Aufstieg des Ewigen Dao-Clans · Band 1 · Arc 01
Kapitel 003Der Erbe aus dem Abgrund

Die Erinnerungen des Verratenen

2.775 Wörter · Band 1 — Nightfall über Shanghai

Tut es.

Zwei Worte. Zwei Silben, in einem Raum mit warmem Licht.

Gu Tian saß mit dem Rücken an der Wand von Zelle sieben, und in seinem Kopf brach ein Leben auf, das nicht seines war.

Es begann nicht chronologisch. Erinnerungen ordnen sich nie chronologisch; sie ordnen sich nach Gewicht.

Das Schwerste zuerst.

Der Nordhof, dreizehn Jahre alt. Ein Bote in einer Uniform mit dem Zeichen eines fremden Hauses. Kein Brief, nur ein gesprochener Satz, den der Bote auswendig gelernt hatte, weil man solche Sätze nicht aufschreibt. Danach der Vater, der eine Nacht lang nicht aus dem Übungssaal kam und am nächsten Morgen ohne jede Veränderung im Gesicht sagte: Deine Mutter kommt nicht zurück. Wir stellen morgen die Tafel auf.

Der Junge — der andere Gu Tian, der Junge, dem dieser Körper gehört hatte — hatte nicht geweint. Er hatte gefragt, wo sie gestorben sei.

Der Vater hatte gesagt: Weit weg.

Und dann, kaum hörbar, in einem Ton, der einem Dreizehnjährigen nichts sagte und einem einundvierzigjährigen Systemtechniker aus einem anderen Leben sofort auffiel wie ein Zahlendreher in einer Bilanz:

Das ist besser so.

Gu Tian hielt inne, mitten im Strom, und legte diesen Satz beiseite wie einen Datensatz, den man später prüft.

Der Vater. Gu Jianfeng. Breite Schultern, ein Lachen, das in Innenhöfen hallte, und Hände, die beim Erklären von Schwertformen immer zu langsam wurden, als hätte er Angst, dass der Sohn es zu schnell verstünde. Kein großer Cultivator. Ein guter. Ein Mann, der in einem Haus mit dreihundert Menschen die einzige Person war, die man an einem schlechten Tag suchen wollte.

Fünf Jahre tot. Ein B-Tor bei Zhoushan, das kollabierte, während er drin war. Achtzehn Leute kamen raus. Er nicht.

Danach war das Haus Gu Qingpu ein anderer Ort geworden.

Der Onkel. Nicht Onkel im Blut, aber so genannt: Gu Zhenlong, Oberhaupt der Hauptlinie, ein trockener alter Mann mit sehr geraden Schultern und der Fähigkeit, Menschen anzusehen, ohne sie zu sehen. Er hatte den siebzehnjährigen Gu Tian nach der Beerdigung in die Halle geholt, ihm die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt: Du bist jetzt der Erbe der Zweiglinie. Enttäusche deinen Vater nicht.

Es hatte in diesem Moment wie Fürsorge geklungen.

Es war eine Preisangabe gewesen.

Und dann die Wurzel.

Hier wurde es kompliziert, weil hier der fremde Kopf Begriffe hatte, die Gu Tian nicht besaß, und weil er sie trotzdem verstand, so wie er die chinesischen Zeichen auf der Statusplatte verstanden hatte.

Wurzel. Jeder Mensch, der überhaupt kultivieren konnte, hatte eine. Sie wurde gemessen, sie wurde eingestuft, Rang neun bis Rang drei, und alles darüber existierte in Geschichten. Sie bestimmte, wie schnell man wuchs, welche Energien einem gehorchten, wie weit man kam, bevor man an eine Wand lief.

Und im Zentrum der Wurzel, bei sehr wenigen Menschen, bildete sich etwas, das die alten Bücher Dao-Ursprungsknochen nannten.

Der Junge hatte einen gehabt.

Mit sechzehn. Nicht mit dreißig, nicht mit vierzig — mit sechzehn, in einem Haus, das seit vier Generationen keinen mehr gesehen hatte.

