghua", sagte er.

„Und?"

„Und du bist beim zweiten Teil leiser geworden."

„Ich weiß."

Und Tang Shu lachte in seinen Ärmel hinein.

„Tian, das ist keine Eigenschaft des Namens", sagte sie.

Zixuan ging um 23:00 ins Archiv.

Und sie ging allein, und sie nahm den Familienbogen aus dem zweiten Schrank, und der hatte neun Felder, und sie füllte sieben davon aus.

Und dann saß sie eine Weile vor den beiden anderen.

Bei dem einen brauchte sie kein Datum, und sie brauchte auch keinen Grund.

Sie zog eine gerade Linie durch das Feld, in dem Wurzel stand, und darüber schrieb sie nichts, und darunter auch nichts.

Und sie sah es sich an und fand, dass es richtig aussah.

Und bei dem anderen saß sie länger.

Denn das Feld Geburtsdatum war leer, und ein leeres Feld sah in einem Archiv aus wie ein Fehler, und sie hatte in achtzehn Monaten Archiv noch nie eins gelassen.

Und sie hob den Pinsel zweimal und setzte ihn zweimal wieder ab.

Sie schrieb um 23:20 einen Satz auf ein zweites Blatt.

Feld sieben ist nicht vergessen worden.

Und sie sah ihn sich ungefähr eine Minute lang an.

Und dann legte sie das zweite Blatt beiseite und legte es nicht dazu.

Denn ein Satz, der erklärte, warum etwas fehlte, war ein Satz über sie und nicht über das Kind.

Und es war seit dem siebten Juli die zweite Sache, bei der sie sicher war, dass sie sie nie ablegen würde.

Am sechsundzwanzigsten August um 05:50 war der Hof leer.

Und Xingchen lag auf dem Süddach, und im Archivflügel brannte kein Licht mehr, und auf dem langen Tisch, den ein Zimmermann im November 2133 gebaut und zweimal aufgesägt hatte, standen nebeneinander zwei Schalen.

Und Fang Xiuying wischte am Morgen um beide herum.

Im Archiv lag unter dem Zeichen Familie seit dem achten Juli ein Blatt, auf dem ein Satz stand und ein Datum und kein Name.

Seit dem fünfundzwanzigsten August lag daneben ein Bogen mit neun Feldern.

In einem davon stand ein Name.

Eins war leer, und eins war durchgestrichen, und beides war Absicht.

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