Gu Tian sah die Szene, als sei er dabei gewesen: Die Messkugel im Ahnensaal, die zuerst grün geworden war, wie bei jedem, und dann weiß, und dann etwas, wofür es keine Farbe in der Tabelle gab. Das Gesicht des Ältesten, der das Gerät bediente. Das Schweigen danach. Der Vater, der drei Sekunden zu lange gebraucht hatte, um sich zu freuen.

Er hat es sofort gewusst, dachte Gu Tian. In derselben Sekunde. Er hat gewusst, was das für seinen Sohn bedeutet, in genau diesem Haus.

Und Gu Jianfeng war fünf Jahre später gestorben, und danach hatte niemand mehr zwischen dem Jungen und dem Haus gestanden.

Lin Fan.

Das Gesicht kam mit einer Vertrautheit, die Gu Tian körperlich unangenehm war.

Lin Fan war nicht als Feind in dieses Leben getreten. Das war das Widerliche daran. Er war mit sechzehn gekommen, als Zweitsohn einer verbündeten Familie, zur Ausbildung, wie es üblich war — höflich, fleißig, immer eine Spur zu höflich, mit einem Lächeln, das nie ganz bis zu den Augen kam und das der Junge damals für Schüchternheit gehalten hatte.

Sie hatten sieben Jahre lang zusammen trainiert.

Gu Tian sah die Bilder, und was ihn traf, war nicht der Hass. Es war die Menge.

Lin Fan, der ihm im ersten Winter half, das Holz für den Nordhof zu schleppen, weil Gu Tian sich den Knöchel verstaucht hatte.

Lin Fan, der bei einem Trainingskampf einen Treffer einsteckte, ohne sich zu beschweren, und danach mit blutender Lippe fragte, wie Gu Tian das gemacht habe, und drei Stunden lang zuhörte.

Lin Fan, der nach der Beerdigung von Gu Jianfeng als Einziger nicht redete, sondern sich einfach danebensetzte, eine ganze Nacht lang.

Und dann, langsam, über Jahre, kaum sichtbar:

Lin Fan, der bei der zweiten Prüfung Zweiter wurde, und beim Fest darüber lachte, und dessen Lächeln beim Lachen einen Zug bekam.

Lin Fan, der immer öfter bei Gu Zhenlong in der Halle saß, wenn Gu Tian im Trainingshof war.

Lin Fan, der Gu Lian den Weg über den Innenhof abpasste. Zweimal. Dreimal. Und dann nicht mehr abpassen musste, weil sie ihn suchte.

Lin Fan, der eines Abends im letzten Jahr — nüchtern, ruhig, mit demselben höflichen Gesicht — gesagt hatte: Weißt du, was das Unfaire an dir ist? Du hast nie irgendetwas gewollt. Es kommt einfach zu dir.

Der Junge hatte gelacht und ihm auf die Schulter geschlagen.

Gu Tian, in Zelle sieben, tat es nicht.

Das ist kein Verrat aus dem Nichts, dachte er. Das ist eine sieben Jahre lange Kalkulation, und in Jahr fünf hat er selbst noch nicht gewusst, dass er sie führt.

Gu Zhenlong.

Der Alte war der Einfachste von allen, und deswegen der Kälteste.

Gu Tian brauchte für ihn keine Erinnerungsbilder. Er brauchte nur eine einzige Rechnung, und die Rechnung stand in dem Kopf des Jungen bereits fertig da, weil der Junge sie in seinen letzten Wochen selbst begriffen und für Paranoia gehalten hatte:

Das Haus Gu Qingpu war ein mittleres Haus in einem Bezirk, in dem es vier größere gab. Es hatte drei A-Rang-Kultivatoren gehabt und besaß jetzt einen. Es hatte Portalgebiete verloren, es hatte Verträge verloren, und Gu Zhenlong war neunundachtzig Jahre alt und stand vor einer Wand, die er nicht mehr durchbrechen würde.

Ein Dao-Ursprungsknochen in einem dreiundzwanzigjährigen Erben der Zweiglinie war ein Vermögen, das erst in dreißig Jahren auszahlte.

Ein Dao-Ursprungsknochen in Lin Fan, dem Zweitsohn der Lin, war ein Bündnis, das nächsten Monat auszahlte.

Das ist alles, dachte Gu Tian, und die Ruhe, mit der er es dachte, hätte ihn selbst erschreckt, wenn er noch Kapazität für Selbstbeobachtung gehabt hätte. Kein Hass. Keine Feindschaft. Er hat einen Menschen gegen ein Bündnis eingetauscht, weil das Bündnis früher liefert.

Er hatte in seinem ersten Leben Menschen kennengelernt, die genau so rechneten. Ravel Kest hatte so gerechnet. Der Kostenträger, der acht bis zwölf Minuten brauchte, hatte so gerechnet.

Ich bin zweimal an derselben Sorte Mensch gestorben, dachte Gu Tian. Nur mit anderem Werkzeug.

Gu Lian.

Und hier hörte die Ordnung auf.

Sie kam nicht als Analyse. Sie kam als Körper.

Ein Kind mit geflochtenem Zopf auf einer Mauer, das die Beine baumeln ließ, weil es zu klein war, um herunterzuspringen, und das Ge rief, bis er kam.

Ein Mädchen, elf, das nachts an seine Tür klopfte, weil im Nordflügel etwas geknarrt hatte, und sich mit den Füßen unter seine Decke schob und behauptete, es habe keine Angst.

Eine Sechzehnjährige, die mit rotem Gesicht aus dem Ahnensaal kam, nachdem die Messkugel bei ihr grün geblieben war, nur grün, Rang sechs, und die den ganzen Abend nichts sagte. Und der Junge, der ihr sein Nachtessen brachte und sich danebensetzte und log, dass Rang sechs völlig in Ordnung sei, und der es in dem Moment sogar geglaubt hatte.

Eine Zwanzigjährige, die ihm auf dem Trainingshof erzählte, dass Lin Fan sie gefragt habe, ob sie mit ihm zum Laternenfest gehe, und die dabei so aussah, wie er sie noch nie gesehen hatte.

Und der Junge hatte gesagt: Er ist in Ordnung.

Er hatte es gesagt. Freiwillig. Ohne dass ihn jemand darum bat.

Gu Tian saß an der Wand und spürte, wie in ihm etwas hochkam, das nicht seines war und ihn trotzdem vollständig erfasste. Es war die schlimmste Sorte Schmerz, die es gibt: nicht der Schmerz des Betrogenen, sondern der Schmerz dessen, der es selbst mit aufgebaut hat.

Und dann kam der Raum.

Er war nicht bewusstlos gewesen. Das war das Grausame.

Sie hatten ihm nichts gegeben, was ihn schlafen ließ, weil — er hörte den Satz in der schleppenden, sachlichen Stimme des grauen Mannes, der sich die Hände wusch — der Ursprung sich bei tiefer Sedierung zurückzieht. Er muss wach sein. Es geht schneller, wenn er wach ist.

Der graue Mann hatte einen Namen. Wu Lianzhi. Kein Arzt. Nicht einmal ein Alchemist. Etwas, das die Leute im Haus mit gesenkter Stimme Fleischformer nannten, und Gu Tian, der die Erinnerung des Jungen las, sah in dieser Erinnerung eine Detailtreue, die nur echte Angst erzeugt: den Ledergürtel über den Handgelenken, die drei ineinandergelegten Formationsringe auf dem Tisch, die Werkzeuge, die aussahen wie Werkzeuge und nicht wie chirurgisches Gerät, weil sie es nicht waren.

Lin Fan hatte an der Wand gestanden. Dunkelblaue Robe, saubere Hände. Er hatte während der ganzen Sache genau einmal gesprochen.

Er hatte gesagt: Es tut mir leid.

Und er hatte dabei aus dem Fenster gesehen.

Gu Zhenlong war nicht anwesend gewesen. Natürlich nicht. Er hatte am Nachmittag mit dem Jungen gesprochen — im Ahnensaal, unter den Tafeln, mit der Hand auf dessen Schulter, und er hatte gesagt: Du wirst dem Haus einen Dienst erweisen, den man dir nie vergessen wird.

Der Junge hatte gefragt: Überlebe ich das?

Und Gu Zhenlong hatte gesagt: Wu Lianzhi ist der beste seiner Kunst in ganz Jiangnan.

Was keine Antwort war.

Was der Junge in diesem Augenblick begriffen hatte.

Und deswegen — Gu Tian sah es, sah es so klar, dass er die Hände zu Fäusten schloss und der Schnitt in seiner Brust dagegen protestierte — deswegen hatte der Junge am Abend nach seiner Schwester geschickt.

Nicht nach Lin Fan. Nicht nach einem Ältesten.

Nach Gu Lian.

Sie werden es tun, hatte er gesagt. Er hatte es leise gesagt, weil im Nordflügel die Wände dünn waren. Lian. Sie werden ihn herausnehmen. Und ich glaube nicht, dass ich danach noch da bin.

Und Gu Lian —

Gu Lian hatte geweint. Das war das Unerträgliche. Sie hatte wirklich geweint, echte, verzweifelte Tränen, sie hatte seine Hände genommen, sie hatte gesagt, dass sie mit Lin Fan reden würde, sie hatte gesagt, dass Lin Fan das nie zulassen würde.

Sie war zu Lin Fan gegangen.

Und Lin Fan hatte mit ihr geredet.

Gu Tian sah das Ergebnis nicht — der Junge hatte es nicht gesehen. Aber er sah, was zurückkam: eine Schwester, die am nächsten Morgen anders sprach. Die sagte, es sei nicht so gefährlich, wie er glaube. Die sagte, Wu Lianzhi habe es schon zweimal gemacht. Die sagte, das Haus würde untergehen, wenn die Lin sich zurückzögen, dreihundert Menschen, Ge, dreihundert, und du bist stark, du warst immer der Stärkste, du kommst auch ohne wieder hoch, Meister Wu sagt, in zehn Jahren —

Und der Junge, mit einem Ledergürtel über den Handgelenken, hatte in ihr Gesicht gesehen und gewusst, dass sie es selbst glaubte.

Das machte es nicht besser.

Jemand hatte, ganz am Ende, gefragt, ob die Familie zustimme. So war das Verfahren; es musste jemand aus dem Blut zustimmen, sonst griff die Ahnenformation ein. Der Vater war tot. Die Mutter war tot. Es gab genau eine Person im Raum, die aus dem Blut der Zweiglinie war.

Und Gu Lian hatte das Gesicht abgewandt und gesagt:

„Tut es.“

Danach hatte der Junge nichts mehr gesagt.

Nicht während der zweiundfünfzig Minuten. Nicht, als es riss. Nicht, als der Fleischformer den Knochen anhob und das Licht im Raum für einen Moment die Farbe verlor, weil etwas aus dem Zimmer genommen wurde, das dort hingehört hatte.

Er hatte seine Schwester angesehen, bis er nicht mehr konnte.

Gu Tian saß an der Wand von Zelle sieben, und sein Gesicht war nass.

Er stellte es mit einer gewissen Verwunderung fest. Er weinte nicht. Er hatte in seinem ersten Leben zweimal geweint, beide Male mit unter zwölf Jahren. Dies hier war nicht sein Schmerz.

Und trotzdem lief es.

Er weint, dachte Gu Tian. Der letzte Rest von ihm. Er hat es nicht geschafft, während es passierte, und jetzt bin ich hier und mache es für ihn.

Er ließ es laufen.

Es dauerte nicht lange. Vier, fünf Minuten. Dann versiegte es, so plötzlich, wie es gekommen war, und was zurückblieb, war eine Stille im Kopf, wie sie nach einem Gewitter über einem Innenhof steht.

Der Junge war weg.

Nicht die Erinnerungen — die waren jetzt vollständig da, sortiert, abrufbar, dreiundzwanzig Jahre eines fremden Lebens so zugänglich wie seine eigenen elf Jahre auf Ebene 44. Aber die Person war fort. Es gab keine zweite Stimme in seinem Kopf, kein Ringen, keinen fremden Willen.

Gu Tian saß eine Weile still und tastete danach, so vorsichtig, wie man nach einem verletzten Tier tastet.

Nichts.

Er hatte in seinem ersten Leben nie an eine Seele geglaubt. Er glaubte jetzt an eine, weil er auf einer war, wie man auf einem Boden steht. Und er stellte fest, dass zwei vollständige Leben in ihm lagen wie zwei Schichten Gestein, deutlich getrennt, ohne einander aufzulösen. Es hätte ihn zerreißen müssen. Es tat es nicht.

Er wusste nicht, warum.

Er wusste nur, dass hier etwas war, das nicht nach den Regeln funktionierte, die er kannte, und dass er nicht die Zeit hatte, jetzt darüber nachzudenken.

Er trank den Rest des Wassers.

Dann ordnete er, zum zweiten Mal an diesem Tag, seine Lage — und diesmal mit allen Daten.

Erstens. Der ursprüngliche Gu Tian war tot. Nicht metaphorisch. Der Junge war irgendwo zwischen dem neunten und dem zwölften März gestorben, in diesem Loch, allein, und das, was jetzt in seinem Körper saß, war ein Mann aus einer Welt, die niemand hier je gehört hatte.

Er versuchte, für einen Moment, sich schuldig zu fühlen.

Es gelang nicht. Er hatte nichts genommen. Er war in ein leeres Haus gekommen, weil man den Bewohner hinausgeworfen hatte.

Zweitens. Er trug jetzt Verantwortung für diesen Körper. Das war keine Sentimentalität, sondern schlicht die Sachlage: Es gab keinen zweiten Kandidaten. Was mit diesen Händen geschah, geschah durch ihn.

Drittens — und hier hielt er inne und prüfte sich sehr genau, weil er wusste, dass an dieser Stelle Menschen dumm werden.

Er würde die Rolle nicht weiterspielen.

Der Junge hatte einem Haus gehört. Er hatte gehorcht, er hatte gedient, er hatte auf einem Trainingshof gestanden, bis seine Hände bluteten, für dreihundert Menschen, die zusahen, wie man ihn auf einen Tisch schnallte. Er hatte bis zuletzt geglaubt, dass Zugehörigkeit etwas ist, das einen schützt.

Gu Tian hatte einundvierzig Jahre lang dasselbe geglaubt, in einem anderen Gebäude, mit einer anderen Uniform, und war auf einem Boden aus Grauharz gestorben, während eine Maschine auf eine Kostenfreigabe wartete.

Zweimal, dachte er. Zweimal derselbe Fehler. Und es war nicht einmal derselbe Mann.

Er sah zum Gitter, hinter dem die vier gelben Steine im Frostmuster der Formation glommen und geduldig etwas fraßen, das die ganze Kammer durchzog.

Und da kam die Wut.

Nicht als Schrei. Nicht als Hitze. Sie kam, wie in seinem ersten Leben um 23:22 die Taubheit in den linken Arm gekommen war: von unten, still, und dann war sie überall.

Sie hatte einen Namen und ein Gesicht und diesmal sogar drei.

Ein alter Mann, der einen Menschen gegen ein Bündnis eingetauscht hatte. Ein junger Mann in einer sauberen Robe, der aus dem Fenster gesehen hatte. Ein Fleischformer, der wusste, dass es schneller geht, wenn das Opfer wach ist.

Und eine Schwester, die zwei Worte gesagt hatte.

Gu Tian lehnte den Kopf zurück gegen den Stein und sagte, zum ersten Mal seit seinem Tod, laut etwas — mit einer Stimme, die rau war und fremd und jung und die ihm ab jetzt gehörte.

„Das hier bekommt eine Antwort.“

Nicht Rache. Nicht Vergeltung. Er misstraute großen Wörtern; große Wörter fressen Menschen von innen auf und übernehmen die Leitung.

Eine Antwort. Sauber. Vollständig. Und dann ein eigenes Leben.

Er hob die Hand, sah die fremden jungen Finger an, die seine waren, und begann, sich auszurechnen, wie ein Mann mit offener Brust und zerstörten Meridianen aus einem Steinloch kommt, dessen Gitter von einer Schaltung mit vier Knoten gehalten wird.

Er kam nicht weit.

Denn in genau diesem Moment sprach in der Kammer etwas, das nicht er war.

Es kam nicht von der Tür. Es kam nicht von oben aus dem Schacht. Es kam von innen, aus einer Richtung, die es in einem Kopf nicht gibt, und es war ruhig, weiblich und vollkommen ohne Ehrfurcht vor der Situation:

[Geeigneter Träger bestätigt.]

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